Entwicklungen von Zertifikaten in Regulatorik und Vertriebswegen


Projektarbeit, 2014

50 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Marktüberblick

3. Zertifikate
3.1 Definition
3.2 Produktmerkmale
3.2.1 Bonität
3.2.2 Zinsen
3.2.3 Rückzahlung
3.3 Chancen und Risiken

4. Regulatorik

5. Vertriebswege

6. Interpretationen der Umfrageergebnisse

7. Fazit

Anhang

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Entwicklung der Zinssätze der EZB

Abb. 2 Entwicklung der Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen

Abb. 3 Wert der weltweiten Aktienbestände

Abb. 4 Jährliche Entwicklung des DAX von 1987-2013

Abb. 5 Genutzte Geldanlagemöglichkeit in 2012 in Deutschland

Abb. 6 Entwicklung des Zertifikate-Volumens in Deutschland

Abb. 7 Anlagevolumen nach Zertifikate-Klassen in Deutschland

Abb. 8 EDG- Rating

Abb. 9 Chance-/ Risikoprofil verschiedener Zertifikate- Klassen

Abb. 10 Preisbestandteile eines Zertifikats

1. Einleitung

Die Immobilienkrise in den USA im Jahr 2007 hat sich zu einer Finanz- und Wirtschaftskrise für die Vereinigten Staaten und Europa entwickelt. Im Zuge der Finanzkrise und der darauf folgenden Staatsschuldenkrise sind viele Banken in Verruf geraten. Daraufhin haben sich Banken untereinander weniger Geld geliehen, was dazu führte, dass die Zentralbanken sich gezwungen sahen, die Leitzinsen zu senken.

„Sind wir fertig? Die Antwort ist: Nein. Wir sind hier noch nicht fertig. Im Notfall sind wir - im Rahmen unseres Mandats - hier nicht fertig.“[1]

Mit diesen Worten kündigte Mario Draghi am 05. Juni 2014 nach der EZB (Europäische Zentralbank)- Ratssitzung an, dass mit der erneuten Zinssenkung und dem Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Deflationsgefahr das Ende der Zinssenkungen und Maßnahmenpakete gegebenenfalls noch nicht erreicht ist.

Am Beispiel der Zertifikate-Branche, in der im Jahr 2014 für Zertifikate-Emittenten spezielle neue Regelungen des DDV (Deutscher Derivate Verband) in Kraft getreten sind, wird deutlich, dass im Rahmen der Finanz- und Staatsschuldenkrise viele regulatorische Anforderungen auf die Banken zugekommen sind.

Die Zertifikatebranche leidet seit einigen Jahren unter Umsatzrückgängen. Ziel dieser Arbeit ist es, Erklärungsversuche für den Rückgang zu finden sowie Möglichkeiten, wie Berater und Banken dem entgegenwirken können, aufzuzeigen. Dabei soll das Produkt Anlagezertifikat näher betrachtet werden, die Einordnung und mögliche Abhängigkeiten des Zertifikate-Marktes in einem Marktüberblick dargestellt sowie anschließend aktuelle Entwicklungen und Vertriebskanäle aufgezeigt werden. Abschließend wird mit der Interpretation einer Umfrage versucht, Rückschlüsse für den Vertrieb von Zertifikaten zu gewinnen.

In Kapitel 2 wird zunächst ein Querschnitt über die aktuelle Situation auf verschiedenen Märkten gegeben und deren Entwicklung in den letzten Jahren dargestellt. Hierbei sollen mögliche Abhängigkeiten verschiedener Anlageklassen auf die Zertifikatebranche untersucht werden. Anschließend wird die Anlageklasse der Zertifikate in Kapitel 3 näher beleuchtet. Zunächst wird versucht den Begriff des Zertifikats zu definieren, ehe auf die verschiedenen Produktmerkmale von Zertifikaten eingegangen wird. Dadurch wird ein Abriss über die komplexe Anlageklasse der Zertifikate gegeben. Den Schluss dieses Kapitels bildet der Überblick über Chancen und Risiken von Zertifikaten sowie einem Exkurs zur Herleitung des Begriffs Risiko. Es folgt die Untersuchung der regulatorischen Anforderungen und aktuellen Entwicklungen der Zertifikatebranche in Kapitel 4. Es werden gesetzliche Rahmenbedingungen als auch selbstverpflichtende Maßnahmen des DDV aufgezeigt. Kapitel 5 beschreibt die verschiedenen Anlegertypen von Zertifikaten und zeigt gängige Vertriebswege von Zertifikaten, insbesondere in der genossenschaftlichen Finanzgruppe, auf. Danach werden die Ergebnisse einer Umfrage ausgewertet, anhand derer versucht wird, Rückschlüsse für einen optimierten Vertrieb von Zertifikaten zu gewinnen, um die Umsätze in der Zertifikatebranche zu stärken. Abschließend wird im Fazit dann eine kurze Zusammenfassung der behandelten Themen und Erkenntnissen gegeben.

