Der Begriff „Ökonomisierung“ erlebt gegenwärtig eine Konjunktur und wird damit zu einem der Schlüsselbegriffe unserer Zeit. Wo wirtschaftliche Gesetze bislang wegen wohlfahrtsstaatlicher Standards eine untergeordnete Rolle gespielt haben, gewinnt die Ökonomie an Bedeutung: insbesondere im öffentlichen Dienst, im Gesundheits- und Bildungswesen sowie in der Wirtschaft. Der Einsatz von marktwirtschaftlichen Steuerungselementen führt zu einer voranschreitenden Verknappung der öffentlichen Mittel und fördert mehr Wettbewerb, Effizienz und Marktdruck. Öffentliche Einrichtungen unterliegen mehr und mehr den betriebswirtschaftlichen Bedingungen, welche bislang nur für Unternehmen des freien Marktes galten. Insbesondere auch der Bereich der sozialen Dienste wie die Altenpflege erfährt in der gegenwärtigen Zeit Veränderungen, welche durch marktwirtschaftliche Elemente gesteuert werden.
Ansteigende Pflegebedarfszahlen sowie wachsende Komplexität der Anforderungen an die Betroffenen bringen seit den letzten Jahren die Notwendigkeit hervor, entsprechende Versorgungsangebote aus- und aufbauzubauen. Dabei wird der stationären Altenpflege eine zunehmende Bedeutung im Rahmen der professionellen Versorgung und Pflege zuteil. Im Gegensatz zur ambulanten Pflege, bei der Pflegedienste die Pflegeleistung im häuslichen Bereich verrichten, wird der zu Pflegende im Rahmen der vollstationären Altenpflege im Pflegeheim dauerhaft aufgenommen und mit Wohnraum, Nahrung und pflegerischer Betreuung rund um die Uhr versorgt. Immer mehr Menschen werden nicht mehr klassisch zu Hause von Angehörigen und ggf. durch Unterstützung von ambulanten Pflegediensten betreut.
Im Jahr 2011 wurden nach der Pflegestatistik, welche vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wird, bereits 30 % (743.000) aller Pflegebedürftigen in Pflegeheimen versorgt. Gegenüber 1999, als die Pflegestatistik erstmalig durchgeführt wurde, ist ein Anstieg von 32 % (180.000) zu verzeichnen. Als Wendepunkt in der Altenpflege wird das Inkrafttreten der sozialen Pflegeversicherung am 1. Januar 19995 betrachtet. Mit Einführung des Elften Sozialgesetzbuches wurde die Finanzierung von Pflegebedürftigkeit geregelt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entwicklung der stationären Altenpflege
2.1 Vom christlichen Dienst zum Dienstleistungsberuf
2.2 Die Bedeutung des demografischen Wandels für die Altenpflege
3 Stationäre Altenpflege heute
3.1 Charakteristika der stationären Altenpflege
3.1.1 Struktur der Pflegeeinrichtungen
3.1.2 Finanzierung
3.2 Ökonomisierung der stationären Altenpflege unter gesetzlichen und wirtschaftlichen Aspekten
3.2.1 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3.2.2 Qualitätssicherung
3.2.3 Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit
4 Auswirkungen der Ökonomisierung auf die Arbeitsbedingungen und die Versorgungsqualität
4.1 Indikatoren für „gute Arbeit“
4.2 Zusammenhang zwischen Versorgungsqualität und „guter Arbeit“
5 Empirische Untersuchung
5.1 Methodik
5.2 Ergebnisse und Auswertung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Ökonomisierung auf die Arbeitsbedingungen in der stationären Altenpflege und analysiert den Zusammenhang zwischen diesen Arbeitsbedingungen und der Versorgungsqualität.
- Ökonomisierung sozialer Dienste in der stationären Altenpflege
- Entwicklung des Berufsfeldes Altenpflege im demografischen Wandel
- Rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen der Pflegefinanzierung
- Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und Versorgungsqualität
- Qualitätsmanagement und bürokratische Anforderungen in Pflegeheimen
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Der Begriff „Ökonomisierung“ erlebt gegenwärtig eine Konjunktur und wird damit zu einem der Schlüsselbegriffe unserer Zeit. Wo wirtschaftliche Gesetze bislang wegen wohlfahrtsstaatlicher Standards eine untergeordnete Rolle gespielt haben, gewinnt die Ökonomie an Bedeutung: insbesondere im öffentlichen Dienst, im Gesundheits- und Bildungswesen sowie in der Wirtschaft. Der Einsatz von marktwirtschaftlichen Steuerungselementen führt zu einer voranschreitenden Verknappung der öffentlichen Mittel und fördert mehr Wettbewerb, Effizienz und Marktdruck. Öffentliche Einrichtungen unterliegen mehr und mehr den betriebswirtschaftlichen Bedingungen, welche bislang nur für Unternehmen des freien Marktes galten.
