Zu: R. Spaemanns Aufsatz "Philosophische Ethik oder: Sind gut und böse relativ?"

Darstellung und Diskussion zum Begriff eines moralischen Grundausdrucks


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

20 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Gliederung

1 Vorbemerkungen

2 Eine unkritische Darstellung des Textes
2.1 Verschiedene Bedeutungen des Redeteils 'gut'
2.1.1 'gut' in einem funktionalen Sinn
2.1.2 'gut' in einem moralischen Sinn
2.2 Eine Rechtfertigung für das ethische Fragen
2.3 Zwei extrem entgegengesetzte Standpunkte
2.3.1 Eine autoritäre Ansicht
2.3.2 Eine anarchistische Ansicht

3 Ein rationaler Diskussionsversuch
3.1 Das Non Sequitur Verfahren
3.1.1 Aus Wahrem folgt Falsches
3.1.2 Eine wahre Interpretation
3.2 Zur grammatischen Beliebigkeit
3.3 Analytisch-strukturelle Bedeutungsanteile
3.3.1 Eine Quasireihe
3.3.2 Polarkonträre Prädikatoren: schlecht versus böse

4 Zusammenfassung und befreiende Schlussworte

5 Literaturverzeichnis

1 Vorbemerkungen

Der Redeteil 'gut' ist ein in der Alltagssprache häufig verwendeter Ausdruck. Man redet von guten Noten, guten Autos oder guten Menschen, man wünscht sich einen guten Morgen, einen guten Appetit oder eine gute Reise. Es wird gesagt, dass es gut ist dies und jenes zu tun oder nicht zu tun. Dem Ausdruck 'gut' kommt ferner ein zentrale Rolle beim Vollzug moralischer Redehandlungen zu. Ausdrücke, die in verschiedensten Kontexten massenhaft gebraucht werden, weisen meist eine (zumindest partielle) Synonymiedichte auf. Für den Ausdruck 'gut' sei hier eine kleine Liste notiert:

heilsam, ersprießlich, segensreich, unschädlich, unschuldig, wohltuend, förderlich, einträglich, brauchbar, bewährt, anständig, angenehm, anerkannt, ausreichend, erfreulich, fachmännisch, gütig, ja, lohnend, okay, schmackhaft, trefflich, ...

Solch eine umfassende Verwendung von Ausdrücke kann als extensionale Überdehnung eines Ausdrucks angesprochen werden. Mit einer extensionalen Überdehnung eines Redeteils geht oft eine intensionale Leere einher: Dadurch, dass ein Ausdruck in unterschiedlichsten Situationen zahlreich verwendet wird, wird seine Bedeutung immer vager.

Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Problemen, die Entstehen, wenn man sich mit der Bedeutung des Ausdrucks 'gut' auseinandersetzt. Dies geschieht anhand von dem Aufsatz "Philosophische Ethik oder: Sind Gut und Böse relativ?" von Robert Spaemann. Die Arbeit lässt sich im Sinne einer Grobsortierung in zwei Teile gliedern. Im ersten Teil wird versucht die wesentlichen Aussagen des Textes unkritisch und wertungsfrei herauszuarbeiten und zusammenfassend darzustellen ( 2). Im zweiten Teil geht es um zweierlei: Zum einen werden einige Ausführungen von Herrn Spaemann zurückgewiesen und zum anderen wird versucht ein Hauptanliegen von Herrn Spaemann, nämlich die Bestimmung der Bedeutung des Ausdrucks 'gut' voranzubringen (­3).

Was du nicht willst, das man dir tu',

das füg auch keinem andern zu.

