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Die Rolle der wirtschaftlichen Betrachtungsweise in der Gewinnrealisierung nach handelsrechtlichen GoB

Eine exemplarische Analyse anhand verschiedener Geschäftsvorfälle

Titre: Die Rolle der wirtschaftlichen Betrachtungsweise in der Gewinnrealisierung nach handelsrechtlichen GoB

Thèse de Bachelor , 2014 , 48 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Sarah Unterburger (Auteur)

Gestion d'entreprise - Comptabilité, Fiscalité
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Die Bilanzierung ist wesentlicher Bestandteil einer jeden Unternehmung. Der Jahresabschluss als ihr Herzstück ist das wichtigste Mittel, die wirtschaftliche Lage einer Unternehmung darzustellen. So ist grds. auch jeder Kaufmann zur Aufstellung eines „das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluss[es]“ verpflichtet (§ 242 Abs. 1 HGB). Dieser Jahresabschluss ist „nach den Grundsätzen
ordnungsmäßiger Buchführung aufzustellen“ (§ 243 Abs. 1 HGB). Durch diese sehr allgemein gehaltenen Formulierungen ergeben sich vielfältig bilanzielle Detailfragen, u. a. auch die Frage, wann ein Gewinn bilanzrechtlich auszuweisen ist, damit
die tatsächliche Unternehmenssituation adäquat abgebildet wird. Während leistungsstarke Unternehmen einen möglichst späten Gewinnausweis anstreben, um etwaige Steuerzahlungen und Gewinnausschüttungen hinaus zu zögern und das Kapital länger zinslos im Unternehmen zu binden, sind wirtschaftlich schwache Unternehmen an einem frühen Gewinnausweis interessiert, um so ihre Bilanzen aufzubessern. Umso mehr überrascht es, dass es an konkreten gesetzlichen Regelungen zur Bestimmung des Zeitpunkts der Gewinnrealisation bis heute mangelt. Auch der Hinweis, Gewinne in der Bilanz dann zu berücksichtigen, wenn sie realisiert sind (§ 252 Abs. 4 HGB), vermag keine Klarheit zu verschaffen. Möchte man aber den Grundsätzen der Rechtssicherheit und Rechtsklarheit Rechnung tragen, bedarf es insbesondere i. S. d. Gläubigerschutzes eindeutigen und einheitlichen Regeln zur Bestimmung des Zeitpunkts der Gewinnrealisation. [...]

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I Problemstellung

II Das System der handelsrechtlichen GoB

1. Bilanzzweck

a) Vermögens- und Gewinnermittlung

b) Statische und dynamische Bilanzauffassung

2. GoB-Prinzipien der Gewinnrealisation

a) Grundsätzliche Bedeutung der GoB

b) Wirtschaftliche Betrachtungsweise als zentrales Prinzip im GoB-System

c) Realisationsprinzip und Objektivierungsgebot als Leitprinzipien

III Konkretisierung des Gewinnrealisationszeitpunkts

1. Grundsätze der Gewinnrealisation

a) Prinzip des quasi-sicheren Anspruchs

b) Prinzip des hinreichenden Risikoabbaus

2. Abhängigkeit der Gewinnrealisierung von der zugrundeliegenden Zivilrechtsstruktur

a) Kaufverträge

aa) Prinzip des Preisgefahrenübergangs als beherrschendes Gewinnrealisierungskriterium

bb) Vorliegen eines geringfügigen Restrisikos trotz Preisgefahrenübergangs

aaa) Auswirkungen des Rückgabe- bzw. Rücktrittsrechts auf die Gewinnrealisierung

bbb) Auswirkungen von Gewährleistungsansprüchen auf die Gewinnrealisierung

b) Werkverträge

aa) Schuldrechtlicher Begriff des Werkvertrags

bb) Grundsatz: Gewinnrealisierung bei Gesamtabnahme des Werks

cc) Ausnahme: Teilgewinnrealisierung nach dem Fertigstellungsgrad bei langfristigen Werkverträgen

aaa) Teilabnahmeprinzip

bbb) Abrechnungsprinzip

ccc) Verlustantizipationsprinzip

ddd) Bewertungsprinzip

c) Dividenden

aa) Gesetzliche Ausgangslage der Gewinnrealisation für Dividendenausschüttungen

bb) Phasengleiche Aktivierung von Dividendenansprüchen am Beispiel der Mehrheitsbeteiligung einer Muttergesellschaft an einer Tochtergesellschaft

