Korrekt konsumieren. Die ökologische Macht des bewussten Einkaufens


Fachbuch, 2014
113 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Nachhaltigkeit und Konsum
1. Einleitung
2. Der Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung
3. Soziale Situation und nachhaltiger Konsum
4. Literaturverzeichnis

Nachhaltiger Konsum
1. Vorbemerkung
2. Einleitung
3. Der Konsument: Homo oeconomicus vs. Umweltbewusstsein?
4. Umweltbewusstsein: Vom Individuum erkannt oder staatlich vermittelt?
5. Die Rolle des Staates
6. „Sustainable Development“ – Unternehmen als Akteure im Umweltschutz
7. Fazit
8. Literatur

Kann das Individuum zur globalen Nachhaltigkeit beitragen?
1. Einleitung
2. Konsum und Nachhaltigkeit
3. Konsumverhalten und Sozialisation
4. Ziele einer globalen Ernährung
5. Die individuelle Ebene
6. Individuelle Schritte
7. Reflexion
8. Literaturverzeichnis

Die moderne Konsumgesellschaft, ihre Folgen für die Umwelt und eine neue Form der Konsumkritik: Containern
1. Einleitung
2. Die Konsumgesellschaft
3. Umweltproblematik durch die Folgen der Konsumgesellschaft
4. Containern – eine moderne Form der Konsumkritik?
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
7. Medienverzeichnis

Klimaschutz und Ernährung
1. Einleitung
2. Wachsende Weltbevölkerung und Klimawandel
3. Die Klimarelevanz der landwirtschaftlichen Flächennutzung
4. Die Klimarelevanz der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte
5. Die Klimarelevanz des Transportes
6. Die Handhabung unserer Lebensmittel im Haushalt
7. Lösungsansätze und wieso diese so schwer zu realisieren sind
8. Fazit
9. Literaturverzeichnis

Nachhaltigkeit und Konsum

Vom Konzept der nachhaltigen Entwicklung zum lebensstilspezifischen Konsum

1. Einleitung

Konsumieren Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten anders? Konsumieren sie unterschiedlich umweltbewusst? Und wenn das so ist, auf was ist dieses Verhalten zurückzuführen? Auf ihr Einkommen, ihre berufliche Stellung, ihr Geschlecht oder auf ihre Bildung? Um einen lebensstilspezifischen Konsum nachzuweisen, hat das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt a. M. im Jahr 1998 eine qualitative Studie anhand von 100 deutschen Haushalten durchgeführt. Ausgehend von dieser Untersuchung, stellte Hoffmann 2000 die Frage, ob nachhaltiger Konsum nur für Reiche möglich sei. Diese beiden Studien werde ich in meinen Ausführungen besonders beachten.

Zuvor jedoch möchte ich einen kurzen Einblick in das Konzept der nachhaltigen Entwicklung geben und gehe dabei der Frage nach, wo wir uns heute – ökologisch betrachtet – befinden. Und welche positiven oder negativen Trends sich feststellen lassen.

2. Der Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung

2.1 Momentaufnahme der heutigen ökologischen Situation

Angelangt im 21. Jahrhundert kann man von einer neuen Dimension der Beziehung zwischen Mensch und Natur sprechen. Immer deutlicher wird sichtbar, welche fatalen Auswirkungen das Handeln des Menschen auf die Umwelt hat, nicht nur vor der eigenen Haustür, sondern auch global. Hoffmann schreibt: „ An einem ganz normalen Tag auf dem Planeten Erde

- werden 200 km2 Regenwald abgeholzt
- wird die Wüste um 120 km2 größer
- sterben 40 Arten aus
- werden 1400 Tonnen FCKW und
- 60 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt
- wird die Atmosphäre wieder etwas wärmer“

(Hoffmann 2000 zit. nach Kleber 1996:2; OECD 1994).

Klar ist, dass dies nicht ohne Folgen für die Umwelt bleibt. Derzeit geht man von sechs Grundproblemen aus, die Resultat der Umweltverschmutzung sind:

(1) Die globale Erwärmung der Atmosphäre durch die Freisetzung von Gasen;
(2) Die Abnahme der schützenden Ozonschicht in der Stratosphäre;
(3) Die wachsende Verschmutzung von Wasser und Böden durch Freisetzung und Abfluss industrieller und landwirtschaftlicher Abwässer und Abfallstoffe;
(4) Die Verminderung der Waldflächen – vor allem in den Tropen – durch Rodung und Ausdehnung landwirtschaftlicher Flächen;
(5) Der Schwund insbesondere frei lebender Tier- und Pflanzenarten durch die Vernichtung ihrer natürlichen Lebensräume;
(6) Die Bodendegradierung in landwirtschaftlich genutzten und natürlichen Lebensräumen, einschließlich Erosion, Auslaugung und Versalzung, die dazu führen, dass der Boden keine Nahrung mehr produzieren kann

(Encarta Professional 2002).

Die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen hat also – ganz besonders im 20. Jahrhundert – neue, gravierende Formen angenommen. Hierzu bemerkt Petschel-Held:

„Seit dem Zweiten Weltkrieg greift die Menschheit in einer nie da gewesenen Art und Weise in den globalen Naturhaushalt ein. Im Unterschied zu den begrenzten Umweltfolgen traditionaler Gesellschaften bewirkt der Mensch in der Moderne Veränderungen seiner natürlichen Umwelt, die nicht mehr nur in seiner unmittelbaren Umgebung, sondern mit einer sehr viel größeren räumlichen und zeitlichen Reichweite spürbar sind und zudem tief und grundlegend in den globalen Haushalt eingreifen“

(Petschel-Held in Stiftung Entwicklung und Frieden 2001: 338).

