Theoretische Grundlagen der Lerntypentheorie im Bezug auf die Personalentwicklung


Akademische Arbeit, 2005

62 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lerntypen
2.1. Begriffsdefinitionen
2.2. Lerntypentheorien
2.2.1. Lerntypentheorie des NLP
2.2.2. Lerntypentheorie nach Frederic Vester
2.2.3. Lerntypentheorie nach Neil Fleming
2.3. Grundlegende Theorien
2.3.1. Neurobiologie
2.3.2. Psychologie
2.4. Lernstiltheorien
2.4.1. Lernstiltheorie nach Kolb
2.4.2. Lernertypologie nach Creß und Friedrich
2.5. Kritische Betrachtung der Lerntypentheorien

3. Personalentwicklung
3.1. Grundlagen der Personalentwicklung
3.2. Bereiche der Personalentwicklung
3.3. Methoden der beruflichen Bildung
3.3.1. Der Frontalunterricht
3.3.2. Die Demonstration
3.3.3. Die Vier-Stufen-Methode
3.3.4. Computerunterstütze Lehr-Lern-Arrangements

4. Zusammenfassung und Fazit

Quellenverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Gesamtnetz der Gehirntätigkeit nach Vester

Abbildung 2 Präferenzmöglichkeiten im VARK Fragebogen

Abbildung 3 Die Entwicklung von VARK

Abbildung 4 Trennung der Modi V und R

Abbildung 5 Lernstile nach Dunn und Dunn

Abbildung 6 Lernstile nach Kolb

Abbildung 7 Bereiche der Personalentwicklung

Abbildung 8 Darstellung des Frontalunterrichtes

1. Einleitung

Diese Arbeit soll die Begriffsdefinitionen und wissenschaftlichen Grundlagen der Lerntypen liefern. Betrachtet werden grundlegende Definitionen zu den Lerntypen sowie des Lernens im Allgemeinen und die dazugehörigen Theorien der Lernpsychologie. Des Weiteren werden die problemstellungsrelevanten Bereiche der Personalentwicklung beschrieben. Abschließend soll durch ein kritisches Fazit begründet werden welche Lerntypentheorien für diese Arbeit maßgeblich sind.

2. Lerntypen

Im Rahmen dieser thematischen Einführung werden die für diese Arbeit notwendigen Begriffe definiert. Darauf folgen die Lerntypentheorien sowie grundlegende Theorien, die als Basis dieser Lerntypentheorien dienen. Es werden die Fragen nach dem Wesen der Lerntypen sowie nach ihrer wissenschaftlichen Herkunft beziehungsweise Ableitung beantwortet. Dem folgt die Darstellung der Lernstiltheorien um diesen Ansatz den Lerntypentheorien gegenüberstellen zu können. Daraufhin werden beide Lernertypologien (Lernstil und Lerntyp) in Hinblick auf ihre Praxisrelevanz diskutiert.

2.1. Begriffsdefinitionen

Lernen beinhaltet den Erwerb von Wissen, Verhaltensweisen sowie Einstellungen und setzt sich aus Prozessen des Behaltens, Erinnerns und Vergessens zusammen. (vgl. Franke/Kühlmann, 1990, S. 118). Es lässt sich also sagen, dass Lernen alle Verhaltensweisen umfasst die aufgrund von Erfahrungen zustande kommen (vgl. Lefrancois, 1986, S. 3) und Lernen somit eine Verhaltensänderung aufgrund von Erfahrungen (vgl. Lefrancois, 1986, S. 159) ist. Eine Lernleistung besteht, neurobiologisch betrachtet, aus Speicher- und Abrufprozessen im Gehirn. Damit lässt sich grundlegend feststellen, dass Lernen und Gedächtnis – also der Speicher – unmittelbar miteinander verbunden sind. Dies kann also für Lerntypen heißen, dass ein Lerntyp sich aus individuellen beziehungsweise intrapersonell unterschiedlichen Speicher- und Abrufprozessen im Gedächtnis / Gehirn bedingt.

