Emotionsforschung als zentrales Thema von Literatur- und Kulturtheorie mit Beispielen aus der mittelhochdeutschen Epik. Analysen diverser Werke (König Rother / Heinrich von Veldeke: Eneasroman / Hartmann von Aue: Erec I und II / Gottfried von Straßburg: Tristan I / Konrad von Würzburg: Partonopier)
Inhaltsverzeichnis
Literaturgeschichte als Emotionsgeschichte
Einführung / Zwischen Literatur- und Kulturwissenschaft
Kulturwissenschaft und Literatur
Emotionsforschung I
Leitlinien und Leitfragen
Emotionsforschung II
Emotion und Rationalität
Kulturgeschichte als Emotionsgeschichte
König Rother
Vier Ängste → letzte Vorlesung
Fazit König Rother
Heinrich von Veldeke: Eneasroman
Ängste im Eneas
Hartmann von Aue: Erec I
Hartmann von Aue: Erec II
Fazit Angstthema
Gottfried von Straßburg: Tristan I
Gottfried von Straßburg: Tristan II
Konrad von Würzburg: Partonopier
Gattungsmischung des Partonopier
Partonopier Fazit
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion von Angst in mittelhochdeutschen Epen unter Berücksichtigung kulturwissenschaftlicher und emotionsgeschichtlicher Ansätze, um einen Wandel in der narrativen Inszenierung von Affekten aufzuzeigen.
- Kulturwissenschaftliche Fundierung der Emotionsgeschichte
- Analyse der Angstdramaturgie in "König Rother" und "Eneasroman"
- Die Rolle der Minne als zentrales Motiv bei Erec und Tristan
- Interdisziplinärer Vergleich zwischen psychologischen und literarischen Angstkonzepten
- Untersuchung von Strukturmerkmalen im Übergang von mündlichem zu schriftlichem Erzählen
Auszug aus dem Buch
Heinrich von Veldeke: Eneasroman
Der Roman beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung der Zerstörung Trojas. Dem Trojaner Eneas tragen die Götter auf, zu fliehen und sein Leben zu retten, weil er der Sohn der Göttin Venus ist. Die Göttin Juno lässt ihn nun sieben Jahre auf dem Meer umherirren, da sie wütend auf dessen Mutter ist. Der Konflikt zwischen den beiden Göttinnen entstammt noch der Aeneis. Juno und Venus initiieren dort den Konflikt, der aus dem Parisurteil resultierte. Deutlich dezimiert erreichen Eneas und seine Gefolgsleute schließlich Karthago, dass die schöne Dido gegründet hat. Dido gewährt ihnen großzügig Hilfe und Sicherheit und verliebt sich bei der ersten Begegnung mit Eneas heftig in ihn. Sie hält ihre Gefühle zunächst aber geheim und kann in der Nacht darauf vor lauter Sehnsucht und Liebe zu Eneas nicht schlafen. Dido quält sich folglich unendlich und berät sich nur mit ihrer Schwester Anna. Alle beschriebenen Qualen stellen klassische "Minne-Symptome" dar. Nachdem Dido einmal verliebt ist, zieht diese Liebe alle körperlichen Konsequenzen nach sich. Eines Tages beschließt sie mit Eneas und dessen Gefolge auf die Jagd zu gehen. Durch ein Unwetter werden Dido und Eneas aber von der Gesellschaft getrennt und suchen zusammen Schutz unter einem Baum. Eneas begreift, wie schön sie ist und die beiden schlafen miteinander Nach anfänglichem Leugnen in der Zeit darauf gibt sie sich schließlich offen als seine Frau zu erkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
Literaturgeschichte als Emotionsgeschichte: Einführung in die kulturwissenschaftliche Perspektive auf Ängste in der Literatur, insbesondere im Vergleich moderner und mittelalterlicher Darstellungsmuster.
Kulturwissenschaft und Literatur: Diskussion der Krise der Geisteswissenschaften und die Notwendigkeit einer Grenzüberschreitung durch kulturwissenschaftliche Methoden.
Emotionsforschung I: Einordnung des Randthemas Angst in die Literatur des Mittelalters sowie Klärung zentraler Begrifflichkeiten wie Affekt, Emotion und Gefühl.
König Rother: Analyse des ältesten Brautwerbungsschemas unter besonderer Berücksichtigung der "Dramaturgie der Angst" als politisches Herrschaftsinstrument.
Heinrich von Veldeke: Eneasroman: Betrachtung eines neuen Heldentypus und der narrativen Gestaltung von Liebe und Angst, die über die bloße Außenwirkung hinausgeht.
Hartmann von Aue: Erec I: Untersuchung des "Doppelwegs" des Helden, der zwischen Artushof und privater Minne-Krise balanciert.
Hartmann von Aue: Erec II: Vertiefende Analyse der doppelten Angst der Enite als Modell weiblicher Idealität.
Gottfried von Straßburg: Tristan I: Darstellung der Tristan-Figur als "berechnender Spieler" und die radikale Setzung der Minne an die Stelle des Artushofs.
Gottfried von Straßburg: Tristan II: Analyse der Minne als Abgrund und des Verlusts der Differenzierung zwischen Sein und Schein.
Konrad von Würzburg: Partonopier: Untersuchung der Gattungsmischung und der Umcodierung von Angst als notwendiges Stimulans für Veränderungsprozesse.
Schlüsselwörter
Angst, Mittelalter, Emotionsgeschichte, Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Minne, Brautwerbung, Erec, Tristan, Partonopier, Narratologie, Affekt, Heldenbild, Subjektivität, Interdisziplinarität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung von Angst und deren Funktion als erzählerisches Mittel in mittelhochdeutschen Epen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Emotionsgeschichte, die Kulturwissenschaft, die höfische Minne-Thematik sowie der Wandel narrativer Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Wandel von der physischen zur psychologischen Angstdarstellung in der mittelalterlichen Epik aufzuzeigen und die Funktion von Affekten für die Heldenentwicklung zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein kulturwissenschaftlich-literaturwissenschaftlicher Ansatz angewandt, der Konzepte der Narratologie und der Emotionsforschung verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zentrale Werke wie König Rother, der Eneasroman, Erec, Tristan und Partonopier hinsichtlich ihrer spezifischen Angstdramaturgie untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Angst, Emotionsgeschichte, Minne, Literaturwissenschaft, Narratologie und höfische Epen.
Welche Bedeutung hat die "Angst" im Tristan-Epos?
Im Tristan fungiert die Angst als Mittel der Figurdifferenzierung und treibt den Helden zur ständigen Neuerfindung seiner Identität.
Inwiefern unterscheidet sich der Eneasroman von König Rother in der Darstellung von Angst?
Während Angst bei Rother vorwiegend als politisches Machtinstrument im öffentlichen Raum genutzt wird, dient sie im Eneasroman als Medium zur Reflexion seelischer Vorgänge im personalen Raum.
- Citation du texte
- Bachelor Ramona Schilling (Auteur), 2011, Literaturgeschichte als Emotionsgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278596