Im Verlauf meiner beruflichen Laufbahn konnte ich mehrfach die Entwicklung straffällig gewordener Kinder und Jugendlicher beobachten. Die meisten von ihnen wurden hierbei lediglich einmalig straffällig. Dennoch gab es Fälle, bei denen die Kinder und Jugendlichen eine regelrechte „Kriminelle Karriere“ begannen. Hierbei kannte man nach kürzester Zeit den betreffenden Personenkreis jugendlicher Straftäter in seinem Bezirk.
Des Weiteren hatte ich die Möglichkeit in einem Projekt zur Bekämpfung der Jugendkriminalität zu arbeiten. Hierbei stellte ich fest, dass der Anteil der Jugendkriminalität sich nicht nur auf einen kleinen Deliktsbereich beschränkt, sondern breit gefächert ist. Daraus lässt sich schließen, dass die Polizei recht häufig in Situationen gerät, an denen Kinder und Jugendliche beteiligt sind.
Aus diesem Grund möchte ich in dieser Arbeit auf die polizeilichen Bekämpfungsmöglichkeiten der Jugendkriminalität eingehen. Zu Beginn werde ich hierzu die Ursachen für die Entstehung der Jugendkriminalität beleuchten und Erklärungen sowie Lösungsansätze hierfür finden. Da ich im Zusammenhang mit meiner Arbeit häufig das direkte Umfeld (Wohnung / Familie / Freunde) eines straffällig gewordenen Kindes oder Jugendlichen kennengelernt habe, stellt sich mir die Frage ob und wie weit die kriminelle Verhaltensweise einer solchen Person durch das direkte Umfeld beeinflusst wird. Ist es möglich, dass die Ursache für kriminelles Verhalten dort gesucht werden könnte? Daher werde ich versuchen zu erläutern wie sich kriminelle Verhaltensweisen bilden und wie diese gegebenenfalls zum positiven, als auch zum negativen hin beeinflusst werden können.
Da wir hier noch von relativ jungen Menschen sprechen, bin ich der Überzeugung, dass sich diese in ihrem Verhalten noch stark beeinflussen lassen, sofern die Ursachen für ein solches kriminelles Verhalten und deren Lösungsansätze bekannt sind. Dies ist meines Erachtens ein wichtiger Teil der polizeilichen Jugendkriminalitätsbekämpfung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Jugendkriminalität?
2.1 Der Begriff „Jugendlicher“
2.2 Kriminalität – Was versteht man darunter?
2.3 Jugendstrafrecht – Ein Sonderfall!
3 Theorien, Ansätze und Faktoren zur Entstehung von Jugendkriminalität
3.1 Theoretische Ursachenforschung
3.1.1 Die Anomietheorie nach Merton
3.1.2 Lerntheoretischer Ansatz
3.1.3 Kontrolltheoretischer Ansatz
3.1.4 Labeling Ansatz
3.1.5 Das Teufelskreis-Modell nach Quensel
3.2 Jugendkriminalität: Episodencharakter oder dauerhafte Delinquenz
3.3 Risikofaktoren für dauerhaftes Abgleiten in die Kriminalität
3.3.1 Einflussfaktor: Familie und Erziehung
3.3.2 Multiproblem-Milieu
3.3.3 Kindesmisshandlung
3.3.4 Die Peergroup
3.3.5 Medien
4 Polizeiliche Jugendarbeit
4.1 Jugendsachbearbeitung
4.2 Jugendkontaktarbeit
4.2.1 Prävention
4.2.2 Kooperation
4.2.2.1 Kooperationspartner
4.2.2.2 Zusammenarbeit mit der Polizei
4.2.3 Intervention
5 Projekte gegen Jugendkriminalität
5.1 Landesprojekt „Kurve kriegen“
5.2 Projekt „Gefährderansprache“ in Gelsenkirchen
5.3 Die Gefährderansprache
5.4 Die U-21 Datei
5.5 Gliederung des Projekts
5.6 Die Ergebnisse des Projektes „Gefährderansprachen“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen polizeilicher Arbeit bei der Bekämpfung von Jugendkriminalität, mit besonderem Fokus auf präventive Ansätze und Interventionsstrategien im Kontext der jugendlichen Entwicklungsphase und deren direktem sozialen Umfeld.
- Ursachenforschung und theoretische Grundlagen der Jugendkriminalität
- Rolle des sozialen Umfelds und familiärer Risikofaktoren
- Strategien der polizeilichen Jugendarbeit und Prävention
- Praxisbeispiele polizeilicher Projekte (z. B. "Kurve kriegen")
- Interventionsprozesse und Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern
Auszug aus dem Buch
3.1.5 Das Teufelskreis-Modell nach Quensel
Stephan Quensel versucht in seinem Teufelskreis-Modell die Entwicklung eines Jugendlichen zum Straftäter anhand von 8 Phasen zu erklären. Hierzu bedient er sich eines Fallbeispiels eines Jugendlichen.
