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Die Entwicklung der sozialen Sicherungssysteme in Südkorea seit der Asienkrise 1997

Title: Die Entwicklung der sozialen Sicherungssysteme in Südkorea seit der Asienkrise 1997

Seminar Paper , 2004 , 25 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Kai Posmik (Author)

Politics - Region: Far East
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Südkorea kann auf eine ökonomische Entwicklung zurückblicken, die ohne Zweifel zu den
bemerkenswertesten in der Welt zählt. Die seit dem Machtantritt des autoritären, das Land mit
„eiserner Faust“1 regierenden Präsidenten Park Chung-hee (1961) auf bedingungsloses ökonomisches
Wachstum ausgerichtete Politik, hat das Land innerhalb nur weniger Dekaden, von
einem überwiegend agrarisch geprägten Staat in eine hochindustrialisierte Gesellschaft verwandelt.
Diese rasante Industrialisierung war nicht zuletzt deshalb möglich, weil Südkorea bis
1987 diktatorisch regiert wurde. Die arbeitenden Menschen wurden als „industrielle Soldaten“
2 missbraucht, Menschenrechte mit Füßen getreten. „Alle gesellschaftlichen Bereiche wie
Erziehung, Presse, Familie, Fabriken, Parlament fungierten organisch in der gleichen Richtung
der weltmarktorientierten Industrialisierung.“3
Dass dieser Industrialisierungsschub nicht ohne Auswirkungen auf die koreanische Gesellschaft
bleiben würde, musste jedem klar sein: Auflösungserscheinungen der traditionellen
asiatischen Familienstrukturen, Urbanisierung, Umweltverschmutzung4 sind nur Teilaspekte,
die durch die ökonomische Prosperität lange verdeckt wurden. Und dass diese Konjunktur
nicht ewig andauern würde, dass insbesondere mit zunehmender Globalisierung der Wirtschaft
vor allem strukturelle Probleme Südkorea (und andere „Tigerstaaten“) vor ernste
Schwierigkeiten stellen würden, davor wurde schon vor der sogenannten Asienkrise gewarnt.5
Und als die Wirtschaftskrise 1997 über das Land hereinbrach und das Bruttosozialprodukt im
Folgejahr um mehr als fünf Prozent sank,6 als die Arbeitslosigkeit in bis dahin nicht gekanntem
Ausmaß anstieg, wurde offenbar, dass vor allem das nur unzureichend entwickelte System
der sozialen Sicherung Probleme bereitete. Daher war es notwendig, dieses nur rudimentäre,
weil in punkto Ausmaß und Empfängerkreis begrenzte System zu verändern und zu erweitern.
Dies machte sich der in direkter Folge der Krise Ende des Jahres 1997 gewählte Präsident und
ehemaliger Dissident Kim Dae-jung, zu einer seiner politischen Maximen. [...]
1 Aspalter 2001, S. 28
2 Kang 2001, S. 1
3 Ebd.
4 In Südkorea ist ein ökologisches Bewusstsein ist bis heute nur unzureichend entwickelt. Vgl. Cha 1999 und zu
den ökologischen Problemen Chung/Kirkby 2002
5 Vgl. Bello/Rosenfeld 1992; Krugmann 1994
6 Vgl. Köllner 1999, S. 78

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Entwicklungslinien koreanischer Sozialpolitik

I. Die Zeit bis 1987

II. Sozialpolitik in der Phase demokratischer Transition

C. Sozialpolitische Reformen seit der Asienkrise

I. DJnomics und Produktive Wohlfahrt

II. Die Reform der Sozialversicherung

1. Gesetzliche Rentenversicherung

2. Unfall- und Krankenversicherung

3. Arbeitslosenversicherung

III. Die Einführung der National Basic Livelihood Security

D. Schlussbetrachtung und Ausblick

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Neuausrichtung der südkoreanischen Sozialpolitik infolge der Asienkrise von 1997. Im Zentrum steht die Analyse, wie die Regierung unter Kim Dae-jung durch das Konzept der "Produktiven Wohlfahrt" und weitreichende Reformen auf die durch die Krise ausgelösten sozioökonomischen Erschütterungen reagierte und ob diese Maßnahmen erfolgreich zur sozialen Absicherung der Bevölkerung beigetragen haben.

  • Historische Entwicklung der koreanischen Sozialpolitik von den 1960er Jahren bis zur Demokratisierung 1987.
  • Einfluss des Demokratisierungsprozesses auf die Expansion sozialpolitischer Aktivitäten.
  • Implementierung und Bewertung der Konzepte "DJnomics" und "Produktive Wohlfahrt".
  • Strukturelle Reformen der Sozialversicherung (Rente, Unfall, Krankheit, Arbeitslosigkeit) sowie die Einführung der "National Basic Livelihood Security".

