Der personenzentrierte Ansatz von Rogers

Anwendung in einem Feedbackgespräch im Rahmen einer Einzellernberatung


Hausarbeit, 2007

24 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1. Kommunikation
2.2. Beratung
2.3. Lernen in der Erwachsenenbildung

3. Der personenzentrierten Ansatzes von Rogers
3.1. Entstehungsgeschichte und theoretische Grundaussagen
3.2. Die Beziehung zwischen Berater und Klient als tragendes Element: Empathie - Akzeptanz - Kongruenz
3.3. Vergleich mit anderen Therapie - und Beratungsformen und kritische Würdigung
3.4. Anwendungsbereiche

4. Fallbeispiel Lernberatung. Ein Feedbackgespräch über Lern-fortschritte und -ziele
4.1. F ragestellung
4.2. Die Gesprächssituation: Entscheidungen zum Ablauf
4.3. Dokumentation des Verlaufs: Kontakt, Klient-Berater-Beziehung
4.4. Selbstbeurteilung: Erfahrungen, Störungen, Ergebnis Empfehlung aus Beratersicht

5. Schlussfolgerung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

SIMON DACH versteht es in diesem Vers deutlich zu machen, dass zwischenmenschliche Beziehungen wichtig für unser Leben sind und das diese z.B. in einem Gespräch, oder in Einholung oder Erteilung eines Ratschlages bestehen können. Damit sind zwei zentrale Begriffe dieser Arbeit poetisch umschrieben: Kommunikation und Beratung.

Communication (lat.) wird dementsprechend auch als Verbindung, Zusammenhang, Verkehr, Umgang, Mitteilung im Deutschen Wörterbuch übersetzt (Wahrig, 2006). Das Kommunikation nicht allein nur etwas mit reden zu tun hat, dass möchte ich im 2. Teil dieser Arbeit deutlich machen. Ausgehend von der Bedeutung, die Kommunikation für mich persönlich hat, wird eine allgemeingültige Definition gegeben und ihr Ablauf anhand wissenschaftlicher Modelle und Theorien anschaulich gemacht. Beratung als eine Form der Kommunikation wird dazu ins Verhältnis gesetzt und in Abgrenzung zur Therapie erläutert. Da eine Lernberatung für eine erwachsene Lernerin im Mittelpunkt dieser Arbeit steht, erscheint es mir wichtig, auf Besonderheiten des Lernen und Lehrens in der Erwachsenenbildung einzugehen. Ich habe ein Beratungskonzept gewählt, in dem der Mensch und seine Beziehungen zu anderen im Mittelpunkt stehen: den personenzentrierten Ansatz von CARL R.ROGERS. Dieser wird im 3. Teil in seinen wichtigen theoretischen Grundzügen dargestellt, wobei Grundhaltungen des Beraters in einer personenzentrierten Gesprächsführung näher erläutert werden. Ziel ist es außerdem, seine Anwendung außerhalb der Psychotherapie auf alltägliche Beratungssituationen in den verschiedensten Lebensbereichen, so auch im pädagogischen, aufzuzeigen. Im Vergleich dazu wird die Beziehung des Beraters zum Klienten in anderen Konzepten skizziert und Rogers Ansatz kritisch gewürdigt. Mit der praktischen Anwendung im 4. Teil der Arbeit, wird face- to- face Kommunikation, eine Einzellernberatung als Fallbeispiel geplant, präsentiert anhand des personenzentrierten Ansatzes geplant, durchgeführt und anschließend aus Beratersicht ausgewertet/analysiert. Ich würde Carl R. Rogers’ personenzentrierten Ansatz gern auf diese Gesprächssituation übertragen und für eine Lernberatung nutzen. Zentrale Fragen sind: Wie gestalte ich die personenzentrierte Beratung? Wie verhalte ich mich als„personenzentrierter“ Berater in dieser Gesprächssituation? Welchen Einfluss hat das Beraterverhalten auf den Gesprächsverlauf und den Beratungserfolg? Haben sich meine Erwartungen erfüllt? In einer persönlichen Stellungnahme im 5. Teil gebe Schlussfolgerungen über mein Verständnis des personenzentrierten Ansatzes, Schlussfolgerungen und über die Bedeutung des Ansatzes in der Beratung,. Die Arbeit schließt mit einer Aussicht auf die Anwendung in der Erwachsenenbildung und welchen Einfluss dies auf meine zukünftige Berufsausübung hat.

