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Ertrag- und schenkungsteuerliche Beurteilung des Nießbrauchs am Mitunternehmeranteil

Gestaltungsmöglichkeiten durch zivil- und schuldrechtliche Regelungen

Title: Ertrag- und schenkungsteuerliche Beurteilung des Nießbrauchs am Mitunternehmeranteil

Bachelor Thesis , 2014 , 100 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Melanie Haberer (Author)

Business economics - Accounting and Taxes
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit befasst sich mit der Bestellung eines Nießbrauchs zugunsten einer natürlichen Person am Mitunternehmeranteil. Durch den Nießbrauch werden einer anderen Person als dem zivilrechtlichen Eigentümer die Einkünfte zugerechnet. Eingesetzt wird das Gestaltungsmittel des Nießbrauchs bspw. bei Betriebsübergabe an die nachfolgende Generation oder bei Überlegungen zur Verlagerung von Einkünften auf andere Personen wie bspw. Kinder.

Obwohl die Einräumung eines Nießbrauchs ein geeignetes und interessantes Gestaltungsmittel darstellt, wird in der Praxis vor allem vom Nießbrauch an Unternehmensvermögen eher wenig Gebrauch gemacht. Allerdings gab es in der Rechtsprechung seit dem Jahr 2009 einige Änderungen, die u. U. eine erbschaftsteuerfreie Übertragung des Vermögens zulassen. Darüber hinaus kommt bei Nießbrauchsgestaltungen u. U. auch die ertragsteuerlich neutrale Buchwertfortführung gem. § 6 Abs. 3 EStG zum Tragen. Aus diesem Grund ist es durchaus interessant, sich mit den Gestaltungsmöglichkeiten des Nießbrauchs näher zu befassen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Methodische Grundlagen: „Steuerliche Gestaltungssuche“

3 Der Nießbrauch im Zivilrecht

3.1 Definition „Nießbrauch“ § 1030 ff. BGB

3.2 Zivilrechtliche Formen des Nießbrauchs

3.3 Bestellung des Nießbrauchs am Gesellschaftsanteil

3.3.1 Formell-rechtliche Vorschriften im Zivilrecht

3.3.2 Formell-rechtliche gesellschaftsrechtliche Vorschriften

4 Der Nießbrauch im Steuerrecht

4.1 Grundlegende Einordnung des Nießbrauchs

4.1.1 Steuerrechtliche Untergliederung des Nießbrauchs

4.1.2 Bedeutung der Mitunternehmerstellung gem. § 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG für das Steuerrecht

