Québec ist die größte von zehn kanadischen Provinzen, die sich nord-östlich direkt an der Grenze der USA entlang des St.-Lorenz Stroms befindet. Die Fläche der kanadischen Provinz beträgt 1, 542,056 km², welche mehr als drei-mal so groß wie die Region Frankreichs ist. Die frankophone Provinz grenzt westlich an der kanadischen Provinz Ontario und östlich an die Provinzen Neufundland und Labrador sowie Neubraunschweig. Québecs landschaftliche Vielfalt und Abwechslung ist faszinierend, denn südlich von Québec befinden sich die Appalachen und nördlich grenzt die Provinz an das Kanadische Schild. Die Landschaft Québecs kennzeichnet sich durch endlose Wald,Taiga und Tundra-Flächen, die sich über eine Millionen Gewässer teilen. Die größte und bekannteste Stadt von Québec ist nicht die Hauptstadt Québec, sondern die Metropole Montréal. Gleichzeitig ist Québec auch die Provinz mit dem höchsten frankophonen Bevölkerungsanteil, was zur Folge hat, dass das Französische von der absoluten Mehrheit gesprochen wird. Aufgrund dessen, dass das français québécois, die Kultur und die öffentlichen Institutionen einen sehr hohen Stellenwert innerhalb Kanadas haben, kann man die Provinz als nahezu „eigenständige Nation“ bezeichnen, wo zurzeit etwa acht Millionen Menschen leben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Québec seit dem Jahre 1791 über ein selbst einberufenes Parlament verfügt, welches zu den ältesten Parlamenten der Welt zählt. Wie bereits angesprochen, stellt die sprachliche Situation der nordamerikanischen Provinz eine große Besonderheit dar. Kanada ist offiziell eine zweisprachige Nation, jedoch wird wie bereits erwähnt in Québec das Französische von der absoluten Mehrheit gesprochen, was wiederum das kulturelle Selbstverständnis der Quebecer fördert . Die folgende Arbeit soll genauen Aufschluss über die Entwicklung und Etablierung der französischen Sprache in Québec geben. Zudem werden sprachliche Charakteristika des français québécois genauer untersucht und der Status der Medien/Gesellschaft und des Frankokanadischen im internationalen Kontext werden näher beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachgeschichtliche Entwicklung
3. Sprachliche Analyse
3.1. Phonetik
3.2. Graphie
3.3. Morphologie
3.4. Lexik
3.5. Semantik
3.6. Syntax
4. Das Joual
5. Umrisse einer standardsprachlichen Norm des français québécois
6. Medien und Gesellschaft
7. Der Status des français québécois
8. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die sprachlichen Charakteristika sowie den gesellschaftlichen und medienrelevanten Status des Französischen in der kanadischen Provinz Québec, um das kulturelle Selbstverständnis und die sprachliche Besonderheit dieser Region innerhalb Kanadas zu beleuchten.
- Historische Entwicklung der französischen Sprache in Kanada
- Linguistische Analyse des français québécois (Phonetik, Morphologie, Syntax, Lexik)
- Charakterisierung des Soziolekts "Joual"
- Standardsprachliche Normen und Sprachplanung in Québec
- Mediale Repräsentation und gesellschaftlicher Status der Sprache
Auszug aus dem Buch
3.1. Phonetik
Vergleicht man das français standard mit dem français québécois, stellt man schnell fest, dass sich die Sprachvarietät von der Sprachnorm in vieler Hinsicht unterscheidet. Besonders auffällig bei der linguistischen Analyse des Frankokanadischen ist die Aussprache. Untersucht man die gesprochene Sprache des Québécois, fällt schnell auf, dass das augenfälligste Merkmal der Aussprache die Einschiebung der Zischlaute [s] oder [z] nach den Mitlauten [t] und [d] ist. Allerdings entstehen die Laute[tz] und [dz] nur vor den Selbstlauten [i] und [u].Beispielsweise wird das französische tu in das frankokanadische[tzü] umgewandelt und die französische Zahl dix wird [dsiß]ausgesprochen. Gemeinerweise ähnelt die Zahl dix somit der französischen Zahl six. Aus dem französischen Satz „Qu’est-ce que tu dis?“ entsteht im Québécois lautlich der Satz „Qu’est-ce que tzü dsi?“16.Ein weiteres, auffallendes Charakteristikum des français québécois ist die finale Betonung bestimmter Buchstaben und deren Kombinationen. Vergleicht man den Rest der frankophonen Bevölkerung mit der population québécoise, stellt man fest, dass die quebecanische Bevölkerung das [t] am Ende von Worten wie thermostat oder standard betont17. Im Anschluss dazu, wird im Québécois das [a] meistens wie ein geöffnetes [o] ausgesprochen, sowie es auch damals in Frankreich vor der Revolution üblich war. Hierbei wird zum Beispiel das typische frankokanadische ich (moi-là) lautlich zum [moä-lô].Außerdem wird das [r] westlich der Provinz sehr stark mit der Zungenspitze gerollt, sowie man es auch zum Teil aus Südfrankreich kennt18.Ein weiteres Merkmal des Frankokanadischen ist die häufige Vereinfachung der Konsonantenverbindungen, was wiederum eine Parallele zum français populaire darstellt. Beispiele hierfür sind Wörter wie probable=[pRobab],autre=[ot] und ministre=[minis].Des Weiteren, lässt sich eine Bewahrung älterer bzw. dialektaler Lautstände beim Diphtong [oi] erkennen. Im Gegensatz zum français standard werden im Frankokanadischen Wörter wie moi und froid lautlich [mwε]bzw.[fRεt] ausgesprochen19.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die geografische und politische Ausgangslage Québecs und definiert die Zielsetzung, die Entwicklung und Etablierung des Französischen sowie dessen Besonderheiten zu untersuchen.
