Tod und Sterben sind Begriffe, die im Leben und Alltag jedes Einzelnen unumgänglich sind. Doch trotz ihrer Gegenwärtigkeit wird bei der genaueren Auseinandersetzung mit dem Thema klar, dass der Übergang vom Tod zum Sterben nicht eindeutig definiert ist und daher der grundlegenden Klärung bedarf. Ähnlich verhält es sich auch beim Begriff der „Würde“, welcher eng mit Tod und Sterben in Verbindung steht. Das Verständnis dieser Begriffe soll deshalb im Lauf der vorliegenden Arbeit umrissen und ein Überblick zum Umgang mit dem Tod und Sterben vom Mittelalter bis in die Moderne gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Begriffliche Definitionen
1.1 Der Tod
1.2 Das Sterben
1.3 Würde
2 Der Wandel im Umgang mit Sterbenden
2.1 Der Tod im Mittelalter
2.2 Der Tod in der Moderne
2.3 Verdrängung und Pazifisierung des Todes
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den historischen und gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Tod und Sterben vom Mittelalter bis in die Gegenwart, um ein tieferes Verständnis für die heutige Situation Sterbender in Institutionen zu entwickeln.
- Historische Einordnung des Todesverständnisses (Mittelalter vs. Moderne).
- Kritische Analyse der Institutionalisierung des Sterbens in Krankenhäusern und Pflegeheimen.
- Begriffsbestimmungen zu Tod, Sterbeprozessen und Menschenwürde.
- Soziologische und psychologische Aspekte der Verdrängung des Todes.
- Die Rolle der Medizin und moderner Lebensbedingungen beim Wandel der Sterbekultur.
Auszug aus dem Buch
2.3 Verdrängung und Pazifisierung des Todes
Der Rückzug des Todes aus der Gesellschaft geht mit einer Verdrängung des Todes einher. Elias (1982) spricht hier zwei Entwicklungen in unserer modernen Gesellschaft an. Zum einen die Entwicklung des Todes hin zu einer Pazifisierung des Todes. So beschützt der moderne Staat den Bürger vor nicht gerechtfertigter Gewalt. Folter, Glaubenskriege, Kerker oder gar Scheiterhaufen existieren in Deutschland seit der frühen Neuzeit nicht mehr. Vieles ist somit kontrollierbar geworden, was zu früherer Zeit höheren Mächten zugeschrieben wurde. Die zweite Entwicklung, die Elias anspricht, ist Folge der ersten: Die soziale und individuelle Verdrängung des Todes. Die soziale Verdrängung beinhaltet die Tendenz, den Tod und die damit zusammenhängenden Aspekte mit einem Scham- und Peinlichkeitsempfinden zu belegen, ähnlich wie dies bei bio-sozialen Gefahren und animalischen Aspekten des Menschenlebens der Fall ist. Die Gesellschaft zieht es vor, über bestimmte Dinge die den Tod betreffen nicht zu sprechen. Elias vergleicht diese Haltung gegenüber dem Tod mit dem Umgang mit Sexualität während des viktorianischen Zeitalters, wohl auch in Anlehnung an Gorers (1977) „Pornographie des Todes“.
Die individuelle Verdrängung, von der Elias spricht, bezieht sich laut Streckeisen (2001) direkt auf den in der Psychoanalyse Freuds konzeptualisierten Abwehrmechanismus der Verdrängung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Begriffe Tod, Sterben und Würde ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, einen Überblick über den Wandel des Sterbens von der Vergangenheit bis heute zu geben.
1. Begriffliche Definitionen: Dieses Kapitel klärt die theoretischen Grundlagen, indem es medizinische und soziale Definitionen von Tod und Sterben beleuchtet und den Begriff der Würde im Kontext der menschlichen Autonomie definiert.
2 Der Wandel im Umgang mit Sterbenden: Dieses Hauptkapitel analysiert den historischen Übergang vom idealisierten „gezähmten Tod“ im Mittelalter hin zum heutigen, oft institutionalisierten und verdrängten Sterben in der modernen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Tod, Sterben, Menschenwürde, Sterbekultur, Mittelalter, Moderne, Institutionalisierung, Hospizbewegung, Verdrängung, Pazifisierung, Sozialer Tod, Medizinethik, Autonomie, Lebensende, Pflegewissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den soziokulturellen Wandel der Vorstellungen und Umgangsweisen mit Tod und Sterben vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf historischen Sterbebildern, dem Wandel durch medizinischen Fortschritt und der heutigen Situation in stationären Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Altenheimen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis für die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Sterben heute stattfindet, und den Verlust einer „natürlichen“ Auseinandersetzung mit der Endlichkeit aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf soziologischer Fachliteratur und historischen Analysen basiert, um den Wandel der Sterbebegleitung und der Einstellungen zum Tod zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird der Kontrast zwischen dem „gezähmten Tod“ im Mittelalter und der modernen Situation, die durch Institutionalisierung, technisierte Medizin und die Verdrängung des Todes gekennzeichnet ist, erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Tod, Sterben, Menschenwürde, Institutionalisierung, Verdrängung, Pazifisierung und der soziale Tod.
Was versteht man in der Arbeit unter dem „sozialen Tod“?
Der soziale Tod beschreibt den Prozess, bei dem ein alter oder kranker Mensch vor dem eigentlichen biologischen Ableben seine gesellschaftliche Bedeutung verliert und durch das Umfeld bereits wie ein Toter behandelt wird.
Welche Rolle spielt die „Ars moriendi“ in der Argumentation?
Die „Ars moriendi“ dient als historisches Beispiel für das mittelalterliche Verständnis, dass Sterben eine erlernbare Kunst war, die in den Alltag integriert und öffentlich vollzogen wurde.
- Citar trabajo
- Martin Wittenzellner (Autor), 2003, Der Umgang mit Tod und Sterben vom Mittelalter bis in die Moderne, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284309