Das Verhältnis der Verlage Fischer und Suhrkamp vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Flucht und die Verletzung des Vertrauens


Hausarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Samuel Fischer
2.1 Gründung des Fischer Verlags

3 Peter Suhrkamp
3.1 Der Einstieg in den S. Fischer Verlag

4 Die NS-Zeit: P. Suhrkamp rettet den S. Fischer Verlag
4.1 Die Zeit im Exil

5 Verletzung des Vertrauens

6 Schlussbemerkung

1 Einleitung

Die Historie des deutschen Verlagswesens wurde durch zwei der bedeutendsten Verlage unserer heutigen Zeit geprägt: der S. Fischer Verlag und der Suhrkamp Verlag. Doch nicht nur mit ihren beiden Verlagsleitern, die mit Bedachtsamkeit ihre Aufgaben ausgeführt hatten, auch mit ihren namhaften Autoren gewannen diese Verlage vielschichtige Anerkennung. Gegründet von Samuel Fischer im Jahre 1886, musste der S. Fischer Verlag gegen viele Hürden Widerstand leisten und sich später durch das Dritte Reich führen lassen. Zufolge der Begegnung Peter Suhrkamps mit dem Fischer Verlag begann nicht nur eine bereitwillige Geschäftsbeziehung, sondern auch eine vertrauensvolle Freundschaft zwischen ihm und der Fischer Familie, die jedoch wegen Unehrlichkeiten und falschen Entscheidungen zerbrach. Zunächst befasse ich mich im Kapitel 2 und 3 mit Samuel Fischer und der Gründung des S. Fischer Verlags sowie mit Peter Suhrkamp und seinem Einstieg in den Verlag. Infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste Familie Fischer, geprägt durch jüdische Wurzeln, eine Entscheidung treffen, mit der sich sowohl ihr Lebensweg als auch die Bestimmung des Fischer Verlags wandelte. Im Kapitel 4 nehme ich Bezug auf diese Schicksalswende sowie die Flucht der Familie Fischer aus ihrer Heimat. Auch beziehe ich mich auf die Aufrechterhaltung des S. Fischer Verlags in der NS-Zeit, welches in die Obhut Peter Suhrkamps gegeben wurde. Im nächsten Kapitel (Kapitel 5) gehe ich auf die aufgetretenen Unstimmigkeiten und Vertrauensbrüche ein. Nach der Rückkehr in die Heimat wurde Familie Fischer durch die Rückgabeverweigerung von Peter Suhrkamp erschüttert. Er lehnte ab, die übrigen Anteile des S. Fischer Verlags, wie abgesprochen, zurückzugeben. Als Wahrheitsbeweis der Vereinbarung legte Familie Fischer das Testament von Peter Suhrkamp vor. Das Kapitel 6 bildet den Schluss dieser Arbeit mit einer Schlussbemerkung. Ziel dieser Arbeit ist, den historischen Verlauf und die Teilung des traditionsreichen S. Fischer Verlags zu konstatieren. Ebenfalls ist der Leitgedanke von Peter Suhrkamp zu entschlüsseln, aufgrund welcher Geschehnisse er sich trotz seines Versprechens weigerte, Familie Fischer den Verlag zurückzugeben.

2 Samuel Fischer

Am 24. Dezember 1859 wurde Samuel Fischer, dem jüdischen Glauben angehörig, in Liptó Szent Miklós/Oberungarn geboren. Nach dem sechsten Schuljahr besuchte er ein jüdisches Privatgymnasium. Nach Wien fuhr er im Jahre 1874 und wurde dort Lehrling in einer Buchhandlung, wo er sechs Jahre lang lebte. Während seines Aufenthalts in Wien, hatte er die Möglichkeit kaufmännische Kenntnisse in den Abendkursen einer Handelsschule zu erlernen. Diese sollten ihm später sowohl bei der Mitführung einer Verlagsbuchhandlung als auch bei der Gründung seines eigenen Verlags von Vorteil werden. Fischer entschloss im Jahre 1880 nach Berlin zu ziehen und bekam im selben Jahr eine Position in der von Hugo Steinitz gegründeten Central-Buchhandlung. Nur drei Jahre später wurde Samuel Fischer Anteilseigner der Verlagsbuchhandlung Hugo Steinitz & Co., welcher vorerst allein von Hugo Steinitz geleitet wurde. Im September 1884 wurde der Name des Unternehmens in Steinitz & Fischer geändert. Im Zuge seiner Mitbeteilung an der Führung dieser Verlagsbuchhandlung, bildete sich Samuel Fischer mit wertvollem Fachwissen im Verlagswesen aus und machte feste Bekanntschaften mit Berliner Autoren, wie Carl Bleibtreu, Max Kretzer und August Scholz.[1]

