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Joschka Fischer erklärt den Ausnahmezustand

Analyse der Rede vom Kosovo-Sonderparteitag am 09.05.1999 in Bielefeld

Título: Joschka Fischer erklärt den Ausnahmezustand

Ensayo , 2012 , 8 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Martin Pfaffenzeller (Autor)

Ciencias sociales (General)
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Joschka Fischers Kosovo-Rede wurde von der Universität Tübingen zur Rede des Jahres 1999 gekürt. Wichtigste Kriterien dieser Auszeichnung sind neben der „Wirkmächtigkeit“, „argumentative Leistung und die stilistische Qualität der Rede“, wobei der „Maßstab der antiken Rhetorik“1 angelegt werden soll. In der sehr wohlwollenden Kritik der Jury um Prof. Dr. Gert Ueding wird unter anderem behauptet, die Rede gäbe „an keiner Stelle der Verführung nach, Diskussionsbereitschaft und rhetorische Vernunft gegen das Wort der Macht oder den Zwang der internationalen Verpflichtung preiszugeben.“2 Genau dieser Aspekt soll im Folgenden kritisch hinterfragt werden, da Fischer im Laufe der Rede die Situation im Ex-Jugoslawien wie einen Ausnahmezustand behandelt, was nach Carl Schmitt ein Akt der Souveränität und der Macht ist. Die Frage, die sich stellt, ist, ob Fischer den Delegierten den Ausnahmezustand „erklärt“ im Sinne einer Erörterung, die zur Diskussion mit potenzieller Belehrung offen ist, oder im Sinne einer Proklamation seiner eigenen souveränen Entscheidung bzw. einer Entscheidung der Parteispitze, die zu schlucken ist.
Zunächst muss ein Überblick über die historische Situation der Rede sowie deren Setting gegeben werden, um die Konfliktlinien, die sich durch die Rede ziehen, nachvollziehen zu können. Anschließend wird er Versuch unternommen, den rhetorischen Übergang von Fischers Ringen mit seinen „geliebten Gegnern“3 zu einem Ringen mit sich selbst nachzuzeichnen. Dabei sollen nicht Fischers Intension oder die Frage nach dessen Integrität im Mittelpunkt stehen, sondern der argumentative Gang der Rede sowie deren Implikationen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Redeanalyse

2.1 Setting: Farbbeutel und Realos versus Fundis

2.2 Inhalt: Äußerer Konflikt wird zu innerem Konflikt

2.2.1 Exordium: Legitimation

2.2.2 Argumentatio

2.2.2.1 Explizit: Nie wieder Ausschwitz, Wahl des geringeren Übels

2.2.2.2 Implizit: Fischer vereint die Diskussion in sich und wird zum Souverän

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die rhetorische Strategie von Joschka Fischer während seiner Rede auf dem Kosovo-Sonderparteitag 1999 in Bielefeld. Dabei wird analysiert, wie Fischer die politische Situation als Ausnahmezustand rahmt, um dadurch seine eigene Souveränität zu behaupten und die Partei auf seinen Kurs zu verpflichten.

  • Rhetorik in der Politik
  • Analyse des Ausnahmezustands nach Carl Schmitt
  • Konfliktlinien zwischen Realos und Fundis bei den Grünen
  • Argumentationsstrukturen zur Legitimierung von Militäreinsätzen
  • Machtausübung und Diskurskontrolle

Auszug aus dem Buch

2.2 Inhalt: Äußerer Konflikt wird zu innerem Konflikt

Fischer bespielt von Anfang an den sich durch die Halle ziehenden Konflikt: die Begrüßung „Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gegner, geliebte Gegner“ erinnert unweigerlich an Carl Schmitt. Freunde sind zum Diskutieren gekommen, Feinde, um zu beharren, zu protestieren, zu sabotieren. Es gilt sie auszuschließen und zu bekämpfen. Fischer beruft sich auf das Prinzip der Diskussion, doch wirkt er zu keinem Zeitpunkt so, als ob er auch nur einen Millimeter von seiner Position abzuweichen gedenkt. Aus diesem Verweis zieht Fischer einerseits Legitimation und legt andererseits die vermeintlichen Spielregeln für den weiteren Ablauf fest.

Dass ein großer Teil seiner inhaltlichen Gegner sich aufgrund der begrenzten Zeit nicht anders artikulieren kann, als eben durch Pfiffe, Sprechchöre usw., übergeht Fischer und exkludiert ihn von der Diskussion. Seinen verbleibenden Gegnern, die noch als Teilnehmer legitimiert sind, versetzt er sofort einen Tiefschlag: „hier spricht ein Kriegshetzer und Herrn Milosevic schlagt ihr demnächst für den Friedensnobelpreis vor.“ Obwohl polemisch, wirkt diese Wendung, nicht mehr die Person Fischer, sondern der Sachverhalt rückt in den Fokus: man hört ihm zu. Weitere Legitimation schafft sein Wissensvorsprung gegenüber den Zuhörern: „Ich war bei Milosevic, ich habe mit ihm 2 1/2 Stunden diskutiert, ich habe ihn angefleht, drauf zu verzichten, dass die Gewalt eingesetzt wird im Kosovo.“ Fischer ist Außenminister, Fischer hat die Ohnmacht der Diplomatie erlebt, Fischer war in den Flüchtlingslagern, Fischer weiß, wie viele Resolutionen verabschiedet wurde. Vor allem aber weiß Fischer, wann das Prinzip Diskussion am Ende ist, z.B. bei Farbbeutelwerfern und serbischen Diktatoren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Kontext der Kosovo-Rede von Joschka Fischer dar und formuliert das Ziel, die Rede kritisch auf ihre rhetorische Strategie der Ausnahmezustands-Proklamation zu untersuchen.

