Verbale Entwicklungsdyspraxie. Möglichkeiten der Therapie


Akademische Arbeit, 2005

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Allgemeine Überlegungen

2. Verschiedene Therapieansätze
2.1. Therapieansätze zur Verbesserung der motorischen Planung
2.2. Intensiver Drill
2.3. Übungsmaßnahmen auf rein oromotorischer Basis
2.4. Das Einüben von Bewegungssequenzen
2.5. Das Einüben kontrollierter Sprechgeschwindigkeit
2.6. Die Einbeziehung prosodischer Aspekte in die Therapie
2.7. Das Ansprechen verschiedener Modalitäten

3. Spezifische Therapiemethoden
3.1. Die Melodische Intonationstherapie
3.2. Das PROMPT System
3.3. Die Assoziationsmethode nach MCGINNIS
3.4. Die totale Kommunikationstherapie

4. Quellenverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Einleitung – Allgemeine Überlegungen

„Es gibt keine Standardstrategie, weil es weder Standardpädagogen noch Standardkinder gibt.“[34]

KOTTEN-SEDERQVIST benennt hier ein Problem, dem wir als Sprachheilpädagogen bei jedem Patienten neu gegenüberstehen. Die Therapiemethode, die von dem einen Patienten gut angenommen wird und Erfolge zeigt, führt bei einem anderen Patienten nicht zum Erfolg.

YOSS und DARLEY empfehlen für die Therapiearbeit mit sprechdyspraktischen Kindern:

„Let the child’s behavior provide the cues to what works best.“ [35]

Nach diesem Grundsatz vorzugehen bedeutet nicht, aus dem sprechdyspraktischen Kind ein „Versuchskaninchen“ zu machen, sondern in der Therapie flexibel auf das Kind und seine Persönlichkeit einzugehen. Es gibt, auch bei der VED, kein allgemeingültiges Therapiemittel.

„Nicht unerwähnt soll bei der Auseinandersetzung mit therapeutischen Maßnahmen bleiben, daß im Vordergrund aller sprachtherapeutischen Bemühungen nicht eine spezifische Sprachentwicklungsstörung, sondern ein Kind mit seinen Eigenheiten, seiner einzigartigen Persönlichkeit, seinen ganz bestimmten Bedürfnissen und seinen individuellen Lebensbezügen steht.“[36]

SCHULTE-MÄTER benennt hier das Prinzip der Ganzheitlichkeit. Es müssen also auch das Alter und der Entwicklungsstand des Kindes mit in die Therapie einbezogen werden, sowie der Schweregrad der Störung und begleitende Probleme, da eine Störung auch immer Auswirkungen auf andere Bereiche hat. In der Praxis stellt sich nur selten ein reiner Fall einer sprechdyspraktischen Störung dar.

Daher wäre es nicht richtig, die Therapie nur auf das Problem der motorischen Programmierung zu beziehen und andere Defizite zu vernachlässigen, z.B. im Bereich der auditiven Wahrnehmung oder der oralen Stereognose.

Die Sprachtherapie von Kindern mit VED ist durch eine langsame bis ausbleibende Verbesserung der Sprechfähigkeit gekennzeichnet. Mehrere Autoren berichten, dass sprechapraktische Kinder nicht auf die „herkömmlichen“ Therapiemethoden, welche für artikulatorische oder phonologische Störung genutzt werden, ansprechen.

Daher wurden für die Therapie von VED Ansätze, die sich in der Therapie mit sprechapraktischen Erwachsenen bewährt haben, für die Therapie von sprechdyspraktischen Kindern übernommen. Allerdings ist dieses nicht unproblematisch, da die Gegebenheiten bei einer erworbenen Sprechapraxie bei einem Erwachsenen und bei einer entwicklungsbedingten Sprechdyspraxie bei einem Kind nicht dieselben sind.

Die Vergleichbarkeit der Therapieansätze für Erwachsene und Kinder mit einer Sprechapraxie bzw. -dyspraxie sind nach SCHULTE-MÄTER hauptsächlich im Schwerpunkt „Motor Programming“, also der motorischen Planung und Programmierung, zu finden.[37]

Diese Arbeit möchte ich mit Überlegungen beginnen, wo eine Therapie ansetzen muss, um eine VED zu behandeln.

Hier herrscht unter den Autoren Uneinigkeit, wo die Störung bei VED zu suchen ist.

Ist es eine Störung der motorischen Planung? Ist es ein Problem auf linguistischer Ebene? Diese Frage kann nicht beantwortet werden, aber es können Rückschlüsse gezogen werden, bezüglich der sich daraus ergebenden Grundlagen für einen Therapieansatz.

