In meinem Essay soll es thematisch um die Frage gehen, ob die romantische Liebe vereinbar ist mit dem täglichen Zusammenleben und welche Spannungen durch die Aufgabenverteilung im Haushalt entstehen können. Zunächst möchte ich die romantische Liebe nach Tyrell definieren. Anschließend möchte ich Elliot/Merril mit den gesellschaftlich verankerten hohen Erwartungen an die romantische Liebe darstellen. Anschließend werde ich das Spannungsverhältnis zwischen Haushaltsführung und romantischer Liebe mit zwei verschiedenen Konzepten der Aufgabenverteilung. Bei diesen Konzepten möchte ich Unterschiede und Gemeinsamkeiten darstellen. Abschließend folgt ein Resümee über eheliche und romantische Liebe und über realistische Vorstellungen über den Alltag von Beziehungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Definition der romantischen Liebe
2. Der romantische Fehlschluss und gesellschaftliche Erwartungen
3. Spannungsfelder im Alltag: Haushalt und Partnerschaft
3.1 Ansätze nach Jean-Claude Kaufmann
3.2 Paartypologien nach Hunnick und Röhler
4. Vergleich der theoretischen Konzepte
5. Übergang zur ehelichen Liebe und Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vereinbarkeit von romantischer Liebe mit dem täglichen Zusammenleben und analysiert die daraus resultierenden Spannungen, insbesondere im Kontext der häuslichen Aufgabenverteilung. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen idealisierten romantischen Vorstellungen und der soziologischen Realität des Alltags aufzuzeigen.
- Definition und gesellschaftliche Verankerung romantischer Liebe
- Die Theorie des "romantischen Fehlschlusses" nach Elliot/Merrill
- Soziologische Analyse der Hausarbeitsteilung
- Differenzierung verschiedener Paartypen bei der Konfliktbewältigung
- Übergang von der romantischen zur ehelischen Liebe
Auszug aus dem Buch
Die Organisation des Alltags und die Ökonomie der Ehe
Auf die Frage nach der Verteilung von Hausarbeit antworten Paaren, dass sich alles im Laufe der Zeit so ergeben hat. Nach Kaufmann ist diese Aussage eine Illusion. Paare treffen stillschweigende Übereinkünfte. Die Ökonomie der Ehe ist gekennzeichnet durch Selbsthingabe und Schuld. Selbsthingabe bedeutet, dass man Handlungen wie Abwaschen so tief verinnerlicht hat, dass man die Aufgaben automatisch macht. Das Ziel der Selbsthingabe und der Ausführung von Haushaltsaufgaben ist, dass der Partner nun zum „Geber“ wird und auch Aufgaben übernimmt. Ausgesprochen werden diese Erwartungen nicht direkt. Falls der Partner nicht zum Geber wird, entsteht eine eigene Schuldenrechnung. Diese dient laut Kaufmann der Wahrung der eigenen Interessen (vgl. Kaufmann 1994 S. 202).
Dadurch, dass die Aufgaben im Haushalt teilweise täglich ausgeführt werden müssen kann es zu Motivationslosigkeit kommen und es bedarf eines neuen Antriebs. Dies führt Kaufmann am Beispiel der Familie Labarthe aus: Herr Labarthe macht den Haushalt größtenteils alleine. Selten übernimmt seine Frau das Kochen einer Mahlzeit. Trotz der täglichen Mehrarbeit übernimmt Herr Labarthe den Abwasch. Kaufmann begründet es folgendermaßen: (…) „sobald sie auch nur einen Moment lang eine Anstrengung unternimmt, vergißt er die Gesamtsituation der Lasten, um so seine Bringschuld zu ermessen. Es ist, als ob er diesen Vorwand benötige, um seine Hingabefähigkeit erneut zu mobilisieren“ (Kaufmann 1994 S. 205). Aufgaben im Haushalt werden übernommen, damit der andere es einem nachmacht. Falls dieses nicht passiert, kann Unzufriedenheit die Folge sein. Unzufriedenheit kann sich in zwei Erscheinungsformen äußern: zum einen durch eine Trennung vom Partner und zum anderen durch einen stillschweigenden Rückzug Beim stillschweigenden Rückzug löst man sich vom Partner, aber immer in der Hoffnung das der Partner die Probleme annimmt und sich ändert (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Definition der romantischen Liebe: Dieses Kapitel führt in die Problematik der romantischen Liebe im Alltag ein und definiert diese unter Bezugnahme auf Tyrell als eine exklusive, aber voraussetzungsvolle Erfahrung.
