Wirtschafts- und Arbeitswerte im Wandel


Seminararbeit, 2011
23 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des Wertewandels
2.1 Definition Werte
2.2 Abgrenzung Wirtschafts- und Arbeitswerte
2.3 Tendenzen und Ursachen des Wertewandels

3 Entwicklung der Arbeitswerte
3.1 Die Arbeitsethik des mittelalterlichen Katholizismus
3.2 Die Arbeits- und Berufsethik des Luthertums
3.3 Die Arbeit-/ Berufsethik des Calvinismus und der Reformationskirchen
3.4 Die Arbeits- und Berufsethik der Moderne
3.5 Die Arbeits- und Berufsethik der Postmoderne

4 Fazit und Ausblick
4.1 Die Bedeutung für das moderne Management

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Pflicht- und Selbstverwirklichungswerte nach Klages

Abbildung 2: Auswahl an bürgerlichen Werten und Tugenden

Abbildung 3: Auswahl an Arbeits-und Berufswerten

Abbildung 4: Entwicklung zur postmodernen Gesellschaft

Abbildung 5: Auswahl an individualistischen Wertorientierungen

1 Einleitung

In der heutigen Zeit ist die Veränderung die einzig dauerhafte Konstante in unserer Gesellschaft. Schnelllebigkeit prägt unseren Alltag und daher können wir bei genauerer Betrachtung der Interessen und Bedürfnisse der Bevölkerung zwischen der Vergangenheit und Heute unstetige und große Veränderungen verzeichnen. Im Hinblick auf die Wirtschafts- und Arbeitswelt lässt sich erkennen, dass das Arbeitsbewusstsein bzw. die Arbeitseinstellung der Menschen sowie die Wert-haltungen, die den handlungsleitenden Systemimparativen innerhalb des Wirtschafts-systems zugrunde liegen, einem Wandel unterliegen. Stehen Werte und Arbeitsauffassung und –moral im Allgemeinen in einem engen Kontext, sind sie eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Entfaltung. Eine hoch entwickelte Gesellschaft ist dann in der Lage die Lebens- und Arbeitsstandards zu verbessern und eine Steigerung des Wohlstands zu bewirken.1 Fraglich ist, ob die Arbeitsleistung und -qualität jener Gesellschaft bei gestiegenem Wohlstand allmählich abnimmt oder ob das Leistungsverständnis dann ein anderes ist und andere Werte wieder mehr von Bedeutung sind. Vor allem in den westlichen Industriegesellschaften bzw. Demokratien spricht man von einer Verschiebung von „kollektiven Pflichtwerten zu individuellen Selbstverwirklichungswerten“.2 Wodurch diese Werte charakterisiert sind, wird im Laufe meiner Seminararbeit ersichtlich.

Im Hinblick auf mein Thema „Wirtschafts- und Arbeitswerte im Wandel“ möchte ich zunächst Werte definieren und Wirtschafts- von Arbeitswerten abgrenzen. Zudem erkläre ich die Bedeutung, Tendenzen und Ursachen des Wertewandels. Im weiteren Verlauf gehe ich ausschließlich auf den Wandel der Arbeitswerte in westlichen Gesellschaften ein. Ich möchte zeigen wie die kollektiven Pflichtwerte entstanden sind und welche Rolle dabei die protestantische Ethik spielt. In einem letzten Schritt möchte ich den Übergang zu den individuellen Selbstverwirklichungswerten erläutern sowie dessen Konsequenzen für das moderne Management.

2 Grundlagen des Wertewandels

2.1 Definition Werte

Werte spielen eine wichtige Rolle innerhalb von Kulturen und/oder Gesellschaften, denn sie gelten als Orientierungslinie für menschliches Handeln. Im Gegensatz zu Normen (Rechte, Vorschriften) sind Werte eher Wünsche sowie Ziel- und Moral-vorstellungen, die vor allem in der frühen Phase des Reifeprozesses eines Menschen verinnerlicht werden. Der Mensch lässt sich also von dem leiten, was er als wichtig empfindet. Für die Gesellschaft sind Werte insofern relevant, da sie die Gesellschaft von innen heraus festigt, stabilisiert und zusammen hält.3