Die Hauptverantwortung für den heutigen ökologischen Zustand der Erde kann man ohne weiteres den Industrieländern zuschreiben: Sie sind es, die mit 20% der Weltbevölkerung 80% der jährlich verbrauchten Ressourcen nutzen, beispielsweise im Energie- und Stahlbereich (Hoffmann 2000 zit. nach Neitzel/Held 1997:2). Die hohen Schadstoffemissionen sind auf eben diese Länder zurückzuführen.

Abb.1: Umweltbelastungen im Vergleich (Hoffmann 2000)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Soziale Ursachen und Umweltverschmutzung

Groß diskutiert ist die Frage nach der Armut als Umweltproblem und damit zusammenhängend das Argument, dass Wirtschaftswachstum in den reichen Industrienationen wichtig sei, um Transferleistungen für Entwicklungshilfe in den armen Ländern der Dritten Welt zu leisten. Hierbei wird Armut in der Tat als ökologisches Risiko betrachtet: Um dem hungerbedingten Tod zu entgehen wird Raubbau an der Natur betrieben. Es besteht also ein Zusammenhang zwischen sozialer Situation und Umweltverschmutzung. Die Industrieländer bringen ihr Argument hervor: es sei wichtig, immer mehr produzieren zu können, um dieser Armut und damit dem Raubbau entgegenwirken zu können. Fraglich ist hierbei, auf welcher der beiden Seiten die Umweltbelastung höher ist und ob angesichts dessen dieses Argument tatsächlich gelten kann und damit gleichzeitig das Handeln der Industrieländer legitimiert werden darf. Hoffman antwortet hierauf wie folgt:

„Dass in den armen Ländern unter dem Druck der Armut Raubbau an der Natur betrieben wird, der mit höherem Entwicklungsstandart teilweise vermieden werden könnte, ist ökologisch gesehen nicht so gravierend, wie der übermäßige Ressourcenverbrauch und die Schadstoffemission durch die reichen Länder.“

(Hoffmann 2002:14)

Armut ist also viel weniger ein Umweltproblem, als es der Reichtum der Industrienationen ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob es schlau ist, den Ländern der Dritten Welt unser industrialisiertes Entwicklungsmodell vorzuleben oder sogar zu empfehlen. Wohin werden wir gelangen, wenn sich alle Länder auf den Weg machen, eine Industrienation zu werden.

2.3 Maßnahmen zum Schutz der Umwelt

Mit dieser Frage setzten sich 1983 auch die Vereinten Nationen (UN) auseinander und beauftragten die norwegische Premierministerin Gro Harlem Brundtland eine unabhängige Kommission zusammenzustellen, auch bekannt als Brundtland-Kommission. Diese untersuchte, wie es möglich sein könnte, die Grundbedürfnisse einer rasant wachsenden Erdbevölkerung zu befriedigen, ohne kontinuierlich Raubbau an nicht erneuerbaren Ressourcen zu betreiben. Ziel war es, die „global agenda for change“ vorzulegen, in der u.a. die ernsten Umwelt- und Entwicklungsprobleme neu bewertet wurden. In ihr skizzierte die Kommission zwei Zukunftsszenarien: Zum einen eine Zukunft, die lebens- und überlebensfähig ist und zum anderen eine Zukunft, die es nicht ist. In einem nächsten Schritt legte die Kommission ihre Ergebnisse 1992 auf der UN-Konferenz über Umwelt- und Entwicklungsfragen in Rio de Janeiro vor. An diesem Umweltgipfel nahmen 178 Regierungen teil, darunter 120 Staats- und Regierungschefs (Encarta Professional 2002). Ziel war es, einen gemeinsamen Weg zu finden, wie man die erklärten Absichten in ein gemeinsames Handeln umsetzen könne. Im Laufe der Untersuchungen ist ein Begriff immer weiter in den Vordergrund gerückt: der Begriff der „nachhaltigen Entwicklung“ (engl. „sustainable development“). Er greift auf drei Ebenen – das Konzept der nachhaltigen Entwicklung lässt sich sowohl auf die Ökologie, als auch auf die Ökonomie und den sozialen Bereich beziehen.

„Die nachhaltige Entwicklung ist eine dauerhafte Entwicklung, in der die Bedürfnisse der heutigen Generationen befriedigt werden sollen, ohne die Bedürfnisse kommender Generationen zu gefährden“

(Hoffmann 2002:10 zit. nach Wuppertal-Institut 1996:24)

Auf der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro wurde unter anderem die Agenda 21 unterzeichnet – ein Aktionsprogramm der UN über eine globale nachhaltige Entwicklung. Dennoch: von „Entwarnung“ oder einem „Weg der Besserung“ kann nicht die Rede sein. Biermann resümiert:

„Die derzeit geltenden internationalen Verhaltensstandards liegen meist unter dem, was Experten für notwendig halten, um die globale Umweltkrise in nachhaltige Bahnen zu lenken. Zudem mangelt es oft an der Umsetzung der internationalen Vereinbarungen“.

