Medienethik am Beispiel der Sendung "Big Brother". Liegt eine Verletzung der Grundrechte vor?


Hausarbeit, 2012
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Funktionen der Massenmedien

3. Medienethik
3.1 Unterscheidung Moral & Ethik
3.2 Medien und Ethik
3.3 Die journalistische Ethik
3.4 Ethikbedarf der Medien

4. Big Brother
4.1 Das Fernsehformat Big Brother
4.2 Der mediale Diskurs im Vorfeld
4.3 Mögliche Verletzung der Grundrechte von Big Brother

5. Fazit

Vorwort

Die folgende Arbeit wurde im Rahmen einer Projektarbeit für die Lehrveranstaltung ,,Medienethik“ an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation verfasst. Aufgabe war es, nach einer einleitenden Definition des Begriffes Medienethik, diese Thematik auf einen relevanten Fall in der Berichterstattung zu beziehen. Gegenstand dieser Arbeit ist eine Prüfung auf eine mögliche Verletzung der Grundrechte am Beispiel des Sendeformats ,,Big Brother“.

Dabei beschäftigt sich die Prüfung wesentlich mit dem 1. Artikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschlands. Die Arbeit sollte die Richtlinien des wissenschaftlichen Arbeitens berücksichtigen.

1. Einleitung

,,Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“(Schade, 2009, S. 20)

In der heutigen Zeit nimmt eine ethische Kommunikation der Massenmedien, hinsichtlich ihrer Informations- und meinungsbildenden Rolle, einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft ein. Jedoch findet eine solche Einhaltung ethischer Werte, obwohl ihre Theorie sehr gut substantiiert ist, in der Praxis wenig Umsetzung. Durch das Wachstum der vielschichtigen Mediengesellschaft wird diese Problematik zusätzlich angetrieben. (vgl. Scholz, 2006 ,S. 281; Debatin, Funiok, 2003, S.9)

Die Begrifflichkeit der Ethik an sich lässt dabei dehnbare Definitionen zu und ermöglicht somit einen weiten Spielraum für mögliche Interpretationsansätze. Obwohl die Medienethik in unzähligen Artikeln verschiedener Grundrechte integriert ist, werden lediglich wenige Aspekte in ihnen aufgegriffen. Weder das deutsche Grundgesetz, noch die Menschenrechte bilden in der Mediengesellschaft Deutschlands eine pragmatische Gesetzesgrundlage, die die Fachterminologie der Medienethik bestimmt. Folglich werden ebenfalls ihre Zuwiderhandlungen an keiner Stelle maßgeregelt, wodurch im Falle eines Deliktes höchsten eine Ahndung vollzogen wird. (vgl. Göbel, 2004, S.14; vgl.Wiegerling,1998, S. 167-168; vgl. Beck, 2007,S. 224)

Grund für die Aktualität der Debatte rund um die ethische Berichterstattung der Medien, sind verschiedene mediale Geschehnisse in den letzten Jahren, die diesem Mediendiskurs einen erneuten Aufschwung verleiteten. Eines dieser Geschehnisse war die Massenpanik, während des Technofestivals ,,Loveparade“ am 24. Juli 2010 in Duisburg, bei dem 21 Menschen starben und rund 500 verletzt wurden. Während zahlreiche Besucher um ihr Leben bangten und Menschen zu Tode getrampelt wurden, wurde dieses Ereignis von einigen mit ihren Mobiltelefonen festgehalten. Diese Szenen füllten in den darauffolgenden Tagen die Berichterstattung sowohl der Deutschen, als auch der internationalen Medien. (vgl. Bouhs, 2011, S.10)

Auch die Berichterstattung des Bombenanschlags in Oslo und den Amoklauf auf Utoya am 22. Juli 2011 sorgte für Diskussionen. Dem Deutschen Presserat wurden rund 16 Beschwerden unterbreitet, wobei einige den Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht meldeten. So wurden beispielsweise Opfer des Amoklaufs mit Bild sowie vollem Namen dargestellt. (vgl. Kremer, Wassink, 2011)

