Notenvergabe. Probleme bei der Beurteilung und Bewertung von Schülerleistungen


Seminararbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung und Problemstellung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Der pädagogische Leistungsbegriff
2.2 Funktionen der Leistungsbeurteilung innerhalb der Institution Schule
2.3 Allgemeine Gütekriterien der Leistungsbeurteilung

3. Die aktuelle Praxis – Das Notensystem
3.1 Erfüllung der Funktionen
3.2 Erfüllung der Gütekriterien

4. Eigene Vorschläge zur Verbesserung der Leistungsbeurteilung
4.1 Feedbackbogen
4.2 Besonderheiten der Bewertung bei Verwendung anderer Prüfungsarten
4.3 Darstellung des Zeugnisses

5. Zusammenfassung und Diskussion

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung und Problemstellung

Alle Schüler in Deutschland erhalten zweimal im Jahr ein Zeugnis. Dies ist eine offizielle Urkunde, die Auskunft über den Leistungsstand des Schülers in den einzelnen Fächern sowie über sein Sozialverhalten gibt (Urabe 2007, 10). Die gängige Beurteilungspraxis ist dabei die Notenskala von eins bis sechs, die es seit ungefähr 50 Jahren gibt und welche die Leistungen eines Schülers von „sehr gut“ bis „ungenügend“ einstuft (o.V. 2011, 1). In den zahlreichen literarischen Werken, die es zum Thema Beurteilung und Bewertung von Schülerleistungen gibt, wird diese Vorgehensweise jedoch als sehr kritisch dargestellt. Bereits 1977 erklärte Karl-Heinz Ingenkamp in seinem erfolgreichen Sammelband „Die Fragwürdigkeit der Zensurgebung“, dass „… Zensuren keine Vergleichsfunktion bei schulexternen Adressaten erfüllen können und dass damit unser gesamtes schulisches Berechtigungswesen auf einer Fiktion beruht (Ingenkamp 1977,192).“ Löste er damals noch heftige Kritik und Diskussion aus, so sind die Unzulänglichkeiten des Notensystems heute weitgehend bekannt und werden immer wieder heftig diskutiert. Dies reicht vom Vorschlag neuer Beurteilungspraktiken bis hin zur Forderung, das Notensystem gänzlich abzuschaffen (vlg. Oelkers 2001,1). Auch aktuelle besitzt dieses Problem noch große Relevanz da in Deutschland das Schulzeugnis die Berechtigung für weiterführende Bildungseinrichtungen darstellt und auch für den Einstieg ins Berufsleben essentiell ist. Da ein Zeugnis einen Menschen ein Leben lang begleitet, ist es von besonderer Bedeutung, dass die verwendeten Beurteilungsinstrumente auch den wirklichen Leistungsstand desjenigen darstellen und nicht für immer zu einer Hürde in dessen Lebenslauf werden.

In dieser Arbeit wird deshalb das Notensystem auf bestimmte Funktionen und Gütekriterien hin untersucht (Kapitel 4) und es werden konkrete Verbesserungsvorschläge zur Beurteilung von Schülerleistungen ausgearbeitet (Kapitel 5). Dafür wird in Kapitel 1 zunächst der Begriff der „Leistung“, der der Arbeit zu Grunde gelegt werden soll, definiert. In Kapitel 2 und 3 wird der weitere theoretische Hintergrund, der für die Bewertung und Ausarbeitung eines Verbesserungsvorschlages notwendig ist, dargestellt: die Funktionen und Gütekriterien der Leistungsbeurteilung. Obwohl die Leistungsbeurteilung grundsätzlich sowohl pädagogische, als auch gesellschaftliche Funktionen erfüllen muss, soll der Fokus in dieser Arbeit auf die pädagogischen gelegt werden, da vor allem diese in der Institution Schule von Bedeutung sind und der Umfang der Arbeit begrenzt ist. Im Schlusskapitel (Kapitel 5) werden die wesentlichen Inhalte zusammengefasst und die Verbesserungsvorschläge diskutiert.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Der pädagogische Leistungsbegriff