2.1 Gründung des Fischer Verlags

Den ersten Schritt zu seinem eigenen Verlag machte Fischer mit der Beantragung der Legitimation zur Gründung eines Unternehmens. Somit erlangte er diese am 28. Februar 1885 und bekam die Bestätigung zur „[…] Aufnahme in die Corporation der Berliner Buchhändler, eine Urkunde, die für ihn als Ausländer von besonderer Wichtigkeit war.“[2] Nachdem die Teilhaber Hugo Steinitz und Samuel Fischer im Herbst 1886 die Aufgaben im Verlag geteilt hatten, während Samuel Fischer den kleineren Anteil an Geschäften führte, trennten sie sich am 31. August desselben Jahres endgültig und der Verlag Steinitz & Fischer wurde aufgelöst. Derweil Steinitz einen eigenen Verlag aufbaute, schlug auch Fischer diesen Weg ein und gründete am 1. September in Berlin seinen ersten eigenen Verlag.[3] Das Schauspiel Rosmersholm von Henrik Ibsen war das erste Buch des S. Fischer Verlags, welches im Jahre 28. Januar 1887 verlegt wurde.[4]

3 Peter Suhrkamp

Am 28. März 1891 wurde Johann Heinrich Suhrkamp, bekannt als Peter, in Kirchhatten bei Oldenburg geboren.[5] Mit dem Entschluss Lehrer zu werden, bewarb er sich bei der Präparandenanstalt in Oldenburg. Suhrkamp hatte Erfolg und wurde 1911 Volksschullehrer, nicht weit entfernt von seinem Heimatdorf Kirchhatten. Nachdem er 1913 diese Lehrtätigkeit mit dem bremischen Schuldienst ersetzt hatte, holte er 1914 zugleich dort sein Abitur nach. Als Suhrkamp beschloss im selben Jahr an der Universität in Berlin das Studium der Germanistik zu beginnen, setzte der Erste Weltkrieg an und er ging als Freiwilliger in den Krieg. Das Drama, das sich im Krieg abgespielt hatte, insbesondere das Fallen seines engsten Freundes, erschütterte ihn, sodass er 1918 eine physische Erkrankung erlitt. Zur Genesung wurde er in eine Kurklinik nach Königstein eingewiesen und bewältigte auch eine psychiatrische Behandlung. Nach seinem Wohlbefinden lehrte er von 1919-1929 mit Unterbrechungen an der Odenwaldschule und an der Freien Schulgemeinde Wickersdorf. Suhrkamp arbeitete in seinen Lebensjahren als Dramaturg und Regisseur am Landestheater Darmstadt. Infolge der Bekanntschaft zu Bertolt Brecht, die er während seiner Anstellung am Theater gemacht hatte, bekam er 1929 bei dem Ullstein Verlag in Berlin eine Arbeitsstelle als Journalist und Redakteur.[6]

3.1 Der Einstieg in den S. Fischer Verlag

Im S. Fischer Verlag begann Suhrkamp im Jahre 1932 zu arbeiten. Am 1. Januar 1933 wurde er zum Leiter der Redaktion der Neuen Rundschau berufen.[7] „Für den Autodidakten und Einzelgänger, […] erfüllte sich nun der Wunsch nach unabhängigem und praktischem Umgang mit Literatur.“[8] Samuel Fischer war solch eine Persönlichkeit, „[…] den Suhrkamp seit langem als den Verleger einer europäischen Moderne schätzte […].“ [9] Im selben Jahr, Herbst 1933, wurde er Mitglied im Aufsichtsrat der S. Fischer Verlags-AG.[10]

