Der Umgang mit Tod und Sterben vom Mittelalter bis in die Moderne


Akademische Arbeit, 2003
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffliche Definitionen
1.1 Der Tod
1.2 Das Sterben
1.3 Würde

2 Der Wandel im Umgang mit Sterbenden
2.1 Der Tod im Mittelalter
2.2 Der Tod in der Moderne
2.3 Verdrängung und Pazifizierung des Todes

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Einleitung

Tod und Sterben sind Begriffe, die im Leben und Alltag jedes Einzelnen unumgänglich sind. Doch trotz ihrer Gegenwärtigkeit wird bei der genaueren Auseinandersetzung mit dem Thema klar, dass der Übergang vom Tod zum Sterben nicht eindeutig definiert ist und daher der grundlegenden Klärung bedarf. Ähnlich verhält es sich auch beim Begriff der „Würde“, welcher eng mit Tod und Sterben in Verbindung steht. Das Verständnis dieser Begriffe soll deshalb im Lauf der vorliegenden Arbeit umrissen und ein Überblick zum Umgang mit dem Tod und Sterben vom Mittelalter bis in die Moderne gegeben werden.

1. Begriffliche Definitionen

1.1 Der Tod

In heutiger Zeit betrachtet man den Tod als gegeben, wenn die lebenswichtigen Funktionen von Atmung und Herzschlag aussetzen.

Der Absolutheitscharakter dieser Anzeichen wurde aber mit den Fortschritten in der Medizin in Frage gestellt, da es durch neuere Techniken immer besser gelang, den Kreislauf und die Atmung mit künstlichen Mitteln aufrechtzuerhalten.

In neuerer Zeit hat sich deshalb allgemein die Definition des Hirntodes durchgesetzt. Er wird diagnostiziert, wenn bei zweimaliger Messung der Hirnströme eine „Nulllinie“ auftritt, also keine Ströme messbar sind.

Im Gegensatz dazu besitzt der biologische Tod den objektiv absolutesten Charakter. Hier lassen sich deutliche körperliche Anzeichen ausmachen. Die sicheren Todeszeichen eines biologischen Todes sind Totenflecken und Leichen- oder Totenstarre.

Im eigentlichen Sinne lenken diese Definitionen aber vom Thema ab, da sich diese Arbeit mit subjektiven Realitäten befasst. Es kann also auf die weitere Beschreibung der verschiedenen medizinischen Todesdefinitionen verzichtet werden. Der Tod wird in der Arbeit als das Ende des irdischen Lebens gesehen.

1.2 Das Sterben

Das Sterben als Vorstufe zum Tod wird als Prozess angesehen. Meist wird der Beginn des Sterbens frühzeitig von Ärzten und anderen professionellen Kräften erkannt. Für die Medizin ausschlaggebende Zeichen, die den herannahenden Tod ankündigen, sind nach Köther und Gnamm (2000, S. 808):

-Rascher, schwacher, unregelmäßiger Puls
- Erhöhte Temperatur, evtl. hohes Fieber
- Kalter, klebriger Schweiß
- Kalte Extremitäten
- Weißes Nasen-Mund-Dreieck
- Blasse oder bläulich marmorierte Haut
- Oberflächliche, unregelmäßige, erschwerte Atmung (Cheyne-Stokes-Atmung, Schnappatmung)
- Blutdruckabfall
- Zunehmende Apathie, Somnolenz oder Bewusstlosigkeit oder
- Motorische Unruhe, Angst, Verwirrtheit

Diese Anzeichen treten wenige Stunden bis Tage vor dem Tod auf. Der Beginn des Sterbens kann allerdings auch an anderen Punkten festgemacht werden. So bietet der Soziologe Schmied (1985, in KOSTRZEWA/KUTZNER 2002, S. 14) fünf Definitionen an, wann von Sterben gesprochen werden kann:

- Das Sterben beginnt zu dem Zeitpunkt, zu dem der Arzt Symptome erkennt, die den Tod in Aussicht stellen. Der Arzt definiert auf Grund seiner Erkenntnis den Betroffenen als Sterbenden, obwohl sich dieser der Tatsache nicht bewusst sein muss.
- Eine Person wird dann zum Sterbenden, sobald sie sich über die Erkrankung mit den Angehörigen oder Nahestehenden austauscht und sich die „Eingeweihten“ gegenüber dem Betroffenen in einer bestimmten Form verhalten. Bei dieser Definition kommt die soziale Komponente stark zum Tragen.
- Das Sterben beginnt, sobald sich der Patient der Fakten bewusst wird oder sie akzeptiert.
- Das Sterben beginnt zu dem Zeitpunkt, zu dem die Medizin den Patienten aufgibt und nichts mehr getan wird, um das Leben zu erhalten.
- Das Sterben beginnt, wenn der Betroffene beginnt, sich zu verabschieden.

Schmieds (1985) Definitionen zeigen die Vielschichtigkeit des Sterbens und zugleich die starke Prägung des Begriffs „Sterben“. Der Beginn des Sterbens ist somit kulturell geprägt und damit einem Wandel unterzogen. Dieser Wandel wird im Punkt 3.2 dieser Arbeit verdeutlicht werden.

1.3 Würde

Häufig wird in dieser Arbeit davon gesprochen, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder die Würde des Menschen zu wahren. Ebenso findet die Wahrung der Würde auch ihren Ausdruck im Heimgesetz: „Ein Heim darf nur betrieben werden, wenn der Träger und die Leitung die Würde sowie die Interessen und Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner vor Beeinträchtigung schützen“ (05.11.2001, §11,1). Eine tiefergehende Differenzierung des Begriffs „Würde“ findet nicht statt.

In dieser Arbeit soll die Objektformel von Dürig (1956) zur Erklärung der Würde dienen. So wird die Würde des Menschen herabgesetzt, sobald er vom Subjekt zum reinen Objekt, zum Mittel wird.

Das bedeutet, der Mensch verliert seine Würde, wenn er seiner Autonomie beraubt und fremdbestimmt wird. Die freie menschliche Persönlichkeit soll auf der höchsten Stufe der Wertordnung stehen. Auch wenn es in guter Absicht geschieht, darf nicht in die Selbstbestimmtheit eingegriffen werden, solange der Mensch in seinem Vernunftgebrauch nicht eingeschränkt ist. Hier handelt es sich beispielsweise bei Demenzkranken sicherlich um eine Gratwanderung. Dennoch muss die Integrität des Menschen, auch wenn ihm in diesem Fall Schranken auferlegt werden müssen, unbedingt gewahrt bleiben und geachtet werden.

„Die Menschenwürde zu achten bedeutet, in jedem Menschen einen Wert in sich selbst anzunehmen, der von äußeren Merkmalen unabhängig ist und unter allen Umständen respektiert sein will. Würde zu haben bedeutet, um seiner selbst, nicht um fremder Zwecke willen in der Welt zu sein, einzigartig, d.h. nicht durch irgendein `Äquivalent` ersetzbar zu sein" (PRAETORIUS/SALADIN 1996, S. 29).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Umgang mit Tod und Sterben vom Mittelalter bis in die Moderne
Hochschule
Universität Regensburg  (Pädagogik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V284309
ISBN (eBook)
9783656839200
ISBN (Buch)
9783656864288
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umgang, sterben, mittelalter, moderne
Arbeit zitieren
Martin Wittenzellner (Autor), 2003, Der Umgang mit Tod und Sterben vom Mittelalter bis in die Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284309

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