Ereignisse, die uns bewegen, zu bewahren und festzuhalten, ist von jeher im Interesse des Menschen. So beginnt auch die Geschichte der Tanznotation bereits sehr früh, im 15. Jh. Die älteste Aufzeichnungsform des Tanzes ist die grafische Notation. Eine der Sprache oder Musik vergleichbare Schrift hat sich jedoch nicht etabliert. Vielmehr haben sich über Jahrhunderte hinweg die Notationsformen immer wieder modifiziert. Seit dem Aufkommen der Videoaufzeichnung in den 70er Jahren werden vermehrt filmische Aufzeichnungen zur Dokumentation von Tanz genutzt. Neue, digitale Aufzeichnungssysteme ermöglichen nicht nur die bloße Reproduktion einer Tanzaufführung, sondern lassen videobasierte Multimedia-Partituren entstehen, welche choreografische Informationen in neue Visualisierungsformen übertragen und kreative Übersetzungs- und Analyseprozesse der Choreografie ermöglichen.
Anliegen der Arbeit ist es, übliche Notationssysteme zur Dokumentation und Reproduktion von Tanz zu erfassen und zu beschreiben, Vorteile und Nachteile der einzelnen Verfahren herauszustellen und dies mit der Anwendbarkeit in der Praxis zu hinterlegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Nachdenken über Tanz
2.1 Vom Wesen des Tanzes
2.2 Ist Tanz fixierbar?
3 Allgemeine Begriffsbestimmungen
3.1 Choreografie
3.2 Choreologie
3.3 Tanznotation
4 Tanznotationen – von der dreidimensionalen Bewegung aufs zweidimensionale Papier
4.1 Historische Entwicklung
4.2 Labanotation (Kinetografie)
4.3 Benesh Movement Notation (Choreologie)
5 Mediale Aufzeichnung und computergestützte Verarbeitung
5.1 Video
5.2 Notation und Computer – der Benesh Notation Editor
5.3 Motion Capturing (Bewegungserfassung)
5.4 Motion Bank und sein Pilotprojekt Synchronous Objects von Forsythe
5.5 Double Skin/Double Mind von Emio Greco
6 Interview mittels Fragebogen (allgemeine Grundlagen)
6.1 Arten von Fragen
6.2 Aufbau eines Fragebogens
6.2.1 Instruktion
6.2.2 Abfolge der Fragen
6.3 Auswertung Fragebogen
7 Vorstellung des eingesetzten Fragebogens
7.1 Instruktion
7.2 Fragebogen
7.3 Teilnehmende Zentren
7.4 Teilnehmer am Interview
8 Auswertung der eingesetzten Fragebögen
8.1 Statistiken
8.2 Herkömmliche Tanznotationen
8.3 Moderne Dokumentationssyteme
8.4 Perspektiven
8.5 Kommentare der Interviewten
9 Zusammenfassung
10 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen bei der Dokumentation und Reproduktion der flüchtigen Kunstform Tanz. Das Ziel ist es, herkömmliche Tanznotationssysteme wie Laban und Benesh modernen computergestützten Verfahren gegenüberzustellen, um zu klären, welche Methoden am besten geeignet sind, tänzerische Bewegungen nachhaltig zu bewahren und zu analysieren.
- Vergleich traditioneller und moderner Tanzdokumentation
- Analyse der Labanotation und Benesh Movement Notation
- Untersuchung technischer Innovationen wie Motion Capturing und videobasierter Multimedia-Partituren
- Empirische Untersuchung der Anwendung dieser Methoden in führenden Ballettkompanien
- Diskussion der Zukunftsperspektiven digitaler Tanzarchivierung
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Tanz nimmt innerhalb der Künste allgemein eine Sonderstellung ein. Im Gegensatz zu anderen Gattungen der Kunst wie Literatur, Malerei oder Architektur ist er nicht an ein Objekt gebunden. Tanz ist Bewegung und damit per se nicht dauerhaft beständig. „So existiert das eigentliche Tanzkunstwerk nur im Augenblick und am Ort seiner Aufführung, d.h. auf der Bühne“.
Wie die Worte und die Stimme ist die Körperbewegung etwas Flüchtiges, nicht Greifbares und nur im Moment des Geschehens erlebbar.
Wie aber lässt sich nun diese flüchtige Gestalt fixieren? Im Gegensatz zur Musik hat sich für den Tanz keine verbindliche (Noten-)Schrift entwickelt, wodurch der Verlauf von Körperbewegungen aufgezeichnet und überliefert werden kann. Tanz existiert, ohne dass er eine Existenz hätte, weil Bewegung nur im Moment ihrer Ausführung Bestand hat. Methoden, welche sich der Bewegung nähern (Beschreibung, Analyse), setzen sich auf unterschiedliche Weise mit der Bewegung auseinander.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtet die Sonderstellung des Tanzes als ephemere Kunstform und die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der dauerhaften Fixierung und Dokumentation von Bewegung.