2. Begriffsbestimmungen

2.1. Kommunikation

Kürzlich habe ich an einem Präsenzseminar der Fernuniversität Hagen teilgenommen. Im Mittelpunkt stand u.a. der Terminus Kommunikation als Grundbegriff der Bildungswissenschaft. Der erste Weg, diesen Begriff zu bestimmen, verlief darüber, dass jeder Teilnehmer den anderen mitteilte, was denn nun Kommunikation für ihn bedeute. Ich schrieb auf meinen Zettel: Sie bedeutet für mich Begegnung mit anderen Personen und Wahrnehmung meiner eigenen Person und die anderer. Insofern steht für mich die soziale Interaktion im Vordergrund. Sie bedeutet, dass sich zwei oder mehr Menschen in ihrem Handeln aufeinander beziehen, gleichgültig, ob sie dabei eine Wirkung erzielen. (Perrez, in Krapp u.a., 2006, 359 ). Kommunikation ist für mich aber auch, mich sich mitzuteilen und zuzuhören. Unterrichten - ich arbeite als Sprachtrainerin - ist für mich Kommunikation - sich mit den Kursteilnehmern über ein Thema austauschen. Insofern steht auch der Mitteilungscharakter für mich im Vordergrund, mein eigenes Verhalten. Bei der Präsentation der Gedanken stellte sich heraus, wie vielschichtig dieser Begriff ist und wie viele Bestandteile er hat. Viele der an der Pinnwand zusammengetragenen Gedanken konnten wir jedoch diesen Bestandteilen zuordnen: Kommunikation hat Beteiligte, ein Medium oder Medien (Vermittler) - Inhalte. Hier eine Zusammenfassung der in der Gruppe gefundenen Begrifflichkeiten von Kommunikation:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schaubild: Wie setzt sich Kommunikation zusammen? Claudia Schrader, Lehrgebiet Mediendidaktik, 01./02.12.06 Berlin

Deutlich wird, Kommunikation ist ein zwischenmenschlicher Prozess. Eine relativ „junge“ ,Definition, die den wechselseitigen Austausch und Einflussnahme über die bloße Informationsübertragung hinaus betont, ist die aus der Kommunikationspsychologie stammende von FRINDTE:

„Kommunikation ist ein sozialer Prozess, in dem sich alle Beteiligte wechselseitig zur Konstruktion von Wirklichkeit anregen und zwar dadurch, dass man den anderen mittels Zeichen zu erkennen gibt, was man mitteilt, aber auch wozu man ihn bringen möchte, in der Hoffnung, dass diese Erkenntnis für den anderen ein Grund sein möge, sich in der gewünschten Weise beeinflussen zu lassen. “ (Frindte, 2001)

Im Verlaufe der Forschung wurde der Ablauf von Kommunikation anhand von Modellen theoretisch erklärt: Beim Modell der Nachrichtenübertragung von SHANNON amp; WEAVER aus den 40er Jahren verläuft sie einseitig vom Sender (Kommunikator) und der Quelle zum Empfänger (Rezipient). Zwischen ihnen wird eine Nachricht über verbale oder nonverbale Signale (einen Kanal) ausgetauscht. Auf dem Wege dorthin kann es zu Störungen kommen (Geräusche, ablenkende andere Signale), die die Nachricht in ihrer Verständlichkeit beeinträchtigen können. (Schmidtmann, 2006, 14). Die monokausale Wirkung kann durch Erweiterung des Modells abgewandelt werden: Durch das Hinzudenken einer Rückmeldungen vom Rezipienten zum Kommunikator und wiederum zurück erfolgt die Kommunikation wechselseitig. Die zweite ist für das in der Arbeit zu analysierende face-to- face Gespräch interessanter.

Das Modell von WATZLAWICK,BEAVIN, JACKSON aus den 60er Jahren erklärt die Kommunikation pragmatisch als Theorie menschlichen Verhaltens anhand von 5 Axiomen, von denen die ersten beiden für diese Arbeit relevant sind:

1. Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ (Watzlawick u.a. 1969, S. 53) „Verhalten hat eine Eigenschaft, die so grundlegend ist, dass sie oft übersehen wird. Verhalten hat kein Gegenteil, d.h., man kann sich nicht nichtverhalten“... Immer wenn Menschen direkt in einer Situation sind, die es gestattet, sich zu sehen und sich aufeinander zu beziehen (face-to-face), ist es ihnen nicht möglich nicht zu kommunizieren. (Watzlawick u.a., 1969,S. 51-53)

