Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob es sich bei der Corporate Social Responsibility-Strategie der Otto-Group um eine glaubwürdige Umsetzung gesellschaftlicher Verantwortung handelt oder dieses Konzept schlichtweg als Mittel zur Gewinnmaximierung genutzt wird.
Bei „Corporate Social Responsibility“ (CSR) oder „unternehmerische Gesellschaftsverantwortung“ handelt es sich um ein Konzept, das zwei Themengebiete miteinander verknüpft, die sich vermeintlich jahrhundertelang kategorisch ausgeschlossen haben: Markt und Moral.
Seit einigen Jahren lässt sich ein zunehmendes Interesse an diesem Konzept beobachten: Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen insbesondere multinationale Konzerne, die mit der Übernahme von CSR ihr gesellschaftliches Engagement proklamieren.
Befürworter sehen darin den freiwilligen Beitrag von Unternehmen die zunehmenden ökonomischen, ökologischen und sozialen Herausforderungen der Globalisierung gemeinsam zu meistern.
Kritiker hingegen sehen in diesen „freiwilligen“ Initiativen nichts anderes als Werbemaßnahmen, die von den eigentlichen Zielen einer internationalen Erwerbsregulierung durch verbindliche Regeln und Gesetze ablenken sollen. Sie unterstellen multinationalen Unternehmen, die als „treibende Kraft der Globalisierung“ bezeichnet werden und deren Umsätze nicht selten die Wirtschaftskraft vieler Länder übertreffen, mit Corporate Social Responsibility reines „window dressing“ zu betreiben. Die Formulierung so genannter Codes Of Conduct oder die Entwicklung neuer Sozialstandards stellen reine PR-Maßnahmen dar, die letztlich nur der Gewinnmaximierung und der Vorbeugung möglicher Imageschäden durch öffentliche Kampagnen dienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Konzept: Corporate Social Responsibility
2.1 Definition und Begriffseingrenzung
2.2 Historische Entwicklung und Akteure
3. Corporate Social Responsibility in der Otto-Group: Ursachen und Motive
3.1 Das Unternehmen: Die Otto-Group
3.1.1 Ursachen für CSR: Spezielle Probleme des Textilsektors
3.1.2 CSR-Außendarstellung und öffentliche Wahrnehmung
3.2 Theoretische Grundlage: Der soziologische Neo-Institutionalismus (NSI)
3.2.1 NSI als Erklärungsmuster für Corporate Social Responsibility in der Otto-Group
3.2.2 CSR als institutionalisierter Mythos in der Otto-Group?
4. Corporate Social Responsibility in der Otto-Group: Analyse
4.1 Hypothesenbildung
4.2 CSR-Aktivitäten und Instrumente
4.2.1 Code of Conduct
4.2.2 Das Sozialmanagementsystem: Internes und externes „Monitoring“
4.2.3 CSR in weiteren (Multi-Stakeholder-) Initiativen: Runder Tisch Verhaltenskodizes und Global Compact
4.2.4 Nachhaltigkeitsberichterstattung
4.3 Hypothesenauflösung
5. Zusammenfassung, abschließende Bewertung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die Corporate Social Responsibility-Strategie der Otto-Group als glaubwürdige Umsetzung gesellschaftlicher Verantwortung zu verstehen ist oder primär als Instrument zur Gewinnmaximierung dient, indem sie die theoretischen Annahmen des soziologischen Neo-Institutionalismus auf die konkreten Maßnahmen des Konzerns anwendet.
- Analyse der CSR-Strategie am Beispiel der Otto-Group
- Untersuchung von Instrumenten wie Code of Conduct und Monitoring-Systemen
- Anwendung des soziologischen Neo-Institutionalismus zur theoretischen Einordnung
- Bewertung der Glaubwürdigkeit von CSR-Maßnahmen in der Wertschöpfungskette
- Diskussion über die Rolle von multinationalen Unternehmen in der internationalen Erwerbsregulierung
Auszug aus dem Buch
3.2 Theoretische Grundlage: Der soziologische Neo-Institutionalismus (NSI)
Der soziologische Neo-Institutionalismus (NSI) gilt heute als eine der wichtigsten Organisationstheorien. Dabei kann er aufgrund seiner Entstehungsgeschichte keineswegs als geschlossene Theorie, sondern vielmehr als ein soziologisches Konstrukt verstanden werden. Mit dem NSI sind zweifelsfrei die Namen Paul J. DiMaggio/ Walter W. Powell, John W. Meyer/ Brian Rowan sowie Lynne G. Zucker in Verbindung zu bringen, welche als die wichtigsten Vertreter dieses Ansatzes gelten. Seine grundlegenden Annahmen und Erkenntnisse sind im Grunde auf drei Aufsätze der genannten Autoren zurückzuführen, die zwischen 1977 und 1983 veröffentlicht wurden.