4 Die NS-Zeit: P. Suhrkamp rettet den S. Fischer Verlag

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 begann nicht nur für die Familie Fischer, die jüdischer Herkunft war, eine Gefährdung. Auch für den S. Fischer Verlag wartete eine schwierige Phase. Es drohte eine Arisierung[11] des Fischer Verlags. Zudem mit ihren jüdischen, demokratischen und kommunistisch veranlagten Autoren, die unter Beobachtung standen, waren die Erschwerungen nicht mehr wegzudenken. Es folgte, von Hitler verordnet, eine Einschränkung der Pressefreiheit und auch das Publizieren wurde für den S. Fischer Verlag mit dem Hitler-Regime unnahbar.[12] Samuel Fischer, Gründer des Fischer Verlags, starb am 15. Oktober 1934 in Berlin aufgrund einer schweren Erkrankung.[13] Noch kurz vor seinem Tod übergab Samuel Fischer die Direktion des Fischer Verlags an seinen Schwiegersohn Gottfried Bermann Fischer, ursprünglich Gottfried Bermann.[14] Von der antisemitischen Bewegung überbelastet, beschloss Gottfried Berman Fischer zusammen mit den anderen Familienangehörigen ins Exil zu gehen.[15] Infolge der Stipulation, die das Propagandaministerium und G. Bermann Fischer im Frühling 1935 schlossen, konnte der S. Fischer Verlag liquidiert werden. Es war vorgesehen, dass G. Bermann Fischer mit den Rechten und Werken von ungelegenen Autoren aussiedelt und der S. Fischer Verlag mit neuer Leitung weitergeführt wird. Trotz einer umfangreichen Recherche die übrigen Anteile des Verlags an jemand vertrauenswürdiges zu verkaufen, gab es kein hoffnungsfrohes Resultat. Mithilfe von Hermann Josef Abs, der zu der Zeit Vorstand des Bankhauses Delbrück-Schickler war, wurde mit den übrigen Anteilen des S. Fischer Verlags eine Kommanditgesellschaft unter dem Namen S. Fischer Verlag KG gegründet. Die Finanziers waren Philipp Reemtsma, Christoph Rathjen und Clemens Abs. Somit konnte der Fischer Verlag als KG aufrechterhalten werden. Dem Verlag, welches durch die strapaziöse NS-Zeit unbeschwert geführt werden musste, um nicht einer Arisierung zu unterliegen, war eine Sicherheit zu gewährleisten. Peter Suhrkamp, der den Erwartungen entsprechend seine Aufgaben erledigt und das Vertrauen zu G. Bermann Fischer erlangt hatte, wurde zum Leiter der S. Fischer Verlag KG benannt.[16]

4.1 Die Zeit im Exil

Mit reinem Gewissen und einer Erleichterung trotz der Erkenntnis die Heimat für eine ungewisse Zeit verlassen zu müssen, wanderte Familie Fischer aus. Gottfried Bermann Fischer drückte seine Verzweiflung wie folgt aus:

„Wie kann ich den Abschied von Deutschland schildern? Wie kann ich sagen, was ich empfand, als ich meinen Mitarbeitern im Verlag zum letzten Mal gegenübertrat? Zum letzten Mal! Daß es ein letztes Mal, ein Ende gab! Es war wie ein Tod, den ich lebend erlebte.“[17]

[...]


[1] Vgl. Stach, Reiner (Hrsg.): 100 Jahre S. Fischer Verlag: 1886-1986. Kleine Verlagsgeschichte. Frankfurt am Main 1986, S. 10f.

[2] Stach 1986, S. 11/13.

[3] Vgl. ebenda

[4] Vgl. Beck, Knut (Hrsg.): 100 Jahre S. Fischer Verlag: 1886-1986. Eine Bibliographie. Frankfurt am Main 1986, S. 5.

[5] Vgl. Unseld, Siegfried: Peter Suhrkamp: Zur Biographie eines Verlegers in Daten, Dokumenten und Bildern. Frankfurt am Main 1975, S. 12.

[6] Vgl. ebenda, S. 14ff.

[7] Vgl. ebenda, S. 16.

[8] Stach 1986, S. 120.

[9] Ebenda, S. 120.

[10] Vgl. ebenda, S. 120f.

[11] Im Deutschen Reich 1933-1945 und in den, von deutschen Truppen, besetzten Ländern wurde den deutschen Juden untersagt weiterhin in der Wirtschaft aktiv zu sein. Bei der Arisierung war unter Zwang deren Eigentum und Besitz zum Verkauf oder zur Liquidierung verurteilt. Als Ariseur bezeichneten Nationalsozialisten jene, die als Profiteure, welche zur Bevölkerungsmehrheit gehörten, den Eigentum und Besitz der Menschen jüdischen Glaubens raubten, deren Ansicht nach erwarben, in: Seite „Arisierung“, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Arisierung (Letzter Zugriff 24.09.2013).

[12] Vgl. Stach 1986, S. 117.

[13] Vgl. ebenda, S. 124.

[14] Vgl. ebenda, S. 104f/118.

[15] Vgl. Bermann Fischer, Gottfried: Bedroht Bewahrt: Der Weg eines Verlegers. Frankfurt am Main 1967, S. 114.

[16] Vgl. Stach 1986, S. 125f.

[17] Bermann Fischer 1967, S. 122.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis der Verlage Fischer und Suhrkamp vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg
Untertitel
Die Flucht und die Verletzung des Vertrauens
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Geschichte)
Note
1,5
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V283834
ISBN (eBook)
9783656839149
ISBN (Buch)
9783656839156
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationalsozialismus, NS-Zeit, Fischer Verlag, Suhrkamp Verlag, Deutschland, USA, Frankreich, Amerika, England
Arbeit zitieren
Ellen Snow (Autor), 2013, Das Verhältnis der Verlage Fischer und Suhrkamp vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283834

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