Daraus folgt: Jedes Verhalten hat Mitteilungscharakter, jedes Verhalten ist Kommunikation (Watzlawick u.a., 1969, S. 51-53)

Wenn alles Verhalten Mitteilungscharakter hat, dann lassen sich auch verschiedene Kommunikationsmodalitäten ausmachen. Sie lassen sich unterscheiden in verbale wie Sprache und Schrift, Symbole sowie nonverbale wie Gesten (Körpersprache) und Körperbewegung

(Pantomimik), Blickverhalten, Gesichtsausdruck (Mimik), Berührung (Taktualität) Stimmqualität, -höhe, führung, Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit (Paralinguistik) und Staffage wie Kleider, Statussymbole (Payer, 2001). Diese Unterscheidung steht in Bezug zu WATZLAWICKS 2. Kommunikationsregel:

2. Axiom: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen

Beziehungsaspekt, derart, dass letzter den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“ (Watzlawick u.a., 1969, 56)

Jede Mitteilung hat einen Inhalt, der meist durch verbale Kommunikation wie Zeichen, Worte, ausgedrückt wird. Zugleich wird aber ein weiterer Aspekt „mitgeteilt“, der über den Inhalt hinausgeht: Er drückt aus, wie die Gesprächspartnern ihre Beziehung zueinander sehen. Auch in der face-to- face Situation wird der Beziehungsaspekt nicht geäußert. Sie muss ausdrücklich formuliert werden. Dies geschieht meistens durch

Metakommunikation. (Schmidtmann, 2006, S. 11) Metakommunikation bedeutet Kommunikation über das Gespräch und damit die Beziehung.

Die Beziehung wird besonders durch nonverbale Kommunikation definiert. Insbesondere Gesten sind emotional und kulturell verschieden bestimmt sind. Sicherlich kennen sie das Sprichwort: „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“. Welch große Bedeutung nonverbalen Kommunikation in der sozialen Interaktion einnimmt, belegen die folgenden Angaben: zu 55 % wirken Körpersprache, 38 % Tonfall u. Stimme und erstaunlicherweise nur 7 % (!) Worte wirken auf die Beteiligten in einer face-to-face Situation (Payer, 2001).

„ Wir übermitteln unseren emotionalen Zustand, unsere Einstellung zu zwischenmenschlichen Beziehungen oder unterstützen gerade Geäußertes bzw. steuern Interaktion.“ (Schmidtmann, 2006, 40)

Stimmen Inhalts- und Beziehungsaspekt überein, so reden wir von ungestörter, normaler Kommunikation. Wenn der Beziehungsaspekt die Mitteilung nicht bestätigt, dann kommt es zu Kommunikationsstörungen. So z.B. wenn der ein Vorgesetzter seiner Angestellten ständig Komplimente über ihr Aussehen in anzüglicher Weise macht, dann ist sein Verhalten nicht angemessen und unterstreicht nicht die berufliche Beziehung. Anders wäre es, wenn er sie über eine gelungene erledigte Arbeit loben würde. Eine Möglichkeit mit Störungen umzugehen ist es Feedback zu geben, eine Rückmeldung, dass das Verhalten des anderen bewertet. (Schmidtmann, 2006, S. 54)

2.2. Beratung

Beratung im Alltag versteht sich als eine Form zwischenmenschlicher Unterstützung , als ein Hilfeangebot gegenüber einem Menschen, der mit einem Problem nicht weiter weiß. Beratung ist beides - Form der sozialen Interaktion und eine besondere Form der Kommunikation, in der Berater und Hilfesuchender in einer Beziehung zueinander stehen und wechselseitig Mitteilungen austauschen.

Ein interessantes Beispiel, wie Beratung funktioniert und welche Funktion sie in unserer Gesellschaft übernimmt ist die aktuelle Nichtraucherberatung des Radiosenders „Antenne Brandenburg“:

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Details

Titel
Der personenzentrierte Ansatz von Rogers
Untertitel
Anwendung in einem Feedbackgespräch im Rahmen einer Einzellernberatung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Modul 2C Kommunikation und Beratung
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V284304
ISBN (eBook)
9783656843603
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernberatung, Beratungsmethoden, Carl Rogers, personenzentriert, Personenzentrierter Ansatz, Kommunikation, Beratung, Didaktik, Allgemeine Didaktik
Arbeit zitieren
B.A. Antje Pauer (Autor), 2007, Der personenzentrierte Ansatz von Rogers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284304

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