Im Jahr 2008 wurde die Bankenbranche durch die Insolvenz der US-Bank "Lehman Brothers" massiv erschüttert. Die Insolvenz war die erste Folge der Finanzkrise, welche durch die sogenannte „Immobilienblase“ ausgelöst wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt gingen viele Experten davon aus, dass eine solch große Bank, mit einer Bilanzsumme von ca. 639 Mrd. Dollar , nicht in die Insolvenz geraten kann. Durch das fehlende Vertrauen drohte nun der Zusammenbruch des gesamten Banksystems. Die US-Regierung verabschiedete daher im Oktober 2008 ein rund 700 Mrd. US-Dollar schweres Rettungspaket für die Banken. Obwohl die Krise durch die US-Bank "Lehmann Brothers" ausgelöst wurde, benötigten auch deutsche Banken staatliche Unterstützung. Die Bundesrepublik Deutschland unterstützte z.B. die Commerzbank aus dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) mit ca. 15 Milliarden Euro an staatlichen Garantien sowie 16,4 Mrd. Euro an stillen Einlagen. Außerdem übernahm der SoFFin 25% plus eine Aktie der Commerzbank für rund 1,8 Mrd. Euro.
Um eine solche Krise in Zukunft zu vermeiden, wurden im europäischen Währungsraum verschiedene präventive Schutzmaßnahmen eingeführt. So gilt z.B. ab 2016 ein Abwicklungsmechanismus, welcher im Ernstfall die Abwicklung eines systemrelevanten Instituts übernimmt. Bei der Abwicklung sollen zunächst die Aktionäre und Sparer des Kreditinstituts herangezogen werden. Im Weiteren wurde eine gemeinschaftliche europäische Einlagensicherung geschaffen, in die alle Institute des Euroraums einzahlen.
Derzeit entwickelt EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier einen Entwurf, welcher eine Trennung des Eigenhandels des Investment-Bankings vom restlichen Bankge-schäft, vor allem dem Commercial Banking, vorsieht. In dieser Arbeit soll geklärt werden, ob das Trennbanksystem einen Eckpfeiler der Finanzmarktstabilität im europäischen Währungsraum darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit
2 Institutionelle Grundlagen des Bankensystems
2.1 Markt- und Organisationsstruktur im Bankenmarkt
2.2 Die Rolle der Geschäftsbanken im Finanzsystem
2.3 Bankensystem im internationalen Vergleich
3 Theoretische Grundlagen zur Finanzmarktstabilität
3.1 Modell der Finanzmarktstabilität
3.2 Risiken für die Finanzmarktstabilität
4 Bezug des Trennbankensystem auf den Finanzmarkt im Euroraum
4.1 Argumentation für das Trennbankensystem in Europa
4.2 Argumentation gegen das Trennbanksystem in Europa
4.3 Kritische Würdigung und Handlungsempfehlung
4.4 SCP: Auswirkungen des Trennbanksystem auf die Stadtsparkasse Düsseldorf
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das Trennbanksystem als notwendiger Eckpfeiler für die Finanzmarktstabilität im europäischen Währungsraum fungieren kann. Dabei wird analysiert, inwieweit die strukturelle Trennung von Einlagengeschäft und Investmentbanking zur Risikominimierung beitragen kann und welche Auswirkungen dies auf bestehende Universalbanksysteme hat.
- Institutionelle Rahmenbedingungen des modernen Bankensystems
- Theoretische Modelle und Risikofaktoren der Finanzmarktstabilität
- Vergleichende Analyse internationaler Ansätze zum Trennbankensystem
- Kritische Bewertung der regulatorischen Reformvorschläge in Europa
- Praktische Implikationen am Beispiel der Stadtsparkasse Düsseldorf
Auszug aus dem Buch
4.1 Argumentation für das Trennbankensystem in Europa
Die Einführung eines Trennbankensystems erscheint aus mehreren Gründen als sinnvoll und erforderlich. Innerhalb der letzten Jahren hat es einige Veränderungen innerhalb der Bankenbranche gegeben. Im Jahr 1998 haben Derivate das dreifache des weltweiten Bruttoinlandsproduktes betragen, das Verhältnis hat sich bis zum Jahr 2011 auf 1:11 verändert. Auch die Bilanzsummen der Kreditinstitute übersteigen zum Teil das Vielfache das Bruttoinlandsprodukts des Sitzlandes. So hat z.B. die Schweizer Großbank UBS eine Bilanzsumme, die 260% des Bruttoinlandsprodukt der Schweiz beträgt. Eine Insolvenz einer solchen Bank hätte massive Ausmaße auf das gesamte Wirtschaftssystem des Landes sowie weltweit.
