Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publicación mundial de textos académicos
Go to shop › Filología alemana - Literatura alemana moderna

Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Zur Darstellung von Glücksmomenten in autobiographischen Zeugnisromanen von KZ-Häftlingen

Título: Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Zur Darstellung von Glücksmomenten in autobiographischen Zeugnisromanen von KZ-Häftlingen

Tesis de Maestría , 2012 , 98 Páginas , Calificación: 2,3

Autor:in: Stefanie Schauer (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
Extracto de texto & Detalles   Leer eBook
Resumen Extracto de texto Detalles

Verfasst man heute eine wissenschaftliche Arbeit über die „dunkelste Zeit“ der Geschichte Deutschlands, so stößt man genauso auf Anerkennung als auch auf an Unverständnis grenzende Teilnahmslosigkeit. Ein Thema, millionenfach erörtert, untersucht und gelehrt. Erinnerung heißt hier so oft, sowohl in der Pädagogik, als auch bei Besuchen von Holocaust-Gedenkstätten und zu Museen umfunktionierten Konzentrationslagern, meistens die blanke Darstellung des unvorstellbaren Grauens der Vernichtungspolitik im Dritten Reich und der unsichtbare, aber dabei immer präsente, erhobene Zeigefinger des „Nie wieders“. Wozu sich mit einem Thema auseinandersetzen, das fast täglich in aller Munde ist und für das es eigene eingetragene Vereine „Gegen das Vergessen“ und einen festgelegten jährlichen Gedenktag gibt? Weil diese Arbeit Raum bietet. Raum, um einen Umgang mit dem Thema zu finden, dass uns selbst ein halbes Jahrhundert später noch immer ratlos zurück lässt. Stößt man dann auf ein Buch wie den Roman eines Schicksallosen von Imre Kertész, beginnt die Ratlosigkeit auf den ersten Blick wieder von vorne, denn wie kommt ein Überlebender von Auschwitz dazu, vom „Glück der Konzentrationslager“ (RS, 382) zu erzählen? Aus der ersten Verständnislosigkeit und dem Erstaunen über das Vorhandensein eines einem sozialen System ähnlichen Zustands in Konzentrationslagern, in denen die Häftlinge ins Bordell gehen und an einem Fußball-Spielbetrieb teilnehmen, stellt sich die Frage, ob es inmitten eines auf den Tod ausgerichteten Lebens, eines falschen Lebens, so etwas wie Glück, ein in diesem Sinne richtiges Leben geben kann, Adornos berühmte These wird hier erschreckend pointiert.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Grundlegendes zur Problematik

1.1 Methodik

1.1.1 Fragestellung und Ziele der Arbeit

1.1.2 Probleme der Begrifflichkeiten für den Genozid

1.1.3 Primärtexte und Forschungsstand

1.2 Die Autoren der Primärtexte

2 Literaturtheoretische Thesen

2.1 Michel Foucaults Raumtheorie. Das Konzentrationslager: ein Ort außerhalb des Ortes?

2.2 Ort- und Zeitschaft, Erinnerung und Zeugenschaft

3 Zur Konstruktion des autobiographischen Romans

3.1 Das Gattungsproblem von Literatur über Auschwitz

3.2 Die Autobiographie

3.2.1 Definition

3.2.2 Die Wirklichkeit des autobiographischen Romans und Autofiktion

3.3 Einordnung der Primärtexte in die Definition

3.3.1 Der Roman eines Schicksallosen: Autofiktion - autobiographischer Roman - Bildungsroman?

3.3.2 Tadeusz Borowskis Erzählungen Bei uns in Auschwitz und Bitte die Herrschaften zum Gas

4 Theoretische Thesen bei Kertész im Kontext abendländischer und zeitgenössischer Philosophie

4.1 Zur Grundlage: Aristoteles‘ Nikomachische Ethik

4.2 Die Ethik Adornos im Zeichen von Auschwitz

4.2.1 „Das richtige Leben im falschen“ und die Problematik „nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben“

4.2.2 Imre Kertész‘ „Ethik“ von Auschwitz und seine „Arbeit am Mythos“

4.3 Albert Camus‘ „Ästhetik des Absurden“

4.3.1 Der Mythos von Sisyphos

4.3.2 Kertész‘ Metaphorik und die „Pflicht zum Glück“

5 Analyse

5.1 Roman eines Schicksallosen

5.1.1 Die Sprache nach Auschwitz, eine atonale Sprache

5.1.2 Das „Glück der Konzentrationslager“

5.1.3 „Schicksallosigkeit“

5.1.4 Erzählsituation und Perspektivenwechsel

5.2 Vergleichbare Aspekte mit Tadeusz Borowskis Bei uns in Auschwitz und Bitte, die Herrschaften zum Gas

5.2.1 Perspektivenwechsel: Opfer und Täter zugleich?

5.2.2 Differenzen zwischen polnischem und jüdischem Schicksal

6 Wer zeugt für den Zeugen?

7 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Glücksmomenten in den autobiographischen Zeugnisromanen von Imre Kertész und Tadeusz Borowski. Ziel ist es, unter Einbeziehung philosophischer und literaturtheoretischer Konzepte – insbesondere von Adorno, Foucault und Camus – zu klären, ob in der totalitären Welt der Konzentrationslager Momente der Menschlichkeit existieren können, die analog zu Adornos „richtigem Leben im falschen“ zu verstehen sind.

  • Analyse der Darstellung von Glück und Schicksal unter extremen Bedingungen.
  • Untersuchung der Problematik von Sprache und Zeugenschaft nach Auschwitz.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Gattung des autobiographischen Romans bzw. der Autofiktion.
  • Gegenüberstellung der Ansätze von Imre Kertész und Tadeusz Borowski.
  • Einordnung der Werke in den Kontext abendländischer und zeitgenössischer Philosophie.

Auszug aus dem Buch

5.1.2 Das „Glück der Konzentrationslager“

Das Hauptmittel, das zur Entmystifizierung von Auschwitz beigetragen hat, ist zweifellos Kertész‘ Hinweis auf Momente des Glücks in Konzentrationslagern. Wie genau das Glück in diesem Zusammenhang zu verstehen ist, lässt sich an verschiedenen Stellen im Roman eines Schicksallosen genauer einordnen und anschließend zusätzlich mit den Erfahrungen des Psychologen Viktor E. Frankl präzisieren.

Denn sogar dort, bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas, was dem Glück ähnlich war. Alle fragen mich immer nur nach den Übeln, den ‚Greueln‘: obgleich für mich vielleicht gerade diese Erfahrung die denkwürdigste ist. Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müßte ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen. (RS, 382)

László Földényi weiß die Empörung über diese verwirrende Formulierung einzuordnen, bei ihm ist es die „Auflösung des stillschweigenden und deshalb um so bindenderen Konsenses, den man gewöhnlich nicht in Frage stellt.“207 Doch wie ist Glück im Zusammenhang mit dem größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts überhaupt zu verstehen?

Zusammenfassung der Kapitel

1 Grundlegendes zur Problematik: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftliche Fragestellung ein, erörtert die Problematik der Begrifflichkeiten für den Genozid und gibt einen Überblick über die behandelten Primärtexte sowie den Forschungsstand.

2 Literaturtheoretische Thesen: Hier werden theoretische Ansätze, insbesondere Michel Foucaults Raumtheorie (Heterotopie) und Aleida Assmanns Gedächtnisforschung, zur Analyse der lagerbezogenen Literatur herangezogen.

3 Zur Konstruktion des autobiographischen Romans: Dieses Kapitel untersucht gattungstheoretische Fragen, das Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit sowie die spezifische Form des autobiographischen Schreibens bei Kertész und Borowski.

4 Theoretische Thesen bei Kertész im Kontext abendländischer und zeitgenössischer Philosophie: Es erfolgt eine philosophische Einordnung anhand von Aristoteles, Adornos Ethik und Camus' Ästhetik des Absurden, um Kertész' Konzept der „Arbeit am Mythos“ zu fundieren.