IV Thesenförmige Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bedeutung der wirtschaftlichen Betrachtungsweise für die Bestimmung des Gewinnrealisationszeitpunkts im Handelsrecht. Das zentrale Forschungsziel ist es, aufzuzeigen, wie dieses Prinzip bei der Anwendung von GoB-Grundsätzen hilft, eine periodengerechte und für den Gläubigerschutz relevante Gewinnermittlung zu gewährleisten, anstatt sich rein formalrechtlichen Zivilrechtsstrukturen zu unterwerfen.

  • Analyse des handelsrechtlichen Bilanzzwecks und der Bedeutung der GoB
  • Untersuchung der wirtschaftlichen Betrachtungsweise als Auslegungsmethode
  • Ableitung der Grundsätze der Gewinnrealisierung (quasi-sicherer Anspruch, Risikoabbau)
  • Anwendung auf spezifische Vertragstypen: Kauf- und Werkverträge
  • Kritische Würdigung der phasengleichen Aktivierung von Dividendenansprüchen

Auszug aus dem Buch

b) Wirtschaftliche Betrachtungsweise als zentrales Prinzip im GoB-System

Trotz vielfacher gesetzlicher Normierung ist der Begriff „GoB“ ein unbestimmter Rechtsbegriff. Für die Ermittlung des konkreten Inhalts einzelner GoB-Prinzipien, aber auch einzelner Rechtsnormen, bedarf es Methoden zur Normauslegung. Vorrangig wird heute die teleologische Auslegung, d.h. eine dem objektiven und auch wandelbaren Zweck der Normen entsprechende Auslegungsmethode, als dominierende Normauslegungsmethode angesehen.

Die wirtschaftliche Betrachtungsweise wird nach h. M. als eine Ausprägung der juristischen Methodik der teleologischen Auslegung anerkannt, kommt ihr doch die Aufgabe zu, gesetzliche Tatbestände, aber auch konkrete Sachverhalte, auf die die entsprechenden Rechtsnormen Anwendung finden, nach ihrem wirtschaftlichen Sinngehalt zu interpretieren. Kurz gesagt bedeutet sie die „Berücksichtigung des faktisch Wirkenden gegenüber der äußeren Form”. Für eine wirtschaftlich geprägte Interpretationsrichtung besteht natürlicherweise im Handels- und Steuerrecht eine besondere Notwendigkeit, sind in diesen beiden Rechtsgebieten doch ökonomische Sachverhalte der Ausgangspunkt der gesetzlichen Regelungen, sodass diese auch unter Zuhilfenahme einer wirtschaftlichen Sichtweise beurteilt werden müssen. Im Bilanzrecht ist die wirtschaftliche Betrachtungsweise nach h. M. und Rechtsprechung vorherrschend. Im Kern bedeutet „wirtschaftliche Betrachtungsweise“ die Abkehr von einer rein formalrechtlichen Betrachtungsweise, d.h. dem reinen Abstellen auf die Frage nach den zivilrechtlichen Verhältnissen und Objektivierungsbestrebungen, wodurch oftmals der wirtschaftliche Sinn hinter den Normen verkannt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

I Problemstellung: Einleitung in die Bedeutung der Bilanzierung und die Notwendigkeit einheitlicher Regeln zur Gewinnrealisierung zum Gläubigerschutz.

II Das System der handelsrechtlichen GoB: Untersuchung des Bilanzzwecks und der grundlegenden GoB-Prinzipien, mit besonderem Fokus auf der wirtschaftlichen Betrachtungsweise als Leitprinzip.

