Die Zahl der Teilnehmenden an einem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. Grund dafür ist wohl, dass die Maßnahmen des Übergangssystems seit einigen Jahren zum Auffangen der Jugendarbeitslosigkeit dienen. Somit gelangen nicht nur benachteiligte, sondern auch ausbildungsreife Jugendliche in diese Maßnahmen. Mit Einbezug der Definition des Übergangsbegriffs nach Bußhoff soll in der Arbeit untersucht werden, ob das BVJ als Übergangsmaßnahme, den Weg in eine Ausbildung ebnet oder eine bloße Überbrückung der Zeit darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das BVJ - eine Maßnahme des Übergangsystems
3 Gründe für die Teilnahme
3.1 Intraindividuelle Voraussetzungen
3.2 Interindividuelle Bedingungen
4 Leistungen der Berufsschulen
5 Auswirkungen der BVJ-Maßnahme
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die Effektivität des Berufsvorbereitungsjahres (BVJ) als Instrument des Übergangssystems. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob das BVJ für Jugendliche tatsächlich eine Brücke in eine berufliche Ausbildung schlägt oder lediglich eine funktionslose Warteschleife darstellt, die den Übergang ins Erwerbsleben eher behindert als fördert.
- Strukturelle Verortung des BVJ im deutschen Übergangssystem
- Analyse der intra- und interindividuellen Ursachen für die Teilnahme
- Evaluation der Leistungsfähigkeit und Belastungsgrenzen von Berufsschulen
- Untersuchung der langfristigen Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt
Auszug aus dem Buch
3.1 Intraindividuelle Voraussetzungen
Häufig liegen bei den Jugendlichen schon Probleme in der vorangegangenen Schulausbildung vor. 49% der Teilnehmer haben nur einen Hauptschulabschluss und 41 % besitzen gar keinen Abschluss oder einen Sonderschulabschluss. Hinzu kommt, dass 44 % eine Durchschnittszeugnisnote von nur 3,0 bis 3,9 erreichen konnten (vgl. BIBB-Übergangsstudie 2006). Durch mangelndes Interesse und unmotiviertes Lernverhalten wird die Schulzeit mühselig bewältigt und führt teilweise bis hin zur Resignation. Dieses Kapitulieren in der Schulzeit und die "als gering eingeschätzten Erfolgschancen auf einen Ausbildungsplatz" (Beicht 2009, S. 6) führen dazu, dass ein Teil der Jugendlichen im BVJ noch nicht einmal nach einer Ausbildungsmöglichkeit gesucht hatten. So sind "Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsprobleme, Lernschwierigkeiten, Schulmüdigkeit und Orientierungslosigkeit alltägliche Hindernisse" (El-Mafaalani 2010, S. 37), die in einer Übergangsmaßnahme bewältigt werden müssen. Bezieht man sich auf Bußhoffs Definition des Übergangs, kann man sagen, dass sich die Jugendlichen aufgrund ihrer schlechten personellen Voraussetzungen und der höheren Anforderungen der Gesellschaft in einer krisenhaften Phase befinden. Doch scheinen diese Probleme tief verankert zu sein und es stellt sich die Frage, ob diese gravierenden Mängel durch eine einjährige berufsvorbereitende Maßnahme, wie das BVJ, kompensiert werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Zunahme von Jugendlichen in Übergangsmaßnahmen und stellt die Forschungsfrage nach der tatsächlichen Förderlichkeit des BVJ.
2 Das BVJ - eine Maßnahme des Übergangsystems: Dieses Kapitel verortet das BVJ historisch und strukturell als dritten Pfeiler neben dem dualen System und dem Schulberufssystem.
3 Gründe für die Teilnahme: Es werden die persönlichen und sozialen Hintergründe beleuchtet, die Jugendliche in das Übergangssystem führen.
3.1 Intraindividuelle Voraussetzungen: Dieser Abschnitt analysiert individuelle Lernhindernisse und schulische Defizite der Teilnehmer.
3.2 Interindividuelle Bedingungen: Hier werden externe Faktoren wie der sozioökonomische Status des Elternhauses und Migrationshintergründe untersucht.
4 Leistungen der Berufsschulen: Die Kapazitäten und die enorme pädagogische Belastung der Lehrkräfte bei der Betreuung benachteiligter Schüler stehen hier im Fokus.
5 Auswirkungen der BVJ-Maßnahme: Es wird evaluiert, welche tatsächlichen Übergangschancen in eine Ausbildung nach Abschluss des BVJ bestehen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das BVJ für einen Großteil der Teilnehmer kaum eine Verbesserung der Situation bewirkt.
Schlüsselwörter
Berufsvorbereitungsjahr, BVJ, Übergangssystem, Jugendarbeitslosigkeit, Berufsausbildung, benachteiligte Jugendliche, Berufsschule, Lehrerbelastung, Ausbildungsmarkt, Bildungsabschluss, Lernschwierigkeiten, Berufsbiografie, Vermittlungschancen, Warteschleife.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Wirksamkeit des Berufsvorbereitungsjahres (BVJ) im deutschen Bildungssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten gehören das Übergangssystem, die Voraussetzungen der Teilnehmer, die pädagogischen Leistungen der Berufsschulen und die Vermittlungserfolge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob das BVJ Jugendlichen tatsächlich hilft, den Einstieg in eine Ausbildung zu finden, oder ob es eine wirkungslose Zwischenstation darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse unter Einbeziehung relevanter Bildungsstudien und Statistiken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ursachen für die Teilnahme, die Darstellung der schulischen Rahmenbedingungen und die Bewertung der Auswirkung auf den Berufsweg.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Berufsvorbereitungsjahr, Übergangssystem, Ausbildungsreife, soziale Benachteiligung und Vermittlungserfolg.
Warum sind Berufsschullehrer im BVJ besonders belastet?
Die Lehrkräfte müssen neben dem Fachunterricht enorme sozialpädagogische Betreuungsleistungen für Schüler mit großen Defiziten erbringen.
Wie bewertet der Autor den Nutzen des BVJ?
Für viele Teilnehmer ist das BVJ laut Autor eher eine "sinnlose Warteschleife", da ein echter Mehrwert für den Übergang in den Arbeitsmarkt oft ausbleibt.
- Citar trabajo
- Tina Böhm (Autor), 2012, Das Berufsvorbereitungsjahr. Berufschance oder Berufsdesaster ?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282092