Krafttraining im Jugendfußball. Theoretische Grundlagen


Akademische Arbeit, 2005

12 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedeutung der Kraft für die sportliche Leistungsfähigkeit des jugendlichen Fußballspielers

2. Begriffsbestimmung

3. Arten der Kraft

4. Trainingswissenschaftliche, sportbiologische und sportmedizinische Grundlagen des Krafttrainings von 17/18jährigen Fußballspielern
4.1. Energiebereitstellung in der Muskelzelle
4.2. Muskelfaserhypertrophie und -hyperplasie
4.3. Intramuskuläre Koordination
4.4. Intermuskuläre Koordination
4.5. Methoden des Krafttrainings im Fußball

5. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Bedeutung der Kraft für die sportliche Leistungsfähigkeit des jugendlichen Fußballspielers

Für den jugendlichen Fußballspieler stellt die Kraft in ihren verschiedenen Manifestationsformen bzw. Subkategorien einen beträchtlichen leistungslimitierenden Faktor dar. Eine Analyse der Bewegungsformen des Fußballspiels streicht schnell den wichtigsten Kraftfaktor, nämlich die Schnellkraft heraus (Weineck 1999, 201).

Im Fußballspiel dominieren hochexplosive beschleunigende (= positiv dynamische = konzentrische) Bewegungen, wie Sprünge, Schüsse, Einwürfe und Antritte, bzw. abrupt abbremsende (= negativ dynamische = exzentrische) Bewegungsabläufe, wie Stopps, Richtungswechsel, Finten sowie der Abfangphase bei Lauf und Sprung (vgl. Weineck 1999, 201). Vor allem die konzentrischen Bewegungen sind effektiv nur mit gut ausgebildeten Schnellkrafteigenschaften wie Sprungkraft (Kopfballspiel), Schusskraft, Wurfkraft (Einwürfe) und Antrittsvermögen realisierbar. Für die exzentrischen Bewegungsabläufe ist zudem eine gute Reaktivkraft erforderlich.

Krafttraining trägt in vielfacher Hinsicht zur Steigerung der fußballspezifischen Leistungsfähigkeit bei (vgl. Weineck 1999, 203 f.):

- Durch Effektivierung bzw. Perfektionierung technisch-konditioneller Fähigkeiten, wie Rempeln, Tackeln, Dribbeln u. ä..
- Durch allgemeine athletische Durchbildung im Sinne eines verbesserten Durchsetzungsvermögens bzw. Zweikampfverhaltens.
- Als Voraussetzung einer besseren Belastungsverträglichkeit in Spiel und Training.
- Als Ergänzungstraining, also zur Kräftigung kleinerer Muskelpartien, die als Synergisten (sie arbeiten im gleichen Sinne wie die Hauptmuskeln) beim Vollzug von Wettkampfbewegungen (z.B. Sprung, Schuss) bedeutsam sind, aber durch die üblichen Belastungsformen nicht entwicklungswirksam gefordert werden.
- Als Kompensationstraining zur Kräftigung von Muskeln, die zur Abschwächung neigen, wie z.B. Bauchmuskeln oder M. gluteus maximus.
- Als Ausgleichstraining zur Kräftigung der Antagonisten, (Gegenspieler der eigentlichen Leistungsmuskeln) um muskuläre Dysbalancen zu vermeiden.

Eine gut ausgebildete Muskulatur bildet nach Weineck (1999, 205) einen effizienten Schutz von Kapseln und Bändern, die ohne deren Unterstützung niemals in der Lage wären die enormen Kräfte aufzufangen, die im Fußballspiel auf den Bewegungsapparat einwirken. Insofern stellt Krafttraining ein wichtiges Element der Verletzungsprophylaxe dar.

Außerdem soll Krafttraining, im Sinne einer Haltungsprophylaxe, Haltungsschwächen mangels ausreichend entwickelter Rumpfmuskulatur Vorschub leisten (Weineck 1997, 246). Dies ist v. a. im Jugendbereich enorm wichtig, da wachstumsbedingt dort generell eine größere Anfälligkeit vorliegt.

Im modernen Tempofußball mit seinen hohen athletischen Anforderungen haben heutzutage nur diejenigen jungen Fußballer eine Chance, die über ein, durch kontinuierliches spezielles Krafttraining entwickeltes, hohes Kraftniveau verfügen. Das Kraftniveau wirkt nach Weineck (1999, 205) außerdem unmittelbar auf die Effektivität des Trainings im langfristigen Trainingsprozess ein und unterstützt bzw. hemmt die Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit der jugendlichen Fußballer.