2. Der romantische Fehlschluss und gesellschaftliche Erwartungen: Hier wird erläutert, wie durch Medien und soziale Prägung unrealistische Erwartungen entstehen, die als "romantischer Fehlschluss" die Stabilität von Beziehungen gefährden.
3. Spannungsfelder im Alltag: Haushalt und Partnerschaft: Dieses Kapitel widmet sich den Konflikten bei der Hausarbeit, wobei Kaufmanns Konzept der "Ökonomie der Ehe" und die drei Paartypen von Hunnick/Röhler detailliert analysiert werden.
4. Vergleich der theoretischen Konzepte: Dieser Teil stellt die Ansätze von Kaufmann und Hunnick/Röhler gegenüber und verdeutlicht Unterschiede in der Bewertung von Gerechtigkeit und Konfliktlösung in Partnerschaften.
5. Übergang zur ehelichen Liebe und Fazit: Das abschließende Kapitel beschreibt die Entwicklung von der romantischen zur ehelischen Liebe und betont die Notwendigkeit realistischer Konzepte für ein stabiles Zusammenleben.
Schlüsselwörter
Romantische Liebe, eheliche Liebe, Hausarbeit, Aufgabenverteilung, Selbsthingabe, Schuld, Beziehungskonflikte, Paarinterviews, Jean-Claude Kaufmann, romantischer Fehlschluss, Alltagskonstruktion, Partnerschaft, soziale Erwartungen, Familienleitbild, Gerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem Ideal der romantischen Liebe und den alltäglichen Anforderungen einer Partnerschaft, speziell im Hinblick auf die Verteilung von Hausarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die soziologische Definition von Liebe, die Rolle unrealistischer gesellschaftlicher Erwartungen und die Dynamik der Aufgabenverteilung im ehelichen Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unrealistische Vorstellungen über die Liebe das Zusammenleben erschweren und welche Mechanismen Paare nutzen, um den Alltag zu organisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse soziologischer Fachliteratur, wobei Interviews und Fallbeispiele von Autoren wie Jean-Claude Kaufmann sowie Hunnick und Röhler als empirische Grundlage dienen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der "Ökonomie der Ehe", das Konfliktpotenzial durch geschlechtsspezifische Erwartungen und die verschiedenen Typen der Paarbeziehung bei der Hausarbeitsverteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die romantische Liebe, der romantische Fehlschluss, die Konstruktion von Alltag, Selbsthingabe und eheliche Liebe.
Was bedeutet der Begriff "romantischer Fehlschluss" in dieser Arbeit?
Der Begriff beschreibt die Tendenz, durch unrealistische, medial geprägte Erwartungen an eine Beziehung die tatsächliche Komplexität und die Notwendigkeiten des Alltags auszublenden, was häufig zur Zerrüttung von Familien führt.
Wie unterscheidet sich "eheliche Liebe" von der "romantischen Liebe"?
Während romantische Liebe auf Faszination und Exklusivität baut, zeichnet sich die eheliche Liebe laut den zitierten Autoren durch eine notwendige Anpassung an Alltag, Routine und die gemeinsame Bewältigung praktischer Aufgaben aus.
Warum entstehen laut Kaufmann Konflikte bei der Hausarbeit?
Konflikte entstehen, da Paare zwar stillschweigende Übereinkünfte treffen, diese jedoch auf einer instabilen Basis von "Selbsthingabe" und verborgenen Schuldenrechnungen basieren, die bei Nichterfüllung der Erwartungen zu Frustration führen.
Welche drei Paartypen unterscheiden Hunnick und Röhler?
Die Autoren unterscheiden den affektuell-traditionellen, den affektuell-vergesellschafteten und den affektuell-pragmatischen Typus, die sich durch unterschiedliche Formen der Verhandlung und des Konfliktpotenzials hinsichtlich der Hausarbeit auszeichnen.
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- Anonym (Author), 2014, Romantische Liebe und tägliches Zusammenleben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282859