Dehntrainingsmethoden zur Verbesserung der Beweglichkeit


Hausarbeit, 2012

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Sachanalyse
2.1. Was ist nun Beweglichkeit?
2.2. Die Bedeutung der Beweglichkeit:
2.3. Einflussfaktoren der Beweglichkeit:
2.4. Welche Wirkungen versprechen sich Sportler von der Anwendung von Dehnungstechniken?
2.5. Biologische Grundlagen zur Beweglichkeit
2.5.1. Aufbau des Muskels
2.5.2. Aufbau des Sehnen- und Bandapparates:
2.5.3. Was passiert beim Dehnprozess?
2.6. Dehntrainingsmethoden

3. Literaturverzeichnis

4. Abbildungsnachweise

1. Einleitung

Während es früher selbstverständlich war, den ganzen Tag voll aktiv und beweglich zu sein, verbringen inzwischen viele, egal ob bei der Arbeit oder der Freizeitgestaltung, den Tag im Sitzen oder mit geringer aktiver Bewegung. Somit erfährt unsere Muskulatur nicht mehr genügend Reize zur Entwicklung oder zum Erhalt ihrer Funktion.

Im Sport sind Übungen zur Beweglichkeit, Lockerung und Dehnung der Muskulatur weit verbreitet. Ein Großteil der Freizeitsportler, die ihren Sport und ihre körperliche Aktivität unter dem Aspekt der Gesundheitsförderung betreiben, führen Übungen zur Beweglichkeit durch. Im Vergleich dazu dehnen viele Leistungssportler ihre Muskeln nicht nur vor und nach einer Trainingseinheit, sondern fügen sogar extra Trainingseinheiten mit dem sog. Stretching oder einem expliziten Beweglichkeitstraining in ihre Trainingsgestaltung mit ein. Übungen zur Beweglichkeit sind ein elementarer Bestandteil von gesundheits-, breiten- und leistungssportlichen Aktivitäten.

Bereits in den 80er Jahren wurde das als Stretching bezeichnete statische Dehnen etabliert und populär und löste zeitgleich das dynamische Dehnen ab, da dieses als gesundheitsschädigend eingestuft wurde. Bis heute noch wird immer wieder über die Wirkungen und den Sinn des Dehnens sowie der einzelnen verschiedenen Dehnungstechniken diskutiert.

2.Sachanalyse

2.1. Was ist nun Beweglichkeit?

Es gibt in der Literatur keine einheitliche Bezeichnung für Beweglichkeit. Neben dem Begriff Beweglichkeit wird Gelenkigkeit, Gelenksbeweglichkeit, Flexibilität, Biegsamkeit und auch Gewandtheit synonym verwendet (vgl. Albrecht/Meyer, S.3; vgl. Klee/Wiemann, S.8). Hierzu kritisieren Albrecht / Meyer, dass es besonders durch diese Uneinheitlichkeit zu Missverständnissen in der Forschung und auch bei den Anwendern kommt, da diese verschiedenen Begriffe für den gleichen Sachverhalt synonym verwendet und untereinander ausgetauscht werden.

Nach Weineck (1994) gehört Beweglichkeit zusammen mit Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit zu den wichtigsten konditionellen Leistungskomponenten bzw. (nach Martin, 1979) zu den motorischen Grundeigenschaften (Klee/Wiemann, S.8). Weineck beschreibt auch weiter, dass die „ … Beweglichkeit die Fähigkeit und Eigenschaft des Sportlers ist, Bewegungen mit großer Schwingungsweite selbst oder unter dem unterstützenden Einfluss äußerer Kräfte in einem oder in mehreren Gelenken ausführen zu können“ (Weineck, S.735).

Zur besseren Unterscheidungen im Bereich der Beweglichkeit und deren Anwendung, kann man folgende Einteilung nach Klee / Wiemann machen (vgl. Klee/Wiemann, S.9-10):

allgemeine Beweglichkeit: Unter der allgemeinen Beweglichkeit versteht man das ausreichend entwickelte Niveau an Beweglichkeit in den wichtigsten Gelenksystemen, wie z.B. im Schulter-, Hüftgelenk oder der Wirbelsäule.

spezielle Beweglichkeit: Die spezielle Beweglichkeit meint die überdurchschnittliche Beweglichkeit in bestimmten Gelenken in Abhängigkeit der Anforderungen von einzelnen Sportarten. So ist z. B. beim Hürdenlauf die Hüftbeugefähigkeit des Hürdenbeines und Spreizfähigkeit des Abdruckbeines eine spezielle Anforderung an die Beweglichkeit des Hürdenläufers.

aktive Beweglichkeit: Unter der aktiven Beweglichkeit wird die Realisierung einer größtmöglichen Bewegungsamplitude aus eigener Ansteuerung des Sportlers in dem betreffenden Gelenk verstanden (In Abbildung 2: physiologische Bewegungsgrenze).