(Biermann in Stiftung Entwicklung und Frieden 2001:313)

Grund dafür ist u.a. der Mangel an Sanktionsmöglichkeiten. Einzelne Nationen nutzen allzu oft ihre Möglichkeit, aus bereits geschlossenen Verträgen auszutreten oder nur in minimalen Ansätzen ihren Verpflichtungen nachzukommen. Resultat sind nationale Alleingänge mit denen globale Umweltprobleme nicht gelöst werden können.

3. Soziale Situation und nachhaltiger Konsum

3.1 Kleiner Exkurs „Konsum“

„Konsum ist ein ... Begriff, der sich auf Verbrauch und Nutzung von Gütern und Diensten vorwiegend durch Haushalte als Wirtschaftseinheit bezieht“.

(Schäfers 1998:190)

Hoffmann weitet den Begriff aus und schreibt:

„Konsum umfasst den Erwerb, den Besitz, den Gebrauch und den Verbrauch von Gütern, Ressourcen und Dienstleistungen. Die Umweltrelevanz des Konsums ist dadurch gegeben, dass sich die Entnahme von Ressourcen aus dem natürlichen Stoffkreislauf und die Rückführung von Abfällen in die Umwelt direkt oder zumeist nachteilig auf das Ökosystem auswirkt.“

(Hoffmann 2000:19)

Offensichtlich ist, dass die alten Bundesländer heute ein Wohlstandsniveau erreicht haben, dass auch trotz Langzeitarbeitslosigkeit so hoch ist wie nie zuvor. Dies eröffnet neue Möglichkeiten des Konsumierens. In den letzten 50 Jahren hat sich in der Bundesrepublik ein beträchtlichen Bedeutungswandel im Bereich des Konsums vollzogen: Immer wichtiger werden der Erlebniskauf, der symbolische Kauf, der kompensatorische Kauf oder der Kauf zum Ausdruck von Lebensstilen, quasi als Individualisierungsfaktoren. Im 20. und 21. Jahrhundert kommt dem Konsum mehr Bedeutung zu: Rosenberger geht in seiner These davon aus, dass das Verlangen nach Wohlstand und Konsum noch weiter steigen und sich verankern wird. Als Grund hierfür nennt er die Reaktion auf hektische Veränderungen und Widersprüche in Gesamtdeutschland, die zunehmend als „dunkle Bedrohung“ aufgefasst werden (Rosenberger 1992:10). Konsum prägt somit das Leben zunehmend mehr und erlangt zentrale Bedeutung für das Selbstwertgefühl von Menschen und zur Orientierung in einer komplexer werdenden Umwelt.

Fazit: Mit einem Anstieg des Konsums ist also zu rechnen. Damit gewinnt der nachhaltige Konsum gravierend an Bedeutung.

3.2 Die Bedeutung der sozialen Situation für den nachhaltigen Konsum

3.2.1 Einleitend sei gesagt...

Wie eingangs erwähnt werde ich mich in diesem Abschnitt auf die Untersuchung des Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt a.M. aus dem Jahre 1998 mit dem Titel „Haushaltsexploration der Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen nachhaltiger Konsummuster“ stützen, sowie auf die weitergehende Studie von Hoffmann „Nachhaltiger Konsum nur für Reiche?“ (2000).

Im Mittelpunkt soll die – von Hoffmann formulierte – Frage stehen: Ist nachhaltiger Konsum nur für „Reiche“ möglich? Untersucht wurde, ob Zusammenhänge zwischen der sozialen Situation, insbesondere dem Einkommen eines Haushaltes und der Nachhaltigkeit empirisch festzustellen sind. Anzufügen ist, dass beide Studien mit dem Konzept der Positionierung der Lebensstile im sozialen Raum von Pierre Bourdieu arbeiten. Diese „Nachhaltigkeits-orientierte Lebensstil-Typologisierung wurde bisher insbesondere für Teilbereiche des Konsums entwickelt, z.B. in Bezug auf Energie sparen, Mobilität oder ökologisches Bauen und Wohnen“ (Empacher 2001). 1998 befasst sich erstmals das ISOE im Auftrag des Umweltbundesamtes mit der Typologisierung für nachhaltigen Konsum als Gesamtfeld.

3.2.2 Konkretisierung der Fragestellung

Ansatzpunkt Hoffmanns waren zwei Vermutungen:

1. Je höher das Wohlstandsniveau, desto höher, also desto weniger nachhaltig, ist der Konsum.
2. Zwischen Haushalten mit unterschiedlichem Wohlstandsniveau gibt es neben quantitativen auch qualitative Unterschiede im Konsumverhalten. Es lassen sich in armen und reichen Haushalten jeweils eigene, vom Einkommen abhängige Formen der Nachhaltigkeit identifizieren.

Die Gegenposition nimmt die sog. Luxusgut-These oder auch „Wohlstand-/ Postmaterialismusthese ein. In ihr wird davon ausgegangen, dass umweltgerechtes Verhalten mit konkreten monetären Kosten verbunden ist und somit nur Menschen mit höherem Einkommen in der Lage sind, nachhaltig zu Handeln. „Personen sind nur dann dazu bereit, sich mit Umweltproblematiken zu beschäftigen, wenn primäre Bedürfnisse bereits erfüllt sind. Bei schwieriger ökonomischer Lage sind postmaterialistische Werte, wie z.B. die Sicherung der Umwelt, von geringer Bedeutung“ (Hoffmann 2000 zit. nach Luber/Scherer 1996).

