Im Spannungsverhältnis von theoretischer universitärer Ausbildung und der anschließenden praktischen Ausbildungphase liegt ein zentrales Problem in der beruflichen Professionalisierung von Politiklehrkräften. So stimmt oftmals die universitäre Ausbildung nicht mehr mit dem Professionswissen von praktizierenden Politiklehrern überein, ja es kann sogar festgestellt werden, dass praktischer Unterricht oftmals nicht theoretisch reflektiert wird, sondern vielmehr umgekehrt aus der praktischen Berufserfahrung heraus in seinem Aufbau begründet wird. Derartiger Unterricht verfährt nach einem stark selektiven Vorgehen und konstituiert sich durch eine Selektion von „guten“ theoretischen Aspekten für die unterrichtliche Praxis. Es muss sich hier jedoch die Frage stellen, welche Bedeutung die universitäre fachdidaktische Ausbildung für die berufliche Praxis eines Politiklehrers hat bzw. haben kann. Es soll somit der Frage nachgegangen werden, wie sich Professionalität von Politiklehrern im Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis zeigt. Die Arbeit möchte in diesem Kontext ferner Probleme aufzeigen, die oftmals eine tiefere theoretische Begründung der Praxis verhindern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Professionelle Kompetenz von Politiklehrer/-innen
3. Die Bedeutung der fachdidaktischen Theorie für die unterrichtliche Praxis im Fach Politik
4. Probleme zwischen fachdidaktischer Theorie und unterrichtlicher Praxis
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Professionalität von Politiklehrkräften im Spannungsfeld zwischen theoretischer Ausbildung an der Universität und der täglichen unterrichtlichen Praxis konstituiert, und identifiziert Barrieren, die eine tiefere fachdidaktische Fundierung des Unterrichts erschweren.
- Analyse der professionellen Kompetenz von Politiklehrkräften im Kontext der aktuellen Studienstrukturen.
- Untersuchung der Bedeutung fachdidaktischer Theorie als Handlungswissenschaft für den Schulalltag.
- Identifikation der Diskrepanzen zwischen universitärem Wissen und den Anforderungen der Referendariatsphase.
- Diskussion institutioneller und struktureller Hindernisse für eine theoriegeleitete Unterrichtspraxis.
Auszug aus dem Buch
3. Die Bedeutung der fachdidaktischen Theorie für die unterrichtliche Praxis im Fach Politik
Grundsätzlich ist die Fachdidaktik als ein Orientierungsrahmen für professionelles Handeln im Berufsalltag zu verstehen. In diesem Kontext gilt die Fachdidaktik somit als Handlungswissenschaft (vgl. Langner 2013, S. 140). Sie muss somit, anders als die reine Grundlagenwissenschaft, noch anderen Ansprüchen genügen. In der reinen Grundlagenwissenschaft ist es „ausreichend“ im Rahmen von wissenschaftstheoretisch begründbaren Standards zu agieren, während gerade für die Politikdidaktik als Handlungswissenschaft „die unmittelbare oder mittelbare Brauchbarkeit bzw. Fruchtbarkeit des Theoriewissens für die Gestaltung und Verbesserung der Bildungspraxis“ (ebd., S. 140–141) von Belang ist (vgl. ebd.). Somit „wendet sich diese Auffassung von Politikdidaktik als Handlungswissenschaft gegen die Dichotomie von politikdidaktischem Denken und politikdidaktischem Handeln.“ (Langner 2013, S. 141). Die Fachdidaktik steht hierbei als Handlungswissenschaft in einem Spannungsverhältnis von Berufswissenschaft und Tatsachenwissenschaft (vgl. Goll 2013, S. 239). Es muss jedoch betont werden, dass die unterrichtliche Praxis nicht der einzige Bezugspunkt der fachdidaktischen Forschung sein kann (vgl. Langner 2013, S. 141): „Es gibt Forschungsaufgaben, die für die wissenschaftliche Selbstvergewisserung und Profilierung der Politikdidaktik unerlässlich, für die Bildungspraxis hingegen nicht unmittelbar bedeutsam sind.“ (ebd.).