2. Marktüberblick

Wie Abbildung 1 zeigt, sind die Zinsen für Hauptrefinanzierungsgeschäfte in den letzten Jahren nach der Finanzkrise 2007 deutlich gesunken. Dies lag an dem gesunkenen Vertrauen der Banken untereinander. Die Banken refinanzierten sich hauptsächlich über die Tendergeschäfte der Zentralbank, um nicht dem Risiko eines Zahlungsausfalls einer anderen Bank ausgesetzt zu sein. Am 05. Juni 2014 hat EZB-Präsident Mario Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates den Einlagenzins für Banken erstmal unter 0% auf -0,10% gesenkt. Mit diesem Zinsschritt wird versucht die Deflationsgefahr in Europa zu bekämpfen, da die Inflationsrate im Mai 2014 auf 0,5% gesunken war.[2] Mit der Zinssenkung ging ein weiteres Maßnahmenpaket zur Bereitstellung von Liquidität über Langfristtender einher. Dieses Maßnahmenpaket ist aber an die Bedingung geknüpft, dass für das bereitgestellte Geld Kredite vergeben werden.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Entwicklung der Zinssätze der EZB (Eigene Darstellung, Daten von http://www.bundesbank.de/ (2014) )

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Entwicklung der Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen (Eigene Darstel lung, Daten von http://www.oenb.at/ (2014))

Beim Vergleich der Abbildung 1 (S.3) mit Abbildung 2 fällt auf, dass sich die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen ähnlich entwickelte wie die Leitzinsen. Somit kann sich die Bundesrepublik Deutschland momentan durch das gesunkene Zinsumfeld günstiger refinanzieren, als dies noch bspw. 2008 der Fall war. Auch bei anderen Ländern in Europa ist diese Entwicklung zu beobachten. Generell sinken die Renditen an den Rentenmärkten aufgrund des gesunkenen Zinsniveaus. Auch Unternehmen können sich günstiger refinanzieren. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Investoren weniger Erträge durch ihre Investments generieren können, da sie aufgrund der gesunkenen Zinsen für ein gleiches Risiko weniger Zinserträge erhalten. Um die gewünschten Renditen zu erzielen, reichen Rentenpapiere nicht mehr aus. Aus diesem Grund wurde Anfang des zweiten Quartals 2014 verstärkt in Aktien investiert, was die Kurse von vielen Unternehmen zu neuen Höchstständen und insbesondere die Indizes auf neue Allzeithochstände treibt.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Wert der weltweiten Aktienbestände (Eigene Darstellung, Daten aus http://www.world-exchanges.org/files (2013))

Bei Betrachtung der Abbildungen 2 (S. 4) und 3 fällt auf, dass die Aktienmärkte negativ mit den Rentenmärkten korrelieren, da bei sinkenden Zinsen, die Werte der Aktienbestände steigen. Ursache hierfür sind die sinkenden Renditen an den Rentenmärkten, welche eine Folge der Zinssenkungen durch die Zentralbanken sind. Dies veranlasst Investoren ihr Geld in ertragreichere Anlageklassen zu investieren, was steigende Aktienkurse mit sich bringt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Jährliche Entwicklung des DAX von 1987-2013 (Eigene Darstellung, Daten von http://www.bundesbank.de(2014))

Auch die größten deutschen Unternehmen tragen hierzu ihren Teil bei. Wie in Abbildung 4 (S.5) zu sehen ist, hat der deutsche Leitindex, der DAX (Deutscher Aktienindex), in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Er hat im zweiten Quartal 2014 sein Allzeithoch überschritten und selbst die signifikante Marke von 10.000 Punkten am 09. Juni 2014 übertroffen.

