Musterschema zur schweren Körperverletzung


Skript, 2014

5 Seiten

Marc Daniels (Autor)


Leseprobe

I. Tatbestand

… könnte sich gem. §§ 223 I, 226 I Nr. ... StGB der schweren Körperverletzung strafbar gemacht haben, indem er….

1. Grundtatbestand des § 223 I StGB

a) Objektiver Tatbestand

aa) Körperliche Misshandlung

Definition: Körperliche Misshandlung ist eine üble, unangemessene Behandlung, durch die das körperliche Wohlbefinden oder die körperliche Unversehrtheit nicht nur unerheblich beeinträchtigt wird.

bb) Gesundheitsschädigung

Definition: Gesundheitsschädigung ist das Hervorrufen oder Steigern eines nicht nur unerheblichen krankhaften (also pathologischen, d.h. vom Normalzustand der körperlichen Funktionen nachteilig abweichenden) Zustandes.

cc) eines anderen Menschen

dd) Kausalität / Obj. Zurechung

b) Subjektiver Tatbestand

2. Eintritt der schweren Folge gem. § 226 I StGB

a) Nr. 1: das Sehvermögen auf einem Auge oder beiden Augen, das Gehör, das Sprechvermögen oder die Fortpflanzungsfähigkeit verliert.

.

Definition: Verloren ist das Vermögen oder die Fähigkeit, wenn es im Wesentlichen aufgehoben ist, der Ausfall einen längeren Zeitraum hindurch besteht und Heilung nicht oder auf unbestimmte Zeit nicht anzunehmen ist.

Bsp.: (–) bei zumutbarem Eingriff mit hohen Heilungschancen, aber (+) wenn bloß künstliche Seh- und Hörhilfen zur Verfügung stehen, die am organischen Schaden nichts ändern. (+) bei Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit: Zeugungs- und Gebärfähigkeit.

- Wenn Sehfähigkeit (auf einem Auge) oder Hörfähigkeit (gesamt) unter 10% sinkt.
- Ein zumutbarer operativer Eingriff muss hingenommen werden
- Umstritten ist, ob die Fortpflanzungsfähigkeit schon bestehen muss oder, ob es genügt wenn diese nur angelegt ist

b) Nr. 2: ein wichtiges Glied des Körpers verliert oder dauernd nicht mehr gebrauchen kann.

(1) Glied

Definition: Glied ist jedenfalls ein äußerlicher Körperteil, der eine in sich abgeschlossene Existenz mit besonderer Funktion für den Gesamtorganismus hat und mit dem Körper durch Gelenke verbunden ist.

Problem: Begriff des Gliedes

- h.M.: Entsprechend obiger Definition.

Der Begriff „Glied“ ist allgemein sprachlich eher als „äußerliches Körperglied“ i.S.v. „Gliedmaßen“ zu verstehen.

- a.A.: Nur äußerliche Körperteile, die eine in sich abgeschlossene Existenz mit besonderer Funktion für den Gesamtorganismus haben, eine Verbindung durch Gelenke ist aber nicht notwendig (auch Nase und Ohren).

- a.A.: Nicht nur äußere Körperteile, sondern auch innere Organe.

Argumentation: Telos der Norm: Der Verlust eines Organs kann schwerere Folgen haben als z.B. der nach allgemeiner Ansicht durch § 226 I Nr.2 StGB erfasste Verlust eines kleinen Fingers.

- Pro h.M.: Innere Organe dürften sprachlich nicht „gebraucht“ werden. Auch ist die Gesetzessystematik anzuführen, da in § 226 I Nr. 1 StGB bestimmte Organe (Auge, Ohren) abschließend aufgezählt sind und deshalb eine Erfassung sämtlicher Organe durch I Nr. 2 diese Auflistung überflüssig machen würde. Die optische Verstümmelung z.B. von Nasen und Ohren fällt wiederum unter Nr. 3.

(2) wichtig

Definition: Wichtig ist ein Glied jedenfalls, wenn sein Verlust für einen normalen Menschen zu einer wesentlichen Beeinträchtigung seiner körperlichen Aktivitäten führt..

Problem: Berücksichtigung individueller Fähigkeiten und beruflicher Besonderheiten

- Nach einer generalisierenden Betrachtung ist nur von Bedeutung, ob das Glied allgemein einer erhebliche Bedeutung für den Gesamtorganismus hat, sog. generalisierend-überindividuelle Betrachtung. (alte Rspr.)
- Nach neuerer Rspr. sind bei der Bestimmung der Wichtigkeit auch individuelle Körpereigenschaften (z.B. Linkshändigkeit) und eventuelle Vor- oder weitere Schädigungen des Verletzten zu berücksichtigen (Zeh bei Händelosen), sog. individuell-körperliche Betrachtung. (h.M.)
- Eine a.A. geht noch weiter und will die Wichtigkeit aus Sicht des Betroffenen unter Berücksichtigung seiner beruflichen Besonderheiten bestimmen (sämtliche Finger bei Pianist), sog. individuell-soziale Betrachtung.
Kritik: Das Gesetz spricht von einem wichtigen Glied „des Körpers“. Die Wichtigkeit muss sich also anhand der Körpereigenschaften bestimmen. Auch bei den anderen schweren Folgen des § 226 I werden bestimmte Vorlieben oder berufliche Verhältnisse nicht erfasst. Gegen eine individual-soziale Betrachtung spricht auch, dass Strafzumessungs-gesichtspunkte i.S.d. § 46 II StGB so bereits in den Tatbestand des § 226 StGB hineingelesen werden würden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Musterschema zur schweren Körperverletzung
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Autor
Jahr
2014
Seiten
5
Katalognummer
V283642
ISBN (eBook)
9783656835509
ISBN (Buch)
9783656835516
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
§ 223, § 224 StGB, Gefährliches Werkzeug, Gift
Arbeit zitieren
Marc Daniels (Autor), 2014, Musterschema zur schweren Körperverletzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283642

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Musterschema zur schweren Körperverletzung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden