Demographischer Wandel, das bedeutet nicht nur eine Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung, er führt auch zu einer steigenden Zahl Pflegebedürftiger (Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Hrsg.) 2012: 6) von denen viele an Demenz erkrankt sein werden (Weyerer et al. 2001: 9). Dem steht eine deutliche Verringerung Erwerbsfähiger (Hackmann & Moog 2008: 1) gegenüber, was sich besonders in der Pflegebranche bemerkbar macht (Expertenkommission Pflege der BGW 2012: 7). Trotz kontinuierlichen Ausbaus ambulanter Leistungen, nicht zuletzt durch das Pflegeneuausrichtungsgesetz, wird die Zahl Betroffener mit herausfordernden Verhaltensweisen, die im Pflegeheim gepflegt und betreut werden, steigen (Saß 2009: 49). Die Arbeit in der stationären Altenhilfe geht mit besonderen körperlichen und psychischen Belastungen wie Heben und Tragen, dem ständigen Wechsel zwischen Pflegebedürftigen mit und ohne kognitive Einschränkungen, Schicht-, sowie Sonn- und Feiertagsarbeit einher. Demographische und strukturelle Veränderungen führten seit Einführung der Pflegeversicherung zu einer erheblichen Veränderung der Bewohnerstruktur in den Heimen, die heute maßgeblich durch schwerstpflegebedürftige, psychisch Kranke oder Demenzerkrankte geprägt ist (Zimber et al. 2009: 2). Hier gewinnt das Burnout-Syndrom, ein Zustand andauernder Erschöpfung infolge von chronischem Stress, an Bedeutung, das nicht zuletzt durch Faktoren wie Zeitdruck, mangelnde Handlungs- und Entscheidungsspielräume sowie fehlende soziale Unterstützung zu einem wichtigen Thema in der Altenpflege geworden ist (Kuhnert & Nienhaus 2010: 129).
Verstärkt wird der Einfluss der Führungskräfte auf die Gesundheit der Mitarbeiter diskutiert. Studien belegen, Führungskräfte haben Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten, indem mitbestimmen über Arbeitsbedingungen wie Zeitdruck, Entscheidungs- und Handlungsspielraum, soziale Unterstützung. Sie beeinflussen durch ihr Führungsverhalten und ihren Führungsstil die Arbeitszufriedenheit und das Befinden der Beschäftigten (Gunkel et al. 2011: 122).
Doch was wissen die Praktiker vor Ort über Belastungen der Beschäftigten? Gibt es Pflegende, die von Burnout betroffen sind und was wird dann unternommen? Gibt es hier eine besondere Verantwortung auf der Führungsebene? Es wurden quantitative Daten zur Belastungssituation sowie qualitative Daten mittels Experteninterviews mit Führungskräften aus der beruflichen Praxis der stationären Altenhilfe erhoben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1. Relevanz
2.1.1. Demographische Situation
2.1.2. Pflege in vollstationären Pflegeeinrichtungen
2.1.3. Pflegebedürftigkeit
2.1.4. Beruflich Pflegende
2.1.5. Demenzerkrankte in der stationären Altenhilfe
2.1.5.1. Pflegebedarf Demenzerkrankter
2.1.5.2. Pflege- und Betreuungsangebote
2.1.5.3. Zusätzliche Betreuungsleistungen nach § 87b SGB XI
2.1.5.4. Ausblick auf das Pflegeneuausrichtungsgesetz
2.2. Arbeitspsychologische Grundlagen
2.2.1. Belastungen und Beanspruchungen
2.2.1.1. Belastungen in der stationären Altenhilfe
2.2.1.2. Spezifische Belastungen im Umgang mit Demenzerkrankten
2.2.2. Gesundheitliche Wirkung von Arbeit
2.2.2.1. Das Burnout Syndrom: Ein belastungsbedingter Risikozustand
2.2.2.2. Krankenstatistik
2.3. Führung / Führungsverhalten
2.4. Mitarbeiterorientierte Führung / Führung als Ressource
2.4.1. Partizipative Führung
2.4.2. Soziale Unterstützung
2.4.3. Wertschätzung und Anerkennung
3. Empirischer Teil
3.1. Darstellung der Einrichtung
3.2. Methodik
3.2.1. Indikatoren psychischer Belastungen
3.2.1.1. Entwicklung des Pflegebedarfs
3.2.1.2. Anzahl Pflegebedürftiger mit Demenzdiagnose
3.2.1.3. Krankenstand im Pflegedienst
3.2.2. Interviews
3.2.2.1. Forschungsdesign
3.2.2.2. Sampling
3.2.2.3. Erhebung der Interviews
3.2.2.4. Aufbereitung der Interviews
3.2.2.5. Meine Rolle als Interviewerin
3.2.2.6. Auswertung der Interviews
3.2.2.7. Ergebnisse der Interviews
3.2.2.7.1. Belastungen
3.2.2.7.1. Beanspruchungsreaktionen
3.2.2.7.1. Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Beschäftigten
3.2.2.7.1. Führungsverantwortung und Mitarbeitergesundheit
4. Diskussion
4.1. Kritische Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
4.2. Methodisches Vorgehen und Limitationen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht die psychischen Belastungen von beruflich Pflegenden im Umgang mit Demenzerkrankten in der stationären Altenhilfe und analysiert dabei insbesondere die Rolle der Führungsverantwortung hinsichtlich der Mitarbeitergesundheit.
- Demographischer Wandel und Pflegebedarf bei Demenz
- Psychische Belastungsfaktoren im Altenpflegeberuf
- Zusammenhang zwischen Führungsverhalten und Mitarbeitergesundheit
- Empirische Analyse von Krankenstand und Arbeitsbelastungen
- Handlungsmöglichkeiten für Führungskräfte zur Gesunderhaltung
Auszug aus dem Buch
Belastungsfaktor: Quantitativer Personalmangel
Als Belastungen in der täglichen Arbeit thematisierten die befragten Führungskräfte am häufigsten einen quantitativen und/oder qualitativen Personalmangel. Alle WBL benannten diesen zuallererst, als sie nach eigenen Belastungen gefragt wurden. Thematisch wiederum griffen diesen Aspekt alle befragten Führungskräfte auf und schilderten, welche Folgen dieser aus ihrer Sicht hat. So deuten beispielsweise die Aussagen einer WBL darauf hin, dass der benannte quantitative Personalmangel zu körperlichen wie psychischen Belastungen gleichermaßen führt:
IP_5: naja, körperlich wie psychisch durch diese wenig Personal, ne Politik […] (Z. 460).
Für die tägliche Arbeit der Pflegenden bedeutet dies, dass sie bei Ausfällen auf anderen Wohnbereichen aushelfen, Dienste zusätzlich übernehmen, früher kommen oder später gehen. Eine im Wesentlichen daraus resultierende Belastung ist die Verkürzung der Erholungsphasen. Auch die Umstrukturierung des privaten Lebens wird v.a. für Familien und Alleinerziehende als problematisch beschrieben. Trotz allem können personelle Engpässe nicht hundertprozentig ausgeglichen werden, so dass einzelne Wohnbereiche nur stundenweise Unterstützung erhalten. Gleichzeitig potenzieren sich dadurch auch in den anderen Wohnbereichen Belastungen:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas im Kontext des demographischen Wandels ein und formuliert die Forschungsfragen zur Belastungssituation Pflegender.
2. Grundlagen: Hier werden der rechtliche und demographische Rahmen sowie arbeitspsychologische Stressmodelle und die Rolle von Führung im Gesundheitswesen theoretisch fundiert.
3. Empirischer Teil: Dieser Abschnitt beschreibt die Datenerhebung in einer Einrichtung sowie die Analyse der Belastungsfaktoren mittels quantitativer Indikatoren und Experteninterviews.
4. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, die Belastungssituation diskutiert und die methodischen Limitationen der Untersuchung reflektiert.
5. Fazit: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont den hohen Handlungsbedarf hinsichtlich der Mitarbeitergesundheit in der stationären Altenhilfe.
Schlüsselwörter
Demenzerkrankungen, stationäre Altenhilfe, psychische Belastungen, Führungsverantwortung, Mitarbeitergesundheit, Burnout-Syndrom, Personalmangel, Arbeitspsychologie, Pflegebedürftigkeit, Führungskräfte, Arbeitsbelastung, Gesundheitsförderung, Demographischer Wandel, Bezugspflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die psychischen Belastungen von Pflegekräften in der stationären Altenhilfe, die durch die Betreuung von Demenzerkrankten und organisatorische Rahmenbedingungen entstehen, und beleuchtet dabei die Verantwortung von Führungskräften.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem demographischen Wandel, den spezifischen Anforderungen in der Demenzpflege, der arbeitspsychologischen Belastungs-Beanspruchungs-Theorie sowie den Auswirkungen von Führungsverhalten auf die Mitarbeitergesundheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, psychische Belastungsfaktoren bei Pflegenden zu identifizieren und die Wahrnehmung sowie Rolle von Führungskräften bei der Prävention von Fehlbeanspruchungen zu reflektieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine quantitative Auswertung von Krankenstatistiken und Pflegebedarfsdaten der Einrichtung mit einem qualitativen Ansatz, bestehend aus leitfadengestützten Experteninterviews mit Führungskräften.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte zu Belastung und Führung, stellt die quantitative Situation (Krankenstand/Pflegebedarf) der untersuchten Einrichtung dar und präsentiert die Ergebnisse der Experteninterviews zu Belastungsfaktoren und Maßnahmen.
Welche Schlüsselbegriffe sind zentral?
Zentrale Begriffe sind neben Demenzpflege und Burnout vor allem die Begriffe Belastung, Beanspruchung, Führungsverantwortung, Personalmangel und gesundheitsförderliche Führung.
Welche Rolle spielt die Fluktuation in der Arbeit?
Die Arbeit stellt fest, dass hohe Fluktuation ein eigenständiger Belastungsfaktor ist, da sie den Mehraufwand für Einarbeitung erhöht und die Stabilität in den Pflegeteams gefährdet.
Wie bewerten die Führungskräfte ihren Einfluss?
Die befragten Führungskräfte sehen ihren Einfluss auf die Mitarbeitergesundheit oft nur begrenzt und teilweise intuitiv, während sie gleichzeitig stark durch administrative und quantitative Vorgaben belastet sind.
- Citation du texte
- M.Sc. Franziska Misch (Auteur), 2013, Psychische Belastungen beruflich Pflegender im Umgang mit Demenzerkrankten in der stationären Altenhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276626