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Entwicklung der modernen Psychiatrie. Im Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und ökonomischer Restriktion

Titel: Entwicklung der modernen Psychiatrie. Im Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und ökonomischer Restriktion

Examensarbeit , 2014 , 77 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Matthias Thielen (Autor:in)

Pflegewissenschaft - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Gegenstand dieser Arbeit ist die Auseinandersetzung mit dem Pauschalierenden Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP). Denn die Einführung des PEPP- Systems ist nicht nur die aktuellste Entwicklung, welche sich im Bezug auf die psychiatrische Versorgung in Deutschland gegenwärtig abspielt. Sie stellt weitergehend ein Thema und eine Veränderung dar, welche nicht lediglich eine Disziplin sondern den gesamten psychiatrischen Versorgungssektor betrifft.
Die Umstrukturierung des Finanzierungssystems für psychiatrische Krankenhaus-leistungen wird in den Kontext der historischen Entwicklung der psychiatrischen Versorgung gestellt. Denn die Geschichte der Psychiatrie bzw. die historische Entwicklung der Versorgung psychisch Erkrankter stellt sich im Wechsel der Ge-sellschaften vom Altertum bis in die Gegenwart nicht linear und oftmals drama-tisch dar. Eine in Deutschland flächendeckend bestehende adäquate medizinische und pflegerische Versorgung entwickelt sich erst seit der Psychiatrie- Enquête von 1970/ 75. Die Neustrukturierung des Finanzierungssystems kann hier vor dem Hintergrund der seit längerem bestehenden Bestrebungen gesehen werden, die psychiatrische Versorgung weiter zu professionalisieren und gleichzeitig eine hu-manistische Grundhaltung zu stärken, auf deren Grundlage individualisierte und niederschwellige Hilfeangebote sektorenübergreifend angeboten werden können.
Nachfolgend wird im Anschluß die historische Entwicklung psychiatrischer Versorgung dargestellt. Wissen um die geschichtliche Entwicklung der Psychiatrie ist meines Erachtens auch und insbesondere für psychiatrisch Pflegende unabdingbar. Die modernen Behandlungs- Maxime, wie auch das Berufsverständnis und die Berufsethik innerhalb unserer Profession werden somit erst in ihrer immensen Bedeutung für die Psychiatrie im allgemeinen und die Psychiatrische Pflege im besonderen offenbar. Denn wie gezeigt werden soll, war es ein langer und beschwerlicher Weg hin zur modernen Psychiatrie. Die Wahrnehmung soll dahingehend gelenkt werden, daß heutige Standards nicht als garantiert und selbstverständlich beurteilt werden, sondern sich das Bewußtsein der fortlaufend notwendigen Reflektion und Verteidigung dieser Fortschritte einstellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Historische Entwicklung der psychiatrischen Versorgung