4.1.2.1 Mitunternehmerinitiative - Verteilung der gesellschaftsrechtlichen Mitwirkungsrechte

4.1.2.2 Mitunternehmerrisiko - Beteiligung am Gewinn und Verlust der Gesellschaft

4.1.2.3 Die Mitunternehmerschaft

4.1.3 Möglichkeiten schuldrechtlicher Abweichungen vom Zivilrecht

4.1.4 Besonderheiten bei Verträgen zwischen nahen Angehörigen

4.2 Ertragsteuerliche Beurteilung des Nießbrauchs am Mitunternehmeranteil

4.2.1 Das steuerrechtliche Betriebsvermögen der Personengesellschaft

4.2.1.1 Bilanzierungspflicht des wirtschaftlichen Eigentümers

4.2.1.2 Bilanzierung des Nießbrauchsrechts - Sonderbetriebsvermögen

4.2.2 Ertragsteuerliche Zurechnung der Einkünfte

4.2.3 Feststellung der Gewinne oder Verluste - Verfahrensrecht (AO)

4.2.4 Ertragsteuerliche Beurteilung der unentgeltlichen Übertragung des Mitunternehmeranteils gegen Nießbrauchsvorbehalt

4.2.5 Ertragsteuerliche Beurteilung des Zuwendungsnießbrauchs

4.3 Schenkungsteuerliche Beurteilung des Nießbrauchs am Mitunternehmeranteil

4.3.1 Wert der Bereicherung

4.3.1.1 Vorbehaltsnießbrauch

4.3.1.2 Zuwendungsnießbrauch

4.3.2 Erbschaftsteuerliche Begünstigung bei Übertragung von Betriebsvermögen gem. §§ 13a, 13b, 19a ErbStG

4.3.2.1 Vorbehaltsnießbrauch

4.3.2.2 Zuwendungsnießbrauch

4.3.3 Kritik an der schenkungsteuerlichen Begünstigung für Betriebsvermögen

5 Steuerliche Gestaltungssuche

5.1 Vorbemerkung im Hinblick auf einen „fehlgestalteten“ Nießbrauch

5.2 Rechtliches Gestaltungsmittel: Nießbrauchsvertrag

5.2.1 Gestaltungmöglichkeiten durch vertragliche Regelungen

5.2.1.1 Anmerkung zum Mustervertrag Zuwendungsnießbrauch (Anhang 1)

5.2.1.2 Anmerkung zum Mustervertrag Vorbehaltsnießbrauch (Anhang 2)

5.3 Überlegungen der Beratungspraxis

5.3.1 Vorbehaltsnießbrauch

5.3.1.1 Quotennießbrauch

5.3.1.2 Bruchteilsnießbrauch

5.3.2 Zuwendungsnießbrauch

5.4 Grenzen der steuerlichen Gestaltung § 42 AO

6 Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit befasst sich mit der ertrag- und schenkungsteuerlichen Beurteilung des Nießbrauchs am Mitunternehmeranteil sowie den damit verbundenen vertraglichen Gestaltungsmöglichkeiten. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine mitunternehmerisch ausgestaltete Vertragsgestaltung steuerliche Vorteile, insbesondere im Rahmen der Unternehmensnachfolge oder bei der Verlagerung von Einkunftsquellen, erzielt werden können, ohne die steuerliche Anerkennung zu gefährden.

  • Zivilrechtliche Grundlagen und Formen des Nießbrauchs an Gesellschaftsanteilen
  • Steuerliche Anforderungen an die Mitunternehmerstellung des Nießbrauchers
  • Ertragsteuerliche Folgen der unentgeltlichen Übertragung gegen Vorbehaltsnießbrauch
  • Schenkungsteuerliche Behandlung und Nutzung von Begünstigungen für Betriebsvermögen
  • Gestaltungsgrenzen unter Berücksichtigung des § 42 AO und der Fremdvergleichsgrundsätze

Auszug aus dem Buch

3.1 Definition „Nießbrauch“ § 1030 ff. BGB

§ 1030 BGB regelt den dinglichen Nießbrauch an Sachen, wonach derjenige zu dessen Gunsten die Bestellung des Nießbrauchs erfolgt, befugt ist, den Nutzen aus der Sache zu ziehen. Über § 1068 Abs. 1 BGB erfolgt die Ausweitung des Nießbrauchs auch auf Rechte. Der Gesellschaftsanteil an einer Personengesellschaft stellt ein Recht in diesem Sinne dar. Die Nutzungen eines Rechts sind gem. § 100 BGB die Früchte oder anderen Vorteile, die durch das Recht begründet werden. Die Früchte eines Rechts sind gem. § 99 Abs. 2 BGB die Erträge, die das Recht seiner Bestimmung nach gewährt.

Die Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit dem Gesellschaftsanteil an einer Personengesellschaft werden in den §§ 105 ff. bzw. §§ 161 ff. HGB in Verbindung mit den allgemeinen Regelungen zur Gesellschaft gem. §§ 705 ff. BGB geregelt. Jeder Gesellschafter hat danach bestimmte gesellschaftsrechtliche Mitwirkungsbefugnisse und -pflichten, zugleich aber auch einen Anspruch auf Teilnahme am Gewinn oder Verlust der Gesellschaft gem. § 721 f. BGB i. V. m. §§ 121, 168 HGB.

Zunächst stellt sich allerdings die Frage, an welchen Rechten überhaupt ein Nießbrauch eingeräumt werden kann. Nach § 717 BGB gilt grundsätzlich die Nichtübertragbarkeit eines Personengesellschaftsanteils, einschließlich dem Abspaltungsverbot bestimmter Rechte vom Gesellschaftsanteil als solchem. In Verbindung mit § 719 Abs. 1 BGB wird konkretisiert, dass ein Gesellschafter nicht über den Anteil am Gesellschaftsvermögen verfügen kann bzw. es nicht zu teilen berechtigt ist. Vom Abspaltungsverbot ausgenommen sind nach § 717 Satz 2 BGB lediglich rein vermögensrechtliche Ansprüche, wie der Anspruch auf den Gewinnanteil und entsprechende geldwerte Ansprüche im Fall der Auseinandersetzung der Personengesellschaft. Aufgrund der gesetzlich geregelten Nichtübertragbarkeit ergibt sich die Möglichkeit, einen Nießbrauch einzuräumen gem. § 1069 Abs. 2 BGB lediglich für den Gewinnanteil sowie an einem möglichen Gewinn im Fall der Auseinandersetzung.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Nießbrauchs als Gestaltungsinstrument in der vorweggenommenen Erbfolge, insbesondere im Hinblick auf steuerliche Optimierung und Versorgungsaspekte.

2 Methodische Grundlagen: „Steuerliche Gestaltungssuche“: Dieses Kapitel definiert die methodische Herangehensweise an die steuerliche Optimierung unter Berücksichtigung rechtlich zulässiger Vertragsgestaltungen und Tatbestandsmerkmale.

