Zur wissenschaftstheoretischen Einordnung von Wissensmanagement


Hausarbeit, 2013
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1. Wissen
2.2. Management
2.3. Definition Wissensmanagement

3. Ein Modell zum Wissensmanagement – Der wissenstheoretische Ansatz nach Nonaka und Takeuchi

4. Explikation von implizitem Wissen: Hemmnisse und Lösungsansätze

5. Darstellung des Seminarbeitrages der Gruppe: Wissensmanagement

6. Fazit und Reflexion

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der modernen Gesellschaft manifestiert sich Wissen immer stärker zu dem entscheidenden Erfolgsfaktor für die Existenz sowohl Einzelner, als auch von Organisationen. Besonders Unternehmen, als eine Form von Organisationen, sehen sich mit einem globalen Wettbewerb, technisch immer anspruchsvolleren Produkten und Dienstleistungen, kürzeren Innovationszyklen und zunehmenden Kundenerwartungen konfrontiert. Im Zuge dessen ist Wissen vielerorts zum vierten Produktionsfaktor – neben Kapital, Arbeit und Boden – avanciert und ist in modernen Unternehmungen bereits mit bis zu 60 Prozent an der Gesamtwertschöpfung des Unternehmens beteiligt.[1] Im Hinblick auf auf diese Fakten erscheint es durchaus verständlich, wenn das Wissen auf die gleiche Art und Weise zur Steigerung der Produktivität gesteuert werden soll, wie dies mit den klassischen Produktionsfaktoren bereits geschieht. Aus dieser Forderung heraus ist ein neuer Zweig der Unternehmensführung erwachsen, das Wissensmanagement.

In der vorliegenden Ausarbeitung wird der Frage nachgegangen, welche wissenschaftstheoretischen Grundlagen für den gesteuerten Umgang mit organisationalem Wissen existieren und wie diese ausgestaltet sind. Dazu wird im Schwerpunkt auf die Begriffsbestimmung eingegangen, welche sich insbesondere für den Bereich des Wissens als weites Feld an Definitionen und Ansätzen darstellt. Dabei wird versucht, eine Definition herauszuarbeiten, welche sowohl den individuellen Aspekt von Wissen, als auch den organisationalen Bezug berücksichtigt. Neben einem kurzen Exkurs zum Begriff des Managements kann daraus abgeleitet eine Definition für Wissensmanagement gewonnen werden. Weiterhin wird mit dem etablierten Modell zum Wissensmanagement nach Nonaka/Takeuchi exemplarisch ein Ansatz aufgezeigt, mit welchem sich Wissensmanagement konzeptionell-theoretisch beschreiben lässt. Mithilfe einer Literaturanalyse von Schewe/Nienaber erfolgt zum Abschluss des theoretischen Anteils eine Darstellung von Hemmnissen und Barrieren im Wissensmanagementprozess sowie möglicher Lösungsansätze zur Überwindung dieser.

Abschließend erfolgt eine Darstellung des durch die Projektgruppe Wissensmanagement erarbeiteten Wissensmanagementkonzeptes, welches für das Seminar, welches die Grundlage dieser Ausarbeitung ist, erstellt wurde. Neben der Beschreibung der präsentierten Inhalte erfolgt auch eine kurze Bewertung hinsichtlich der Erkenntnisse, welche im Rahmen der folgenden Abschnitte gewonnen werden.

2. Begriffsbestimmung

In der aktuellen Literatur findet sich eine Vielzahl an Definitionen zum Begriff des Wissensmanagements, welche jedoch im Kern vergleichbare Dimensionen aufweisen und sich hauptsächlich im Hinblick auf den Grad der Ausdifferenzierung unterscheiden. Im Fokus steht ein bewusster und systematischer Umgang mit der organisationalen Wissensbasis, unter Zuhilfenahme organisationsumfassender Methoden und Strategien zur Schaffung einer lernenden oder intelligenten Organisation.[2] Um in der Folge aus dem Fundus der offerierten Begriffsdefinitionen eine angemessene Arbeitsdefinition für den Kontext dieser Arbeit zu identifizieren, wird nun genauer auf die beiden Wortbestandteile von Wissensmanagement eingegangen.

