"Viele Menschen befinden sich heute, wenn sie ein Buch lesen, in keinem natürlichen Zustand, sondern fühlen sich einer Operation unterworfen, in die sie kein Vertrauen haben." (Robert Musil)
Dieses Zitat von Robert Musil verdeutlicht nur zu gut, wie sich Schüler und Schülerinnen im Literaturunterricht fühlen. Ihnen werden zum Großteil Bücher 'vorgesetzt', die sie weder verstehen noch mögen lernen. In den neuen Rahmenplänen gibt es keine Literaturempfehlungen mehr, was für der Lehrerschaft ein breites Möglichkeitsfeld eröffnen sollte und dennoch greifen die sie jahrein, jahraus auf das gleiche Repertoire an Büchern zurück und vermitteln immer wieder denselben Stoff, den schon Generation um Generation vermittelt bekommen hat.
Schüler lesen kaum noch gern. Ziel eines guten Literaturunterrichts sollte es sein, zum einen auch neuen Büchern die Chance zu geben, für den Unterricht geeignet zu sein und zum anderen ist ein fächerübergreifender Unterricht für Schüler und Schülerinnen motivierend, da sie das Gelernte auf zweierlei Hinsichten anwenden können und auch verstehen, aus welchem Grund sie gewisse Dinge lernen.
Aus diesem Grund soll das Thema dieser Arbeit der Roman „Lilly unter den Linden“ von Anne C. Voorhoeve und seine Einsatzmöglichkeit im Unterricht sein. Es soll untersucht werden, inwieweit das Werk sich für das literarische und das historische Lernen eignet und wie dieses umgesetzt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie
2.1 Literarisches Lernen
2.2 Historisches Lernen
2.3 Verknüpfungsmöglichkeiten
3 Unterrichtseinheit zum Roman „Lilly unter den Linden“
3.1 Sachanalyse
3.2 Einordnung des Themas in den Rahmenplan
3.3 Ziele und Teilziele zur Kompetenzentwicklung
3.4 Formulierung von Stundenthemen und -schwerpunkten
3.5 Strukturierung der Einzelthemen in der Unterrichtseinheit und methodische Umsetzung
3.5.1 Einführung in die Gattung der epischen Texte
3.5.2 Das geteilte Deutschland
3.5.3 Lilly zwischen Ost und West
3.5.4 Zwei Mutterfiguren – Rita und Lena
3.5.5 Republikflucht
3.5.6 Zwischen Freunden und „Geschwistern“
3.6.6 Eine neue Bekanntschaft – Ein neuer Anfang?
4 Exemplarische Darstellung einer Unterrichtsstunde
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Einsatzmöglichkeiten des Romans „Lilly unter den Linden“ von Anne C. Voorhoeve für einen fächerübergreifenden Unterricht, der literarisches und historisches Lernen miteinander verknüpft. Ziel ist es, auf Basis fachdidaktischer Theorien eine Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe I bzw. gymnasiale Oberstufe zu entwerfen, die Schülern den Zugang zu historisch-politischen Themen über literarische Identifikationsfiguren erleichtert.
- Verknüpfung von literarischem Lernen und historischem Geschichtsbewusstsein
- Didaktische Aufbereitung des Themas deutsche Teilung und Mauerbau
- Analyse von Erzählstrukturen und Figurenkonstellationen im Roman
- Methodische Gestaltung von Unterrichtsphasen (u.a. Stationenlernen, Soziogramme, Kreuzverhör)
- Förderung fachspezifischer Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Geschichte
Auszug aus dem Buch
2.2 Historisches Lernen
Für das historische Lernen ist es wichtig die SuS emotional anzusprechen, damit man ihre Aufmerksamkeit gewinnt. Hierfür ist es nach Jörn Rüsen erforderlich sich der Darstellungsweise des Erzählens zu bedienen, um die SuS emotional anzusprechen und sie durch ihre geschichtliche Erfahrung betroffen zu machen. Dies bedeutet, dass geschichtliche Ereignisse als anschauliche Schilderung konkreter temporaler Begebenheitsabfolgen mit direktem Sinneszusammenhang dargeboten werden. Den SuS soll das historische Lernen einfacher gemacht werden, indem Emotionalität, Unmittelbarkeit, Konkretheit und lebendige Erinnerungen im Vordergrund stehen. Dieses Prinzip ist komplett komplementär zu den diskursiven Unterrichtsprinzipien, bei denen auf Rationalität, Distanz, Abstraktion und triste Beweisführung Wert gelegt wird. Die Schüler sollen mit Begeisterung lernen, verstehen und ihr Geschichtsbewusstsein ausbauen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik des Literaturunterrichts und führt in das Ziel ein, den Roman „Lilly unter den Linden“ als Medium für historisches und literarisches Lernen zu etablieren.