Insbesondere auch der Bereich der sozialen Dienste wie die Altenpflege erfährt in der gegenwärtigen Zeit Veränderungen, welche durch marktwirtschaftliche Elemente gesteuert werden. Ansteigende Pflegebedarfszahlen sowie wachsende Komplexität der Anforderungen an die Betroffenen bringen seit den letzten Jahren die Notwendigkeit hervor, entsprechende Versorgungsangebote aus- und aufzubauen. Dabei wird der stationären Altenpflege eine zunehmende Bedeutung im Rahmen der professionellen Versorgung und Pflege zuteil. Im Gegensatz zur ambulanten Pflege, bei der Pflegedienste die Pflegeleistung im häuslichen Bereich verrichten, wird der zu Pflegende im Rahmen der vollstationären Altenpflege im Pflegeheim dauerhaft aufgenommen und mit Wohnraum, Nahrung und pflegerischer Betreuung rund um die Uhr versorgt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in den Prozess der Ökonomisierung im Gesundheitswesen und Darstellung der Forschungsfrage bezüglich der stationären Altenpflege.
2 Entwicklung der stationären Altenpflege: Historischer Rückblick auf den Wandel vom christlichen Dienst zum modernen Dienstleistungsberuf sowie Erläuterung der Folgen des demografischen Wandels.
3 Stationäre Altenpflege heute: Analyse der aktuellen Struktur, Finanzierungsmodelle und der ökonomischen Rahmenbedingungen stationärer Pflegeeinrichtungen.
4 Auswirkungen der Ökonomisierung auf die Arbeitsbedingungen und die Versorgungsqualität: Untersuchung der Indikatoren für "gute Arbeit" und der Auswirkungen ökonomischer Steuerungselemente auf die Qualität der Versorgung.
5 Empirische Untersuchung: Vorstellung der Methodik und der Ergebnisse einer qualitativen Erhebung zur Arbeitssituation und Belastung von Pflegekräften.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Spannungsfeldes zwischen ökonomischen Sachzwängen und dem professionellen Versorgungsanspruch in der stationären Altenpflege.
Schlüsselwörter
Ökonomisierung, Altenpflege, stationäre Pflege, Pflegeversicherung, Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, Versorgungsqualität, Pflegestatistik, Arbeitszeitgestaltung, Qualitätssicherung, Pflegesätze, demografischer Wandel, Pflegeheime, Pflegedokumentation, Betriebsklima
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie marktwirtschaftliche Mechanismen (Ökonomisierung) die stationäre Altenpflege in Deutschland beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Schwerpunkte sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der Pflegefinanzierung, der demografische Wandel, das Qualitätsmanagement und die täglichen Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Auswirkungen die Ökonomisierung auf die Arbeitsbedingungen in der stationären Altenpflege hat und wie diese mit der Qualität der Versorgung zusammenhängen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt zunächst eine Literaturanalyse sowie eine empirische Untersuchung in Form von qualitativen Experteninterviews mit Vertretern der Pflegebranche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Darstellung der heutigen Pflegesituation, rechtliche Rahmenbedingungen wie das SGB XI und die Auswirkungen von Effizienzanforderungen auf das Pflegepersonal.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Ökonomisierung, Altenpflege, Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, Versorgungsqualität und Pflegedokumentation.
Wie bewertet der Berufsverband die aktuelle Situation in der Altenpflege?
Der Berufsverband kritisiert die durch ökonomische Zwänge verursachte Arbeitsverdichtung und fordert eine bessere Bezahlung sowie eine Aufwertung des Berufsbildes durch eine hochwertige, wissenschaftlich fundierte Ausbildung.
Welchen Einfluss haben Pflegenoten und Dokumentationspflichten?
Der Studie zufolge führen diese Instrumente oft zu einer "Überregulierung", bei der administrative Aufgaben die direkte Interaktion mit den zu Pflegenden verdrängen, ohne die tatsächliche Versorgungsqualität adäquat abzubilden.
- Citar trabajo
- Carolin Paul (Autor), 2014, Die Ökonomisierung der sozialen Dienste am Beispiel der stationären Altenpflege, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284021