In der heutigen Gesellschaft werden wir mit vielen Problemstellungen konfrontiert, die sich mit der Frage beschäftigen, wie man jeden Bürger gleich und fair behandeln kann. Die deutsche Verfassung soll uns diese Gleichheit und Freiheit garantieren und diverse Institutionen so gestalten, dass schon dort die Voraussetzungen für eine faire Gemeinschaft geschaffen werden. Eine gerechte und freie Gesellschaft ist eine Idee, deren Umsetzung zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt. Eine Frage die sich stellt ist, wie eine Gemeinschaft, basieren auf diesen Idealen, erschaffen werden kann?
John Rawls hat in seinem Hauptwerk "Eine Theorie der Gerechtigkeit" gerade jene Grundgedanken mit ihren Zusammenhängen erläutert. Dieses Buch wurde 1971 veröffentlicht, als er bereits Professor an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts war. Geboren 1921 in Baltimore, Maryland, lernte und lehrte er an mehreren international bedeutenden Universitäten, wie Princeton, Cornell und Oxford University. Auch nach seinem Tod im Jahr 2002 zählt er zu den bedeutendsten Denkern unserer Zeit und als zentraler Theoretiker der liberalen politischen Philosophie.
Noch vor Rawls' Ableben begann ein Streit in Deutschland, der bis heute nicht enden sollte. Im Jahr 2004 wurde das Tragen von religiöser Kleidung durch Lehrkräfte in deutschen Klassenzimmer erstmals in Baden-Württemberg verboten. Weitere Bundesländer folgten dem Beispiel Baden-Württembergs und diese Vorschrift sorgt immer noch für Auseinandersetzungen zwischen gläubigen Lehrkräften und den Vertretern, die Neutralität in der Institution Schule fordern. Seit dem beschäftigen unzählige Verfahren die Gerichte und es scheint keinen Konsens zu geben.
In meiner Hausarbeit werde ich die anfänglich gestellte Problematik und Rawls' „Theorie der Gerechtigkeit" vereinen, indem ich seine beiden Grundsätze der Gerechtigkeit auf das Kopftuchverbot in Schulen anwenden werde. Hierzu ist es nötig einen genaueren Blick auf sein Werk zu werfen. Ich werde meine Diskussion mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit beginnen und fortlaufend die Institutionen, den Urzustand und Rawls' Interpretation vom gleichen und freien Bürger betrachten. Diese Konzepte werde ich im Fazit auf das Kopftuchverbot anwenden und die Fairness dieser politischen Entscheidungen beurteilen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Grundsätze der Gerechtigkeit
Gerechte Institutionen
Der Urzustand
Der Freie und Gleiche Bürger
Fazit
Schlussbemerkung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, John Rawls' "Theorie der Gerechtigkeit" auf die aktuelle gesellschaftliche Debatte um das Kopftuchverbot für Lehrkräfte in Deutschland anzuwenden, um die Fairness dieser Entscheidung aus einer rechtsphilosophischen Perspektive zu beleuchten.
- Grundprinzipien der Gerechtigkeit nach John Rawls
- Struktur und Bedeutung des Urzustands sowie des "Schleiers des Nichtwissens"
- Die Rolle gerechter Institutionen im gesellschaftlichen System
- Kritische Analyse des staatlichen Neutralitätsgebots vs. Religionsfreiheit
- Implikationen des Kopftuchverbots auf die berufliche Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
Der Urzustand
Grundsätze der Gerechtigkeit, Institutionen und Grundfreiheiten, das alles sind Begriffe, die wir vorausgesetzt haben. Nun möchte ich erklären, wie John Rawls die Ausarbeitung eines Gesellschaftsvertrags thematisiert, also die Frage beantwortet, wie sich die Mitglieder einer gerechten Gesellschaft auf solche Definitionen einigten und somit den Weg in eine moderne und gerechte Gemeinschaft ebneten. Somit versucht er "die herkömmliche Theorie des Gesellschaftsvertrags von Locke, Rousseau und Kant zu verallgemeinern und auf eine höhere Abstraktionsstufe zu heben" (Rawls [1971] 1979: 12). "Diese neu formulierte Vertragstheorie leitet die Gerechtigkeitsgrundsätze aus dem aufgeklärteten Selbstinteresse ab" (Höffe 2008: 128). Man muss an dieser Stelle vorausschicken, dass der Urzustand ein Gedankenexperiment ist und nicht historisch betrachtet wird. Die Ausgangssituation nach Rawls ist eine Gruppe von Menschen, die sich unter bestimmten Voraussetzungen zu einer gerechten Gesellschaft formen möchten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Kopftuchverbots für Lehrkräfte in Deutschland ein und skizziert die geplante Anwendung der Rawls'schen Gerechtigkeitstheorie auf diesen Konflikt.