Der Begriff „Leistung“ kann in vielerlei Hinsicht verwendet werden. In einem physikalisch-technischen Verständnis beschreibt er das Verhältnis von geleisteter Arbeit zu dafür benötigter Zeit. In der freien Wirtschaft wird er meist herangezogen, um die Leistungsfähigkeit von Maschinen, Menschen und Unternehmen zu bewerten, um damit Gewinnpotentiale zu berechnen. In einem eher psychologischen Verständnis beschreibt er die Leistung von Menschen unter der Berücksichtigung von Aspekten der Motivation und des sozialen Umfelds (vgl. Ziegenspeck, Lehmann 1999, 29-30). Bereits seit den 60iger Jahren wurde von verschiedenen Autoren immer wieder darauf hingewiesen, dass das Leistungsverständnis dieser Arbeitswelt nicht für die Schule übernommen werden kann und ein eigenständiger, pädagogischer Leistungsbegriff definiert werden muss. Als erster hat Carl-Ludwig Furck in seiner 1961 veröffentlichten Arbeit „Das pädagogische Problem der Leistung in der Schule“ gezeigt, dass der Leistungsbegriff in der Schule eine vierfache Bedeutung hat: „Leistung als schulische Forderung an den Schüler, Leistung als Tätigkeit des Schülers, Leistung als Ergebnis der Tätigkeit des einzelnen innerhalb der verschiedenen Leistungsbereiche und Leistung als besonderer Beitrag für Gesellschaft, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft (Furck 1964, 118)“. Bereits hier wird deutlich, dass bei der schulischen Bewertung von Leistungen nicht nur das Ergebnis sondern auch der Prozess der Leistungserbringung betrachtet werden muss. Im Laufe der Jahre haben viele Autoren wie z.B. Wolfgang Klafki diesen Begriff noch erweitert (Klafki 1985, 171-183). Für diese Arbeit wird die Definition von Eiko Jürgens verwendet, der dem pädagogischen Leistungsbegriff folgende Dimensionen zuschreibt:

- Leistung ist produkt- und prozessorientiert: Zur Bewertung der Leistung eines Schülers darf nicht allein das Endergebnis herangezogen werden. Lernprozess und –bedingungen müssen in gleichem Maße in die Beurteilung einfließen
- Leistung hat ermutigendes und anstrengendes Lernen zur Voraussetzung: Den Schülern sollen durchaus anspruchsvolle Aufgaben gestellt werden. Dabei müssen sie aber Hilfestellungen und Bestärkung vom Lehrer bekommen, um Lernerfolg und –freude zu generieren.
- Leistung verlangt motiviertes und vielfältiges Lernen: Es sollen vielfältige Lernsituationen wie z.B. Projektarbeiten, offener Unterricht geschaffen werden, die kognitives und praktisches Lernen verknüpfen und die Schüler motivieren.
- Leistung entsteht beim individuellen und sozialen Lernen: Leistungen sollten nicht nur einzeln erbracht, sondern auch in gemeinsamen Lernprozessen wie Gruppenarbeiten geschaffen werden (vgl. Jürgens 1999 zit. n. Vollstädt 2005, 12-13).

2.2 Funktionen der Leistungsbeurteilung innerhalb der Institution Schule

Innerhalb der umfangreichen Literatur zum Thema Leistungsbeurteilung finden sich viele verschiedene Funktionen derselben. Oftmals werden dabei unterschiedliche Bezeichnungen verwendet, die jedoch im Grunde denselben Sachverhalt beschreiben, weshalb im Folgenden nicht weiter darauf eingegangen werden soll. Eine Systematisierung dieser zahlreichen Funktionen gestaltet sich als relativ schwierig. Dieser Arbeit wird die von Vollstädt/Tillmann zu Grunde gelegt, die die Funktionen der Leistungsbeurteilung in pädagogische und gesellschaftliche Funktionen unterteilt. Bei den pädagogischen Funktionen handelt es sich um solche, die zur Optimierung des individuellen Lernprozesses innerhalb der Schule dienen. Dazu gehören die Orientierungs- und Rückmeldefunktion, die Motivations- und Disziplinierungsfunktion sowie die Sozialisierungsfunktion. Zu den gesellschaftlichen Funktionen zählen die Rechtliche Funktion und die Selektions- und Allokationsfunktion. Es handelt sich dabei um solche Funktionen, die von der Schule bzw. der Leistungsbewertung für die Gesellschaft ausgeübt werden (vgl. Vollstädt u.a. 1999,13). .

Rückmelde- und Orientierungsfunktion

Mit Hilfe der Leistungsbeurteilung erhält der Schüler eine Rückmeldung über seine Leistung. Er erfährt, wie der Lehrer seinen Leistungsstand beurteilt und erhält Auskunft über seine Stärken und Schwächen. Dieses Feedback soll dem Schüler helfen seinen eigenen Leistungstand einzuschätzen, sich innerhalb der Klasse zu orientieren und gegebenenfalls Schritte zur Verbesserung der Leistung einzuleiten. Außerdem kann der Lehrer durch die Leistungsbeurteilung seiner Schüler erkennen, wie erfolgreich seine Unterrichtsmethoden sind, was für die weitere Planung sehr wichtig ist (vgl. Knollmüller 2005, 81).