3 Der Nießbrauch im Zivilrecht: Das Kapitel erläutert die zivilrechtlichen Grundlagen und die Zulässigkeit der Nießbrauchbestellung am Personengesellschaftsanteil.

4 Der Nießbrauch im Steuerrecht: Dieser Kernabschnitt analysiert detailliert die ertrag- und schenkungsteuerlichen Voraussetzungen und Folgen, insbesondere die Bedeutung der Mitunternehmerstellung.

5 Steuerliche Gestaltungssuche: Hier werden konkrete Gestaltungsmodelle diskutiert und deren steuerliche Auswirkungen auf die Praxis sowie die Grenzen nach § 42 AO bewertet.

6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Bedeutung der aktuellen Rechtsprechung für zukünftige Gestaltungen.

Schlüsselwörter

Nießbrauch, Mitunternehmeranteil, Steuerrecht, Ertragsteuer, Schenkungsteuer, Betriebsvermögen, Personengesellschaft, Mitunternehmerstellung, Mitunternehmerinitiative, Mitunternehmerrisiko, Vorbehaltsnießbrauch, Zuwendungsnießbrauch, Gestaltungsmissbrauch, § 42 AO, Buchwertfortführung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ertrag- und schenkungsteuerliche Behandlung von Nießbrauchsrechten an Personengesellschaftsanteilen (Mitunternehmeranteilen) und identifiziert optimale vertragliche Gestaltungsansätze.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die zivilrechtliche Zulässigkeit, die steuerliche Einordnung als Mitunternehmer, die ertragsteuerliche Gewinnzurechnung sowie die erbschaft- und schenkungsteuerlichen Begünstigungsvorschriften für Betriebsvermögen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein Nießbrauchsvertrag mitunternehmerisch ausgestaltet werden muss, um steuerlich optimale Ergebnisse bei gleichzeitiger Wahrung der steuerlichen Anerkennung zu erzielen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methodik der „steuerlichen Gestaltungssuche“, bei der Tatbestandsmerkmale analysiert und auf verschiedene Vertragsmodelle angewendet werden, um eine steuerlich günstige Gestaltung zu finden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die zivilrechtlichen Formen, dann detailliert die steuerlichen Kriterien für die Mitunternehmerstellung (Initiative und Risiko) sowie die spezifischen Regelungen für Vorbehalts- und Zuwendungsnießbrauch erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Nießbrauch, Mitunternehmeranteil, steuerliche Gestaltung, Mitunternehmerstellung, Vorbehaltsnießbrauch, Zuwendungsnießbrauch sowie die steuerlichen Begünstigungen für Betriebsvermögen.

Warum ist die Mitunternehmerstellung des Nießbrauchers so entscheidend?

Die Mitunternehmerstellung ist die Voraussetzung für die steuerliche Anerkennung von Einkünften kraft eigenen Rechts und die Anwendung erbschaftsteuerlicher Begünstigungen für Betriebsvermögen.

Welche Rolle spielt die Rechtsprechung des BFH für diese Arbeit?

Die Rechtsprechung des BFH bildet das Fundament für die Auslegung der Mitunternehmerstellung und der Wirksamkeit der Vertragsgestaltungen; insbesondere die Urteile ab 2009 sind zentral für die aktuelle Einschätzung der steuerlichen Möglichkeiten.

Was bedeutet Gestaltungsmissbrauch im Zusammenhang mit dem Nießbrauch?

Gestaltungsmissbrauch nach § 42 AO liegt vor, wenn eine Gestaltung rein auf die Erzielung steuerlicher Vorteile abstellt, ohne dass hierfür sachliche, außersteuerliche Gründe vorliegen; dies führt zur steuerlichen Nichtanerkennung der Verträge.

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Details

Title
Ertrag- und schenkungsteuerliche Beurteilung des Nießbrauchs am Mitunternehmeranteil
Subtitle
Gestaltungsmöglichkeiten durch zivil- und schuldrechtliche Regelungen
College
University of Cooperative Education Villingen-Schwenningen
Grade
1,5
Author
Melanie Haberer (Author)
Publication Year
2014
Pages
100
Catalog Number
V282277
ISBN (eBook)
9783656766841
ISBN (Book)
9783656766834
Language
German
Tags
Zuwendungsnießbrauch Vorbehaltsnießbrauch Mitunternehmeranteil Erbschaftsteuer Buchwertfortführung vorweggenommene Erbfolge Nießbrauch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Melanie Haberer (Author), 2014, Ertrag- und schenkungsteuerliche Beurteilung des Nießbrauchs am Mitunternehmeranteil, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282277
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