Dennoch sind die Entwicklungen an den Aktienmärkten durchaus kritisch zu sehen, da die enorm gestiegenen Kurse auch eine Folge der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken nach der Finanzkrise sind.

Experten warnen davor, dass das Maßnahmenpaket der EZB und die Herabsetzung des Leitzinses eine Finanzblasenbildung noch weiter verschärft, da ein hohes Volumen an billigem Geld im Markt ist, was die Immobilien- und Aktienkurse in die Höhe treibt.[5]

Gleichzeitig sinken die Renditen bei riskanteren Papieren am Rentenmarkt, wie z.B. bei spanischen Staatsanleihen, welche Ende April die niedrigste Rendite seit Langem erbrachten.[6]

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Abb. 5 Genutzte Geldanlagemöglichkeit in 2012 in Deutschland (Eigene Darstellung, Daten von Hamburger Abendblatt (2012))

Abbildung 5 (S. 6) zeigt das Anlageverhalten der Deutschen im Jahr 2012. Hier ist zu erkennen, dass Zertifikate nur rund 1% der Gesamtanlage des Vermögens deutscher Bürger ausmachen. Die Deutschen, die allgemein als sparsames und risikoscheues Volk gelten, haben das meiste Geld in Sparbüchern und Kapitallebensversicherungen angelegt.

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Abb. 6 Entwicklung des Zertifikate-Volumens in Deutschland (Eigene Darstellung, Daten von http://www.deutscher-derivate-verband.de/ (2014))

Weiterhin fällt, wie in Abbildung 6 dargestellt, auf, dass sich zwischen 2004 und dem Höchststand im Jahr 2007 das Volumen fast verdreifacht hat. Aufgrund der Finanzkrise hat es sich dann annähernd halbiert. 2009 erholte sich der Markt wieder etwas und stieg über die 100 Mrd. €-Marke, ehe es in den letzten 2 Jahren zu einem rückläufigeren Geschäftsumfeld kam, bei dem das Volumen Ende 2013 auf ca. 90 Mrd. € zurückging.

Das Volumen, welches am Zertifikate-Markt gehandelt wird, ist abhängig vom Aktien- und vom Rentenmarkt, da die wesentlichen Bestandteile eines Zertifikats die Ausschüttung (Zinszahlung) und die zugrundeliegenden Basiswerte (engl.: Underlying’s) sind.

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Abb. 7 Anlagevolumen nach Zertifikate-Klassen in Deutschland (Eigene Darstellung, Daten von http://www.deutscher-derivate-verband.de/ (2014))

In Abbildung 7 wird die Verteilung des Zertifikatevolumens in Deutschland auf die verschiedenen Zertifikatetypen dargestellt. Ca. ein Drittel aller Zertifikate, die momentan gehandelt werden, sind Kapitalschutzzertifikate. Diese Tatsache spiegelt das Sicherheitsdenken vieler Anleger nach der Lehman Pleite im Jahre 2008 wider. Außerdem zeigt es die klare Fokussierung der Investoren auf Sicherheit in ihren Anlagen.[7] Aufgrund des geringen Anteils am Marktvolumen werden im weiteren Verlauf der Arbeit nur Anlagezertifikate behandelt und die Hebelzertifikate bleiben unberücksichtigt.

3. Zertifikate

3.1 Definition

Zertifikate sind gemäß §2 des WpHG (Wertpapierhandelsgesetz) als Schuldverschreibungen und somit als Wertpapiere anzusehen.