Motivations- und Disziplinierungsfunktion

Innerhalb der Motivationstheorie wird zwischen extrinsisch und intrinsisch motiviertem Verhalten unterschieden. Intrinsisch motiviertes Verhalten liegt dann vor, wenn ein Individuum etwas aus freien Stücken tut, weil die Handlung an sich befriedigend wirkt. Dies ist z.B. der Fall wenn eine Tat von einer Person als interessant oder spannend erlebt wird. Wird eine Handlung nicht ihrer selbst wegen ausgeführt, sondern lediglich zur Erreichung eines äußeren Faktors bzw. zur Vermeidung einer negativen Konsequenz, spricht man von extrinsisch motiviertem Verhalten (vgl. Wagner u.a. 2009, 51). Die Leistungsbeurteilung hat somit eine extrinsische Motivationsfunktion: Gute Beurteilungen können für einen Schüler ein Anreiz sein, sich mehr anzustrengen, während schlechte Beurteilungen vom Schüler als negativ empfunden und somit vermieden werden. Des Weiteren kann die Leistungsbeurteilung vom Lehrer auch zur Disziplinierung der Schüler bei schlechtem Verhalten angewandt werden (vgl. Jachmann, 2003, 32).

Sozialisierungsfunktion

Die Schule hat die Aufgabe den Schülern die allgemeingültigen Werte und Normen unserer Gesellschaft zu vermitteln und sie zu mündigen und eigenverantwortlichen Bürgern zu erziehen (vgl. Schweer 2008, 17). Da unsere heutige Gesellschaft sehr stark vom Thema „Leistung“ geprägt ist, wird sie oft als Leistungsgesellschaft bezeichnet. Die Leistungsbeurteilung in der Schule hat deshalb die Funktion die Schüler auf diese Vorzubereiten und an die Leistungsmessung und -bewertung in ihrem zukünftigen Leben zu gewöhnen (vgl. Benischek 2006, 108).

Selektions- und Allokationsfunktion

Die Leistungsbewertung in der Schule führt zu einer unmittelbaren Selektion von Schülern. Aus einer Gesamtpopulation von Schülern wird mit Hilfe der Leistungsbewertung und der Vergabe von Zeugnissen eine Teilmenge ausgewählt, der der Übergang in eine weiterführende Bildungseinrichtung oder Berufslaufbahn grundsätzlich gewährt wird. Schülern, die die entsprechende Leistung bzw. Qualifikation nicht erreichen, bleiben bestimmte Bildungsgänge oder Berufe verwehrt. Somit führt die Leistungsbewertung in der Schule dazu, dass Schüler nach ihrer Leistung geordnet (Selektionsfunktion) und dadurch auf verschiedene Berufe und gesellschaftliche Positionen verteilt werden (Allokationsfunktion).

Rechtliche Funktion

Im juristischen Sprachgebrauch bezeichnet man die Leistungsbewertung von Schülern in Form von Zeugnissen als Verwaltungsakt, der im Zweifelsfall mit Rechtsmitteln angefochten werden kann. Das Abschlusszeugnis und die damit verbundenen Berechtigungen bestimmen den weiteren Lebensverlauf eines Schülers, da dieser ohne einen entsprechenden Abschluss bestimmte Bildungsgänge oder Berufe nicht absolvieren kann. Die Durchschnittsnote beim Abitur z.B. kann bei einem vorhandenen Numerus Clausus die Möglichkeiten der Studienwahl ungemein einschränken. Der Leistungsbewertung durch die Lehrer kommt somit eine besondere Bedeutung zu, da sie als Legimitation für solch staatliche Eingriffe herangezogen werden kann. Sie besitzt ebenso den Charakter von Verwaltungsakten und hat eine verbindliche Rechtswirkung (vgl. Jachmann 2003, 28- 30).

Wie soeben dargestellt wurde, sind die Funktionen der Leistungsbeurteilung zahlreich. Dass innerhalb der Institution Schule Leistungen beurteilt werden, ist also durchaus notwendig und sinnvoll.