Weiterer Ansatzpunkt sind die fünf Faktoren, die Bodenstein (Hoffmann 2000 zit. nach Bodenstein 1997) bei der Koppelung des Umweltverbrauchs an das Einkommen ausfindig macht:

1. Die Einsparungsmöglichkeiten durch größere Haushalte;
2. Steigende Konsumausgaben für immateriellen Konsum bei höherem Einkommen;
3. Mit dem Konsum zunehmende Sparneigung;
4. Mit dem Einkommen zunehmender Kauf von langlebigen Qualitätsprodukten und
5. Vermehrter Kauf von ökologischen Produkten bei höherem Einkommen.

3.3.3 Strichprobe und Variablen

Die quotierte Stichprobe von 102 deutschen Haushalten wurde, wie bereits erwähnt, im Sommer 1998 vom ISOE gezogen, um eine qualitativ ausgerichtete Studie über Konsumtypen und Konsumstile vorzulegen. Auch Hoffmann bedient sich dieser Daten. Die Stichprobe erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität, weil erstens die Fallzahl zu niedrig ist und zweitens die Stichprobe durch Quotierung und nicht durch Zufallselemente gezogen wurde. Die Quotierung dient der bewussten Hervorhebung bestimmter Merkmale. Dennoch sei gesagt, dass die Quotierung allein keine Repräsentativität verhindert. „Durch diesen qualitativen Ansatz ist die Befragung zwar nicht repräsentativ, kann jedoch durch die präzise Auswahl der Haushalte (Quotierung) für sich in Anspruch nehmen, alle relevanten Bevölkerungsgruppen berücksichtigt zu haben. Dies bedeutet auch, dass die Ergebnisse von Relevanz in Bezug auf die Gesamtbevölkerung sind“ (Empacher 2001). Das ISOE legte sechs Quotierungskriterien fest:

1. Die räumliche Verteilung in Ost- und Westdeutschland, wobei die neuen Bundesländer deutlich überrepräsentiert sind.
2. Die Stadt-Land-Streuung.
3. Bei der Geschlechterquote sind die Frauen stark vertreten 62:37, weil sich die befragten männlichen Haushaltsmitglieder oftmals als inkompetent erwiesen, die detaillierten Fragen zur Haushaltsführung zu beantworten.
4. Die Haushaltsgröße mit einer großen Überrepräsentativität der Haushalte mit mehr als zwei Personen.
5. Die Altersgruppen. Während die 30-45 Jährigen überrepräsentiert sind, ist die Gruppe der über 60 Jährigen unterbesetzt.
6. Die Quotierung nach Beschäftigungsgruppen, wobei Hoffmann davon abrückt und die Indikatoren Einkommen und Bildung wählt, da sich beispielsweise unter den Hausfrauen viele Hochschulabsolventinnen finden lassen und er diese Eintaktung für exakter hält.

Die unabhängigen Variablen wurden wie folgt festgelegt:

1. Zur Erfassung des Einkommen s wurden Einkommensstufen von 1000 DM festgelegt. Bei der Berechnung des Nettoäquivalenzeinkommens wurden jeweils die Werte 1500 DM, 2500 DM usw. genutzt. Nur bei einem Einkommen bis 1000 DM wurde 800 DM als wahrscheinlicher angenommen und in der Kategorie „über 6000 DM“ wurde mit 7000 DM gerechnet.
2. Während das ISOE mit der beruflichen Stellung arbeitet, nutzt Hoffmann die Bildung als Indikator.
3. Für die Variable Lebensform stehen fünf Ausprägungen zur Auswahl:
- Alleinlebende
- Paare
- Alleinerziehende
- Paare mit einem Kind
- Paare mit mehreren Kindern
4. Wenn Kinder zum befragten Haushalt gehörten, wurde die Kinderzahl vermerkt.
5. Die Herkunft aus den alten oder neuen Bundesländern.
6. Das Geschlecht.
7. Und das Alter.

Im Bereich der abhängigen Variablen unterscheidet Hoffmann zwischen Positiven (+) und Negativen (-) Variablen. Als positiv gelten jene, bei denen durch mehr Geld mehr Nachhaltigkeit erreicht werden kann:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3.4 Ergebnisse

Untersucht wurde hinsichtlich des Zusammenhanges zwischen sozialer Situation und Konsumverhalten. Bei der unabhängigen Variable Einkommen wurde eine hohe Korrelation mit der Größe der Wohnung festgestellt. Bei höherem Einkommen ist eine größere Quadratmeterzahl pro Kopf (-) zu verzeichnen, des Weiteren mehr gefahrene Auto-Kilometer pro Kopf (-), eine höhere Anzahl der Schuhe (-), eine häufigere Benutzung einer chemischen Reinigung (-), höhere Heizkosten (-), häufigerer Urlaub an entfernten Orten (-) und stärker motorisierte Autos (-). Nur bei einer einzigen positiven Variablen – außer Haus essen – zeigt sich, dass sie mit höherem Einkommen steigt. Das Fazit lautet also: Hohes Einkommen wirkt sich in geringerer Nachhaltigkeit des Konsums aus.

Die Variable Bildung zeigt deutliche Zusammenhänge mit dem Essengehen (+) und der Technikausstattung (-). Die berufliche Position, sofern sie hoch ist, korreliert stark mit „neue Kleidung für Kinder“ (-) und einer besseren Ausstattung mit technischen Geräten (-).

Bei der Untersuchung der Variablen Lebensform und Kinderzahl haben sich zwei Thesen bestätigt: a) Mit steigender Haushaltsgröße sind eher Wäschetrockner und Spülmaschinen vorhanden, weil ein großer Bedarf an Arbeitsentlastung vorhanden ist. b) Bei größeren Haushalten sind erhebliche Einsparungspotentiale bei Flächen-, Wasser- und Energieverbrauch pro Kopf zu beobachten.