2.1. Wissen

Über die exakte Bedeutung des Terminus Wissen existiert ein umfangreicher und anhaltend geführter wissenschaftlicher Diskurs, innerhalb dessen die konkurrierende Vorstellungen einerseits bezüglich der betrachteten Wissenschaftsdisziplin, andererseits aber auch in Abhängigkeit der intradisziplinären Paradigmenwahl betrachtet werden können.[3] Ein interdisziplinär zugänglicher Ansatz besteht in der kausalen Verknüpfung von Zeichen, Daten und Informationen, wodurch dann unter Einbeziehung eines Kontextes Wissen entsteht. Auf der untersten Ebene findet sich eine definierte Menge an Zeichen oder Symbolen, welche für sich genommen über keinerlei Aussagegehalt verfügen. Durch die Ordnung dieser Zeichen auf der Grundlage einer Syntax entstehen daraus Daten. Mithilfe dieser Daten lassen sich Fakten objektiv ausdrücken. Sie sind weiterhin meist einem Zweck unterworfen sowie quantitativ und qualitativ messbar. Eine Information entsteht dann, wenn Daten für einen Zweckbezug kontextualisiert werden, also für den Informationsempfänger eine Bedeutung und einen Erkenntnisgewinn hinsichtlich einer Problem- oder Handlungssituation aufweist. Informationen stellen somit die Vorstufe für Wissen dar, generieren dies aber nicht per se. Durch eine kognitive Vernetzung verschiedener Informationen hinsichtlich eines Handlungskontextes entsteht aus Informationen letztendlich Wissen. Dabei sammelt, organisiert, interpretiert und bewertet ein Individuum die zur Verfügung stehenden Informationen um die dargebotene Situation zu erfassen und daraufhin adäquates Handeln zu generieren.[4]

Wissen als Resultat dieses komplexen Verarbeitungsprozesses kann demnach definiert werden als „„die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Dies umfasst sowohl theoretische Erkenntnisse als auch praktische Alltagsregeln und Handlungsweisungen“[5]. Aus diesem Standpunkt heraus betrachtet wird ein weiterer Aspekt deutlich, nämlich der der Personengebundenheit von Wissen. Während Daten und Informationen relativ unabhängig verarbeitet und übermittelt werden können, entsteht Wissen aufgrund individueller Erfahrungen, Wertevorstellungen und Lebensverläufe.[6] Da diese Definition ausschließlich personenzentriert ist, fasst sie den Begriff für die Betrachtung von Wissen in Organisationen zu kurz. Daher wird in der Folge auf eine weitere Betrachtungsperspektive eingegangen, welche dem Organisationskontext eher entspricht.

Eine Klassifizierung des Wissenskonstruktes gestaltet sich schwierig, da neben der bereits angesprochenen Vielzahl an Wissensdefinitionen auch eine Fülle an denkbaren Entstehungskontexten existiert. Eine Möglichkeit, die organisatorische Wissensbasis zu systematisieren liegt in der Unterscheidung von individuellem und kollektivem Wissen in Verbindung mit der Trennung in explizites und implizites Wissen. Diese Kategorien lassen sich dichotom in einer Vierfelder-Matrix darstellen, woraus wiederum vier Formen organisationalen Wissens resultieren. Bevor diese Einteilung am Beispiel der Typologie von Lam (2000) erläutert wird, werden die einzelnen Dimensionen kurz vorgestellt.