2.1. Entwicklungen in der Antike (von ca. 800 v. bis 600 n. Chr.)

2.2. Das europäische Mittelalter (600 n. Chr. – 1500 n. Chr.)

2.3. Renaissance (ca. 1450- 1600)

2.4. Fazit

2.5. Barock und Aufklärung

2.6. Das 19. Jahrhundert

2.6.1. Die Modellanstalt Illenau – Anfänge psychiatrischer Pflege

2.7. Das 20. Jahrhundert – Ära der Psychopharmaka

2.7.1. Psychiatrische Pflege Anfang des 20. Jhd.

2.8. Situation im Nationalsozialistischen Deutschland

2.9. Entwicklung der Psychopharmaka

3. Die deutsche Psychiatrie- Enquête

3.1. Die bio- psycho- soziale Psychiatrie

3.2. Professionalisierung der Psychiatrischen Pflege

4. Zielsetzung „offene Psychiatrie“

4.1. Recovery

4.2. Schlußfolgerungen

5. Hintergründe zum Pauschalierenden Entgeltsystem Psychiatrie

5.1. Bisherige Finanzierung der Psychiatrie

5.2. Das DRG- System als Vorbild des PEPP

5.3. Die Psychiatrie Personalverordnung (Psych PV)

5.4. Kernstücke des PEPP

5.4.1. Die Operationen- und Prozedurenschlüssel der Psychiatrie

5.4.2. Verweildauerdegression

5.4.3. Die Fallzusammenführung im PEPP- System

6. Aktuelle Debatte

7. Kritik am PEPP

7.1. Fehlender Leistungsbezug

7.2. Hoher bürokratischer Aufwand

7.3. Fehlende Personalsicherung

7.4. Benachteiligung schwer und chronisch Erkrankter

8. Stellungnahme zum PEPP

8.1. Psychiatrische Versorgung im Spannungsfeld

9. Schlussfolgerungen/ Rolle der psychiatrischen Pflege

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Einführung des Pauschalierenden Entgeltsystems für Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) auseinander. Das Hauptziel besteht darin, die ökonomischen Veränderungen im Kontext der historischen Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland zu beleuchten und deren Auswirkungen auf die pflegerische Praxis sowie das Berufsethos psychiatrisch Pflegender zu analysieren.

  • Historische Entwicklung der psychiatrischen Versorgung von der Antike bis heute
  • Der Wandel der psychiatrischen Pflege zur professionellen Disziplin
  • Das "Recovery-Konzept" als innovativer therapeutischer Ansatz
  • Mechanismen, Kritikpunkte und Auswirkungen des PEPP-Systems

Auszug aus dem Buch

2.8. Situation im Nationalsozialistischen Deutschland

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 brach auch und insbesondere (Brückner 2010) für die deutsche Psychiatrie eine Zeit unvorstellbarer Greuel an. Die Rassenideologie der Nazis sah neben Juden und Zigeunern auch psychisch kranke und behinderte Menschen im Verhältnis zur arischen Herrenrasse als Untermenschen an. Die Eugenik postulierte schon zur Jahrhundertwende Generationstheorien. Diese gingen auch da von einer Vererblichkeit psychischer Störungen aus, wo dies keineswegs genetisch erwiesen war und sahen während dessen eine kontinuierliche Verschlimmerung der Erkrankung bis hin zu Schädigung der Volksgesundheit. Augrund solcher Theorien wurden die Gesetze und Maßnahmen zur Erhaltung der „Rassenhygiene“ gerechtfertigt. Sinnbild der barbarischen Praxis ist die sogenannte „Aktion T 4“ geworden. Im Zuge dieser wurden bis August 1941 70.273 Anstaltspatienten systematisch mit Injektionen, durch Erschießen oder Giftgase ermordet. Medizin und Pflege machten sich an diesen Verbrechen mitschuldig durch Unterstützung bei der Erfassung der Opfer und teils durch aktive Tötung von Patienten. Die Pfleger der Anstalten begleiteten die Transporte in die Lager und verabreichten auf Anweisung tödliche Medikamente. Im „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ von 1933 wurden Mediziner zu Zwangssterilisationen von psychisch Kranken und Behinderten verpflichtet. Es bestand eine Anzeigepflicht, nach welcher Ärzte, Pfleger und andere Mitarbeiter des Gesundheitswesens die definierten Erbkrankheiten (bspw. Schizophrenie; Epilepsie; erbliche Taub- und Blindheit etc.) einem Amtsarzt zu melden hatten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einleitung zur Thematik des Pauschalierenden Entgeltsystems Psychiatrie (PEPP) und dessen Einordnung in die historische Entwicklung der psychiatrischen Versorgung.

2. Historische Entwicklung der psychiatrischen Versorgung: Überblick über die psychiatrische Versorgung von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, inklusive der Rolle der Pflege.

3. Die deutsche Psychiatrie- Enquête: Darstellung der psychiatriekritischen Bewegungen der 1960er Jahre und der daraus resultierenden Psychiatrie-Enquête von 1971.