In Bezug auf den Ost/ West-Vergleich wurde herausgefunden, dass in Ostdeutschland weniger Recycling-Schreibpapier verwendet wird (-) und dort insgesamt mehr autoorientierte Verkehrstypen vertreten sind (-).

Das Geschlecht kann nur betrachtet werden, wenn Alleinlebende und Alleinerziehende isoliert betrachtet werden. Dabei wurde festgestellt, dass Frauen häufiger umweltfreundliche Getränkepackungen kaufen (+) und öfter Energiesparmaßnahmen durchführen (+) als Männer. Frauen sind sowohl auf der Einstellungs- wie auf der Verhaltensebene umweltfreundlicher als Männer, ganz besonders zeigt sich dies im Verkehrsverhalten. Die Unterschiede zwischen Einstellungs- und Verhaltensebene sind bei Männern größer als bei Frauen.

Bezüglich des Alter s lässt sich sagen, dass es positiv mit der Quadratmeterzahl pro Kopf korreliert (-) d.h. ältere Menschen haben tendenziell größere Wohnungen. Das kann damit erklärt werden, dass ältere Menschen – nachdem ihre Kinder ausgezogen sind – in der Wohnung bleiben und damit mehr Wohnraum zur Verfügung haben.

Mit Hilfe der Regressionsanalyse findet Hoffmann heraus, dass man nicht eindeutig sagen kann, welche Parameter der sozialen Situation welche Konsumbereiche bestimmen: Das Einkommen steht häufig an erster Stelle und insgesamt am häufigsten vertreten ist die Lebensform. Er betont: Im Bereich der positiven Variablen fällt auf, dass höheres Einkommen die Nachhaltigkeit sogar herabsetzt. So beispielweise bei den Kriterien „Öko-Toilettenpapier“ und „Energiesparmaßnahmen“ – hier wird die Möglichkeit des höheren Einkommens nicht ausgenutzt, sondern ins Gegenteil verkehrt. Bei allen negativen Variablen hingegen wirkt sich hohes Einkommen negativ auf die Nachhaltigkeit aus.

Aus den rund 100 befragten Haushalten hat das ISOE eine Einteilung in zehn Konsumtypen entwickelt, denen je fünf besonders typische Haushalte zugeordnet wurden. Die Typenbildung basiert auf zwei Dimensionen: 1. der sozialen Situation 2. den Orientierungen bezüglich des Konsums.

1. Die durchorganisierten Ökofamilien
2. Die kinderlosen Berufsorientierten
3. Die jungen Desinteressierten
4. Die Alltagskreativen
5. Die Konsum-Genervten
6. Die Ländlich-Traditionellen
7. Die schlecht gestellten Überforderten
8. Die unauffälligen Familien
9. Die aktiven Senioren
10. Die statusorientierten Privilegierten

Diese zehn Typen fassen sowohl das ISOE, als auch Hoffmann für die weitere Bearbeitung in vier Gruppen zusammen:

1. Die Überforderten
2. Die Ökologischen
3. Die Traditionellen
4. Die Privilegierten

Zum Konsumverhalten dieser vier Gruppen. Die Überforderten konsumieren fast überall dort, wo Nachhaltigkeit Geld kostet, von allen Gruppen am wenigsten nachhaltig. Hoffmann ordnet ihnen im „sozialen Raum“ einen Standpunkt zu, an dem sie eine niedrige Bildung und niedriges Einkommen haben. Im Bereich Waschen/ Reinigen gibt es weniger Spülmaschinen und die chemische Reinigung wird fast nie benutzt, was mit dem niedrigen Einkommen erklärt werden kann. Die Urlaubsfahrten sind ressourcenschonend und die Technikausstattung gering. Der Bereich Wohnen kann als relativ nachhaltig angesehen werden.

Die Ökologischen zeigen den nachhaltigsten Konsum. Ihnen wird eine hohe Bildung und niedriges bis mittleres Einkommen zugeordnet. Trotz des geringen Einkommens wählen die Ökologischen viele teure und nachhaltige Konsumvarianten. Auch im Bereich der negativen Variablen konsumieren sie am nachhaltigsten. Besonders sparsam sind sie im Verkehrsbereich, bei der Kinderkleidung, beim Urlaub und beim Energie- und Wasserverbrauch. Aber sie haben häufiger eine Spülmaschine. Tendenziell hat diese Gruppe ein oder mehr Kinder.

Die Traditionellen haben sowohl mittlere Bildung, wie auch mittleres Einkommen. Sie befinden sich im Mittelfeld der Nachhaltigkeit. Der Stromverbrauch ist in dieser Gruppe am geringsten – in Teilbereichen sind die Traditionellen sogar sehr sparsam z.B. beim Wasser. Bei keinem Parameter zeigen sie einen besonders hohen Verbrauch. Sie liegen aber beim Verkehrstyp und beim Urlaub mit den Privilegierten an der Spitze.

Eine hohe Bildung und ein hohes Einkommen haben die Privilegierten. Sie zeigen bei allen negativen Variablen die geringste Nachhaltigkeit im Konsum. Die hier vorhandenen finanziellen Ressourcen führen ohne Ausnahme zu einem Mehrverbrauch und somit zu geringerer Nachhaltigkeit. Die positiven Variablen gleichen da nur wenig aus. Lediglich im Bereich Ernährung konsumieren die Privilegierten am nachhaltigsten.