III Konkretisierung des Gewinnrealisationszeitpunkts: Detaillierte Analyse der Gewinnrealisierung anhand des quasi-sicheren Anspruchs sowie Anwendung auf Kaufverträge, Werkverträge und Dividenden.

IV Thesenförmige Zusammenfassung: Kompakte Darstellung der zentralen Ergebnisse hinsichtlich der Überlegenheit der wirtschaftlichen Betrachtungsweise für die zweckmäßige Jahresabschlussaufstellung.

Schlüsselwörter

Gewinnrealisierung, GoB, wirtschaftliche Betrachtungsweise, Gläubigerschutz, Realisationsprinzip, Objektivierungsprinzip, Bilanzzweck, Kaufvertrag, Werkvertrag, Dividenden, phasengleiche Aktivierung, quasi-sicherer Anspruch, Risikominimierung, Jahresabschluss, Handelsrecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der handelsrechtlichen Gewinnrealisierung und der zentralen Rolle, die das Prinzip der wirtschaftlichen Betrachtungsweise dabei einnimmt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Schwerpunkte sind die Bilanztheorie, die Auslegung von GoB (Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung), die Gewinnrealisationszeitpunkte bei verschiedenen Vertragstypen sowie die Abgrenzung zur formalrechtlichen Sichtweise.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie eine wirtschaftlich orientierte Auslegung der Normen zu einer adäquateren Abbildung der Unternehmenssituation und zum Schutz des Gläubigers führt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die juristische Methodenlehre, insbesondere die teleologische Auslegung, um die Prinzipien der Gewinnrealisierung aus den handelsrechtlichen Rahmenbedingungen abzuleiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die GoB-Prinzipien, das Realisationsprinzip, das Objektivierungsgebot und wendet diese Erkenntnisse spezifisch auf Kauf- und Werkverträge sowie auf Dividendenansprüche an.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Gewinnrealisierung, wirtschaftliche Betrachtungsweise, GoB, Gläubigerschutz, Realisationsprinzip und Periodengerechtigkeit.

Welche Bedeutung hat das Prinzip des „quasi-sicheren Anspruchs“?

Es dient dazu, den Gewinnrealisierungszeitpunkt so zu bestimmen, dass nur solche Gewinne ausgewiesen werden, deren Zahlung „so gut wie sicher“ ist, um eine zu frühe oder riskante Gewinnausschüttung zu verhindern.

Warum ist die phasengleiche Aktivierung bei Dividenden umstritten?

Sie ist umstritten, da sie von der formalrechtlichen Notwendigkeit eines Gewinnverwendungsbeschlusses abweicht, unter wirtschaftlicher Betrachtungsweise jedoch bei einer Mehrheitsbeteiligung als realisiert angesehen werden kann.

Wie unterscheidet sich die Gewinnrealisierung bei Kauf- und Werkverträgen?

Während beim Kaufvertrag meist die Übergabe bzw. der Gefahrübergang maßgeblich ist, erfolgt die Gewinnrealisierung beim Werkvertrag in der Regel erst mit der Gesamtabnahme des Werks durch den Besteller.

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Résumé des informations

Titre
Die Rolle der wirtschaftlichen Betrachtungsweise in der Gewinnrealisierung nach handelsrechtlichen GoB
Sous-titre
Eine exemplarische Analyse anhand verschiedener Geschäftsvorfälle
Université
European University Viadrina Frankfurt (Oder)  (Universität)
Note
1,3
Auteur
Sarah Unterburger (Auteur)
Année de publication
2014
Pages
48
N° de catalogue
V281653
ISBN (ebook)
9783656865063
ISBN (Livre)
9783656865070
Langue
allemand
mots-clé
rolle prinzips betrachtungsweise gewinnrealisierung
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Sarah Unterburger (Auteur), 2014, Die Rolle der wirtschaftlichen Betrachtungsweise in der Gewinnrealisierung nach handelsrechtlichen GoB, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281653
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