Verschiedene Herangehensweisen (zum Beispiel aus rechtlicher Sichtweise oder auf Basis der Struktur) bei der Definition des Zertifikate-Begriffs erschweren eine genaue Definition. Die Flexibilität und Innovationsdynamik macht es schwer, diese Anlageklasse genau einzuordnen.[8]

Ein strukturiertes Anlageprodukt ist ein Wertpapier, das durch die Kombination mehrerer Basisfinanzprodukte, von denen mindestens eines ein Derivat sein muss, entsteht. Durch diese Kombination verschiedener Finanzprodukte entstehen wiederum neue Produkte mit eigenständigen Kursverhalten und Risikoprofil.[9]

Derivate sind Finanzinstrumente, die von anderen Anlageobjekten abgeleitet und deren Kurse von der Preisentwicklung der jeweiligen Basiswerte in hohem Maße abhängig sind. Derivate können als Absicherungsinstrument gegen Wertverluste des Basiswertes oder als Spekulationsinstrument eingesetzt werden.[10]

Zertifikate unterscheiden sich somit von klassischen Inhaberschuldverschreibungen dadurch, dass die Wertentwicklung während der Laufzeit nicht nur durch Veränderungen des Zinsniveaus beeinflusst wird, sondern auch von der Wertentwicklung des zugrundeliegenden Basiswertes. In welcher Art und Weise die Entwicklung des Kurswertes vom Basiswert erfolgt, hängt mit der individuellen Produktstruktur zusammen. Da Zertifikate die Merkmale eines strukturierten Wertpapiers gemäß oben stehender Definition aufweisen, werden sie den strukturierten Wertpapieren zugeordnet.[11]

Zertifikate gelten gemäß §793 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) als IHS (Inhaberschuldverschreibung), womit im Konkursfall des Emittenten kein Sondervermögen wie bei einer KAG (Kapitalanlagegesellschaft) haftet, sondern die Rückzahlung von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten abhängt. Deshalb spielen bei der Wahl eines Zertifikats der Emittent und dessen Bonität eine entscheidende Rolle. Zertifikate-Inhaber haben zudem weder Anspruch auf Dividendenzahlungen noch Eigentumsrechte auf die zugrunde liegenden Aktien (bei Aktienzertifikaten).[12] Zertifikate werden vom DDV (Deutscher Derivate Verband) in Anlage- und Hebelprodukte unterteilt, was auch der Einteilung an den Börsen Stuttgart (EUWAX) und Frankfurt (Scoach) entspricht, an denen die meisten aller Zertifikate in Deutschland handelbar sind.

Zertifikate-Inhaber können entweder an der Kursentwicklung der zugrundeliegenden Basiswerte partizipieren oder aufgrund der Wertentwicklung der zugrundeliegenden Basiswerte während der Laufzeit Zinserträge vereinnahmen. Zertifikate haben einen Emissionszeitpunkt und einen Fälligkeitstag (sofern nicht mit unendlicher Laufzeit ausgestattet). In diesem Zeitraum können die Zertifikate täglich über die Börse oder den Emittenten direkt gehandelt werden.

Die Basiswerte der Derivate welche bei der Konstruktion von Zertifikaten zum Einsatz kommen, können sehr unterschiedlich sein. Es können Aktieneinzelwerte, Aktienkörbe, Indizes, Rohstoffe, Zinsen, Währungen und exotische Anlageinstrumente sein.[13]

Zertifikate sind, im Gegensatz zu klassischen Investments wie Aktien, Renten oder Fonds, sehr viel flexibler einsetzbar, da mit Ihnen auch Erträge in stagnierenden und fallenden Märkten generiert werden können. Somit hängt der Anlageerfolg von der Markteinschätzung des Anlegers ab.[14]

Außerdem bieten Zertifikate Anlegern die Möglichkeit, bereits mit kleinen Anlagebeträgen an Strategien zu partizipieren, die ihnen ansonsten gar nicht oder nur mit hohem Aufwand zugänglich wären. Des Weiteren werden Zertifikate häufig eingesetzt, um das Risiko der Investition, verglichen mit der Direktanlage in den Basiswert zu reduzieren.