passive Beweglichkeit: Im Gegensatz zur aktiven meint die passive Beweglichkeit das Erreichen der Bewegungsamplitude eines Gelenkes durch Unterstützung von außen (Partner, Schwerkraft, Geräte – in Abbildung 2: anatomische Bewegungsgrenze). Betrachtet man die unten dargestellte Abbildung, so erkennt man, dass sie immer größer als die aktive Beweglichkeit ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Gelenkbeweglichkeit: PH = physiologische Bewegungsgrenze A = Anatomische Bewegungsgrenze mit Unterstützung

dynamische Beweglichkeit: Darunter versteht man das Ausmaß an der Gelenkreichweite bei schwungvoll ausgeführten Bewegungen.

statische Beweglichkeit: Diese beschreibt die Fähigkeit, eine außergewöhnliche Gelenkposition über eine Zeitspanne beizubehalten.

Ausgehend von der vorangehenden Beschreibung kann man die Beweglichkeit primär in zwei beweglichkeitsbestimmende Komponenten (Gelenkigkeit und die Dehnfähigkeit) einordnen (vgl. Albrecht / Meyer, S.3, Spring/Illi, S.116).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Komponenten der Beweglichkeit

Aus anatomisch-pysiologischer Sicht ergibt sich aus der Form der am Gelenkaufbau beteiligten Knochen die Gelenkigkeit. Die Dehnfähigkeit wird durch die ums Gelenk umgebenden Strukturen (Sehnen, Bänder, Gelenkkapseln und Muskulatur) beeinflusst.

2.2. Die Bedeutung der Beweglichkeit:

Sportliche Übungen und Elemente, z.B. bestimmte Sprungübungen im Bodenturnen, der Spagat oder die Technik des Speerwurfs werden besonders stark durch die Beweglichkeit des Athleten bestimmt.

Bei erhöhter Beweglichkeit können diese Übungen mit großer Bewegungsamplitude kräftiger, schneller, leichter und ausdrucksvoller ausgeführt werden. Sie bietet somit Vorteile im Bereich der Optimierung der Bewegungsausführung, der Bewegungsharmonie und des Bewegungsausdrucks. Nicht zuletzt bewirkt eine optimal entwickelte Beweglichkeit ein erweitertes Spektrum an sportartspezifischen Bewegungstechniken. Eine gut entwickelte Beweglichkeit erhöht die koordinative und konditionelle Leistungsfähigkeit des Sportlers und optimiert im Bereich der Beanspruchungsformen von Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer (vgl. Weineck, S.738).

Aber auch im Alter hat der Erhalt der Beweglichkeit eine große Bedeutung! So ist sie hilfreich, einfache Alltagsaufgaben zu bewältigen, wie z. B. das Zuschnüren von Schuhen oder nur beim Schneiden der Zehnägel (vgl. Graf, S.15).

Nebenbei wird dem Beweglichkeitstraining eine Verletzungs- und Haltungsprophylaxe, eine schnellere Regeneration nach dem Sport, Verhinderung muskulärer Dysbalancen sowie Entspannung (Psychoregulation) zugeschrieben.

Zum Begriff „Beweglichkeitstraining“ zählen neben dem Dehnen (= gezieltes Ausführen von Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit) auch die Mobilisation und muskuläre Lockerungsübungen (sog. „Ausschütteln“) (vgl. Anrich, S.41, Weineck, S.749).

2.3. Einflussfaktoren der Beweglichkeit:

Die Beweglichkeit einer Person wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Es gibt hierzu eine Vielzahl von Kriterien. Zur einfachen Differenzierung kann man diese grob in endogene (beeinflussbare und kaum beeinflussbare) und exogene Faktoren unterteilen. Die Außentemperatur und die Tageszeit des Trainings kann beispielsweise den exogenen Faktoren zugeordnet werden. Endogene Faktoren können anhand der angesprochenen körperlichen Fähigkeiten, Eigenschaften und nach ihrem Grad der Beeinflussung hinsichtlich ihrer Beweglichkeit unterteilt werden: Zum einen in beeinflussbare Faktoren, womit die Dehnfähigkeit der antagonistischen Muskulatur, neurophysiologische Bedingungen sowie antagonistische Kraft und Stoffwechsel gemeint sind und zum anderen in kaum beeinflussbare Faktoren, zu denen die Struktur des Gelenks, der Muskelmasse und anthropogene Voraussetzungen (Alter, Geschlecht) gehören.

Von Bedeutung für die Beweglichkeit ist auch der Tageszeitpunkt. Im Tagesverlauf verändert sich die Beweglichkeit. Während sie morgens gegen 8 Uhr nach dem Aufstehen am geringsten ist, nimmt das Bewegungsausmaß im Verlauf des Tages zu.

