“Frauen sind nicht der Rede wert“. Mit dieser und vielen weiteren provokativen Äußerungen eröffneten feministische Linguistinnen in den 1980er Jahren einen Diskurs, dem seitdem viel Aufmerksamkeit in der Sprachwissenschaft und in der Öffentlichkeit zuteilwurde. Es wird untersucht, ob und inwiefern Frauen in der Sprache benachteiligt werden. Die feministische Linguistik sieht einen Zusammenhang zwischen Sprachgebrauch und der Wahrnehmung von Gender. Dem gegenüber stehen kritische Stimmen, die an der Hypothese einer organisch gewachsenen Sprache und der Inkongruenz von Genus und Sexus festhalten.
In dieser Arbeit sollen deshalb die Argumente der feministischen Linguistik und Sprachkritik sowie die jeweiligen Gegenargumente genauer betrachtet werden. In einem ersten Schritt soll eine Basis geschaffen werden, indem die feministischen Disziplinen und die Standpunkte der Feminismuskritik erläutert werden. Auf dieser Grundlage soll die Diskussion um „geschlechtergerechte Sprache“ untersucht werden. Hierfür soll auf verschiedene Personenbezeichnungen eingegangen werden, die im Gendering eine Rolle spielen. Beginnend mit der herkömmlichen Form des generischen Maskulinums über Möglichkeiten der partiellen Feminisierung bis hin zum generischen Femininum sollen Methoden der geschlechtergerechten Sprache verschiedenen Ausmaßes einbezogen werden. Es soll abschließend beantwortend werden, ob Frauen durch den Sprachgebrauch tatsächlich benachteiligt werden und ob die Kritik am Gendering berechtigt ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entwicklung der feministischen Sprachkritik
2.1 Feminismus und feministische Linguistik
2.2 Feministische Sprachkritik
2.3 Kritik an der feministischen Linguistik
3 Geschlechtergerechte Sprache
3.1 Generisches Maskulinum
3.2 Partielle Feminisierung
3.3 Generisches Femininum
4 Schlussbemerkung
5 Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Berechtigung der Kritik am Gendering, indem sie die Argumente der feministischen Linguistik den Gegenpositionen zur feministischen Sprachkritik gegenüberstellt. Das primäre Ziel ist es, auf Basis theoretischer Grundlagen und empirischer Studien zu klären, ob der aktuelle Sprachgebrauch Frauen benachteiligt und inwiefern geschlechtergerechte sprachliche Anpassungen notwendig oder praktikabel sind.
- Grundlagen des Feminismus und der feministischen Linguistik
- Diskurs um das generische Maskulinum und dessen Wahrnehmung
- Methoden der geschlechtergerechten Sprache (partielle und totale Feminisierung)
- Kritische Analyse von Argumenten und Gegenargumenten
- Empirische Überprüfung der Auswirkungen auf das Denken
Auszug aus dem Buch
3.1 Generisches Maskulinum
„Die Benachteiligung der Frauen durch das generische Maskulinum ist zentraler Gegenstand der […] feministischen Sprachkritik“. Folglich wird von Kritikern der feministischen Linguistik das generische Maskulinum häufig verteidigt. Eine Definition des Begriffs liefert die Sprachwissenschaftlerin Elke Heise: Unter generischen Maskulina werden grammatisch maskuline Nomen verstanden, die in geschlechtsneutralem Sinne zur Referenz sowohl auf männliche als auch weibliche Personen verwendet werden. Wenn also z. B. in einem Fachbuch „der Leser“ angesprochen wird oder auf „die Wissenschaftler“ verwiesen wird, sollen auch Leserinnen und Wissenschaftlerinnen mitgemeint sein.