2 Theorie: Dieses Kapitel definiert die didaktischen Grundlagen des literarischen und historischen Lernens sowie deren wechselseitige Verknüpfungsmöglichkeiten im Unterricht.
3 Unterrichtseinheit zum Roman „Lilly unter den Linden“: Hier wird das Konzept für eine Unterrichtsreihe erstellt, inklusive Sachanalyse, Zielsetzungen, methodischer Planung und inhaltlicher Strukturierung der Einzelstunden.
4 Exemplarische Darstellung einer Unterrichtsstunde: Ein konkretes Verlaufsmodell zeigt die praktische Umsetzung einer Unterrichtsstunde zum Thema „Zwei Mutterfiguren – Rita und Lena“.
5 Fazit: Das Fazit bestätigt die erfolgreiche theoretische Vereinbarkeit von literarischem und historischem Lernen durch den Roman und reflektiert die Eignung des Stoffes für zehnte Klassen.
Schlüsselwörter
Lilly unter den Linden, Anne C. Voorhoeve, Literarisches Lernen, Historisches Lernen, Geschichtsbewusstsein, Deutschunterricht, Fächerübergreifender Unterricht, Unterrichtseinheit, deutsche Teilung, Republikflucht, Methodenkompetenz, Literaturdidaktik, Sekundarstufe, Romananalyse, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption einer Unterrichtseinheit, die den Roman „Lilly unter den Linden“ nutzt, um literarisches mit historischem Lernen zu verknüpfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die deutsche Teilung (Ost-West-Konflikt), literarische Gattungsmerkmale und die Förderung eines geschichtlichen Bewusstseins durch literarische Texte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schüler durch ein literarisches Werk historisch-politische Zusammenhänge besser verstehen und kritisch reflektieren können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf didaktische Modelle, insbesondere auf die elf Aspekte des literarischen Lernens nach Spinner und die Dimensionen des Geschichtsbewusstseins nach Rüsen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine detaillierte Sachanalyse des Romans und die methodische Planung einer kompletten Unterrichtsreihe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind literarisches Lernen, Geschichtsbewusstsein, deutsche Teilung, Romananalyse und fächerübergreifende Didaktik.
Warum wird im Roman mit einer Analepse gearbeitet?
Die Analepse ermöglicht es der Protagonistin Lilly, ihre Geschichte über mehrere Jahre hinweg in einer Rückblende innerhalb einer einzigen Nacht zu erzählen.
Welche Rolle spielt das Soziogramm in der Unterrichtseinheit?
Das Soziogramm wird als Methode eingesetzt, um die komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen und emotionalen Bindungen der Romanfiguren visuell und greifbar darzustellen.
Wie trägt das „Kreuzverhör“ zur Kompetenzentwicklung bei?
Das Kreuzverhör schult die mündliche Ausdrucksfähigkeit sowie rhetorische Mittel, indem Schüler die Perspektiven verschiedener Akteure (Flüchtende, Staatsorgane) einnehmen und verteidigen müssen.
Welche Herausforderung sieht die Autorin für männliche Schüler?
Die Autorin hinterfragt kritisch, ob sich männliche Schüler in einer zehnten Klasse in die weibliche Protagonistin Lilly hineinversetzen können oder wollen.
- Citar trabajo
- Maria Hanstein (Autor), 2013, Möglichkeiten des literarischen und historischen Lernens durch Anne C. Voorhoeves "Lilly unter den Linden", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280469