Allerdings ist nicht das Erreichen einer maximal möglichen Kraftleistung verbunden mit hoher Gewichtszunahme anzustreben, sondern eine Steigerung der relativen Kraft, d.h. der Kraft pro kg Körpergewicht (Bisanz/Gerisch 1988, 88). „Der Fußballer ist kein Bodybuilder (vgl. Denner 1987, 11), sondern vor allem ein vielseitiger Ballvirtuose, bei dem Technik und Taktik die überragende Rolle spielen“ (Weineck 1999, 205).

2. Begriffsbestimmung

Die Formulierung einer präzisen Definition von „Kraft“, die sowohl ihre physischen als auch psychischen Aspekte erfasst, bereitet nach Weineck (1997, 236) erhebliche Schwierigkeiten, da die Arten der Kraft sehr vielfältig sind und deren differenzierter Charakter von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Deshalb wird in der folgenden Arbeit jede fußballrelevante Erscheinungsform der Kraft für sich definiert.

3. Arten der Kraft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wechselbeziehung der drei Hauptformen der Kraft (nach Weineck, 1997, 236).

Abbildung 1 zeigt die drei wichtigsten Hauptformen der Kraft: Maximalkraft, Schnellkraft und Kraftausdauer sowie ihre verschiedenen Subkategorien bzw. Mischformen.

Die Maximalkraft stellt dabei nach Weineck (1997, 237) „die höchstmögliche Kraft dar, die das Nerv-Muskel-System bei maximaler willkürlicher Kontraktion auszuüben vermag“.

„Die Schnellkraft beinhaltet die Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems, den Körper, Teile des Körpers (z.B. Arme, Beine) oder Gegenstände (z.B. Bälle, Kugeln, Speere, Disken etc.) mit maximaler Geschwindigkeit zu bewegen“ (Weineck 1997, 238).

Die Kraftausdauer definiert Harre (1986, 134) als „die Ermüdungswiderstandsfähigkeit des Organismus bei lang andauernden Kraftleistungen“. Nach Martin/Carl/Lehnertz (1993, 108) spielen dabei hauptsächlich zwei Faktoren eine Rolle: Die Maximalkraft und die Stoffwechselleistung der Muskulatur.

Die Schnellkraftausdauer, als Sonderform der Kraftausdauer, „beinhaltet die Fähigkeit, über einen längeren Zeitraum (z.B. ein 90minütiges Spiel) schnellkräftig agieren zu können, ohne sonderliche Einbußen in der Schuss-, Sprung- und Startkraft“ (Weineck 1999, 230).

Martin/Carl/Lehnertz (1991, 107) definieren zusätzlich noch die Reaktivkraft als „jene Muskelleistung, die innerhalb eines Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus einen erhöhten Kraftstoß generiert“. Diese Ausprägungsform der Kraft stellt nach Werschoshanskij (1972, 136 ff.; in Martin/Carl/Lehnertz 1991, 107) als Schnellkraft, die explosivartig entwickelt wird (wie das bei reaktiven Bewegungsformen der Fall ist), eine „selbstständige motorische Qualität“ dar. Der Grund, warum hier die Reaktivkraft noch zusätzlich zu den drei klassischen Hauptformen der Kraft genannt wird, ist ihre Bedeutung für das plyometrische Krafttraining, das im Trainingsprozess von Boca einen wesentlichen Faktor darstellt.

4. Trainingswissenschaftliche, sportbiologische und sportmedizinische Grundlagen des Krafttrainings von 17/18jährigen Fußballspielern

In der Zeit der Harmonisierung der Körperproportionen reagiert der jugendliche Bewegungsapparat besonders günstig auf Krafttrainingsreize. So stellt die Adoleszenz „für das Krafttraining das Alter der höchsten Trainierbarkeit dar. In dieser Altersstufe lassen sich die höchsten Kraftzuwachsraten überhaupt feststellen“ (Weineck 1997, 391). Dies ist v. a. auf eine vermehrte Ausschüttung des männlichen Sexualhormons Testosteron zurückzuführen, welches eiweißanabole (Eiweiß aufbauende) Wirkung hat. Die Entwicklungsphase sollte also unbedingt zur Verbesserung der allgemeinen Kraftgrundlagen für die spätere Weiterentwicklung der jugendlichen Fußballer ausgenützt werden. Aufgrund der zunehmenden Stabilisierung des Skelettsystems und der bereits gut entwickelten anaeroben Kapazität können – zwar immer noch mit entsprechender Zurückhaltung – die Belastungen bzw. Trainingsmethoden aus dem Erwachsenentraining bereits weitgehend übernommen werden (Weineck 1999, 352).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Krafttraining im Jugendfußball. Theoretische Grundlagen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Sportwissenschaft und Sport)
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V281876
ISBN (eBook)
9783656758228
ISBN (Buch)
9783668136649
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
krafttraining, jugendfußball, theoretische, grundlagen
Arbeit zitieren
Thilo Ruprecht (Autor:in), 2005, Krafttraining im Jugendfußball. Theoretische Grundlagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281876

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