Die Differenzierung von Wissen in implizite und explizite Bestandteile ist im Bezug auf Wissensmanagement von besonderer Bedeutung[7]. Implizites Wissen ist speziell an die Erfahrungen und Tätigkeiten des Einzelnen gebunden und wird maßgeblich durch individuelle Ideale, Werte und Gefühle geprägt. Dabei ist es derartig im persönlichen Erfahrungs- und Tätigkeitskontext verankert, dass es sich nicht ohne Weiteres formal darstellen und artikulieren lässt.[8] Innerhalb des impliziten Wissens wird noch eine Unterteilung in eine kognitive und eine technische Komponente vorgenommen. Dabei beschreibt der technische Anteil die zur Ausübung einer konkreten Handlung notwendigen Wissensbestandteile, während die kognitive Dimension die Wertvorstellungen der Person umfasst.[9] Als Beispiel für implizites Wissen kann das Fahrradfahren genannt werden. Diese Tätigkeit wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt des Lebens erlernt und ist von da an im Normalfall lebenslang verfügbar. Dabei ist es dem Fahrenden jedoch zumeist nicht möglich, die einzelnen Bestandteile dieser komplexen Verbindung aus Motorik, Sensorik und kognitiver Verarbeitung im Einzelnen zu benennen oder zu kommunizieren. Die Abläufe geschehen intuitiv, wodurch das darin enthaltene Wissen gar nicht bewusst verfügbar ist.

Im Gegensatz dazu beschreibt das explizite Wissen die personenunabhängig gespeicherten und abrufbaren Wissensbestandteile, die beispielsweise in Form von Worten oder Zahlen hinterlegt sind. Diese lassen sich zumeist ohne größere Probleme strukturieren, organisieren und übertragen. Es gliedert sich in die Unterformen Verstandeswissen, sequenzielles Wissen und theoretisches Wissen und zielt auf eine objektive Sichtweise hin.[10] Ein Beispiel für explizites Wissen ist die Grammatik einer Sprache. Hierbei werden die Konstruktion und die Anwendung des gesprochenen oder geschriebenen Wortes objektiv und situationsunabhängig festgehalten und sind somit überall und für jeden anwendbar. Inwiefern sich diese beiden Wissensformen tatsächlich dichotom gegenüberstehen, herrscht indes Uneinigkeit im wissenschaftlichen Diskurs. Während Polanyi (1969) auf die Parallelität und Interaktion beider Varianten hinweist,[11] beinhaltet implizites Wissen im aktuelleren Verständnis eine ausschließlich verborgene und nur latent zugängige Wissensmenge. In dem Moment, in dem diese Inhalte artikulierbar gemacht werden, sind sie in den expliziten Charakter überführt und damit der anderen Kategorie zuzuordnen.[12] Im Zuge dieser Ausarbeitung wird, im Sinne der Aktualität der Betrachtung von Wissensmanagement, das Begriffspaar als geteilt und gegensätzlich angesehen.

Die zweite Dimension der Typologie nach Lam (2000) beschreibt die Einteilung in individuelles und kollektives Wissen. Das individuelle Wissen lässt sich dabei entsprechende der eingangs angeführten Definition nach Probst et al. (1997) verstehen. Kollektives Wissen entsteht im Gegensatz dazu dann, wenn mehrere individuelle Wissensträger miteinander in Interaktion stehen. Dabei entsteht einerseits verteiltes Wissen, welches sich aus den Wissensbeständen der in einer Organisation existierenden Individuen zusammensetzt, andererseits aber auch gemeinsames Wissen, welches durch die individuellen Akteure konstruiert wird und als synergetisch betrachtet werden kann.[13]

Ausgehend von diesen zwei Dimensionen mit ihren jeweils zwei Ausprägungen lässt sich die organisationale Wissensbasis in vier Formen darstellen: Embrained, Embodied, Encoded und Embedded. Obwohl in der wissenschaftlichen Literatur auch diesbezüglich wieder mehrere Ansätze vorhanden sind,[14] wird an dieser Stelle das Modell von Lam (2000) exemplarisch dargestellt.

Embrained Knowledge beschreibt das explizit vorhandene Wissen auf Individualebene. Das sogenannte konzeptionelle Wissen basiert auf der kognitiven Fähigkeit, übergeordnete Muster und Prozesse aus dem Einzelfall heraus zu abstrahieren. Weiterhin wird diese Wissensart benötigt, um individuelle Lern- und Veränderungsprozesse reflexiv zu gestalten.

Embodied Knowledge ist die individuell-implizite Wissensform und generiert sich, im Sinne der Definition nach Probst et al (1997), nur über persönlich erlebte Erfahrung. Im Organisationskontext bezieht sie sich beispielsweise auf das aus Projekten oder Gesprächen mit anderen Organisationsangehörigen generierte und verinnerlichte Wissen.