3.2 Produktmerkmale

3.2.1 Bonität

Wie bereits im ersten Kapitel erwähnt, hatte die Pleite der US- Großbank Lehman Brothers erhebliche Auswirkungen auf den Zertifikate-Markt und den Ruf der Zertifikate. Bei Zertifikaten hängt die Rückzahlung von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten am Ende der Laufzeit ab. Im Jahre 2008 erhielten viele Anleger ihr Geld, welches in Lehmann Zertifikaten investiert war, nicht mehr zurück.[15]

Das Bonitätsrisiko, das vor 2008 bei Zertifikaten als theoretisch angesehen wurde, spielt heute eine zentrale Rolle bei der Auswahl des geeigneten Zertifikats.[16]

Anleger haben die Möglichkeit, sich zur Einschätzung der Bonität eines Emittenten verschiedener Hilfsmittel zu bedienen. Zum einen gibt es Ratings der drei großen Ratingagenturen „Standard & Poor’s“, „Moody’s“ und „Fitch“, bei denen AAA bzw. Aaa einen Schuldner mit bester Bonität und C bzw. D das schlechteste Rating darstellt und einem Zahlungsausfall gleich kommt. Oft wird bemängelt, dass Ratings erst mit Zeitverzug angepasst werden, weshalb es zu empfehlen ist, sich weiterer Hilfsmittel zur Einschätzung der Bonität eines Emittenten zu bedienen.[17]

Hierzu könnten z.B. die CDS (Credit Default Swap)- Spreads benutzt werden, welche das Kreditausfallrisiko eines Schuldners widerspiegeln. Der CDS ist losgelöst vom eigentlichen Kredit und wird am Markt über Prämien gehandelt. Je höher der Spread, desto geringer die Bonität des Schuldners.[18]

Neben dem Rating oder der CDS Prämie kann der Anleger auch über Bilanzkennzahlen, wie beispielsweise die Kernkapitalquote, Einschätzungen über die Bonität des Emittenten treffen.

Der DDV sowie viele der Emittenten selbst haben auf ihrer Homepage oftmals genaue Angaben zu oben genannten Kriterien. Des Weiteren veröffentlicht der DDV regelmäßig das EDG (European Derivatives Group)- Rating eines Zertifikats.

Das EDG-Rating setzt sich wie in Abbildung 8 (S. 12) aus den Kriterien Kosten, Handel, Bonität und Informationsbereitstellung eines Emittenten von Zertifikaten sowie Risiko-Nutzenverhältnis des Zertifikats zusammen und wird für jedes Zertifikat individuell erstellt. Anschließend wird ein Gesamturteil für das Zertifikat ausgesprochen, welches von 0 Sternen („nicht geeignet“) bis 5 Sterne („sehr gut“) reicht.[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8 EDG- Rating (http://www.derivatives-group.com/ (2014), S.1)

3.2.2 Zinsen

Bei Zertifikaten wird grundsätzlich nach der Ertragssituation des Anlegers in Zertifikate, welche Zinsen während der Laufzeit ausschütten, und Zertifikaten, welche den Anlegern an positiver Wertentwicklung partizipieren lassen, unterschieden. Bei letzteren erhält der Anleger den Ertrag erst bei Fälligkeit des Produkts am Ende der Laufzeit durch einen höheren Rückzahlungsbetrag. Insbesondere bei Kapitalschutzzertifikaten steht der Zinsertrag im Vordergrund, da hier die Partizipation an der Entwicklung der zugrundeliegenden Basiswerte nicht oder nur zu einem geringen Anteil an den Anleger weitergegeben wird. Hierbei werden zwischen Zertifikaten mit Mindestverzinsung und Zertifikaten ohne eine solche, welche dementsprechend höhere Ertragschance bieten, differenziert.