CARUSO und STRAND gehen davon aus, dass einer VED ein Problem in der motorischen Planung zugrunde liegt. Für die Autoren ergeben sich hieraus als Therapiemethode visuelle und / oder taktil-kinästhetische Behandlungsmethoden. Sie begründen dies damit, dass durch solche Therapieansätze die nötigen Erfahrungen gesammelt werden können, um die synaptischen Verbindungen zur Bildung und zum Behalten der jeweiligen Vokaltraktdynamik aufbauen und stabilisieren zu können.[38]

Wenn man die Therapie nicht an der Ursache orientiert, sondern an der Symptomatik, ist es wichtig, die Funktionen der beiden Gehirnhälften zu kennen. Ich habe die wichtigsten im Hinblick auf Sprechapraxie zusammengestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb._: s. BIRNER-JANUSCH 2003, Anhang

Bei VED ist nicht gesichert, welche Hemisphäre gestört ist und ob nicht eine beidseitige Störung aufgrund der Flexibilität des kindlichen Gehirns vorliegen muss. Wenn man von einer ähnlichen Ätiologie wie bei der erworbenen Sprechapraxie ausgeht, kann man aus dieser Tabelle schließen, welche Therapiemaßnahmen Erfolg zeigen müssten.

Wenn man mit Wortkarten arbeitet, wie später in der MCGINNIS-Methode, wird die linke Hemisphäre beansprucht. Man sollte also auch Bildkarten vorlegen, um die vermutlich intakte rechte Hemisphäre anzusprechen. Dieses wird im Übrigen in der MCGINNIS-Methode auch vorgesehen.

Die Intonationstherapie begründet sich auf dem Ansatz, dass bei der Prosodie die rechte Hemisphäre angesprochen wird, beim Sprechen die linke Hemisphäre. Daher werden unterschiedliche Intonationen für die Therapie gewählt.

Auch ein Einstieg in die Therapie über das Singen von Liedern wäre möglich, denn Musik wird von der rechten Hemisphäre gesteuert.

Hier zeigen sich schon einige Grundgedanken von Therapieansätzen, auf die ich im Späteren eingehen werde.

2. Verschiedene Therapieansätze

Ich werde im Folgenden verschiedene Interventionsmöglichkeiten vorstellen, die in der Therapie kombiniert werden sollten. Jedes Kind hat seinen Störungsschwerpunkt in einem anderen Bereich, daher wird jeder Ansatz in der Therapie unterschiedliche Wirkung erzielen.

Viele Therapiemethoden vereinigen diese Ansätze, was ebenfalls in dieser Arbeit deutlich wird.

2.1. Therapieansätze zur Verbesserung der motorischen Planung

Wie bereits erwähnt, haben die meisten Therapieansätze das Ziel, die motorische Planung des Sprechens zu verbessern, da dieses häufig als das Kernproblem bei VED angesehen wird.

Diese Programme wurden oft von den Verfahren übernommen, die bei Erwachsenen mit erworbener Sprechapraxie angewendet werden. Auch ähneln sie häufig den Programmen, die für allgemeine Artikulationsstörungen verwandt werden.

In der Therapie von Kindern mit VED ist es allgemein wichtig, die Therapieziele nicht zu hoch anzusetzten. Die Therapieerfolge sind meistens gering und teilweise ausbleibend, daher würde eine Überschätzung der Möglichkeiten zu einer negativen Therapieprognose und Frustrationen beim Kind führen.

Die Verbesserung der Fähigkeiten des Kindes können durch verschiedene Ansätze erreicht werden. Die Therapie sollte geplant und gestaltet werden, je nachdem, wie stark eine Ebene gestört ist und welcher Ansatz am erfolgreichsten ist. Im Folgenden werde ich einige Interventionsstrategien zur Verbesserung der motorischen Sprachplanung vorstellen.

2.2. Intensiver Drill

Beim intensiven Drill werden Sprechbewegungen durch ständiges Wiederholen eingeübt. Das Ziel ist die Verbesserung der willkürlichen Kontrolle über die zum Sprechen erforderlichen Bewegungsmuster.

Einige Autoren schlagen drei bis zehn Wiederholungen desselben Stimulus vor, während andere zwanzig Repetitionen für sinnvoll halten.

Andere Autoren befürworten kürzere Drilleinheiten, um perseverative Tendenzen zu vermeiden.

„It is better, in other words, to work one minute instead of 10 on a syllable or phrase and to break the shorter periods with rest or practice on another activities.”[39]

[...]


[34] s. KOTTEN-SEDERQVIST in SCHULTE-MÄTER 1996, S. 128

[35] s. YOSS und DARLEY in SCHULTE-MÄTER 1996, S. 129

[36] s. SCHULTE-MÄTER 1996, S. 128

[37] vgl. SCHULTE-MÄTER 1996, S. 130

[38] vgl. CARUSO und STRAND in BIRNER-JANUSCH in DITTSCHEIDT 2003, Anhang

[39] s. ROSENBEK in SCHULTE-MÄTER 1996, S. 133

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Verbale Entwicklungsdyspraxie. Möglichkeiten der Therapie
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V277584
ISBN (eBook)
9783656701880
ISBN (Buch)
9783656716051
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verbale, entwicklungsdyspraxie, möglichkeiten, therapie
Arbeit zitieren
Meike Brinkmann (Autor), 2005, Verbale Entwicklungsdyspraxie. Möglichkeiten der Therapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277584

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