2. Sprachgeschichtliche Entwicklung: Das Kapitel zeichnet die Geschichte von den ersten Entdeckungsfahrten bis zur Etablierung der Zweisprachigkeit und den sprachpolitischen Veränderungen im 20. Jahrhundert nach.
3. Sprachliche Analyse: Es werden linguistische Merkmale des Frankokanadischen in den Bereichen Phonetik, Graphie, Morphologie, Lexik, Semantik und Syntax detailliert dargelegt.
3.1. Phonetik: Dieser Abschnitt behandelt spezifische Aussprachemerkmale wie die Zischlaut-Einschiebung und die finale Betonung im Vergleich zum Standardfranzösischen.
3.2. Graphie: Es wird analysiert, wie sich die Schreibweise durch englische Einflüsse und abweichende Konventionen von der Standardnorm unterscheidet.
3.3. Morphologie: Das Kapitel beleuchtet archaische Sprachformen und morphologische Besonderheiten, die in Québec im Gegensatz zum heutigen europäischen Französisch bewahrt wurden.
3.4. Lexik: Hier wird der Einfluss von Anglizismen und die Bewahrung altfranzösischer Vokabeln (Archaismen) im Wortschatz des français québécois erörtert.
3.5. Semantik: Dieser Teil untersucht die durch den englischen Sprachkontakt geprägte Kombination und Bedeutung von Wörtern und Metaphern.
3.6. Syntax: Es werden syntaktische Besonderheiten, wie die Auslassung von Subjektpronomina, beschrieben, die den Sprachgebrauch in Québec charakterisieren.
4. Das Joual: Dieses Kapitel definiert den Soziolekt "Joual" als populäre, anglizismenreiche Varietät der Arbeiterklasse und beschreibt deren linguistische Merkmale.
5. Umrisse einer standardsprachlichen Norm des français québécois: Der Text diskutiert die Notwendigkeit und Entwicklung einer eigenständigen, prestigeorientierten Norm für Québec jenseits des europäischen Standards.
6. Medien und Gesellschaft: Es wird analysiert, welchen Einfluss verschiedene Medientypen auf die Qualität und den Standard der gesprochenen und geschriebenen Sprache in Québec haben.
7. Der Status des français québécois: Dieses Kapitel bewertet die aktuelle Wertschätzung und den soziolinguistischen Status des Französischen im Kontext der Identitätsbildung Québecs.
8. Schlussbemerkung: Der abschließende Text fasst die autonome Entwicklung des Frankokanadischen zusammen und wagt einen Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen für den Fortbestand der Sprache.
Schlüsselwörter
Québec, français québécois, Sprachgeschichte, Frankokanadisch, Joual, Sprachnorm, Anglizismen, Sprachwandel, Zweisprachigkeit, Identität, Soziolekt, Sprachplanung, Phonetik, Morphologie, Syntax
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den spezifischen Eigenschaften der französischen Sprache in der kanadischen Provinz Québec.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die sprachgeschichtliche Evolution, linguistische Besonderheiten der Varietät, die Entstehung einer eigenen Norm sowie der gesellschaftliche Status der Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Status des français québécois im Vergleich zum europäischen Französisch sowie seine Bedeutung für die kulturelle Identität der Bevölkerung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analysierende Vorgehensweise gewählt, die auf sprachwissenschaftlicher Literatur sowie empirischen Studien zu Sprachgebrauch und Sprachpolitik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte sprachwissenschaftliche Analyse der Ebenen Phonetik, Graphie, Morphologie, Lexik, Semantik und Syntax sowie die Betrachtung soziolinguistischer Aspekte wie den Joual-Soziolekt und mediale Einflüsse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind unter anderem Sprachgeschichte, Frankokanadisch, Sprachnorm, Anglizismen, Identität und Sprachwandel.
Was unterscheidet das "Joual" vom allgemeinen Frankokanadischen?
Das Joual wird als populärer, stark von Anglizismen durchsetzter Soziolekt der Arbeiterklasse im Großraum Montréal definiert, der sich durch spezifische, teils als "kontrovers" empfundene Sprechformen auszeichnet.
Welche Rolle spielt die "Charte de la langue française" für Québec?
Sie gilt als entscheidender Meilenstein, der Québec offiziell zu einem einsprachig französischen Territorium machte und die Sprachplanung sowie den Schutz des Französischen maßgeblich vorantrieb.
- Citation du texte
- Kim Frintrop (Auteur), 2013, Sprachgeschichte und -analyse des Französischen in Québec. Die Rolle in Medien und Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281044