2.2 Abgrenzung Wirtschafts- und Arbeitswerte

Vor dem Hintergrund der Makro-Ebene ist die Wirtschaft neben der Politik, Religion, Technik usw. ein Subsystem der Gesellschaft und sieht sich deswegen mit den öffentlichen Wertansprüchen und gesellschaftlichen Strukturen konfrontiert. Damit ein Unternehmen, ein Produkt oder eine Dienstleistung geschätzt wird, müssen zunächst öffentliche Wertansprüche weitgehend bedient werden. Dazu gehören u.a. die Übernahme der gesellschaftlichen Verantwortung sowie die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit, Umwelt, Gesundheit, Sicherheit.4

Arbeitswerte hingegen beziehen sich auf Werthaltungen und –orientierungen von allen Individuen (Mikro-Ebene) und Kollektiven (Meso-Ebene), die eine Arbeit verrichten (z.B. auch Hausfrauen). Im Mittelpunkt bei den Individuen stehen die Arbeitseinstellung, das Arbeiterbewusstsein, die Arbeitsauffassung und das mit der Arbeit verbundene Motiv; zum Beispiel gilt Arbeit als Eigenwert und zentrales Lebensinteresse im traditionellen Sinne. Gruppen und Organisationen hingegen leiten ihr Handeln von den Arbeitswerten im Bereich der Unternehmenskultur und –kommunikation sowie bei Führungsfragen ab; Zum Beispiel spielen die Anerkennung von Autoritäten oder der Wunsch nach Partizipation eine Rolle.5

2.3 Tendenzen und Ursachen des Wertewandels

Mit Mitte der 1960er Jahre vollzog sich nach Klages ein allgemeiner Wertewandel mit weitreichendem Einfluss auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Der Begriff „Wertewandel“ bezeichnet Veränderungen im Bereich der Werte. Genauer gesagt, meint er den Wandel von Wertorientierungen besonders in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten und impliziert einen Bedeutungsverlust von Akzeptanz – und Pflichtwerten während auf der anderen Seite die Bedeutung von Autonomie-werten zunimmt.6 Erstere meinen den Wunsch nach Ordnung, Disziplin, Pflicht, Gehorsam, Leistung, Fleiß, Sparsamkeit, Unterordnung und grundsätzlichem Vertrauen (Abbildung 1, linke Spalte).

Zu den Autonomiewerten zählen moderne Werte wie Selbstverwirklichung, Selbst-bestimmung, Partizipation, Lebensgenuss, Freude, Erfüllung, Ungebundenheit und Abwechslung (Abbildung 1, rechte Spalte). Inwieweit und ob überhaupt der neue Individualismus zur Abwendung von Arbeit, Beruf und Leistung führt, wird im Schlussteil erläutert.

Darüber hinaus ist anzumerken, dass nicht einfach neu geschaffene Werte alte ablösen. Es handelt sich vielmehr um eine Vielzahl von bestehenden Werten, bei der sich im Laufe der Zeit die Rangordnung je nach Präferenzen der Gesellschaft verändern kann. Demnach wächst die Bedeutung von gewissen Werten stärker und bei anderen bleibt sie unverändert.7

Eine eindeutige Festlegung der Ursache des Wertewandels ist nicht möglich, da verschiedene Faktoren für den Wertewandel ursächlich sind. Demzufolge gibt es mehrere theoretische Ansätze von verschiedenen Wissenschaftlern. Ronald Inglehart führte Anfang der 1970er Jahre den Begriff „Stille Revolution“ ein. Damit ist ein Wandel von Werten und Überzeugungssystemen gemeint, der sich hauptsächlich durch einen Generationswechsel vollzieht. Inglehart verweist zunächst auf die Mangel- bzw. Knappheitshypothese, welche besagt, dass materialistische Bedürf-nisse (z.B. Sicherheits- und Existenzbedürfnisse), wenn sie hinreichend erfüllt sind, von postmaterialistischen Bedürfnissen (z.B. Selbstentfaltungsbedürfnisse) abgelöst werden. Zudem werden Dinge, die verhältnismäßig knapp sind, subjektiv am höchsten geschätzt. In einem zweiten Schritt spricht Inglehart von der Sozialisationsphase. Das bedeutet, dass Wertorientierungen primär in den ersten 20 Jahren eines Menschen, die sogenannten formativen Jahre, ausgebildet werden und dann relativ konstant bleiben. Demzufolge ist die Nachkriegsgeneration aufgrund von materiellem Mangel heute noch primär materialistisch orientiert, währenddessen eine junge Generation, die überwiegend in Prosperität aufwächst, post-materialistische Orientierungen aufweist.8 Generell bleibt einer von vielen Kritikpunkten noch anzumerken: Nach Inglehart liegen entweder nur materialistische oder postmaterialistische Werte vor. Jedoch kann es auch zu Mischformen kommen, denn Werte können sich gegenseitig bedingen, beispielsweise sinken Arbeitsmotivation und –qualität sowie die Werte Pflicht und Disziplin bei Post-materialisten mit instrumentellen Arbeitsauffassungen nicht zwingend, da Arbeit notwendig ist um einen gewissen Lebensstandard und eine bestimmte Lebensqualität zu gewährleisten.9 Erst durch diesen geschaffenen Standard sind Werte wie z.B. Genuss, Erfüllung und Abwechslung möglich.