Nach Lefrancois sollte eine Theorie über das menschliche Lernen Aussagen darüber machen, unter welchen Bedingungen optimales Lernen eintritt und unter welchen nicht. (vgl. Lefrancois 1986, S. 5). Die psychologischen Theorien über das Lernen beschäftigen sich zum einen mit den ablaufenden Verarbeitungsprozessen, den so genannten Kognitionen und zum anderen mit den Aspekten von Lernen und Verhalten. Die biologischen oder neurobiologischen Theorien befassen sich mit den Speicher- und Abrufprozessen im Gehirn auf neuronaler Ebene (vgl. Spitzer 2002).

Neben den Lerntypen ist für die Problemstellung auch der Begriff der Lernstrategien von grundlegender Bedeutung. Lernstrategien sind selbstgesteuerte Interaktionen des Lernenden mit seiner Lernumgebung und dem Lernstoff. Der Lernende widmet sich also nicht nur rein rezeptiv dem Lernstoff, sondern bindet kognitive, metakognitive, motivationale und ressourcenbezogenen Aktivitäten mit in den Lernprozess ein. Daher können Lernstrategien als Verhaltensweisen gesehen werden, die der Lernende absichtlich zur Verbesserung des Lernergebnisses einsetzt. Einfach formuliert beschreibt eine Lernstrategie das „WIE“ des Lernens. Diese Strategien lassen sich in die Kognitiven- und Ressourcenstrategien kategorisieren. Kognitive Strategien sollen ein besseres Verständnis und Einprägungsvermögen beim Lernenden bewirken und sind daher Prozesse der Informationsverarbeitung. Im Einzelnen können dies Methoden wie Mnemotechnik oder Mind-Maps sein. Zu dieser Kategorie lassen sich auch die Metakognitiven Strategien zählen, die den Lernprozess planen, überwachen, bewerten und situativ steuern sollen. Damit sind vor allem die motivationalen und emotionalen Aspekte des Lernens gemeint wie zum Beispiel eine Belohnung oder die Angst vor dem Versagen, die gezielt eingesetzt werden um das Lernen zu optimieren. Die Ressourcenstrategien dienen zur Bereitstellung der für das Lernen benötigen Materialien und auch der Auswahl der benötigten Zeit im Hinblick auf Dauer und Lage der Lernabschnitte. (vgl. Creß/Friedrich 2000, S. 195 und Thielke 2003, S. 8 ff.)

Für die Lerntypentheorien wesentlich ist der Begriff der Repräsentationen oder Repräsentationssysteme welcher auch im Rahmen der Neurobiologie verwendet wird. Im Allgemeinen bezeichnet der Begriff Repräsentation die Vergegenwärtigung einer Vorstellung. Im Gedächtnis ist eine Repräsentation die Darstellung der Erinnerung oder des Gelernten. In der Neurobiologie versteht man unter Repräsentation, dass ein Neuron oder ein Neuronenareal für eine bestimmte Verhaltensweise oder eine bestimmte Gedächtnisleistung steht (vgl. Spitzer, 2002 S. 79 ff). Repräsentationen oder Repräsentationssysteme können nach Bruner (vgl. Lefrancois 1986, S: 110) in drei Kategorien unterschieden werden: enaktive, ikonische und symbolische Repräsentation.

Die enaktive Repräsentation beschreibt die Informationsaufnahme durch Tun oder Handeln in Form von Motorik. Die Ikonische Repräsentation beinhaltet den Gebrauch von geistigen Bildern um Informationen oder Erfahrungen im Gedächtnis abzuspeichern. Diese Bilder entsprechen den „gemerkten Objekten“ durch ihre tatsächliche Ähnlichkeit. Ein Papagei wird durch das Bild eines Papageien gespeichert ohne die Zuordnung, dass dieser Gegenstand Papagei auch als Papagei bezeichnet wird. Durch die symbolische Repräsentation wird diese Bezeichnung hergestellt. Das gemerkte Objekt „buntes Tier mit Flügeln und Schnabel“ (Papagei) wird mit dem Begriff Papagei belegt. Im Gedächtnis ist somit ein Symbol für das Bild (Ikon) hinterlegt. Während das Ikon dem Objekt, hier Papagei, im Gedächtnis zu nahezu 100 % ähnelt, hat das Wort „Papagei“ gar keine Ähnlichkeit mit dem realen Objekt. Bruner vergleicht diese Schritte der Repräsentationen mit den Schritten der menschlichen Evolution sowie der Entwicklung eines menschlichen Kindes. Sowie ein Kind Erfahrungen in seiner eigenen Entwicklung macht, hat auch die Menschheit Erfindungen zur Erweiterung der Bewegungsmöglichkeiten (enaktiv), der Sinne (ikonisch) und schließlich der Reflexionsmöglichkeiten (symbolisch) gemacht.