3.3.5 Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Studie des ISOE und die von Hoffmann gezeigt haben, dass die Nachhaltigkeit des Konsums mit steigendem Einkommen abnimmt. Die Privilegierten konsumieren an wenigsten nachhaltig und die Ökologischen, obwohl an vorletzter Stelle im Einkommen, sind die Nachhaltigsten. Dies hängt wohl mit ihrer hohen Bildung zusammen – natürlich im Zusammenspiel mit ihrem Einkommen. Der Luxusgut-These wird also nicht grundsätzlich widersprochen, da Bildung tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Nachhaltigkeit ausübt.

Das Einkommen muss aber als deutlich stärkerer Faktor angesehen werden, der den positiven Einfluss höherer Bildung überkompensiert. Die hohen finanziellen Mittel werden oftmals genutzt, um im Bereich der negativen Variablen zu konsumieren, also im Bereich Wohnen, Urlaub und Auto. Die großen Unterschiede im Konsum kommen eher durch den unfreiwilligen Verzicht der Ärmeren zustande. Ein wichtiger Faktor im Konsumverhalten ist auch die Lebensform: der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt, wenn die Personenzahl steigt. Als Fazit stellt Hoffmann fest: Obwohl hohes Einkommen den Spielraum für umweltorientiertes Verhalten erhöht, ist materieller Wohlstand tatsächlich das größte Hindernis für nachhaltigen Konsum. Somit kann der Luxusgut-These hinsichtlich des Faktors Einkommen klar und deutlich widersprochen werden. Führt man dieses Ergebnis fort von der nationalen auf die globale Ebene, stellt Hoffmann zu recht fest: „Sowohl für die nationale als auch für die globale Ebene gilt, dass die gemeinsame Lösung des sozialen und des ökologischen Problems unmöglich ist, wenn das soziale Problem dadurch gelöst wird, dass die Armen sich lediglich dem Niveau der Reichen annähern. Das würde ein weiteres Anwachsen des Ressourcenverbrauchs bedeuten und eine nachhaltige Entwicklung verhindern“ (Hoffmann 2000:118). Die logische Konsequenz sieht er in einer Mäßigung des Wohlstandes der Reichen. Meiner Meinung nach ist diese Forderung jedoch mit einer Utopie gleichzusetzen.

4. Literaturverzeichnis

Diekmann, Andreas Empirische Sozialforschung, Reinbek bei Hamburg 2000.

Ders./ Preisendörfer, Peter Umweltsoziologie, Eine Einführung, Reinbek bei Hamburg 2001.

Encarta Professional 2002.

Empacher, Claudia Zielgruppenspezifische Potentiale und Barrieren für nachhaltigen Konsum, auf www.isoe.de

Hoffmann, Rasmus Nachhaltiger Konsum nur für Reiche? 2000 (unveröffentlicht).

Preisendörfer, Peter Umwelteinstellungen und Umweltverhalten in Deutschland, Opladen 1999.

Ders. Soziologie und Ökologie I Grundlagen und Problemstellungen der Umweltsoziologie, Rostock 1997.

Rosenberger, Günther (Hg.) Konsum 2000, Frankfurt a.M. 1992.

Schäfers, Bernhard (Hg.) Grundbegriffe der Soziologie, Opladen 1998.

Stiftung Entwicklung und Frieden Globale Trends 2002, Frankfurt a.M. 2001.

Stoltenberg, Ute/ Eriuccio, Nora Lokale Agenda 21, Frankfurt a.M. 2000.

Treibel, Annette Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart, Opladen 1997.

Wenke, Martin Konsumstruktur, Umweltbewusstsein und Umweltpolitik, Berlin 1993

Daniel Fedders

Nachhaltiger Konsum.

Akteure, Mittel und Aussichten

2007

1. Vorbemerkung

Diese Seminararbeit soll das Thema Umweltschutz auf nationaler Ebene betrachten. Es sollen hauptsächlich die Chancen und Möglichkeiten erläutert werden, die das letzte „Glied“ der möglichen Akteure hat: Die privaten Haushalte bzw. der einzelne Konsument.

Hierbei muss neben Verhaltensweisen, die der Bürger bewusst oder unbewusst tätigt, um Umweltproblemen verschiedenster Art entgegen zu wirken und denen, die der Staat durch Instrumente erst „aktiviert“, unterschieden werden.

Anschließend wird der Begriff des Nachhaltigen Konsums den privaten Konsumenten als Akteur und Zielgruppe im Feld der Umweltpolitik und des Umweltschutzes einführen.

Nach einer Einführung in das Feld der Umweltpolitik soll die Rolle des Nationalstaates, in diesem Fall der Bundesrepublik Deutschland, näher betrachtet werden.

Als Akteur neben Staat und privaten Haushalten werden am Ende der Ausführungen auch die Unternehmen als Anbieterseite bzw. Pendant im Prozess des Konsums kurz betrachtet und deren Möglichkeiten und Verhaltensweisen untersucht.