Ein weiteres Geschehnis stellt der terroristische Anschlag am 11. September 2001 auf die Türme des World Trade Centers dar. Weltweit wurde dieses Ereignis live vor dem Fernseher verfolgt, als auch das zweite Flugzeug sich seinen Weg in das Gebäude bahnte. Dabei wurde die Berichterstattung stetig mit neuem Material, durch unzählige Amateurvideos, gefüttert. Von lodernden Gebäuden, panischen Aktivitäten auf den Straßen New Yorks über leidbefreiende Sprünge aus den obersten Stockwerken des Gebäudes, fand jegliches Film- sowie Bildmaterial seinen Weg in die Nachrichtenerstattung. (vgl. Biedermann, 2003, S. 22)

Am 1. März 2000 startete auf dem privat-kommerziellen Sender RTL2 ein Fernsehformat, welches, wie keins zuvor, für eine derartige Indignation in der deutschen Gesellschaft sorgte. Das Format ,,Big Brother“ traf bereits vor Sendestart besonders bei den älteren Generationen, auf Diskrepanz. Dies veranlasste einige Größen in Kultur und Politik gegen dieses ,,Menschenexperiment“ und für die Menschenwürde zu plädieren (Mikos et all, 2000, S.7). Zu ihrem Unmut behütet das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland die Würde des Menschen zwar, jedoch wird auch ein Entfall der Zensur in Artikel 5 deutlich gemacht. (vgl. Schade, 2009, S. 38)

Dies hatte zur Folge, dass lediglich die zuständige Landesmedienanstalt gegen das Fernsehformat Big Brother vorgehen konnte. Dennoch blieb eine letztendliche Durchsetzung trotz Aktivierung der Landesmedienanstalt aus. (vgl. Schade, 2009, S.38; vgl. Mikos et all, 2000, S.7-8)

Im Folgenden soll durch die Beschreibung der Rolle der Medien sowie die Definition von Medienethik das Sendeformat Big Brother beleuchtet und diskutiert werden.

2. Funktionen der Massenmedien

Die Hauptfunktion der Massenmedien ist zugleich ihre Urfunktion, die aus der Aufbereitung und Verbreitung von gesellschaftlich relevanten Ereignissen besteht, die sogenannte Kommunikationsfunktion. Sie ist zudem essentieller Bestandteil einer Sozialstruktur. Mit einer wachsenden Gesellschaft, steigt ebenfalls der Komplexitätsgrad der benötigten Kommunikationsstruktur. Zur Funktionalität eines so komplexen Kommunikationssystems benötigt man eine gewisse mediale Reichweite, die die Eigenschaften der Massenmedien voraussetzen. (vgl. Hofmann, 2008 ,S.9; vgl. Scholz, 2006, S.162; vgl. Debatin, Funiok,2003, S.9)

Neben der Kommunikationsfunktion verfolgen die Massenmedien zudem politische Aufgaben. Eine dieser Aufgaben ist ihre Kritik- und Kontrollfunktion, wodurch ihnen, im Sinne der Gewaltenteilung, des Öfteren die Rolle der ,,vierten Gewalt“ zugesprochen wird. Ihre Kontrollfunktion soll nicht als staatliche Obrigkeit verstanden werden, sondern als ein kritikäußerndes Subjekt. Ein elementarer Bestandteil einer Demokratie ist die Aussicht auf freie Kritikäußerung gegenüber parlamentarischer Aktivitäten. Aus diesem Grund liegt die Intention der Massenmedien, in der Identifikation und Darlegung von Missständen. Somit bewahrt sie die Demokratie vor einer demokratischen Arbitrarität und korrupter Machenschaften. (Donath, 2001, S. 115).