2 Eine unkritische Darstellung des Textes

Spaemann versucht zu klären, was die Redeteile 'gut' und 'böse', resp. 'gut' und 'schlecht' bedeuten. Sein Ziel ist es zu zeigen, dass den genannten Redeteilen eine "absolute" Bedeutung zukommt. Er will zum Schluss seines Aufsatzes bewiesen haben,

daß bestimmte Handlungsweisen besser sind als andere - schlechthin besser, nicht nur besser für irgend jemanden oder besser im Verhältnis zu bestimmten kulturellen Normen.[1]

Um zu dieser Schlussfolgerung zu gelangen, geht Herr Spaemann folgendermaßen vor:

Er gibt verschiedene Verwendungsweisen des Wortes 'gut' an, um den Unterschied zwischen einem funktionalen und moralischen Gebrauch des Ausdrucks 'gut' zu verdeutlichen ( 2.1). Sodann folgen Ausführungen, die eine Suche nach der moralischen Bedeutung des Redeteils 'gut' rechtfertigen ( 2.2). Schließlich nennt er zwei Varianten des ethischen Relativismus, um sich durch eine Erörterung dieser Varianten einer "endgültigeren Beantwortung der Frage"[2] nach dem moralisch Guten anzunähern ( 2.3).

2.1 Verschiedene Bedeutungen des Redeteils 'gut'

Der Redeteil 'gut' hat in verschiedenen Kontexten verschiedene Bedeutungen. Auf diesen Umstand weist Spaemann hin, indem er unterscheidet, wie der Redeteil 'gut' von einem Arzt oder einem Finanzfachmann verschieden gebraucht wird. Diese Personen verwenden 'gut' in einem funktionalen Sinn ( 2.1.1). Spaemanns Anliegen ist es, zu zeigen, dass der Redeteil 'gut' auch in einem "absoluten" bzw. "allgemein-gültigen" Sinne gebraucht wird ( 2.1.2).

2.1.1 'gut' in einem funktionalen Sinn

Der Arzt spricht dem Patienten die Empfehlung aus:

Es ist gut, wenn sie noch einen Tag im Bett bleiben.[3]

Was meint die Empfehlung des Arztes? Zuerst gilt es festzuhalten, dass sich diese Empfehlung an einen bestimmten Patienten richtet. Ferner enthält diese Empfehlung eine implizite Zielsetzung, nämlich die Gesundwerdung des Patienten. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte, lässt sich die Empfehlung wie folgt notieren:

Es ist gut für den Patienten, wenn er noch einen Tag im Bett bleibt,

falls er gesund werden will.

Für den Finanzberater führt Spaemann ein analoges Beispiel an und formuliert sodann allgemein, dass in diesen Kontexten 'gut' soviel meint wie:

gut für irgend jemanden in einer bestimmten Hinsicht[4]

In diesem funktionalen resp. instrumentellen Sinn lässt sich der Redeteil 'gut' durch die Hinsicht substituieren. Im Arztbeispiel kann man also 'gut' durch 'gesund' ersetzen. Dies liest sich dann so:

Es ist gesund für den Patienten, wenn er noch einen Tag im Bett bleibt.

Wie lässt sich nun aber sagen, dass Gesundheit etwas Gutes ist? Eine Antwort analog zu obiger Substitution würde ergeben, dass Gesundheit etwas Gesundes ist.[5] Diese offensichtlich zirkuläre Konsequenz legt nahe, dass der Redeteil 'gut' noch in einem anderen Sinne Verwendung findet.

2.1.2 'gut' in einem moralischen Sinn

Spaemann plädiert dafür, dass dem Redeteil 'gut' auch eine "absolute", eine "allgemein gültige", eine "nicht relative"[6] Bedeutung zukommt. Er behauptet, dass es sich hierbei nicht um eine Annahme oder Vermutung handelt, sondern,

[...]


[1] Spaemann, S.22.

[2] Spaemann, S.16.

[3] Spaemann, S.11.

[4] Spaemann, S.12.

[5] Vgl. Spaemann, S.21.

[6] Vgl. Spaemann, S.12ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Zu: R. Spaemanns Aufsatz "Philosophische Ethik oder: Sind gut und böse relativ?"
Untertitel
Darstellung und Diskussion zum Begriff eines moralischen Grundausdrucks
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Einführung in die Naturschutzpädagogik
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V28011
ISBN (eBook)
9783638299084
ISBN (Buch)
9783638748254
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spaemanns, Aufsatz, Philosophische, Ethik, Sind, Einführung, Naturschutzpädagogik
Arbeit zitieren
Stefan Krauss (Autor), 2003, Zu: R. Spaemanns Aufsatz "Philosophische Ethik oder: Sind gut und böse relativ?", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28011

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