Die Beweglichkeit eines Jeden ist temperaturabhängig. Der Wärmezustand der Muskulatur (kalt, aufgewärmt), die Aussen- und Hauttemperatur beeinflussen die Beweglichkeit. Je wärmer, desto beweglicher – auch ein wärmendes Bad kann positive Auswirkungen auf die Beweglichkeit haben. Bei kühleren Temperaturen verringert sich die Bewegungsamplitude (Weineck, S.746). Bei Erwärmung bzw. höherer Temperatur verringern sich grundsätzlich die Reibungswiderstände innerhalb der Gelenke und Muskeln. Alle Stoffwechselvorgänge laufen bei höheren Temperatur auch schneller ab (Thienes, S.56 folg.).

Auch ein ermüdendes Training erklärt Weineck, kann zu einer Bewegungseinschränkung und Muskelsteifigkeit durch biomechanische Prozesse (ATP-Spiegel sinkt, Anschwellen der Muskelzellen durch erhöhte Wasseraufnahme) führen. Ein ermüdeter Muskel ist weniger dehnfähig als ein „frischer“ Muskel (Weineck, S.746).

Als anthropometrischer Faktor nimmt das Alter einen Einfluss auf die Beweglichkeit. Im fortschreitenden Alter nimmt die Beweglichkeit grundsätzlich ab. Kinder im Alter von 6-12 Jahren besitzen eine deutlich bessere Beweglichkeit als Jugendliche zwischen 14-21 Jahren. Gründe dafür ist eine Verminderung der Zellzahl, zunehmender Wasserverlust und die Verringerung der Anzahl an elastischen Fasern (Sehnen, Bänder, Muskelfaszien) im Altersgang (Weineck, S.746; Thienes, S.56; Anrich, S.16; Klee/Wiemann, S.15-17).

Die Beweglichkeit ist auch Geschlechtsabhängig. In allen Alters- und Entwicklungsphasen hat das Geschlecht einen starken Einfluss auf die Beweglichkeit. Vor allem in der Pubertät weisen Mädchen, später als Frau eine höhere Beweglichkeit gegenüber Jungen und Männern auf (vgl. Weineck, S.746; Anrich, S.16, Klee/Wiemann; S.15-17). Hierzu führen die Autoren neben hormonellen Unterschieden, erhöhtes Fettgewebe, verringerter Muskelmassenanteil und anatomische Unterschiede in der Bauform der Gelenke auf. Außerdem wird aus den o.g. Gründen gefolgert, dass die Dehnungsfähigkeit der Frau aufgrund der daraus resultierenden geringeren Gewebsdichte etwas erhöht ist (Weineck, S.745).

Thienes, Anrich und Kunert sehen aber auch in der emotionalen und psychischen Verfassung einen bedeutsamen leistungslimitierenden Faktor für die Beweglichkeit. In stressigen Situationen und bei psychischen Belastungen (private/berufliche Spannungsfelder, Ängste und Affekte) wird das vegetative Nervensystem aktiviert und der Körper schüttet vermehrt Stresshormone (Adrenalin, Noradrinalin etc.) aus. Nach Bewältigung der Situation kommt es i. d. R. zur Entspannung und die Körperfunktionen normalisieren sich. Befindet sich der Körper, ebenso auch die Muskulatur, jedoch immer in einem erregten Spannungszustand, kann es zu negativen Auswirkungen wie z. B. muskulären Verspannungen und Verhärtungen kommen. (Thienes, S.59; Anrich, S.15; Kuhnert, S.14).

Im Gegensatz dazu können nach Hrn. Weippert vom Institut für Präventivmedizin in Rostock die Einflussfaktoren der Beweglichkeit auch wie in der nachfolgenden Abbildung zusammengefasst dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: M.Weippert: Faktoren der Beweglichkeit.

2.4. Welche Wirkungen versprechen sich Sportler von der Anwendung von Dehnungstechniken?

Allgemein soll durch Dehnung die motorische Fähigkeit trainiert werden, Bewegungen mit einer optimalen Schwingungsweite der Gelenke auszuführen, die als Beweglichkeit bezeichnet wird. Während die Wirkungen bei Ausdauer-, Kraft- oder Schnelligkeitstrainings auf das Herz-Kreislauf- bzw. Muskel-Skelett-System weitestgehend erforscht sind, fehlen solche wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Wirkungen von Dehnung. Der Einsatz von Dehnungstechniken in der Praxis basiert deshalb vor allem auf Erfahrung und auf Glaubensbekenntnissen sogenannter Dehnungsexperten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Dehntrainingsmethoden zur Verbesserung der Beweglichkeit
Hochschule
Universität Rostock  (Sportwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Sport und Gesundheit
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V283528
ISBN (eBook)
9783656832560
ISBN (Buch)
9783656830702
Dateigröße
2686 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dehnmethoden Dehntechniken Beweglichkeit Beweglichkeitstraining
Arbeit zitieren
Thomas Angerer (Autor), 2012, Dehntrainingsmethoden zur Verbesserung der Beweglichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283528

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