5 Analyse: Der Hauptteil bietet eine detaillierte Untersuchung der sprachlichen und narrativen Gestaltung, insbesondere des „Glücks der Konzentrationslager“ und des Begriffs der „Schicksallosigkeit“ im Vergleich beider Autoren.

6 Wer zeugt für den Zeugen?: Dieses Kapitel reflektiert die Problematik der Zeugenschaft und die moralische Verantwortung derer, die für die Überlebenden zeugen.

7 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer Reflexion über die bleibende Relevanz der Auseinandersetzung mit den Lagererfahrungen.

Schlüsselwörter

Imre Kertész, Tadeusz Borowski, Auschwitz, Glück, Schicksallosigkeit, Autobiographie, Zeugenschaft, Adorno, Foucault, Camus, Holocaust-Literatur, atonale Sprache, Totalitarismus, Literaturtheorie, Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die autobiographischen Romane von Imre Kertész und Tadeusz Borowski, um zu verstehen, wie Überlebende des Holocaust ihre Erfahrungen literarisch verarbeiten und welche Rolle Konzepte wie Glück und Schicksal in dieser extremen Situation spielen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Darstellung des Grauens, die Möglichkeiten und Grenzen der Sprache nach Auschwitz, die Identitätsproblematik der Überlebenden sowie die ethischen Dimensionen des Lebens in totalitären Systemen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Forschungsfrage ist, ob in der existentiellen Grenzsituation des Konzentrationslagers Momente existieren, die – analog zu Adornos Begriff – als „richtiges Leben im falschen“ interpretiert werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse der Primärtexte mit dem Einbezug philosophischer (Adorno, Aristoteles, Camus) und kulturwissenschaftlicher (Foucault, Assmann) Theorien zur Einordnung und Interpretation der Zeugnisberichte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die sprachliche Gestaltung bei Kertész, das paradoxe „Glück“ im Lager, der Begriff der „Schicksallosigkeit“ sowie vergleichende Aspekte zu den Erzählungen von Tadeusz Borowski analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Imre Kertész, Auschwitz, Schicksallosigkeit, Zeugenschaft, atonale Sprache und die moralisch-ethische Auseinandersetzung mit dem Unmenschlichen.

Wie unterscheidet sich Kertész’ Ansatz von dem Borowskis?

Während Kertész Auschwitz durch eine atonale, fiktionalisierende Erzählweise als "Arbeit am Mythos" verarbeitet, zeichnet sich Borowskis Stil durch eine stärkere Objektivierung des Lageralltags aus, die den Protagonisten oft als "Kapo" in eine moralische Grauzone stellt.

Welche Rolle spielt der Begriff „Glück“ in der Arbeit?

Der Begriff ist zentral, um die psychologischen Überlebensstrategien der Häftlinge zu beschreiben. Er wird nicht als positives Wohlgefühl, sondern als subjektive, oft zufällige oder existenzielle Erfahrung ("fortuna") in der totalen Unfreiheit definiert.

Final del extracto de 98 páginas  - subir

Detalles

Título
Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Zur Darstellung von Glücksmomenten in autobiographischen Zeugnisromanen von KZ-Häftlingen
Universidad
LMU Munich
Calificación
2,3
Autor
Stefanie Schauer (Autor)
Año de publicación
2012
Páginas
98
No. de catálogo
V278795
ISBN (Ebook)
9783656735861
ISBN (Libro)
9783656735830
Idioma
Alemán
Etiqueta
gibt leben darstellung glücksmomenten zeugnisromanen
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Stefanie Schauer (Autor), 2012, Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Zur Darstellung von Glücksmomenten in autobiographischen Zeugnisromanen von KZ-Häftlingen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278795
Leer eBook
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
Extracto de  98  Páginas
Grin logo
  • Grin.com
  • Envío
  • Contacto
  • Privacidad
  • Aviso legal
  • Imprint