Klages erweitert die Theorie Ingleharts und zieht neben der ökonomischen Prosperitätsthese einen weiteren Grund als Ursache für den Wertewandel heran. Die Bedeutung einzelner Erziehungswerte hat sich verändert. In der Nachkriegszeit galt „Selbstständigkeit und freier Wille“ als Haupterziehungsziel. Im Gegensatz dazu ist die Bedeutung von „Gehorsam und Unterordnung“ innerhalb der Erziehung ge-sunken.10

Ein weiterer wichtiger Vertreter der Soziologie ist Max Weber. Der deutsche Soziologe ist der Frage nachgegangen, warum sich im okzidentalen Kulturkreis ein rationaler moderner Kapitalismus entwickelte. Tendenziell hat sich die Qualität des Denkens und Wissens verändert, sodass Neigungen zum kritischen, rationalen und pragmatischen Denken bestehen, wohingegen religiöse Denkmuster an Bedeutung verlieren. Weber spricht von einem „Rationalisierungs– und Entzauberungs- prozess“.11 In seinem Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ sieht Weber einen Zusammenhang zwischen den ethischen Prinzipien des Protestantismus und wirtschaftlichem Erfolg. Neu im Vergleich zu Inglehart und Klages ist ergo die Miteinbeziehung der Religiosität, welche Einfluss auf Lebensführung und Arbeitsauffassung hat. Weber untersucht in seinem Werk die Arbeitswerte des mittelalterlichen Katholizismus, des Luthertums, des Calvinismus und der Reformationskirchen und abschließend die Arbeitswerte der Moderne.

Im folgenden Kapitel gehe ich gesondert auf diese vier Schritte ein, worauf nach Weber der rationale Kapitalismus, der moderne Unternehmergeist und insbesondere der Individualismus zurückzuführen ist.12 Der neue Individualismus wird im fünften Schritt, in der Postmoderne, ausführlich beschrieben.

3 Entwicklung der Arbeitswerte

3.1 Die Arbeitsethik des mittelalterlichen Katholizismus

Das Mittelalter löst die Antike fließend im 6. Jahrhundert ab und reicht bis in das 15. Jahrhundert. Im Mittelalter wird der Mönch als Ideal dargestellt, da er sich von allen irdischen Problemen, Interessen und Versuchungen abwendet und somit Gott am nächsten ist. Die Lebensweise der Mönche ist durch asketische Ideale bestimmt, welche einen freiwilligen Verzicht auf höherwertige oder individuell befriedigende Ziele impliziert. Arbeit ist in diesem Sinne sekundär und das Lob Gottes primär. Arbeit ist lediglich ein Mittel um Gott zu ehren und je gottgefälliger der Dienst ist, desto höher wird der Wert der körperlichen Arbeit eingeschätzt. Erbrachte Leistungen im Diesseits sind jedoch vergänglich, da sie keinen Beitrag zum ewigen Leben leisten und deshalb für Gott einen geringen Wert haben.13 Durch die Tendenz zur Transzendierung und Dematerialisierung ist auch jeglicher irdischer Besitz und Reichtum als abwertend einzuordnen. Somit verrichtet der Arbeiter nur diejenige Arbeit, die für seine Existenz notwendig ist. Reichtum und Besitz werden als Zufallsgut bezeichnet, da das Schicksal darüber entscheidet, ob dies einem Arbeiter gegeben oder genommen wird, das heißt auch, dass Besitz mit Unsicherheit und Angst verbunden ist, da z.B. mehr Besitz die Kriminalität im Sinne von Diebstählen erhöhen kann. Als Vorbild gilt vor allem der gläubige Mensch, der wenig oder sogar gar nichts besitzt. So war es im Sinne einer spirituellen Lebensweise üblich sein ganzes Hab und Gut zu verkaufen, damit man ganz in der „vita contemplativa“ aufgehen kann. Armut stellt also in dieser Zeit kein größeres Problem dar, sondern gab einem eher die Möglichkeit auf Vollkommenheit und auf die Erlösung Gottes zu hoffen.14 Arbeit war folglich kein knappes Gut, aber jeder sollte je nach Möglichkeiten und Notwendigkeit arbeiten. Bis zur Neuzeit bzw. im Mittelalter gab es noch keine festen Arbeitsverträge bzw. konkret ausgearbeitete Berufsideen, was auch ein Indiz für das Unsystematische ist. Max Weber zufolge wurde erst nach dem mittelalterlichen Katholizismus eine Berufs- und Wirtschaftsethik entwickelt, doch darauf gehe ich später ein. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Menschen im Mittelalter gegenüber der Arbeit moralisch neutral eingestellt waren und ihre Verwirklichung in einem gottgefälligen Leben suchten und deswegen wenige Anreize zum Arbeiten hatten.