Die Verbindung von fachdidaktischer Theorie mit der unterrichtlichen Praxis fordert grundsätzliche Gedanken zur Differenzierung von wissenschaftlichem und professionellem Wissen (vgl. Langner 2006, S. 114). Nicht, dass beide Wissensbestände identisch wären, „aber das wissenschaftliche Wissen ist in den Teilen, die sich unmittelbar auf die schulische Praxis beziehen als ein zentraler Bestandteil der Praxiskultur zu konzipieren sowie zur Wirkung zu bringen und in diesem Verständnis immer auch Professionswissen.“ (ebd., S. 115). Die Verantwortung wissenschaftliches fachdidaktisches Wissen für die Praxis fruchtbar zu machen obliegt hierbei der universitären Fachdidaktik.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Politikverdrossenheit in der Gesellschaft und leitet daraus die Notwendigkeit gut ausgebildeter Politiklehrkräfte ab, deren Ausbildung kritisch hinterfragt wird.
2. Professionelle Kompetenz von Politiklehrer/-innen: Dieses Kapitel skizziert die heterogene Ausbildungslandschaft in Deutschland und erläutert die fachspezifischen Kompetenzprofile, die durch die Kultusministerkonferenz (KMK) für Absolventen festgelegt wurden.
3. Die Bedeutung der fachdidaktischen Theorie für die unterrichtliche Praxis im Fach Politik: Hier wird die Fachdidaktik als Handlungswissenschaft definiert, die eine Brücke zwischen theoretischer Fundierung und der praktischen Anwendung im Schulalltag schlagen muss.
4. Probleme zwischen fachdidaktischer Theorie und unterrichtlicher Praxis: Das Kapitel analysiert die Gründe für die Abwendung von theoretischem Wissen im Referendariat und identifiziert institutionelle Hürden sowie eine wahrgenommene Praxisferne als zentrale Hindernisse.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Verbesserung des Theorie-Praxis-Verhältnisses nur durch einen intensiven, wechselseitigen Diskurs zwischen Didaktikern und Praktikern erreicht werden kann.
Schlüsselwörter
Politiklehrkräfte, Fachdidaktik, Theorie-Praxis-Verhältnis, Professionalisierung, Handlungswissenschaft, Referendariat, Politikunterricht, Lehrerbildung, KMK-Standards, Berufsbiografie, Politikverdrossenheit, politische Bildung, Kompetenzorientierung, Unterrichtsgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen theoretisch erworbener fachdidaktischer Bildung und der tatsächlichen Unterrichtspraxis von Politiklehrkräften.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die universitäre Lehrerausbildung, die Anforderungen des Referendariats sowie die Rolle der Fachdidaktik als Handlungswissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für die oft problematische Distanz zwischen Theorie und Praxis zu identifizieren und Wege für eine stärkere Professionalisierung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit fachdidaktischen Forschungsergebnissen sowie Standards der Lehrerbildung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Kompetenzprofil von Politiklehrkräften, der Bedeutung theoretischer Fundierung für den Unterricht und der Analyse von Barrieren, die den Transfer von Theorie in die Praxis erschweren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Politikdidaktik, Professionalisierung, Theorie-Praxis-Verhältnis, Lehrerbildung und Handlungswissenschaft.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Referendariats?
Das Referendariat wird als kritische Phase der Professionalisierung beschrieben, in der häufig eine Abkehr von der fachdidaktischen Theorie hin zu einer rein pragmatischen, selektiven Unterrichtspraxis erfolgt.
Welchen Einfluss haben Fachleiter auf die Ausbildung?
Der Autor führt aus, dass Fachleiter die Wirkmächtigkeit fachdidaktischer Theorien beeinflussen können, indem sie diese oft selektiv vermitteln, was eine fundierte individuelle Ausbildung der Lehramtsanwärter behindern kann.
Was fordert der Autor für die zukünftige Lehrerausbildung?
Es wird gefordert, die universitäre Ausbildung stärker auf fachdidaktische Inhalte zu konzentrieren und den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis durch gegenseitige Anerkennung zu fördern.
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- B.A. Patrick Holst (Author), 2014, Professionalisierung von Politiklehrkräften im Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279948