Die Arbeit setzt sich mit dem Thema der geplanten Obsoleszenz auseinander und beleuchtet es dabei sowohl aus theoretischer wie aus empirischer Perspektive. Dazu ergründet sie die von Konsumenten erwartete Lebensdauer bestimmter Produkte sowie die Strategie, die hinter der künstlich reduzierten Lebensdauer steht.
Viele deutsche Konsumenten kennen das Problem. Kurz nach Ablauf der Garantiezeit gehen insbesondere elektronische Geräte kaputt. Was für die meisten Konsumenten als ärgerlicher Zufall oder Fehlkauf erscheint, ist in vielen Fällen Bestandteil einer raffinierten Produktstrategie stark profitorientierter Unternehmen.
Um gezielt Nachkäufe zu generieren, setzen Hersteller bewusst darauf, die Lebensdauer ihrer Produkte durch eingebaute Schwachstellen oder die Verwendung minderwertiger Materialien künstlich zu begrenzen und somit ein Verfallsdatum vor zu programmieren.
Für die Hersteller bedeutet dies eine Steigerung des Gesamtabsatzes, welche mit positiven Kostendegressionseffekten verbunden ist und somit zu einer Erhöhung des Gesamtumsatzes beiträgt. Das funktioniert allerdings nur, solange der Kunde mitspielt. Denn er gleicht seine Erwartungen an das Produkt (Soll) mit der Leistung (Ist) des Produkts ab. Dieser Vergleich entscheidet, ob er mit dem Artikel zufrieden ist und ob ein Wiederkauf beim gleichen Hersteller erfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau
2. Shopping Goods
2.1 Begriffsdefinition und Abgrenzung
2.2 Kaufentscheidungsprozess bei Shopping Goods
2.3 Einkaufsverhalten deutscher Konsumenten bei ausgewählten Produktgruppen
2.3.1 (Flachbild-)Fernseher
2.3.2 Smartphones
2.3.3. Waschmaschinen und Kühlschränke
3. Geplante Obsoleszenz - vorzeitiger Verschleiß als Umsatzbeschleuniger?
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Differenzierung von Obsoleszenz-Arten nach „Grad des Vorsatzes“
3.2.1 Bewusst geplanter vorzeitiger Verschleiß
3.2.2. Gewollter vorzeitiger Verschleiß
3.3 Treiber und Faktoren für Obsoleszenz-Strategien
4. Kundenzufriedenheit
4.1 Begriffsdefinition
4.2 Theoretische und konzeptionelle Grundlagen
4.2.1 Confirmation/Disconfirmation-Paradigma
4.2.2. Kano-Modell
4.2.3 Assimilations-Kontrast-Theorie
4.3 Anforderungen für Hersteller
5. Empirische Untersuchung - Kundenerwartungen an die Lebensdauer ausgewählter Shopping Goods
5.1 Definition der Zielsetzung
5.2 Methodik
5.2.1 Forschungsdesign
5.2.2 Stichprobenziehung
5.2.3 Datenerhebung
5.3 Datenauswertung
5.4 Diskussion der Ergebnisse
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der von Herstellern forcierten geplanten Obsoleszenz und den Erwartungen deutscher Konsumenten an die Lebensdauer von Shopping Goods. Ziel ist es, herauszufinden, welche Anforderungen Konsumenten an die Produktlebensdauer stellen, um Wiederkaufabsichten und Kundenzufriedenheit trotz künstlich verkürzter Nutzungszyklen aufrechtzuerhalten.
- Konzept und Formen der geplanten Obsoleszenz
- Einfluss der Produktlebensdauer auf die Kundenzufriedenheit
- Analyse des Kaufverhaltens bei ausgewählten Produktgruppen (Fernseher, Smartphones, Haushaltsgroßgeräte)
- Empirische Untersuchung mittels Online-Befragung
- Handlungsempfehlungen für herstellende Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1 Qualitative Obsoleszenz
Eine häufig auftretende Form von Obsoleszenz ist die qualitative Obsoleszenz. Hier manipulieren die Hersteller bewusst und geplant „[...] die den Grundnutzen stiftende technische Qualität eines Produkts zur Verringerung der Lebensdauer“ (Bodenstein, 1977, S. 10). Die „[...] gewollte(n) Verkürzung der kundenseitig erwartbaren Produktnutzungsdauer [...]“ (Schridde, 2013a, S. 25) wird zum einen dadurch erreicht, dass Produktkomponenten im Produktentwicklungsprozess derart ausgewählt werden, dass sie z. B. aufgrund minderer Qualität frühzeitig veralten, als Schwachstelle im Produkt einen Defekt verursachen oder in Hinblick auf die Funktionalität unterdimensioniert sind (vgl. Schridde, 2013a, S. 25). Zum anderen können Verbesserungen, die sich auf die Produktqualität und/oder -lebensdauer beziehen, bewusst unterlassen werden. In diesem Zusammenhang erwähnt Bodenstein (1977, S. 10) den Begriff „Schubladenpatent“.