In Phase 1 begeht der Jugendliche aus irgendwelchen Gründen ein leichtes Delikt. Hiermit will er ein ebenso kleines Problem lösen. Dies kann zum Beispiel ein schulischer Misserfolg oder eine Streitigkeit mit seinen Eltern sein. Hat er nun Glück, wird er nicht erwischt und kann das Problem lösen. Diesen Erfolg wertet der jugendliche als Bestätigung für sein Verhalten und als Möglichkeit Probleme zu lösen. Er versucht nun weitere Erfahrungen zu sammeln. Dies geschieht solange bis er unweigerlich irgendwann einmal auffällt.
Damit befindet er sich in Phase 2. Wenn er glück hat wird ihm bei der Lösung eines Problems geholfen ohne dass sein soziales Umfeld Kenntnis davon erlangt. Wird er jedoch erwischt erfährt er eine „Bestrafung“ (erzieherische Maßnahmen). Diese umfasst Strafen wie zum Beispiel Nachsitzen, Arbeitsauflagen oder Jugendarrest.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Entwicklung straffällig gewordener Jugendlicher und die polizeilichen Möglichkeiten, auf deren kriminelles Verhalten einzuwirken.
2 Was ist Jugendkriminalität?: Dieses Kapitel definiert die Begriffe „Jugendlicher“ und „Kriminalität“ und erörtert die rechtlichen Grundlagen des Jugendstrafrechts.
3 Theorien, Ansätze und Faktoren zur Entstehung von Jugendkriminalität: Hier werden wissenschaftliche Erklärungsmodelle vorgestellt und Risikofaktoren wie Familie, Peergroup und Medien analysiert.
4 Polizeiliche Jugendarbeit: Dieses Kapitel beschreibt die Aufgaben von Jugendsachbearbeitung und Jugendkontaktarbeit sowie das Zusammenwirken von Repression und Prävention.
5 Projekte gegen Jugendkriminalität: Hier werden konkrete Präventionsprojekte wie „Kurve kriegen“ und die „Gefährderansprache“ detailliert beschrieben und evaluiert.
Schlüsselwörter
Jugendkriminalität, Polizeiliche Jugendarbeit, Prävention, Intervention, Jugendstrafrecht, Risikofaktoren, Sozialisation, Mehrfachtatverdächtige, Gefährderansprache, Kurve kriegen, Kriminologie, Erziehung vor Strafe, Diversionsverfahren, Jugenddelinquenz, Soziales Umfeld
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten der Polizei, Jugendkriminalität problemorientiert zu bekämpfen, indem sie Ursachen versteht und präventive sowie intervenierende Strategien anwendet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Ursachenforschung, den polizeilichen Aufgabenbereichen und der Evaluation spezifischer Praxisprojekte in Nordrhein-Westfalen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Polizei durch gezielte Maßnahmen und Kooperationen mit anderen Stellen Einfluss auf die Entwicklung gefährdeter Jugendlicher nehmen kann, um ein Abgleiten in die dauerhafte Delinquenz zu verhindern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden kriminologische Theorien wie die Anomietheorie, der Lerntheoretische Ansatz und der Labeling-Ansatz sowie Evaluationsstudien polizeilicher Praxisprojekte genutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung von Jugendkriminalität, der polizeilichen Organisation der Jugendarbeit und der praktischen Umsetzung von Projekten wie der Gefährderansprache.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Jugendkriminalität, Prävention, Intervention, Gefährderansprache, Mehrfachtatverdächtige und Jugendstrafrecht.
Was ist unter dem „Teufelskreis-Modell“ zu verstehen?
Das Modell von Stephan Quensel beschreibt in acht Phasen, wie sich ein Jugendlicher durch fortlaufende negative Erfahrungen und behördliche Sanktionen in eine kriminelle Karriere entwickeln kann.
Wie funktioniert die „Gefährderansprache“ in der Praxis?
Die Gefährderansprache ist ein verhaltensbeeinflussendes Instrument, das durch ein Gespräch die Polizei als präsente Instanz verdeutlicht, Vertrauen aufbaut und gemeinsam mit dem Jugendlichen nach Lösungen sucht, um weiteres kriminelles Verhalten zu vermeiden.
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- Sascha Jakobus (Autor), 2014, Ist die Polizei in der Lage, Jugendkriminalität problemorientiert zu bekämpfen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282271