Bis dato herrschten in der Organisationsforschung solche Ansätze vor, die davon ausgingen, dass der Erfolg von Organisationen „vor allem von einer effizienten Steuerung und Koordination der Arbeitsaktivitäten und Tauschbeziehungen“ (Walgenbach 2002a: 319) abhänge. Zu nennen seien hier vor allem die klassische Managementlehre sowie situative Ansätze, basierend auf dem Bürokratieansatz von Max Weber.
Entgegen dieser Vorstellung stellten Meyer und Rowan im Aufsatz „Institutionalized Organizations: Formal Structure as Myth and Ceremony“ die These auf, dass der Erfolg von Organisationen vielmehr von der Übernahme institutionalisierter Normen und Regeln abhänge, die von der (gesellschaftlichen) Umwelt an die Organisation herangetragen würden (Meyer/Rowan 1977: 341).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in das CSR-Konzept ein, erläutert die Ambivalenz zwischen Markt und Moral sowie die Motivation der Arbeit, die Glaubwürdigkeit der CSR-Strategie der Otto-Group zu hinterfragen.
2. Das Konzept: Corporate Social Responsibility: Hier werden Definitionen und die historische Entwicklung von CSR sowie die verschiedenen Akteure und Ebenen der Erwerbsregulierung theoretisch beleuchtet.
3. Corporate Social Responsibility in der Otto-Group: Ursachen und Motive: Dieses Kapitel stellt das Unternehmen Otto-Group vor, analysiert die spezifischen Probleme des Textilsektors und führt den soziologischen Neo-Institutionalismus als theoretischen Erklärungsrahmen ein.
4. Corporate Social Responsibility in der Otto-Group: Analyse: Im Hauptteil werden auf Basis von vier Hypothesen konkrete CSR-Instrumente der Otto-Group (Code of Conduct, Monitoring, Initiativen, Berichterstattung) hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit geprüft.
5. Zusammenfassung, abschließende Bewertung und Ausblick: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und bewertet die CSR-Strategie der Otto-Group abschließend, wobei auch zukünftige Herausforderungen der internationalen Erwerbsregulierung thematisiert werden.
Schlüsselwörter
Corporate Social Responsibility, Otto-Group, Sozialstandards, Neo-Institutionalismus, Arbeitsbedingungen, Monitoring, Code of Conduct, Wertschöpfungskette, Stakeholder, Global Compact, Nachhaltigkeitsbericht, Erwerbsregulierung, Glaubwürdigkeit, Gewinnmaximierung, Textilsektor
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Corporate Social Responsibility-Strategie der Otto-Group und stellt die Frage, ob diese ein Ausdruck echter gesellschaftlicher Verantwortung ist oder lediglich als Mittel zur Gewinnmaximierung dient.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Implementierung von Arbeits- und Sozialstandards in globalen Wertschöpfungsketten, die Bedeutung von CSR-Instrumenten sowie die soziologische Perspektive des Neo-Institutionalismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu klären, ob die Otto-Group das CSR-Konzept glaubwürdig umsetzt oder ob es sich um eine strategische "Fassade" handelt, um Imageschäden zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt als theoretisches Fundament den soziologischen Neo-Institutionalismus, um durch eine Analyse der verschiedenen CSR-Instrumente und der institutionellen Einbettung der Otto-Group eine Bewertung der Glaubwürdigkeit vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden CSR-Instrumente wie der Code of Conduct, das Sozialmanagementsystem (Monitoring), die Mitgliedschaft in Multi-Stakeholder-Initiativen sowie die Nachhaltigkeitsberichterstattung detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Corporate Social Responsibility, Arbeitsstandards, Neo-Institutionalismus, Monitoring, Glaubwürdigkeit und Wertschöpfungskette.
Warum wird der soziologische Neo-Institutionalismus zur Analyse herangezogen?
Die Theorie dient dazu, das Verhalten von Organisationen im Hinblick auf Umwelterwartungen und die Übernahme von CSR als "institutionellen Mythos" zu erklären, was über rein ökonomische Erklärungsmodelle hinausgeht.
Welche Rolle spielen "Risikomärkte" für die Otto-Group?
Länder, in denen ein hohes Risiko für Verstöße gegen Sozialstandards besteht, werden als Risikomärkte definiert, was die Notwendigkeit von Monitoring-Systemen und Zertifizierungen unterstreicht.
Wie bewertet die Arbeit die Glaubwürdigkeit der Otto-Group?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die Otto-Group die CSR-Strategie nicht nur als "window dressing" betreibt, sondern durch die Nutzung extern überprüfbarer Instrumente wie SA8000 und BSCI eine glaubwürdige Integration in die Unternehmensstruktur anstrebt.
- Arbeit zitieren
- Martin Schröter (Autor:in), 2010, Corporate Social Responsibility in der Otto-Group. Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung oder Mittel zur Gewinnmaximierung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280934