2 Nachdenken über Tanz: Erörtert das Wesen des Tanzes als flüchtiges Phänomen und stellt die grundlegende Frage nach der prinzipiellen Fixierbarkeit von Tanz.
3 Allgemeine Begriffsbestimmungen: Definiert die zentralen Fachbegriffe Choreografie, Choreologie und Tanznotation, um ein fundiertes Verständnis für die weitere Analyse zu schaffen.
4 Tanznotationen – von der dreidimensionalen Bewegung aufs zweidimensionale Papier: Analysiert die historische Entwicklung schriftlicher Notationssysteme und geht detailliert auf die Labanotation sowie die Benesh Movement Notation ein.
5 Mediale Aufzeichnung und computergestützte Verarbeitung: Untersucht moderne Verfahren wie Video, digitale Editiertools, Motion Capturing und webbasierte Projekte wie Synchronous Objects.
6 Interview mittels Fragebogen (allgemeine Grundlagen): Vermittelt das theoretische Rüstzeug für die quantitative Befragung, einschließlich der Arten von Fragen und des Aufbaus eines Fragebogens.
7 Vorstellung des eingesetzten Fragebogens: Präsentiert die methodische Umsetzung der Untersuchung, inklusive Instruktionen, der Struktur des Fragebogens und einer Übersicht der befragten Institutionen und Teilnehmer.
8 Auswertung der eingesetzten Fragebögen: Fasst die statistischen Ergebnisse der Befragung zusammen, analysiert die Anwendung traditioneller und moderner Verfahren in der Praxis und diskutiert die Perspektiven der Anwender.
9 Zusammenfassung: Fasst die Kernergebnisse der Arbeit zusammen, insbesondere die Erkenntnis, dass kein einzelnes Verfahren die komplexe Aufgabe der Tanzbewahrung ideal lösen kann.
10 Fazit: Reflektiert über die Notwendigkeit einer Kombination verschiedener Medien und Technologien, um den Anforderungen der modernen Tanzwissenschaft gerecht zu werden.
Schlüsselwörter
Tanznotation, Choreografie, Choreologie, Labanotation, Benesh Movement Notation, Videoaufzeichnung, Bewegungserfassung, Motion Capturing, Synchronous Objects, Tanzdokumentation, Tanzreproduktion, Archivierung, Digitale Partituren, Bewegungssprache, Körpergedächtnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der komplexen Thematik, wie Tanz als flüchtige, ephemere Kunstform dokumentiert und für zukünftige Generationen reproduzierbar gemacht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind herkömmliche Tanzschrift-Systeme wie Laban und Benesh sowie moderne, mediale Ansätze wie Videodokumentation, computergestützte Analyse und webbasierte Partitur-Projekte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Vor- und Nachteile verschiedener Dokumentationsmethoden zu evaluieren und herauszufinden, inwiefern sie den spezifischen Anforderungen des Tanzes in der Praxis gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Neben einer theoretischen Literaturanalyse führte die Verfasserin eine empirische Untersuchung mittels eines Fragebogens durch, der an verschiedene Ballettkompanien und Tanzhochschulen versandt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der Notationssysteme, deren Funktionsweise, die Rolle technischer Medien wie Video sowie innovative digitale Forschungsprojekte zur Bewegungserfassung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tanznotation, Choreologie, Labanotation, Benesh Movement Notation, Motion Capturing und der Begriff der „Flüchtigkeit“ des Tanzes.
Wie bewerten die befragten Choreografen moderne Videodokumentation?
Sie schätzen die einfache Zugänglichkeit und Praktikabilität für Proben, sehen jedoch Defizite bei der Bewahrung der ursprünglichen choreografischen Intention und der Darstellung räumlicher Komplexität.
Warum ist die Notation trotz Videotechnik weiterhin von Bedeutung?
Traditionelle Notationen werden als analytische Instrumente geschätzt, die Details präzise fixieren und die künstlerische Freiheit der Tänzer weniger durch vorgefertigte Interpretationen einschränken als Filme.
- Citar trabajo
- Ann-Sophie Müller (Autor), 2012, Das Flüchtige bewahren. Herkömmliche und moderne Dokumentationssysteme zur Reproduktion einer Choreografie im (Bühnen-)Tanz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283924