Die Grundsätze der Gerechtigkeit: In diesem Kapitel werden die zwei zentralen Gerechtigkeitsgrundsätze von John Rawls erläutert, die als normativer Maßstab für die Gestaltung der Grundstruktur einer Gesellschaft dienen.
Gerechte Institutionen: Dieses Kapitel untersucht, wie Institutionen als Grundpfeiler der Gesellschaft fungieren und ihre Verantwortung bei der Umsetzung von Gerechtigkeit wahrnehmen.
Der Urzustand: Hier wird das Gedankenexperiment des Urzustands und des "Schleiers des Nichtwissens" beschrieben, das dazu dient, faire Verteilungsprinzipien ohne Wissen über die eigene soziale Position zu entwickeln.
Der Freie und Gleiche Bürger: Das Kapitel widmet sich Rawls' Verständnis des Bürgers, der über moralische Vermögen verfügt und innerhalb eines liberalen Systems als frei und gleich betrachtet wird.
Fazit: Das Fazit wendet die zuvor erarbeiteten theoretischen Konzepte auf das Kopftuchverbot an und bewertet die staatliche Neutralität sowie die Konsequenzen für betroffene muslimische Lehrkräfte.
Schlussbemerkung und Ausblick: Diese Sektion reflektiert die Anwendbarkeit der Theorie auf moderne demokratische Strukturen und adressiert die Notwendigkeit, Integrationsschwellen in einer multikulturellen Gesellschaft zu überwinden.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeit, John Rawls, Theorie der Gerechtigkeit, Urzustand, Kopftuchverbot, Religionsfreiheit, Neutralitätsgebot, Politische Philosophie, Grundstruktur, Chancengleichheit, Liberalismus, Gesellschaftsvertrag, Diskriminierung, Differenzenprinzip, Schleier des Nichtwissens.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen staatlicher Neutralität und individueller Religionsfreiheit anhand John Rawls' Gerechtigkeitstheorie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf Gerechtigkeitsgrundsätze, institutionelle Rahmenbedingungen und die Auswirkungen von religiösen Bekleidungsvorschriften im öffentlichen Schuldienst.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Fairness des Kopftuchverbots im deutschen Schulwesen kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob es mit den Prinzipien von Rawls vereinbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine rechtsphilosophische Analyse angewandt, indem theoretische Gerechtigkeitskonzepte von John Rawls deduktiv auf eine reale politische Debatte übertragen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert die Rawls'sche Theorie (Grundsätze, Institutionen, Urzustand, Menschenbild) und stellt diese der rechtlichen Praxis in Deutschland gegenüber.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Urzustand, Grundfreiheiten, Neutralitätsgebot und Differenzenprinzip definiert.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Institutionen?
Institutionen werden als maßgebliche Akteure gesehen, die für die Wahrung der Gerechtigkeit und das Vertrauen der Bürger verantwortlich sind.
Warum wird das Kruzifix-Urteil zum Vergleich herangezogen?
Es dient dazu, eine Ungleichbehandlung bei der Interpretation religiöser Symbole im öffentlichen Raum aufzuzeigen und die Konsistenz der staatlichen Neutralität zu hinterfragen.
Welche Konsequenz sieht die Autorin für muslimische Lehrerinnen?
Das Verbot wird als faktisches Berufsverbot interpretiert, das für betroffene Frauen schwerwiegende berufliche und soziale Hürden schafft.
Wie lautet die abschließende Einschätzung zum Urteil?
Obwohl das Urteil des Bundesverfassungsgerichts als rechtlich nicht falsch eingestuft wird, betont die Arbeit die Notwendigkeit, sich der negativen Folgen für die Integration bewusst zu sein.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2010, Tradition, Moral, Weltanschauung. Die Anwendung von Rawls' "Theorie der Gerechtigkeit" in einer multikulturellen Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281292