Als Literatur zur Erstellung dieser Arbeit dienen neben weiteren Titeln unter anderem das Heft „Verbraucherpolitik und Nachhaltigkeit“ aus der Reihe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Bundeszentrale für Politische Bildung, der Titel „Ökonomische Bildung“ von May, die Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage des BMU zum Thema Umweltbewusstsein aus dem Jahr 2006, sowie der Titel „Umweltpolitik“ von Jänicke, Kunig und Stitzel

2. Einleitung

In der Agenda 21, die 1992 auf dem „Erdgipfel“ der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro von den Teilnehmerstaaten unterzeichnet wurde, wurde unter anderem festgestellt, dass in „der Förderung von Verbrauchs- und Produktionsmustern, die zu einer Verringerung von Umweltbelastungen und zur Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse führen; der Vertiefung des Einblicks in die Rolle des Konsumverhaltens und die Klärung der Frage, wie sich nachhaltige Verbrauchsgewohnheiten entwickeln lassen“[1] Handlungsbedarf besteht.

In dieser Aussage wird zweierlei deutlich: Zum einen die wichtige und gewichtige Rolle der Konsumenten in Bezug auf den Umweltschutz, zum andern jedoch auch die Bedeutung der Nationalstaaten in diesem Zusammenhang. Erscheint der einzelne Bürger in seinen Kaufentscheidungen und Verhaltensweisen in Bezug auf die gegebenen Umweltressourcen als kleines, übertrieben gesagt, belangloses Glied in der Kette der Umweltakteure, so lässt die Masse an Konsumenten und somit Konsumentscheidungen und Verhaltensweisen (in der Bundesrepublik immerhin knapp 80 Millionen Menschen) die Bedeutung dieser Gruppe erheblich anwachsen. Deswegen erscheint es unumgänglich, die Lösung für die aktuellen und zwangsläufig auch zukünftigen Umweltprobleme nicht nur auf staatlicher und unternehmerischer Seite, sondern eben auch auf der Ebene der privaten Konsumenten zu suchen. Der Themenbereich Umweltpolitik ist, das macht die Aussage in der Agenda 21 recht deutlich, nicht nur eine Frage staatlichen und unternehmerischen Agierens und Reagierens.

3. Der Konsument: Homo oeconomicus vs. Umweltbewusstsein?

3.1 Das Umweltverhalten von Konsumenten

„Menschliches Verhalten wird durch Präferenzen und Restriktionen gesteuert, und die Menschen sind bestrebt, durch ihre Handlungsentscheidungen Belohnung, Zufriedenheit oder Lust zu erreichen. Akteure wählen dabei diejenige Verhaltensweise, welche die günstigste Differenz zwischen dem Nutzen einer Handlung und den damit verbunden Kosten nach sich zieht.“[2] Diese These über das allgemeine Handeln von Menschen kann letztlich auch auf das Verhalten von Konsumenten und darüber hinaus auf deren Verhältnis zu Umweltschutzbelangen übertragen werden. Diekmann und Preisendörfer beschreiben in ihrer „Low-Cost- These“ genau jenen Effekt, den Braun und Franzen in ihren Ausführungen allgemein formulieren:

Der Grundgedanke der „Low-Cost-These“ des Umweltverhaltens von Konsumenten ist, dass Umwelteinstellungen das Umweltverhalten am ehesten und bevorzugt in Situationen beeinflussen, die mit geringen Kosten bzw. Verhaltensanforderungen verknüpft sind. Je geringer der Kostendruck in einer Situation, desto leichter fällt es den Akteuren (hier: den Konsumenten und privaten Haushalten), ihre Umwelteinstellungen auch in ein entsprechendes Verhalten umzusetzen. Umgekehrt sinkt die Bedeutung von Einstellungen, wenn eine Situation größere Verhaltenszumutungen in sich birgt.[3]

Grundsätzlich ist dem Bürger, der so denkt und handelt, kein Vorwurf zu machen, beschreibt doch schon die Theorie den Homo oeconomicus als „Normaltypen“ des Menschen. Rationalität und Maximierung des eigenen Nutzens liegen schon nach Smith im Wesen des Menschen und müssen auch bei der Beurteilung des Umweltverhaltens berücksichtigt werden.

3.2 Die Umweltprobleme als Folge rationalen Handelns: Der Homo oeconomicus im Konsumenten

Die Wirtschaftstheorie bezeichnet weiterhin weite Teile der Umwelt als öffentliches Gut. Solch ein quasi kostenloses Kollektivgut verführt die Nutzer fast zwangsläufig dazu, es größtmöglich zu nutzen, weil entsprechende Gegenleistungen in den meisten Fällen nicht zu erbringen sind. Auch diese Annahme bestätigt den Homo oeconomicus im Konsumenten. Das Problem hierbei ist jedoch, dass eine solche größtmögliche Nutzung der Ressource Umwelt eine extreme Belastung für diese bedeutet, deren negative Auswirkungen wiederum selten vom einzelnen Individuum, sondern von der Gemeinschaft getragen werden müssen.

Es lässt sich folgern, dass gerade dieses rationale eigennützige Handeln in Bezug auf die Umwelt und deren Ressourcen ein wichtiger Grund für viele Umweltfragen ist. Kuckartz führt seinerseits weitere mögliche Ursachen für ein „nicht umweltgerechtes Verhalten“ vieler Menschen auf[4]:

Das Umweltverhalten wird allzu oft in den Lebensstil der Individuen eingebettet, ohne Rücksicht auf mögliche Auswirkungen zu nehmen. Im Umkehrschluss wäre es also eine Einengung des eigenen Lebensstils, bestimmte Verhaltensweisen einzuschränken oder auf sie zu verzichten. Darüber hinaus ist der Lebensstil in unserer Gesellschaft auch an bestimmte Annehmlichkeiten geknüpft, die entweder aus Gewohnheit oder persönlicher Notwendigkeit nicht wegzudenken sind.