Die Theorie der Repräsentationssysteme des Neurolinguistischen Programmierens (kurz NLP; vgl. O’Connor/Seymour, 2002, S. 56 ff) beschreibt Repräsentationen der menschlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen. Dem zu Folge laufen alle „Inputs“ – sei es über unsere Sinne oder durch Erfahrungen allgemein – über so genannte Filter und werden dann im Gehirn gespeichert. Bandler und Grinder (1975 und 1976), die Begründer des NLP, beschreiben in Ihren Grundlagenwerken „The Structure of Magic Vol. 1 und 2“ drei Filter. Diese Filter sind:

- Neurological Constraints – Neurologische Einschränkungen
- Social Constraints – Gesellschaftliche Einschränkungen
- Individual Constraints – Persönliche Einschränkungen (vgl. Bandler/Grinder 1975 S.8 ff, eigene Übersetzung)

Demnach werden Informationen, die gelernt oder aufgenommen wurden, durch diese Filter verändert und dann im Gehirn gespeichert. Dadurch werden alle Inputs nicht als Repräsentationen ihrer selbst gespeichert. Sie definieren Repräsentation als:

“An image of something which is different from the thing itself; a map, a model” (Bandler/Grinder 1975, S. 217)

und folgen damit Bruners Theorien.

Zu den Repräsentationen lässt sich grundsätzlich anmerken, dass die Erforschung der Prozesse, durch die wir kognitive Repräsentationen entwickeln eine der wesentlichsten Aufgaben der kognitiven Psychologie ist. Im Gegensatz zu Bruners Theorie die sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse bezieht, basiert die Theorie des NLP auf Beobachtungen der beiden Begründer. Beobachtet wurde das Verhalten der Therapeuten und Hypnotiker Fritz Perls, Virginia Satir und Milton Erickson. (vgl. Bandler/Grinder 1975) Das NLP ist also eine Theorie, die aus der Praxis für die Praxis entwickelt wurde. Wissenschaftliche Beweise werden für dieses pragmatische Vorgehen nicht geliefert.

2.2. Lerntypentheorien

Lerntypen sind Präferenzen eines Individuums im Hinblick auf die Art und Weise wie er Informationen aufnimmt, verarbeitet und wiedergibt. Im NLP wird dies als Modalität, beziehungsweise bevorzugtes Repräsentationssystem, bezeichnet. (vgl. O’Connor/Seymour. 2002, S. 61) Präferenzen sind keine Stärken. Der Begriff Präferenz bezieht sich in diesem Zusammenhang auf das Medium, über das der Lernprozess abläuft. Ein Medium kann beispielsweise ein Text oder eine graphische Darstellung sein. Stärken sind hingegen als Fähigkeiten oder Fertigkeiten zu verstehen und stellen somit Eigenschaften dar. Diese Präferenzen hängen ab von Alter, Geschlecht, Bildungsstand und vor allem dem kulturellem Hintergrund. (vgl. Vester 2004, Bandler/Grinder 1975, Dunn 1987) Die unterschiedlichen Sozialisationen bedingen damit auch unterschiedliche Verteilungen beziehungsweise Häufigkeiten eines Lerntyps in einer Bevölkerungsgruppe. Westliche Zivilisationen, so genannte Wissensgesellschaften, haben einen deutlich höheren Anteil an sehr kognitiven oder informationsverarbeitenden Lerntypen im Vergleich zu ländlich geprägten Zivilisationen in Entwicklungsländern. Hier überwiegt der Anteil an aktiven oder mehr körperlich geprägten Lerntypen. Hieraus lässt sich ein Bezug zu Bruners Repräsentationstheorie bilden. Damit wird die Theorie Bruners zu einer der wichtigsten Grundlagen aller weiteren Lerntypentheorien. Wie auch bei Bruners Theorie wird in den Lerntypentheorien nach Repräsentationssystemen oder Modalitäten unterschieden.