2.3 Allgemeine Gütekriterien der Leistungsbeurteilung

Neben den zahlreichen Funktionen, muss die Leistungsbewertung auch gängige Gütekriterien erfüllen. Sie hat die Aufgabe, den tatsächlichen Leistungsstand eines Schülers zu messen und darzustellen. Ein Messwert ist aber nur dann aussagekräftig, wenn er die Kriterien Objektivität, Reliabilität (Zuverlässigkeit) und Validität (Gültigkeit) erfüllt.

Objektivität: Wird ein Sachverhalt von verschiedenen Personen bewertet, müssen diese alle zum exakt gleichen Ergebnis kommen. Dieses muss also unabhängig von den bewertenden Personen sein. Für die Leistungsbeurteilung bedeutet dies also, dass die gleiche schulische Leistung eines Schülers von unterschiedlichen Lehrkräften gleich bewertet werden muss.

Reliabilität: Hier geht es um die Zuverlässigkeit des Messinstrumentes. Wiederholt man eine Messung mit dem gleichen Messinstrument, muss dies zum gleichen Ergebnis führen. Ein Instrument der Leistungsbewertung muss also die gleiche schulische Leistung bei wiederholter Durchführung auch gleich bewerten.

Validität: Hier ist von Bedeutung, dass das Messinstrument auch den Sachverhalt misst, der gemessen werden soll. Bei der Leistungsbewertung ist also darauf zu achten, dass das verwendete Instrument auch die Qualifikation misst, die der Lehrer messen will und nicht etwa eine andere, die nicht von Bedeutung ist.

Innerhalb der schulischen Leistungsbewertung ist die Validität von größter Bedeutung. Da es von besonderem Interesse ist, die Erreichung bestimmter Lernziele zu messen, sind Instrumente, die zwar sehr zuverlässig und objektiv messen, dabei aber nicht valide sind, wenig geeignet (vgl. Rosemann, Bielski 2001,178-179).

3. Die aktuelle Praxis – Das Notensystem

Das gegenwärtig immer noch am häufigsten verwendete Instrument der Leistungsbeurteilung ist das numerische System, also die Beurteilung durch Notenziffern von 1-6 oder Punkte von 0-15, was im Wesentlichen als gleichwertig angesehen wird (vgl. Grünig 1999, 43).

3.1 Erfüllung der Funktionen

Motivations- und Disziplinierungsfunktion

Grundsätzlich besitzen Notenziffern eine Motivationsfunktion: Gute Noten bestärken Schüler und können als Anreiz dafür dienen, sich mehr anzustrengen. Schlechte Noten hingegen sind ein Zeichen für den Schüler, sich stärker einzubringen und seinen Lernaufwand zu steigern. Letzeres kann bei gelegentlichem Auftreten durchaus funktionieren, bei wiederholter schlechter Zensierung kann dies jedoch die Lernmotivation von leistungsschwächeren Schülern extrem senken. Die Benotungspraxis kann so schnell zu Aggression, Frustration und Lernverweigerung führen und somit leistungsschwache Schüler in eine Randposition drängen. Dies hat sicherlich jeder Schüler in seiner Schullaufbahn bereits am eigenen Leib oder bei Mitschülern erlebt.

Des Weiteren kann die extrinsische Motivation durch Noten die intrinsische Motivation der Schüler, die, wie bereits erwähnt, wesentlich bessere Lernerfolge erzielt, verdrängen (vgl. Jürgens, Sacher 2001, 23-24).

Die Disziplinierungsfunktion wird von den Ziffernoten durchaus erfüllt. Allerdings besteht hier die Gefahr, dass sie vom Lehrer als Machtmittel missbraucht werden und als Vergeltung für Störungen oder anderes Fehlverhalten eingesetzt werden (vgl. Jachmann 2003, 33).

Rückmelde- und Orientierungsfunktion

Noten geben dem Schüler eine Rückmeldung über seine abgegebene Leistung. Allerdings in sehr begrenztem Maße. Für den Schüler hat beispielsweise die Note „4“ kaum Aussagekraft. Sie bedeutet lediglich, dass der Lehrer seine Leistung als „ausreichend“ einstuft, diese also, gemäß des Umrechnungsschlüssels des hessischen Schulgesetztes „zwar Mängel aufweist, aber im ganzen den Anforderungen entspricht“. Was dies jedoch konkret bedeutet, wo also die Mängel und damit einhergehende Verbesserungspotentiale liegen, erschließt sich dem Schüler so nicht (vgl. Grünig 1999, 44). Auch die Orientierungsfunktion wird von Noten nur ansatzweise erfüllt, da sie eindimensional ist. Eine „4“ kann lediglich als Warnsignal dienen und dem Schüler signalisieren, dass der Lehrer hier eine höhere Leistung erwartet hat. Nur im Vergleich mit den Noten der anderen Schüler, ist es möglich zu erkennen welche Leistungen vom Lehrer als besser angesehen werden (vgl. Jachmann 2003, 31).