Kartheiser argumentiert, die männliche Pluralform diene der „neutralen Bezeichnung einer Gruppe von Menschen“ und sie habe eine „übergeschlechtliche Bedeutung“. Folglich seien alternative Personenbezeichnungen nicht notwendig. Weiterhin wird die besondere Betonung des biologischen Geschlechts im geforderten Sprachgebrauch kritisiert. Kubelik schreibt, „die Gleichsetzung von Genus und Sexus ist in Wirklichkeit sprachwissenschaftlich unhaltbar“. Die These, zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht herrsche keine Kongruenz, stützt er mit der Tatsache, dass es in den germanischen und slawischen Sprachen drei Genera – Maskulinum, Femininum und Neutrum – gibt, während nur zwei biologische Kategorien – männlich und weiblich – existieren. Des Weiteren ändert sich in vielen Fällen das Genus eines Substantivs, wenn es in eine andere Sprache übersetzt wird. Beispielsweise ist die Sonne im deutschen weiblich, während sie im Französischen männlich und im Kroatischen neutral ist. Auch bei eindeutigen Personenbezeichnungen könne nicht automatisch auf die Übereinstimmung von Genus und Sexus geschlossen werden. Viele Substantive mit der Endung „-ling“, wie etwa Flüchtling, Liebling oder Zögling, bezeichnen einen Mann oder eine Frau.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in den Diskurs um die Benachteiligung von Frauen in der Sprache ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die Argumente der feministischen Linguistik kritisch zu betrachten.
2 Entwicklung der feministischen Sprachkritik: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Feminismus, die Ziele der feministischen Linguistik sowie deren wissenschaftliche und gesellschaftliche Kritik.
3 Geschlechtergerechte Sprache: Hier werden zentrale Methoden des Genderings, wie das generische Maskulinum, die partielle Feminisierung und das generische Femininum, sowie die zugehörigen Debatten und empirischen Studien ausführlich analysiert.
4 Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen, wonach zwar eine Benachteiligung durch Sprache existiert, jedoch bisher keine pragmatische und geschlechtergerechte Lösung gefunden wurde.
5 Bibliografie: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen und Forschungsliteratur für die vorliegende Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Feministische Sprachkritik, Feministische Linguistik, Gendering, Generisches Maskulinum, Partielle Feminisierung, Generisches Femininum, Sprachgebrauch, Genderwahrnehmung, Sprachwissenschaft, Patriarchalismus, Geschlechtergerechte Sprache, Sprachglossen, Diskurs, Sprachwandel, Empirische Studie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie berechtigt die Kritik an geschlechtergerechter Sprache ist, indem sie die Positionen der feministischen Sprachkritik und deren Kritiker beleuchtet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der feministischen Linguistik, die Verwendung des generischen Maskulinums, Möglichkeiten der Feminisierung sowie die Kritik an diesen Eingriffen in die Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu analysieren, ob Frauen in der Sprache tatsächlich benachteiligt werden und ob die vorgeschlagenen sprachlichen Alternativen zur Lösung dieses Problems geeignet sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Literatur und der Einbeziehung empirischer Studien zur Wahrnehmung von Sprache.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das generische Maskulinum, Methoden der partiellen Feminisierung und das radikale Modell des generischen Femininums detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind feministische Sprachkritik, generisches Maskulinum, Gendering, Sprachwandel und Geschlechtergerechtigkeit.
Was versteht man unter dem Begriff „Hermaphrodite“ im Kontext von Pusch?
Pusch bezeichnet damit Satzkonstruktionen, in denen Frauen mit einer Mischung aus Maskulinum und Femininum benannt werden, was häufig in männlich dominierten Bereichen vorkommt.
Warum wird das generische Maskulinum von der feministischen Linguistik kritisiert?
Es wird kritisiert, da es zur „Unsichtbarkeit“ von Frauen beiträgt und laut Untersuchungen die Vorstellung bei Lesenden tendenziell auf Männer fixiert.
Welche Rolle spielt die Studie von Karin Kusterle in der Arbeit?
Die Studie belegt empirisch, dass der Gebrauch des generischen Maskulinums die Wahrnehmung von Geschlecht beeinflusst, was als Argument für die Notwendigkeit sprachlicher Veränderungen dient.
- Citar trabajo
- Dennis Wegner (Autor), 2014, Wie berechtigt ist die Kritik am Gendering? Argumente und Gegenargumente zur feministischen Sprachkritik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284380