2. Redeanalyse: Dieses Kapitel untersucht das Setting sowie den inhaltlichen Argumentationsgang der Rede, wobei Fischers Vorgehen in Exordium und Argumentatio detailliert analysiert wird.

2.1 Setting: Farbbeutel und Realos versus Fundis: Hier wird die angespannte Atmosphäre des Sonder-Parteitags beschrieben, die durch den internen Konflikt zwischen pazifistischen Grundsätzen und der Regierungsverantwortung sowie physische Proteste geprägt ist.

2.2 Inhalt: Äußerer Konflikt wird zu innerem Konflikt: Dieses Unterkapitel analysiert, wie Fischer den Parteikonflikt durch rhetorische Mittel instrumentalisiert.

2.2.1 Exordium: Legitimation: Es wird dargelegt, wie Fischer durch die Diskreditierung von Gegnern und den Verweis auf seinen eigenen Wissensvorsprung Legitimität für seine Position schafft.

2.2.2 Argumentatio: Der Abschnitt betrachtet die argumentative Beweisführung Fischers, die den Luftkrieg als notwendiges Handeln legitimiert.

2.2.2.1 Explizit: Nie wieder Ausschwitz, Wahl des geringeren Übels: Hier wird Fischers Rückgriff auf das historische Trauma Auschwitz analysiert, das als moralisches Argument für den Kriegseinsatz als kleineres Übel dient.

2.2.2.2 Implizit: Fischer vereint die Diskussion in sich und wird zum Souverän: Dieser Teil beschreibt, wie Fischer durch die rhetorische Übernahme des Diskurses die Definitionshoheit erlangt und sich zum souveränen Entscheidungsträger erhebt.

3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Fischers rhetorische Brillanz eine zentrale Ressource darstellt, um autoritäre Strukturen innerhalb einer vermeintlich kommunikativen Partei in einer Krisensituation zu stabilisieren.

Schlüsselwörter

Joschka Fischer, Kosovo-Rede, Rhetorik, Ausnahmezustand, Carl Schmitt, politische Analyse, Rot-Grüne Koalition, Souveränität, Legitimation, Kriegsführung, Diskurs, Definitionshoheit, Parteiinterne Konflikte, Verantwortungsethik, Parteitag Bielefeld.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert die rhetorischen Strategien, mit denen Joschka Fischer auf dem Kosovo-Sonderparteitag 1999 in Bielefeld die Zustimmung der Grünen zu einem Militäreinsatz erlangte.

Welche Themenfelder werden zentral behandelt?

Zentrale Themen sind politische Rhetorik, der Ausnahmezustand im Sinne Carl Schmitts, parteiinterne Machtstrukturen und der ethische Dilemma-Diskurs zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik.

Was ist die Forschungsfrage der Analyse?

Die Arbeit geht der Frage nach, ob Fischer den Delegierten den Ausnahmezustand als diskutierbare Erörterung darlegt oder ob er diesen als souveräne Proklamation einer alternativlosen Entscheidung durchsetzt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine rhetorische Redeanalyse, die den Argumentationsgang, das Setting und die impliziten Machtansprüche des Redners unter Einbezug politischer Theorie untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden das Setting des Parteitags, die Exordium-Strategie zur Legitimation sowie die explizite und implizite Argumentation Fischers, inklusive seines historischen Exkurses zu Auschwitz, analysiert.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die Analyse lässt sich durch Begriffe wie politische Rhetorik, Ausnahmezustand, Souveränität, Definitionshoheit und Diskurskontrolle charakterisieren.

Wie nutzt Fischer den Begriff "Auschwitz" in seiner Rede?

Fischer nutzt den Verweis auf Auschwitz explizit als moralisches Totschlagargument, um den Krieg als notwendiges Mittel zur Völkermordvermeidung zu legitimieren.

Was ist das zentrale Ergebnis der Untersuchung bezüglich Fischers Rolle?

Das Ergebnis zeigt, dass Fischer durch rhetorische Brillanz und die Besetzung der Definitionsmacht über den Ausnahmezustand die Partei in seiner Person vereint und effektiv als Souverän agiert.

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Detalles

Título
Joschka Fischer erklärt den Ausnahmezustand
Subtítulo
Analyse der Rede vom Kosovo-Sonderparteitag am 09.05.1999 in Bielefeld
Universidad
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Curso
Rhetorik und Politik
Calificación
1,0
Autor
Martin Pfaffenzeller (Autor)
Año de publicación
2012
Páginas
8
No. de catálogo
V281743
ISBN (Ebook)
9783656758549
ISBN (Libro)
9783656758457
Idioma
Alemán
Etiqueta
joschka fischer ausnahmezustand analyse rede kosovo-sonderparteitag bielefeld
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Martin Pfaffenzeller (Autor), 2012, Joschka Fischer erklärt den Ausnahmezustand, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281743
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