In vielen Kreditinstituten, welche als Universalbank auftreten, stellte das Investmentbanking in den letzten Jahren die Haupteinnahmequelle dar, bei der Deutschen Bank machte das Investment Banking z.B. im Jahr 2010 ca. 71% des Vorsteuergewinns aus. In den letzten Jahren haben viele Banken ihre Aktivitäten im Investment Banking jedoch zurückgefahren.
Im Gegensatz zum Commercial Banking sind die Erträge aus dem Investment Banking sehr volatil und vom Kapitalmarkt abhängig, durch diese Abhänigkeit kann ein Ergebnis z.B. aus dem Eigenhandel auch negativ sein und damit ein Auslöser einer Krise sein.
Durch das Trennbankensystem würden die Kreditinstitute kleiner werden und wären dadurch leichter zu steuern und zu überwachen. Vor allem eine Abwicklung der kleineren, abgetrennten Banken soll einfacher möglich sein. Da die risikoreichen Quersubventionen entfallen würden, wäre eine risikobewusste Bepreisung der Produkte möglich. Eine Folge daraus wäre, dass die Transparenz und damit auch die Wettbewerbsintensität steigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Erläutert die Problematik nach der Finanzkrise 2008 und definiert das Ziel, die Eignung des Trennbankensystems für den Euroraum zu untersuchen.
2 Institutionelle Grundlagen des Bankensystems: Beschreibt die Struktur von Universalbanken, ihre Rolle im Finanzsystem und die Transformationsleistungen, die sie erbringen.
3 Theoretische Grundlagen zur Finanzmarktstabilität: Analysiert die Teilmärkte des Finanzmarktes sowie zentrale Bedrohungen wie systemische Risiken und Klumpenrisiken.
4 Bezug des Trennbankensystem auf den Finanzmarkt im Euroraum: Führt eine Pro- und Contra-Argumentation zum Trennbankensystem durch und prüft die Auswirkungen auf ein konkretes Institut.
5 Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen und kommt zum Schluss, dass das Trennbankensystem zwar einen Eckpfeiler, aber keine isolierte Lösung für künftige Krisen darstellt.
Schlüsselwörter
Trennbankensystem, Finanzmarktstabilität, Universalbank, Investment Banking, Commercial Banking, Finanzkrise, Systemrisiko, Volcker-Regel, Liikanen-Vorschlag, Eigenhandel, Bankenregulierung, Einlagensicherung, Bilanzsumme, Bank Run, Liquidität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Debatte um die Einführung eines Trennbankensystems und bewertet, ob eine Aufspaltung von Geschäfts- und Investmentbanking die Finanzmarktstabilität im Euroraum erhöhen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die institutionellen Bankstrukturen, theoretische Modelle der Stabilität, internationale Vergleiche von Regulierungsvorschlägen sowie eine kritische Würdigung der Wirksamkeit solcher Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Frage zu klären, ob das Trennbankensystem als wirksamer Eckpfeiler für die Finanzmarktstabilität im europäischen Währungsraum angesehen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analytische Literaturanalyse durchgeführt, ergänzt durch eine kritische Würdigung bestehender Reformvorschläge und ein Fallbeispiel aus der Praxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die institutionellen Grundlagen, die theoretische Herleitung der Stabilitätsrisiken, die spezifische Argumentation für und gegen Trennbankensysteme in Europa sowie eine Fallstudie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Trennbankensystem, Finanzmarktstabilität, Universalbank, Systemrisiko, Eigenhandel und Bankenregulierung.
Wie ist die Stadtsparkasse Düsseldorf von der neuen Gesetzgebung betroffen?
Die Stadtsparkasse Düsseldorf ist nicht direkt betroffen, da ihre Bilanzsumme und ihr Umfang an Investmentbanking-Aktivitäten deutlich unter den Schwellenwerten liegen, die eine zwingende Trennung nach dem neuen Gesetz erfordern.
Warum kritisieren manche Experten das Trennbankensystem?
Kritiker führen an, dass eine Trennung die Diversifikationsmöglichkeiten der Banken einschränkt und die Institute gezwungen sein könnten, risikoreichere Kredite zu vergeben, um Erträge zu sichern. Zudem wird argumentiert, dass auch spezialisierte Banken systemische Gefahren bergen.
- Citation du texte
- Tobias Tilgner (Auteur), 2014, Ist das Trennbanksystem ein Eckpfeiler der Finanzmarktstabilität im Euroraum?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280809