Sozialisierungsfunktion

Diese wird von den Noten erfüllt. Die Schüler lernen durch die Benotung frühzeitig, dass es in unserer Gesellschaft üblich ist, Personen nach ihrer Leistung zu bewerten. Sie werden so auf die ständige Leistungsmessung und -beurteilung in ihrem späteren Leben vorbereitet. Außerdem erkennen sie, dass es notwendig ist, Leistungen zu erbringen, um an entsprechende Güter heranzukommen und im Leben gesellschaftlich voranzukommen (vgl. Benischek 2006, 108). Allerdings kann die Beurteilung durch Notenziffern dadurch trotzdem nicht gerechtfertigt werden, da diese Funktion auch von anderen Instrumenten der Leistungsbeurteilung erfüllt wird. Würde die Leistungsbeurteilung durch Notenziffern eingeschränkt oder abgeschafft, würde dies auch an der Schule nachgelagerten Bildungseinrichtungen geschehen und so kein Problem mehr darstellen. Im Berufsleben ist eine Beurteilung durch Noten ohnehin nicht üblich.

3.2 Erfüllung der Gütekriterien

Objektivität, Reliabilität und Validität

1949 gab der Germanist Robert Ulshöfer einen Abituraufsatz an 42 Lehrer und bat um Benotung. Das Ergebnis war ernüchternd: Das Notenspektrum für ein und denselben Aufsatz reichte von 1 bis 6. Da es um die Beurteilung von Deutschaufsätzen ging, mag dieses Ergebnis noch geringfügig nachvollziehbar sein, da Sprachstil, Wortwahl und Beurteilung der Themenstellung sich weder als falsch noch richtig beurteilen lassen. 1956 jedoch zeigte der österreichische Pädagoge Rudolf Weiss, dass dies auch für die Beurteilung von Mathematikarbeiten zutrifft. Solche Untersuchungen wurden auch in neueren Studien durchgeführt und kamen über alle Fächer hinweg zu dem gleichen Ergebnis (Leppert 2010, 45). Dies zeigt also, dass die Bewertung von Schülerleistungen nicht objektiv, sondern in hohem Maße subjektiv, also abhängig vom jeweiligen Bewertenden ist. Viele Schüler haben dies sicherlich schon selbst erlebt und wie sonst ist es zu erklären, dass manche Schüler nach einem Lehrerwechsel wesentlich bessere Noten im selben Fach erhalten, ohne ihr Lernverhalten geändert zu haben.

Reliabel ist eine Messung dann, wenn sie auch bei wiederholter Messung mit dem gleichem Messinstrument zum selben Ergebnis führt, sie also nicht vom Zufall abhängt. Dies ist bei Prüfungen jedoch problematisch. Stellt der Lehrer beispielsweise nur eine einzige Frage, kann es passieren, dass der Schüler genau diese nicht beantworten kann, obwohl er ansonsten alles gewusst hätte. Umgekehrt ist es auch möglich, dass der Schüler nur die Antwort auf diese eine Frage wusste. Dies trifft auch für die Auswahl mehrerer Fragen aus einem sehr großen Stoffgebiet zu. Die Note, die der Schüler dann erhält, sagt nichts über seinen tatsächlichen Wissensstand aus. Bei einer späteren Überprüfung des Wissenstandes können so vollkommen unterschiedliche Noten zustande kommen. Des Weiteren können bei Prüfungssituationen viele andere Faktoren das Messergebnis und somit die Note verfälschen. Dies können z.B. ungenaue und verwirrende Formulierungen bei der Klassenarbeit sein, ebenso wie die Tagesform oder Nervosität des Schülers oder äußere Faktoren wie schlechte Lichtverhältnisse oder große Lautstärke im Klassenzimmer. Es zeigt sich, dass Noten auch dem Anspruch der Reliabilität nicht standhalten können.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Notenvergabe. Probleme bei der Beurteilung und Bewertung von Schülerleistungen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V276505
ISBN (eBook)
9783656705833
ISBN (Buch)
9783656706403
Dateigröße
1179 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
notenvergabe, probleme, beurteilung, bewertung, schülerleistungen
Arbeit zitieren
Lisa Günthner (Autor), 2011, Notenvergabe. Probleme bei der Beurteilung und Bewertung von Schülerleistungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276505

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