Das Schlagwort Gewohnheit kann zudem auch konkret auf das Konsumverhalten der Menschen bezogen werden: Zufriedenheit mit den Leistungen bestimmter Produkte und Dienstleistungen lässt oft die Suche nach Alternativen, die unter Umständen weniger Umweltbelastung bei vergleichbarer Leistung und Qualität ermöglichen, in den Hintergrund treten.

Als letzter Punkt in der Darstellung heutiger Konsumentenverhaltensweisen soll ein Phänomen genannt werden, welches in der modernen Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Die Suche nach persönlicher Entfaltung und Wahrung persönlicher Interessen lässt den Verbraucher allzu oft an Normen und vernünftigen Handlungen verzweifeln. So stellt es ein Dilemma dar, eigene Vorstellungen und Verhaltensweisen zu Gunsten der Umwelt in den Hintergrund zu stellen, wenn dadurch andere unter Umständen Vorteile hätten, weil sie eben diese Normen nicht beachten.

3.3 Nachhaltiger Konsum- Eine Definition

Spangenberg und Lorek betonen in ihrer Definition von nachhaltigem Konsum, dass dieser über die reine Umweltverträglichkeit hinaus geht[5]. Vielmehr muss diese Art der Nachhaltigkeit um jeweils eine soziale, eine ökonomische und eine institutionelle Dimension erweitert werden. Das Ziel, eine nachhaltige Entwicklung einer Gesellschaft, bzw. global gesehen, der Menschheit, muss mindestens diese vier Dimensionen der Nachhaltigkeit beachten.

Alle Aspekte zu betrachten, würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten, deshalb soll hier die ökologische Dimension weiterhin in vorderster Betrachtung stehen.

4. Umweltbewusstsein: Vom Individuum erkannt oder staatlich vermittelt?

4.1 Definition von Umweltbewusstsein

Ende 1971 richtete der damals auch für Umweltfragen zuständige Bundesinnenminister ein Gremium ein, das sich periodisch mit der Begutachtung der Umweltsituation und deren Entwicklungstendenzen in Deutschland befassen sollte. Dieser Rat von Sachverständigen für Umweltfragen definierte im Jahr 1978 den Begriff Umweltbewusstsein als „Einsichten in die Gefährdungen der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen durch diesen selbst“ und als „Bereitschaft zur Abhilfe“[6]

4.2 Widersprüche bei Umweltbewusstsein und -verhalten

Betrachtet man die oben aufgeführte Definition, so wird auch die Zweiteilung des Umweltbewusstseins deutlich: Zum einen die Erkenntnis, zum anderen die Handlungsbereitschaft. Ergänzend wären unter Umständen noch die Möglichkeiten bzw. die Mittel und der Spielraum für ein Handeln als Variable zu erwähnen.

In Bezug auf die Erkenntnis um die Umweltproblematik und die damit verbundenen notwendigen Verhaltensänderungen zeigt eine Bevölkerungsumfrage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zum Thema Umweltbewusstsein ein ähnliches Bild, nämlich die mangelnde Korrelation zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten:

Als Beispiel wird in einer Teilumfrage nach der Ernährung mit Bio-Lebensmitteln gefragt[7]: für 62% der Befragten spielt die Herkunft der Lebensmittel und somit auch die Art der Herstellung nur eine geringe bis gar keine Rolle. Der Erhalt der „Landschaftliche(n) Schönheit und Eigenart unserer Heimat“ wird jedoch von 93% der Befragten befürwortet.[8] Überspitzt zusammengefasst bedeutet dies: Ein durch Überdüngung und die Züchtung von Monokulturen zerstörtes Land würde die meisten Konsumenten stören, durch die bewusste Ernährung mit Bio- Lebensmitteln, die umwelt- und ressourcenschonend angebaut und hergestellt werden, trägt aber ein Großteil nicht zum Erhalt der Landschaft bei. Auf die Frage, wie der persönliche Beitrag für den Umweltschutz aussieht, wird lediglich von 13% ein umweltfreundliches Konsumverhalten angegeben.[9] Die meiste Aktivität hinsichtlich des Umweltverhaltens kann im Bereich der Mülltrennung und -vermeidung beobachten werden (ca. 65%).[10]

[...]


[1] Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung; 1992

[2] Braun und Franzen, 1995, S. 261

[3] Kukartz nach Diekmann und Preisendörfer, 2001

[4] Kuckartz, 2005, S.6

[5] Spangenberg; Lorek, 2001, S.23

[6] Kuckartz, 2005, S.5

[7] BMU, 2006, S.39

[8] BMU, 2006, S.18

[9] BMU, 2006, S.64.

[10] Siehe ebenda.

Ende der Leseprobe aus 113 Seiten

Details

Titel
Korrekt konsumieren. Die ökologische Macht des bewussten Einkaufens
Autoren
Jahr
2014
Seiten
113
Katalognummer
V279434
ISBN (eBook)
9783656720799
ISBN (Buch)
9783956871481
Dateigröße
912 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
korrekt, macht, einkaufens
Arbeit zitieren
Dr. Christin Löffler (Autor)Daniel Fedders (Autor)L. L. (Autor)Anna-Sophie Buhler (Autor)Janine Kowalla (Autor), 2014, Korrekt konsumieren. Die ökologische Macht des bewussten Einkaufens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279434

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