Die Lerntypen beeinflussen somit die Wahl von Lernstrategien. Die Übereinstimmung zwischen der Modalität, der Strategie und individueller Lernpräferenzen ist für den Lernerfolg ausschlaggebend. Detaillierte empirische Untersuchungen zu diesem Thema stehen noch aus, daher ist auch kein direkter wissenschaftlicher Beweis zur Existenz der Lerntypen zu nennen. Allerdings bauen die veröffentlichten Theorien zu den Lerntypen aus Ableitungen von Theorien der Psychologie, Pädagogik und Biologie auf.

Allen drei folgenden Lerntypentheorien liegt zugrunde, dass sie ein schlechtes oder wenig erfolgreiches Lernen durch Anwendung der „falschen“ oder besser nicht individuumsgerechten Strategien begründen. Da jeder Lernende bestimmte Präferenzen zu einzelnen Lernstrategien hat – dies kann zum Beispiel der Einsatz von Mind-Maps oder selbstbesprochenen Lernkassetten sein – wird der Lernende durch andere Lernstrategien schlechtere Lernergebnisse erzielen. Besonders gravierend kann sich dieser Fakt im klassischen Frontalunterricht oder einer Vorlesung auswirken. Gibt der Lehrende den Stoff nur in seiner Präferenz der Informationsabgabe wieder und hören ihm nur Lernende mit einer anderen Präferenz zu, wird womöglich ein geringer Lernerfolg auftreten.

Zur Bewältigung dieses Problems, also der Lehrenden – Lernenden – Barriere, haben alle drei Theorien einen nahezu identischen Vorschlag.

Fleming (2001, S. 13) meint dazu:

“The first step is to understand ones own styles of teaching and then attempt to provide a range of different strategies to meet the diversity in the class whether it is online or in a classroom. This will not be easy for some who are risk averse and who would rather stay with methods that they feel are comfortable even if they believe that they do not work for all of their students. After all, it is possible to blame the students and make any adaptation their problem. " Why can 't they adapt to me? " can be an easy way out of the dilemma. We challenge them to read on. There will be many teachers who already have a varied bag of strategies and are already meeting the needs of the majority of students. For them this chapter is a refresher course.”

Auch Vester (2004, S. 49) äußert sich ähnlich:

“Wichtig für die Verständigung zweier Menschen, also für die Kommunikation zwischen dem eigenen und dem fremden Muster, ist ihre Resonanz, das heißt, dass beide Muster gleiche Schwingungen aufweisen. Das können sie aber nur, wenn sie in ihrer Struktur ähnlich sind. So entsteht aus naturwissenschaftlicher Perspektive die Frage, ob nicht vielleicht ein Schüler dann gut lernt, wenn sein in frühester Kindheit im Gehirn vorgeprägtes Assoziationsmuster mit dem Abfragemuster, dem Erklärungsmuster seines Lehrers gewisse Ähnlichkeiten aufweist — eine Übereinstimmung mit der Methode, die dieser Lehrer im Unterricht anwendet -, und ob er umgekehrt immer dann nicht begreift, wenn die Erklärungsweise eines Lehrers seinem Muster nicht entspricht, nicht auf der gleichen Wellenlänge liegt.“

Das NLP ist grundsätzlich eine sehr kommunikationsorientierte Vorgehensweise und reiht sich damit nahtlos in die dargestellten Auffassungen ein. (vgl. O’Connor/Seymour 2002, S. 6) Lerntypen sollen also dem Lehrenden und Lernenden helfen Informationen besser, also individuumsbezogen und damit optimaler aufzunehmen und abzugeben. Zur Klassifikation der einzelnen Ausprägungen dienen die Lerntypen, beziehungsweise Kombinate der einzelnen Modi.

Im Folgenden sollen zuerst die Standpunkte dreier Theorien zu den Lerntypen wiedergegeben werden, um dann in weiteren Kapiteln die theoretischen Grundlagern dieser Theorien betrachten zu können.

2.2.1. Lerntypentheorie des NLP

Das NLP wurde von John Grinder und Richard Bandler (vgl. Bandler/Grinder 1975 und Bandler/Grinder 1976 sowie O’Connor/Seymour 2002 S. 25) in der Mitte der siebziger Jahre begründet. Ziel der Zusammenarbeit von John Grinder, damals Assistenzprofessor für Linguistik, und Richard Bandler, Psychologiestudent, war es, einen prozess- und modellorientierten Ansatz der Psychotherapie und Kommunikation zu entwickeln. Dazu untersuchten sie die Vorgehensweise von erfolgreichen Therapeuten (Fritz Perls, Virginia Satir und Milton Erickson) und fassten ihre Beobachtungen und Erkenntnisse in dem Konstrukt NLP zusammen.