Ein Beispiel für solch ein Schubladenpatent - und gleichzeitig auch für die qualitative Obsoleszenz - stellt das im Jahr 1924 in Genf gegründete Glühbirnenkartell Phoebus dar, in welchem sich internationale Glühbirnenhersteller wie Osram und General Electrics zusammenschlossen, um die Brenndauer von Glühbirnen von damals 2.500 Stunden schrittweise auf 1.000 Stunden zu reduzieren. Die im Rahmen dieses Kartells kontrollierte Produktion der Glühbirnen, sowie der Austausch von Patenten, ermöglichten den beteiligten Herstellern eine bessere Kontrolle des Einkaufsverhaltens der Konsumenten, indem diese aufgrund der niedrigeren Brenndauer gezwungen waren, in kürzeren Intervallen Ersatzkäufe zu tätigen. Produzierte ein Glühbirnenhersteller seine Waren nicht gemäß der Vereinbarung, so verhängte das Kartell Sanktionen in Form von Bußgeldern (vgl. Dannoritzer, 2010). Dieses Beispiel zeigt, dass zur Stimulation des Absatzes eine Strategie der Qualitätsverschlechterung gezielt angewendet wurde, indem eine technisch mögliche Produktleistung bewusst unterdrückt und dem Konsumenten vorenthalten wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, wonach die künstliche Verkürzung der Lebensdauer von Produkten das Ziel hat, den Absatz zu maximieren, dabei jedoch die Gefahr der Kundenunzufriedenheit birgt.
2. Shopping Goods: Charakterisierung der Warengruppe Shopping Goods und Erläuterung des Kaufentscheidungsprozesses unter Berücksichtigung des Involvement-Konzepts sowie des Einkaufsverhaltens bei verschiedenen Produktgruppen.
3. Geplante Obsoleszenz - vorzeitiger Verschleiß als Umsatzbeschleuniger?: Detaillierte Analyse des Begriffs sowie Abgrenzung verschiedener Obsoleszenz-Formen (qualitativ, psychisch, funktionell) und Diskussion der Treiber für diese Strategien.
4. Kundenzufriedenheit: Erläuterung theoretischer Modelle wie dem C/D-Paradigma und dem Kano-Modell, um die Entstehung von Kundenzufriedenheit zu erklären und Anforderungen an Hersteller abzuleiten.
5. Empirische Untersuchung - Kundenerwartungen an die Lebensdauer ausgewählter Shopping Goods: Präsentation und Diskussion der Ergebnisse der Online-Befragung zum Konsumverhalten bei Fernsehern, Smartphones und Haushaltsgroßgeräten.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Fazit der Arbeit mit der Erkenntnis, dass trotz geplanter Obsoleszenz die Berücksichtigung von Kundenerwartungen und das Investieren in zusätzliche Produktmerkmale essenziell sind, um Kundenbindung zu sichern.
Schlüsselwörter
Geplante Obsoleszenz, Kundenzufriedenheit, Produktlebensdauer, Shopping Goods, Qualitative Obsoleszenz, Psychische Obsoleszenz, Funktionelle Obsoleszenz, Kaufverhalten, Konsumentenerwartungen, Markttransparenz, Marktsättigung, Antifeatures, Wiederkaufabsicht, Produktentwicklung, Lebenszyklus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Strategie der "geplanten Obsoleszenz", also der bewussten Verkürzung der Lebensdauer von Produkten durch Hersteller, um Absatz zu generieren, und untersucht deren Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Obsoleszenz, das Involvement der Konsumenten beim Kauf, Modelle zur Messung von Kundenzufriedenheit sowie das tatsächliche Kauf- und Erwartungsverhalten deutscher Konsumenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ermitteln, welche Erwartungen deutsche Konsumenten an die Lebensdauer spezifischer Shopping Goods haben und wie Hersteller agieren müssen, damit trotz vorzeitigen Verschleißes kein Verlust der Kundenzufriedenheit und Wiederkaufabsicht eintritt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie eine empirische Online-Befragung unter 131 Teilnehmern zum Kaufverhalten und zu Erwartungshaltungen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung zu Shopping Goods, Obsoleszenz-Arten und Kundenzufriedenheitsmodellen, gefolgt von einer empirischen Untersuchung und Diskussion für die Produktgruppen Fernseher, Smartphones, Waschmaschinen und Kühlschränke.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind geplante Obsoleszenz, Kundenzufriedenheit, Produktlebensdauer, Shopping Goods, Konsumentenverhalten und Qualitätsminderung.
Inwiefern unterscheiden sich die Gründe für Neukäufe bei den verschiedenen Produktgruppen?
Bei Consumer Electronics (Fernseher/Smartphones) sind oft psychische Obsoleszenz und das Streben nach neuer Technik treibend, während bei Haushaltsgroßgeräten meist ein Defekt der Anlass für einen Ersatzkauf ist.
Welche Rolle spielt die "psychische Obsoleszenz" für Hersteller?
Sie ermöglicht es Herstellern, Produkte durch Modewechsel und Designänderungen "alt" aussehen zu lassen, um den Konsumenten zum Kauf eines neuen Modells zu animieren, obwohl das alte Gerät technisch noch voll funktionsfähig wäre.
Welche Bedeutung haben "Antifeatures"?
Antifeatures sind bewusste Einschränkungen der Funktionalität von Hardware oder Software, um den Konsumenten dazu zu bringen, durch zusätzliche Ausgaben diese Funktionen erst freizuschalten oder durch den Kauf teurerer Produkte zu erhalten.
- Arbeit zitieren
- Julia O. (Autor:in), 2013, Geplante Obsoleszenz versus Kundenzufriedenheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283224