4. Zielsetzung „offene Psychiatrie“: Vorstellung moderner Konzepte wie "Soteria" und "Recovery" als Alternative zur traditionellen stationären Verwahrpsychiatrie.

5. Hintergründe zum Pauschalierenden Entgeltsystem Psychiatrie: Erläuterung der Finanzierungssysteme von der historischen Armenfürsorge bis hin zu den Mechanismen des modernen PEPP.

6. Aktuelle Debatte: Zusammenfassung der Kritik an PEPP durch Fachverbände und die öffentliche Auseinandersetzung mittels Petitionen.

7. Kritik am PEPP: Diskussion spezifischer Schwachstellen wie dem fehlenden Leistungsbezug, hohem Bürokratieaufwand und der Gefahr für die Personalsicherung.

8. Stellungnahme zum PEPP: Kritische Reflexion der ökonomischen Restriktionen und deren Auswirkungen auf das Spannungsfeld zwischen therapeutischem Anspruch und ökonomischer Realität.

9. Schlussfolgerungen/ Rolle der psychiatrischen Pflege: Fazit zur notwendigen Weiterentwicklung des pflegerischen Selbstverständnisses unter den neuen Abrechnungsbedingungen.

Schlüsselwörter

Psychiatrie, PEPP, Psychiatrische Pflege, Geschichte der Psychiatrie, Recovery-Konzept, Fallpauschalen, Krankenhausfinanzierung, Psychiatrie-Enquête, Leistungsverdichtung, Psychopharmaka, Patientenversorgung, Berufsethos, Sozialpsychiatrie, DRG-System, Qualitätssicherung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Einführung des Pauschalierenden Entgeltsystems für Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) und betrachtet dies im Kontext der historischen Entwicklung psychiatrischer Versorgung in Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Historie der Psychiatrie, die Professionalisierung der psychiatrischen Pflege, die Kritik am aktuellen Finanzierungssystem sowie Ansätze der "offenen Psychiatrie" wie das Recovery-Konzept.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen therapeutisch-pflegerischen Erfordernissen und ökonomischen Restriktionen im neuen Finanzierungssystem aufzuzeigen und Anforderungen an das Rollenverständnis von Pflegenden zu definieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse historischer sowie aktueller gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird der Weg von der antiken Verwahrung über die Psychiatrie-Enquête bis zur Einführung des PEPP nachgezeichnet, die Funktionsweise des PEPP-Systems erklärt und die Kritikpunkte dazu erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Psychiatrie, PEPP, Psychiatrische Pflege, Recovery, Fallpauschalen und Krankenhausfinanzierung.

Wie wirkt sich die Verweildauerdegression im PEPP-System aus?

Die relative Entgelthöhe sinkt mit zunehmender Dauer des stationären Aufenthalts, was laut Kritik Anreize zu einer vorzeitigen Entlassung setzt, die therapeutisch nicht immer sinnvoll ist.

Was bedeutet die Fallzusammenführung für die Kliniken?

Sie verhindert, dass Klinikaufenthalte künstlich unterbrochen werden, um durch eine Wiederaufnahme erneut den vollen Abrechnungssatz für den Beginn einer Behandlung zu erhalten, was Erlösverluste vermeiden soll.

Ende der Leseprobe aus 77 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Entwicklung der modernen Psychiatrie. Im Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und ökonomischer Restriktion
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Autor
Matthias Thielen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
77
Katalognummer
V283327
ISBN (eBook)
9783656832065
ISBN (Buch)
9783656829751
Sprache
Deutsch
Schlagworte
PEPP Pauschalierendes Entgeltsystem Psychiatrie Psychiatrie; Geschichte der Psychiatrie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Matthias Thielen (Autor:in), 2014, Entwicklung der modernen Psychiatrie. Im Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und ökonomischer Restriktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283327
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Leseprobe aus  77  Seiten
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