Aus der Kritik- und Kontrollfunktion ergibt sich zudem die Artikulationsfunktion der Massenmedien: ,,Je freier und eigenständiger die Öffentlichkeit von ihr wahrgenommene Missstände über die Medien verantwortlich artikulieren und verbreiten kann, desto wirksamer vermögen die Medien, ihren Kontrollauftrag zu erfüllen“(Donath, 2001, S. 115). (vgl. Donath, 2001 , S. 115)

Neben den politischen Funktionen der Massenmedien gibt es diejenigen, die zum sozialen System beitragen. Eine sehr bedeutende soziale Aufgabe gegenüber der Gesellschaft stellt die Sozialisationsfunktion dar. Zur Integration in das Gesellschaftssystem werden über die Massenmedien Werte, Normen, Leitbilder aber auch gesellschaftliche Ansprüche vermittelt, sodass die Medien, neben der Familie, als eine weitere Sozialisationsinstanz gegenüber Kindern angesehen werden. Auf diese Weise werden Ideologien sowie Überzeugungen aufgenommen und ausgetauscht, was die Prägung durch die Massenmedien vorantreibt. (Vgl. Donath, 2001, S.116; vgl. Steigerwald, 2007 , S.7)

Grundsätzlich kann man sagen, dass die politischen- und sozialen Funktionen sowie die Informationsfunktion für eine moderne Demokratie und einen demokratisch, freiheitlichen Staat unentbehrlich und fundamental wichtig sind.(vgl. Stockerl, 2010, S.5)

3. Medienethik

3.1 Unterscheidung Moral & Ethik

Unter dem Begriff der ,,Moral“ versteht man sämtliche Normen, Werte und Regeln, die aus individueller oder gesellschaftlicher Entstehung für eine bestimmte Handlungsaktivität festgelegt sind. Hierbei wird eine solche, aus Überlieferung stabilisierte, Verhaltensnorm stets aus positiver Absicht vollzogen. Ob die Gesamtheit aus den Normen, Werten und Regeln in festgelegter und unveränderbarer Form für eine bestimmte Moral besteht oder sie abwandelbar ist, bleibt ungeklärt. Fest steht jedoch, dass eine, aus den oben genannten Aspekte bestehende, bewusste Handlung, stets Moralität beinhaltet. Wo die Moral als deskriptiver Fachbegriff für ein Regelsystem steht, versteht man unter der Moralität das Anstreben des Guten und die damit einhergehende freiheitliche Zustimmung zur Moral. Ob die vorgegebenen Regelungen jedoch fundiert sind und somit eine intersubjektive Überprüfbarkeit besteht, liegt im Zuständigkeitsbereich der Ethik. Dementsprechend kann man sie von dem Terminus der Moral abgrenzen, da sie hinsichtlich ihrer Eigenschaften als Wissenschaft angesehen werden muss. Weiterführend wird die Ethik als widerspiegelnde Rede über die Moral bezeichnet. Während die Ethik kritisch reflektiert und argumentative Bekräftigungen kapriziert, bezieht sich die Moral lediglich auf den gelebten Konsens. Somit stellt die Ethik eine theoretische Reflexion der moralischen Handlungen unter normativen Gesichtspunkten dar. (vgl. Honecker, 1990 , S.4; vgl. Beckmann, 1995 ,S.5-6)

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Medienethik am Beispiel der Sendung "Big Brother". Liegt eine Verletzung der Grundrechte vor?
Hochschule
Macromedia Fachhochschule der Medien Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V283074
ISBN (eBook)
9783656826781
ISBN (Buch)
9783656829287
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Ethik, Medienethik, Big Brother, Big, Brother, Diskurs, Fernsehformat, Grundrechtsverletzung, Grundrechte
Arbeit zitieren
Tobias Weiler (Autor), 2012, Medienethik am Beispiel der Sendung "Big Brother". Liegt eine Verletzung der Grundrechte vor?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283074

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