Kapitalschutzzertifikate bestehen in ihrer Konstruktion aus zwei Teilen: Einer Nullkuponanleihe und einer Option. Die Nullkuponanleihe, welche entsprechend der Laufzeit gewählt wird, garantiert dem Anleger sein Kapital.[20] Da bei Nullkuponanleihen der Zinsertrag erst am Ende der Laufzeit in Form einer höheren Rückzahlung entsteht, muss bei Kauf der Nullkuponanleihe weniger als 100% bezahlt werden.[21] Der restliche Betrag wird in die Struktur des Zertifikats, d.h. in Optionen oder Futures investiert, welche die verschiedenen Ertragsszenarien für den Anleger generieren. Da der Großteil des Kapitals allerdings in die Kapitalgarantie, also in die Nullkuponanleihe investiert wird, sind bei Kapitalschutzzertifikaten die Renditemöglichkeiten von vorneherein eingeschränkt.[22] Beim aktuellen Niedrigzinsumfeld ist der Kurs der Nullkuponanleihe nur gering unter dem Auszahlungskurs am Ende der Laufzeit. Dies führt dazu, dass wenig Kapital für die Struktur, also die Optionen, zur Verfügung steht und somit die Renditechancen relativ gering sind. Als Beispiel für eine mögliche Ausgestaltung eines solchen Zertifikats stellt der DAX Korridor Garant der Marke AKZENT INVEST der DZ BANK AG dar, welcher beispielhaft im Anhang zu finden ist.

3.2.3 Rückzahlung

Bei der Rückzahlung von Zertifikaten kommt es zunächst darauf an, ob ein Kapitalschutz besteht oder nicht. Bei Zertifikaten mit Kapitalschutz spielt es keine Rolle, wie sich der Basiswert entwickelt, da der Anleger auf jeden Fall sein investiertes Kapital zurück erhält. Bei Zertifikaten ohne Kapitalschutz ist die Rückzahlung abhängig von der Ausgestaltung des Zertifikats und kann entweder in Form eines Geldbetrags oder in der Lieferung der zugrunde liegenden Basiswerte erfolgen.

Beispielsweise investieren Anleger bei einem Discountzertifikat nicht 100% des Kurses des Basiswertes, sondern dieser wird um den Discount vermindert. Bei positiver Wertentwicklung bekommt der Anleger den aktuellen Kurswert des Basiswertes ausgezahlt. Hierbei wird oftmals die Partizipation am Kurs des Basiswertes durch einen Cap (Obergrenze) auf ein gewisses Niveau eingeschränkt.[23] Der Discount dient zusätzlich als Risikopuffer, da der Anleger erst in die Verlustzone kommt, wenn der Kurswert unterhalb des Discountniveaus sinkt.[24] Sollte der Basiswert zwar im Kurs jedoch nicht unter das Niveau des Discounts fallen, generiert der Anleger durch die Differenz zwischen Kurswert und Anlagebetrag dennoch einen Ertrag.

Bei Bonuszertifikaten wird sowohl eine Barriere (ca. 20-40% unterhalb des aktuellen Kurses) als auch ein Bonusniveau (ca. 10-30% über dem aktuellen Kurs) festgelegt. Sollte der Kurs des Basiswertes während der Laufzeit des Zertifikats die Barriere nicht berühren bzw. unterschreiten, erhält der Anleger am Laufzeitende zur Fälligkeit das Bonusniveau ausbezahlt.[25] Wird die Barriere während der Laufzeit gebrochen bzw. berührt, so partizipiert der Anleger in vollem Umfang am Kursverlauf des Basiswertes und zwar in beide Richtungen. Bonuszertifikate haben in der Regel keinen Cap, der eine Partizipation am zugrunde liegenden Basiswert begrenzt.

Des Weiteren gibt es Zertifikate, bei denen der Zeitpunkt der Rückzahlung ungewiss ist. Bei dieser Art von Zertifikaten kann eine vorzeitige Fälligkeit eintreten, weshalb sie „Expresszertifikate“ genannt werden. Dies geschieht, wenn zu einem im Vorfeld festgelegten Zeitpunkt (Stichtag) eine bestimmte Bedingung erfüllt ist. Meistens muss der Kurs des zugrundeliegenden Basiswerts oberhalb eines bestimmten Kursniveaus (Auszahlungslevel) liegen. In diesem Fall werden das eingesetzte Kapital sowie eine bestimmte Rendite ausgezahlt und es kommt zur vorzeitigen Fälligkeit. Sollte die Bedingung nicht erfüllt sein, wird am nächsten Stichtag (am Ende der nächsten Periode) erneut geprüft, ob die Bedingung eingetreten ist.[26] In der Regel sinkt das Auszahlungsniveau von Periode zu Periode, was die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung erhöht. Sollte bis zum Ende der Laufzeit das Auszahlungsniveau nicht überschritten worden sein, partizipiert der Anleger in der Regel an der Entwicklung des Kurses, welche im Regelfall negativ ist. Eine Möglichkeit, nicht an negativen Entwicklungen des Basiswertes zu partizipieren, stellen eingebaute Risikopuffer dar, welche dem Anleger einen Kapitalschutz bieten, sofern der Kurs des Basiswertes eine bestimmte Schwelle nicht unterschreitet.[27]

[...]