Auszug aus dem Buch

Die Reform der Sozialversicherung

Im Jahr der Asienkrise bestand das koreanische Sozialversicherungssystem bereits aus vier Säulen, es war, vergleichbar dem in Deutschland, mehrgliedrig aufgebaut, also nach Risikoarten strukturiert. Die Sozialversicherung ist das bedeutendste Instrument im System der sozialen Sicherung, die Einnahmen der vier Einzelversicherungen speisen sich dabei aus Beiträgen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber sowie (geringen) Zuschüssen der Regierung aus den Steuereinnahmen. In Folge der Rezession wurde in struktureller Hinsicht keine Änderung vorgenommen, heute besteht weitgehend strukturelle Identität mit der Situation in 1997, allerdings mussten die bis dato doch sehr begrenzten Leistungen in Folge der Krise ausgebaut werden.

Als Grundpfeiler der sozialen Sicherung in Südkorea gilt die Rentenversicherung. Um ihre Leistung und Reichweite zu verbessern, wurde noch im Jahr der Veröffentlichung der DJnomics der National Pension Act reformiert, so dass schon ab dem Folgejahr theoretisch alle Arbeitnehmer rentenversichert waren. Neben den bisher ausgeschlossenen Beschäftigten in Betrieben mit weniger als fünf Arbeitnehmern, wurden auch Tage- und Teilzeit- sowie unbezahlte Familienarbeiter in die Rentenversicherung einbezogen. Ebenso galt dies nun auch für Selbständige, die allerdings nur einen reduzierten Beitragssatz zahlen müssen, der bis zum Jahr 2005 schrittweise auf das allgemeine Beitragsniveau angehoben wird.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Darstellung der ökonomischen Entwicklung Südkoreas, der Auswirkungen der Asienkrise 1997 und der Einführung der "Produktiven Wohlfahrt" als politische Reaktion.

B. Entwicklungslinien koreanischer Sozialpolitik: Analyse der Sozialpolitik von 1961 bis 1987 sowie des Einflusses der demokratischen Transition auf die sozialpolitische Expansion ab 1987.

C. Sozialpolitische Reformen seit der Asienkrise: Untersuchung der wirtschafts- und sozialpolitischen Reformen unter Präsident Kim Dae-jung, insbesondere der Sozialversicherung und der Einführung der Sozialhilfe.

D. Schlussbetrachtung und Ausblick: Kritische Bewertung der sozialpolitischen Reformen und Diskussion der zukünftigen Herausforderungen im Kontext des demographischen Wandels und globaler Wettbewerbsfähigkeit.

Schlüsselwörter

Südkorea, Asienkrise 1997, Sozialpolitik, Soziale Sicherung, Produktive Wohlfahrt, DJnomics, Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, National Basic Livelihood Security, Demokratisierung, Sozialreform, Beschäftigungspolitik, Wohlfahrtsstaat, Wirtschaftsstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden Veränderungen im südkoreanischen System der sozialen Sicherung, die nach dem Ausbruch der Asienkrise 1997 unter der Regierung von Kim Dae-jung eingeleitet wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die historische Genese der koreanischen Sozialpolitik, die Auswirkungen des Demokratisierungsprozesses, die konzeptionelle Grundlage der "Produktiven Wohlfahrt" sowie die detaillierte Reform der Renten-, Unfall-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die sozialpolitischen Maßnahmen seit der Asienkrise darzustellen und diese hinsichtlich ihrer Erfolge bei der sozialen Absicherung der Bevölkerung kritisch zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die historische Entwicklungslinien nachzeichnet und die Reformschritte unter Berücksichtigung politischer und ökonomischer Faktoren bewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entwicklung bis 1987, die Phase der demokratischen Transition sowie eine detaillierte Analyse der Sozialversicherungsreformen und der Einführung der "National Basic Livelihood Security".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind unter anderem Südkorea, Asienkrise, Produktive Wohlfahrt, DJnomics, soziale Sicherung und strukturelle Reformen.

Welche Rolle spielte die "Produktive Wohlfahrt" bei den Reformen?

Sie diente als ideologisches und politisches Kernelement der Regierung Kim Dae-jung, um wirtschaftliche Effizienz mit sozialer Gerechtigkeit zu verbinden und das Sozialversicherungssystem zu modernisieren.

Wie hat sich die Rolle der Familie im südkoreanischen Sozialmodell verändert?

Trotz der Einführung modernerer Sozialsysteme spielt die familiäre Unterhaltspflicht, geprägt durch konfuzianische Traditionen, weiterhin eine bedeutende Rolle, was insbesondere im Sozialhilfesystem (NBLS) zu strengen Auswahlkriterien führt.

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Details

Title
Die Entwicklung der sozialen Sicherungssysteme in Südkorea seit der Asienkrise 1997
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Course
Die Asienkrise und ihre Folgen am Beispiel Südkoreas
Grade
1,7
Author
Kai Posmik (Author)
Publication Year
2004
Pages
25
Catalog Number
V27718
ISBN (eBook)
9783638296861
Language
German
Tags
Entwicklung Sicherungssysteme Südkorea Asienkrise Folgen Beispiel Südkoreas
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kai Posmik (Author), 2004, Die Entwicklung der sozialen Sicherungssysteme in Südkorea seit der Asienkrise 1997, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27718
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