Ähnlich wie Vester, geht das NLP davon aus, dass jeder Mensch eine bevorzugte „Pforte der Wahrnehmung“ (O’Connor/Seymour, 2002 S. 55) hat. Das NLP unterscheidet demzufolge in visuelle, auditive, kinästhetische und olfaktorische / gustatorische Modalitäten. Das NLP klammert die beiden letztgenannten Modalitäten in der weiteren Betrachtung aus, da es Ihnen an Häufigkeit fehlt. Im Gegensatz zu Vester gehen Bandler und Grinder davon aus, dass jeder Mensch durch eine Kombination der drei Typen charakterisierbar ist und somit eine Hauptmodalität (visuell, auditiv und kinästhetisch) und zwei untergeordnete Modalitäten hat. Diese Hauptmodalität nimmt Einfluss auf die Art der Informationsverarbeitung, –wiedergabe und –speicherung des jeweiligen Individuums. Die Autoren gehen sogar soweit, zu sagen, dass Menschen mit gleicher Hauptmodalität besser miteinander kommunizieren können und sich so auf Anhieb besser verstehen.

Auch für diese Theorie fehlt es bisher an wissenschaftlichen Beweisen, jedoch wird NLP sehr häufig, und nach Angaben der Anwender auch erfolgreich, im Rahmen von Weiterbildungen (z.B. Vertriebs- oder Verkaufsschulungen) oder auch als Baustein der Psychotherapie eingesetzt.

Aufgrund der inhaltlichen wie auch semantischen Nähe beider Lerntypologien sollen die drei wesentlichen Ausprägungen nochmals detailliert dargestellt werden.

- Visueller Lerntyp:

Der visuelle Lerntyp präferiert alle Informationen die über seinen Kanal „Auge“ aufgenommen werden. Er liest gerne, wobei er Bilder, Illustrationen oder Grafiken bevorzugt, um Sachverhalte zu verstehen. Sie fassen ihre Gedanken gerne in Bilder und können sehr gut divergent und konvergent denken. Visuelle Lerner benötigen eine schöne Lernumgebung sowie Ruhe, Ordnung und Regeln, das heißt er lässt sich leicht durch visuelle Unordnung ablenken. Sie arbeiten selbst gerne mit Tafelbildern, Präsentationen und schriftlichen Unterlagen. Dieser Lerntyp schreibt gerne mit und nimmt Informationen durch Sehen und Erklärung, zum Beispiel anhand von Zeichnungen oder Modellen auf. Besonders gut erinnert er sich an das, was er selbst gelesen und gesehen hat. Gute Lernhilfen sind Bücher, Skizzen, Bilder, Lernposter, Videos und Lernkarteien. (vgl. Bandler 1976, S. 3 ff, Dilts 2000 [a], O’Connor/Seymour 2002, S. 55 ff)

- Auditiver Lerntyp:

Der auditive Lerntyp lernt am besten, wenn er den Lernstoff über akustische Signale einfließt, zum Beispiel über das Hören von Kassettenprogrammen. Ein weiteres Hilfsmittel ist das laute Vorlesen oder anderen beim Vorlesen zuhören. Dieser Lerntyp kann sehr gut auswendig lernen, und ihm liegen mündlichen Aufgaben. Auditive Lerner fühlen sich schnell durch Geräusche in der Lernumgebung gestört. Gute Lernhilfen sind Lernkassetten, Gespräche, Vorträge und Musik. Auditive Lerner denken zumeist linear und verfolgen sukzessiv Gedankenstränge. Offensichtliche Stärken liegen im Leseverständnis von Texten, beim Befolgen von Anweisungen und im freien Aufsatz. (vgl. Bandler 1976 b, S. 3 ff, Dilts 2000 [a], O’Connor/Seymour 2002, S. 55 ff)

- Kinästhetischer Lerntyp:

Für den kinästhetischen Lerntyp gestaltet sich optimales Lernen durch eigenhändiges Durchführen von Handlungsabläufen. Er kann auf diese Weise nachvollziehen und begreifen was er lernt. Für ihn ist es wichtig, am Lernprozess unmittelbar beteiligt zu sein und durch das "learning by doing" eigenständige Erfahrungen zu sammeln. Informationsaufnahme durch Lesen, Hören oder betrachten von Schaubildern führen nur zu mäßigen Lernerfolgen. Geeignete Lernhilfen sind (rhythmische) Bewegungen, Nachmachen, vor allem aber Gruppenaktivitäten und Rollenspiele. Kinästhetisch orientierte Menschen vertrauen oft ihrer Intuition, sie ahnen eher etwas, als dass sie es wissen. Kinästheten sind meist hervorragende Sportler und handwerklich extrem begabt. (vgl. Bandler 1976 b, S. 3 ff, Dilts 2000 [a], O’Connor/Seymour 2002, S. 55 ff)

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass diese dreifaltige Untergliederung und auch die Ideen des NLP der optimierten Kommunikation durch Rapport, Pacing und Leading (vgl. O’Connor/Seymour 2002, S. 47 ff) Einzug in alle weiteren Lerntypentheorien gefunden haben. Das NLP ist also die Basis und die anderen Lerntypentheorien stellen eine Weiterentwicklung und Fokussierung auf die lernspezifischen Aspekte der Informationsaufnahme und –abgabe dar.

2.2.2. Lerntypentheorie nach Frederic Vester

Vester entwickelt in seinem Buch „Denken, Lernen, Vergessen“ eine Lerntypentheorie, die auf der Prägung des Gehirnes eines Individuums aus seinen bisher gemachten Erfahrungen beruht. Er verbindet die Erkenntnisse der neurobiologischen Grundlagen des Lernens, zum Beispiel die Theorie der neuronalen Repräsentation, mit sozialen und kulturellen Grundmustern. Nach dieser Auffassung bestimmen gemachte Erfahrungen, besser „gelernte“ Ereignisse, wie sie später im Gehirn repräsentiert werden und welchen Einfluss Sie auf das weitere Lernverhalten haben. Vester belegt dies anhand von Katzenexperimenten (siehe dazu Blakemore et. al. in Vester 2004, S. 42 & 243) und Untersuchungen an menschlichen Säuglingen. (Vester 2004, S. 44)

In dieser Theorie wird zwischen den visuellen, auditiven, haptischen und intellektuellen (Einsicht anstrebender / abstrakter Lerner) Lerntypen unterschieden. Die Frage nach der Entstehung des jeweiligen Lerntyps leitet Vester aus den jeweiligen dominanten oder am häufigsten gemachten Erfahrungen ab, die dann entsprechende Repräsentationen im Gehirn hinterlassen haben. Ein visueller Lerner entsteht demnach durch das „in frühester Kindheit im Gehirn Vorgeprägte Assoziationsmuster“ (Vester 2004, S. 49), dass Bilder oder optische Eindrücke besonders hoch bewertet und damit anderen Mustern vorzieht. Die anderen Lerntypen entstehen auf analoge Weise und entsprechen den oben genannten Lerntypen des NLP. Lerneffektivität kann demzufolge gesteigert werden, indem der bevorzugte Wahrnehmungskanal beim Lernen präferiert wird.

Vester weitet seine Theorie im Verlauf seiner Publikationen auf ein ganzheitliches Modell aus (vgl. Abb. 01) mit dem er optimiertes Lernen darstellt. Aus diesem Gesamtnetz soll ein Zusammenhang zwischen Informationen, Umwelt, Partnern und Erbanlagen auf das individuelle Lernen deutlich werden. Alle diese Faktoren beeinflussen das Lernen und führen je nach Ausprägung oder Ablauf zu den dargestellten Folgen. Wirkt beispielsweise Streß auf den Lernprozess ein so kann dies einer Informationsverarbeitung hinderlich sein. Die Information wird womöglich nicht im Langzeitgedächtnis (LZG) gespeichert und kann – so Vester – zu Denkblockaden führen. Dieses Gesamtnetz umfasst sehr viele einzelne wissenschaftliche Bereiche. Die Verknüpfung der Erkenntnisse dieser Bereiche (Neurobiologie, Psychologie etc.) wird von Vester durchgeführt ohne dies in irgendeiner Form wissenschaftlich zu belegen. Dieser Brückenschlag in Form des Gesamtnetzes ist nicht praktikabel für den Einsatz in der Personalentwicklung, da diese vielen einzelnen Aspekte bei Personalentwicklungsmaßnahmen nicht berücksichtigt werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 01: Gesamtnetz der Gehirntätigkeit nach Vester (2004, S. 176)