[1] Draghi, M.(2014) , http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/ , Abruf am 10.06.2014

[2] Vgl. Handelsblatt (Hrsg.) , http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/ , Abruf am 11.06.2014

[3] Vgl. Handelsblatt (Hrsg.) , http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/ , Abruf am 11.06.2014

[4] Vgl. o.V. (Börsenbarometer etabliert sich), DIE WELT Nr.133, S.15

[5] Vgl. Fuest, C. (EZB- Politik), http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/ , Abruf am 16.06.2014

[6] Vgl. Handelsblatt (Hrsg.) (Spaniens Situation), http://www.handelsblatt.com/finanzen/ , Abruf am 17.06.2014

[7] Vgl. Bagci, K. (Bedeutung der Emittentenbonität im Wandel), S. 174

[8] Vgl. Walter, B.(Strukturierte Produkte), S.34 f.

[9] Vgl. Börsennews (Hrsg.) http://www.boersennews.de/lexikon/ , Abruf am 20.08.2014

[10] Vgl. HSBC Trinkaus (Hrsg.)(Optionsscheine, Zertifikate und struk. Produkte), S.13

[11] Vgl. Graf, A. (Zaudern bei Zertifikaten), http://www.wiso-net.de/ , Abruf am 02.07.2014

[12] Vgl. Doll, G.F.(Aktien-Zertifikate), S.280

[13] Vgl. Börse Stuttgart (Hrsg.), https://www.boerse-stuttgart.de/files/, S. 2

[14] Vgl. Winkler, D. (Profi-Handbuch Zertifikate), S.12

[15] Vgl. Trares, T. (Zertifikate) http://www.wiso-net.de/ , Abruf am 03.07.2014

[16] Vgl. HSBC Trinkaus (Hrsg.)(Optionsscheine, Zertifikate und struk. Produkte), S.139

[17] Vgl. Kukies, J. (Transparenz, Information und Service), S. 22

[18] Vgl. Mildner, T./ Fuchs, G. (Transparenz sichert Vertrauen), S. 48

[19] Vgl. EDG (EDG-Rating), http://www.derivatives-group.com/fileadmin/EDG, S.4

[20] Vgl. o.V., (Kapitalschutz), Ausgabe 3 2014, S.3

[21] Vgl. DDV (Nullkuponanleihe), http://www.derivateverband.de/DEU/Wissen/Lexikon#n , Abruf am 03.07.2014

[22] Vgl. Müller, S. (Das Rating von Zertifikaten), S.215

[23] Vgl. Kukies, J. (Transparenz, Information und Service), S. 19

[24] Vgl. Pilz, G. (Zertifikate), S. 169

[25] Vgl. BNP Paribas (Hrsg.), http://www.derivate.bnpparibas.com/DEU/Zertifikate/ , Abruf am 08.07.2014

[26] Vgl. HSBC Trinkaus(Hrsg.)(Optionsscheine, Zertifikate und struk. Produkte), S.215f.

[27] Vgl. HSBC Trinkaus(Hrsg.)(Optionsscheine, Zertifikate und struk. Produkte), S.215-217

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Entwicklungen von Zertifikaten in Regulatorik und Vertriebswegen
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, früher: Berufsakademie Mannheim  (DZ BANK AG)
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
50
Katalognummer
V281855
ISBN (eBook)
9783656765363
ISBN (Buch)
9783656856757
Dateigröße
1473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zertifikat, Regulatorik, Vertriebsweg
Arbeit zitieren
David Uhrhan (Autor:in), 2014, Entwicklungen von Zertifikaten in Regulatorik und Vertriebswegen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281855

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