3.2 Die Arbeits- und Berufsethik des Luthertums

Bisher waren die Arbeiter sowohl dem Adel als auch dem geistig-geistlichen Stand untergeordnet, woraus eine Abwertung der körperlichen Arbeit resultierte. Martin Luther (1483-1546) hingegen hat sich für eine Aufwertung des Berufslebens eingesetzt und hat somit den Begriff des Berufes erstmals neu definiert. Nach Luther wird nun neben der geistigen bzw. geistlichen auch die körperliche Arbeit als positiv angesehen. Er betont, dass der Beruf eine Berufung („vocatio“) ist und Gott jeden Christ in einen Stand berufen hat. Das zeigt, dass jede Arbeit unterschiedslos als eine Pflicht gegenüber Gott gilt. Luther fügt hinzu, dass die „vita contemplativa“ über-betont wird und kritisiert somit die mittelalterliche Kirche und ihre Lehren, denn Mönche leisten überhaupt keinen Beitrag zur Mitgestaltung der Schöpfung und leben nicht selten über ihre Verhältnisse. Für Luther hat diese Art von Heiligkeit nichts mit Gottwohlgefälligkeit zu tun und verwirft sie deswegen vehement. Arbeit ist in diesem Sinne besser, denn nun gibt es keine Wertunterschiede mehr und jede gottgegebene Berufsarbeit wird im Glauben und in Liebe verrichtet um das Werk Gottes weiter voran zu treiben. Zudem soll die verpflichtende Berufsarbeit Werte wie Treue, Beständigkeit und Ordnungssinn im Menschen verankern. Arbeit soll keine bloße Tätigkeit zur Sicherung des Lebensunterhaltes, sondern soll mit Freude verbunden sein und den Arbeiter noch näher zu Gott bringen, was bisher nur für die privilegierten Mönche möglich war. Durch die Bestrebungen Luthers erhält die Arbeit nun einen sittlichen Wert in der Gesellschaft.15

[...]


1 Vgl. Hillmann (2003), S. 13.

2 Klages u.a. (1992), S. 40.

3 Vgl. Hillmann (2003), S.52f.

4 Vgl. Buß (2008), S. 338ff.

5 Vgl. ebd. S.282-287.

6 Vgl. Klages u.a. (1993), S. 41ff.

7 Vgl. Helfert (1986), S. 7f.

8 Vgl. Inglehart (1989), S. 92ff. und S. 215.

9 Vgl. Pross (1982), S. 99.

10 Vgl. Klages u.a. (1993), S. 42.

11 Vgl. Hillmann (2003), S. 116.

12 Vgl. Buß (2008), S.69ff.

13 Vgl. Schnarrer (1996), S.63ff.

14 Vgl. Schnarrer (1996), S. 66f.

15 Vgl. Weber (2004), S. 96-106.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Wirtschafts- und Arbeitswerte im Wandel
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,7
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V281735
ISBN (eBook)
9783656763826
ISBN (Buch)
9783656763833
Dateigröße
766 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitswerte, Wirtschaftswerte
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Wirtschafts- und Arbeitswerte im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281735

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