Encoded Knowledge definiert sich als personenunabhängiges, explizites Wissen auf Organisationsebene. Dieses ist formal gespeichert und auch dann verfügbar, wenn einige oder alle Mitglieder der Organisation ersetzt werden. Als Beispiel hierfür können Handbücher, Verhaltensregeln, Datenbanken oder Ablaufprotokolle dienen.

Embedded Knowledge umfasst das sozial konstruierte Organisationswissen, welches in impliziter Form vorliegt. Es ist eingebettet in spezifische Kontexte und ebenso abhängig von den Organisationsangehörigen. Das gemeinsame, kollektive Wissen manifestiert sich in Routinen, Organisationskultur und einem eigenen Sprachsystem und verändert sich über die Zeit hinweg, sofern sich die Individuen, bzw. deren Interaktion wandelt.[15]

Wie die vorangegangenen Betrachtungen zur Begriffsbestimmung zeigen, existieren eine Vielzahl an Begrifflichkeiten und Ansätzen diese zu interpretieren. Vor dem Hintergrund der Zielsetzung dieser Arbeit kann der stark personenfokussierte Wissensbegriff, wie ihn beispielsweise Probst et al (1997) formulieren, den Anforderungen hierbei nicht genügen. Vielmehr muss ein weiter gefasster Wissensbegriff verwendet werden, welcher ebenso die Variationen kollektiver Wissensbestände berücksichtigt. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte wird die Definition nach Gehle (2006) als Wissensdefinition für die weiteren Betrachtungen festgelegt:

„Wissen, gestützt auf Daten und Informationen, bezeichnet die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Es umfasst sowohl theoretische Erkenntnisse als auch praktische Alltagsregeln und Handlungsanweisungen. Es wird von Individuen konstruiert – ist also an Personen gebunden – und repräsentierte deren Erwartungen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. Durch individuelle oder kollektive Anwendung und Interaktion mit anderen Individuen wird das interne und externe Wissen optimal eingesetzt und steigert den Gesamtnutzen für die Lösung der jeweiligen Aufgabenstellung. Dabei wird bestehendes Wissen transferiert und neues Wissen individuell und kollektiv generiert.“[16]

[...]


[1] Vgl. Jaspers (2008), S.1.

[2] Vgl. Probst et al. (2010), S.23f.; Reinmann-Rothmeier et al. (2001), S.18; Willke (2001), S.39.

[3] Vgl. Katenkamp (2011), S.41.

[4] Vgl. Broßmann/Mödinger (2011), S.12; Gehle (2006), S.23f.; Probst et al. (2010), S.15f.

[5] Probst et al. (1997), S.44.

[6] Vgl. Schmiedel-Blumenthal (2000), S. 84.

[7] Vgl. Heisig/Orth (2005), S.19.

[8] Vgl. Nonaka/Takeuchi (1997), S.18f.

[9] Ebd. S.72f.

[10] Vgl. Nonaka/Takeuchi (1997), S.8; ebd. S.73, North (1999), S.49.

[11] Vgl. Polanyi (1969), S.144.

[12] Vgl. Schreyögg/Geiger (2003), S.14; Geiger (2006), S.85f.

[13] Vgl. Völker et al (2007), S.62.

[14] Vgl. Katenkamp (2011), S.55ff.

[15] Vgl. Katenkamp (2011), S.57 zitiert nach Lam (2000).

[16] Gehle (2006), S.34.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Zur wissenschaftstheoretischen Einordnung von Wissensmanagement
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Innovative Gestaltung beruflicher Bildungsprozesse – Möglichkeiten kompetenzorientierter und technologiegestützter Bildungsszenarien
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V279792
ISBN (eBook)
9783656727910
ISBN (Buch)
9783656727781
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wissensmanagement, einordnung
Arbeit zitieren
Master of Arts Robert Möller (Autor), 2013, Zur wissenschaftstheoretischen Einordnung von Wissensmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279792

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