Interessant für diese Arbeit ist hingegen Vesters Resümee aus diesem Gesamtnetz. Er stellt 13 Regeln für besseres Lernen auf (vgl. Vester 2004, S. 197), von denen vor allem Nummer zehn auf die Lerntypen abzielt. Wichtig ist also eine Präsentation des Lernstoffes auf möglichst vielen Kanälen / Modalitäten oder Lerntypen. Ein darauf folgender Test zur Ermittlung der Lerntypen (vgl. Vester 2002 S. 201 – 231) ist äußerst umfangreich. Begründende Aussagen zu diesem Test fehlen genauso wie ein Ansatz zur Überprüfung der Erhebungsmethode.

2.2.3. Lerntypentheorie nach Neil Fleming

Neil Fleming hat im Rahmen seiner bisherigen Erfahrungen als Schulinspektor und als Leiter der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle der Lincoln Universität in Neuseeland das Inventar VARK und die entsprechende Lerntypentheorie entwickelt. Das Akronym VARK steht für die vier Lerntypenmodi Visuell (Visual), Auditiv (Aural), Lese/Schreib (Read/Write) und Kinästhetisch (Kinaesthetic). Ein Lerntyp besteht also immer aus dem Kombinat aller vier Modi, die mit jeweils unterschiedlich starker Ausprägung (Mild, Strong, Very Strong oder auch gar nicht) vorliegen. Demzufolge können sich die folgend dargestellten Lerntypen ergeben und per Fragebogen (vgl. Kap. 3.1.1.) ermittelt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 02: Präferenzmöglichkeiten im VARK Fragebogen (Fleming 2005, [a])

Jede Einzelpräferenz (single preference) ist durch eine deutliche Fokussierung auf diese Modalität bestimmbar. Ein Befragter mit dem Ergebnis V=10, A=2, R=1 und K=3 ist also sehr stark Visuell und die anderen Modalitäten sind kaum ausgeprägt. Sind bei einem Befragten zwei oder mehr Modalitäten stark beziehungsweise gleich stark ausgebildet (z.B. V=10, A=0, R=1 und K=9 -> VK oder V=6, A=2, R=5 und K=4 -> VRK) so hat diese Person multimodale Präferenzen. Der Großteil aller Befragten (55 – 70%) hat multimodale Präferenzen. (vgl. Fleming [a])

Der Autor begründet den modalen Ansatz wie folgt

“The choice to limit VARK to modal preferences was made because that is where its designer had most success in assisting with learning. Changing the other dimensions affected learning, of course, but it was the modal preferences that had the most direct application for helping learning.” (Fleming 2005 [a])

Die theoretischen Grundlagen seiner Arbeit hat der Autor in seinem Buch „Teaching and Learning Styles” zusammengefasst. Graphisch stellen sich die Wurzeln seiner Arbeit wie folgt dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 03: Die Entwicklung von VARK (Fleming 2001, S. 48)

VARK wird von Fleming als eine heuristische Kreation, die durch begründete Forschung im Sinne einer nachfolgenden Rationalisierung unterstützt wurde, bezeichnet. (vgl. Fleming 2001, S. 48) Die Heuristik zeigt sich in obiger Darstellung durch die beiden Bereiche die von unten herauf Einfluss auf die Entwicklung nehmen. Dies sind also der Fragebogen und Flemings Berufserfahrungen. Die wissenschaftliche Unterstützung sieht Fleming im NLP der Arbeit von Dunn & Dunn (1972) und der Segregation des visuellen Modus in Form der ikonischen und symbolischen Repräsentation nach Bruner.

[...]

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Theoretische Grundlagen der Lerntypentheorie im Bezug auf die Personalentwicklung
Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
62
Katalognummer
V284497
ISBN (eBook)
9783656840602
ISBN (Buch)
9783668138865
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorie, Grundlagen, Lerntypen, Personalentwicklung
Arbeit zitieren
Christian Neuerburg (Autor), 2005, Theoretische Grundlagen der Lerntypentheorie im Bezug auf die Personalentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284497

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