Stundenentwurf: Die Buddenbrooks. Verfall und Untergang im Umbruchsroman des 20. Jahrhunderts

Vergleich der männlichen Hauptfiguren zur Bestimmung der Verfallsprozesse innerhalb der vier Buddenbrook-Generationen


Unterrichtsentwurf, 2013

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
1.1 Tabellarische Übersicht über die Unterrichtsreihe
1.2 Begründungszusammenhänge der längerfristigen Unterrichtsreihe
1.2.1 Curriculare Legitimation
1.2.2 Fachdidaktische Konzepte
1.2.3 Umgang mit Leistungsbewertung

2. Planung der Unterrichtsstunde
2.1 Angestrebte Lernziele/ Kompetenzbeiträge
2.2 Zentrale didaktisch-methodische Begründungen
2.2.1 Lernvoraussetzungen
2.2.2 Sachanalyse des Stundenschwerpunkts
2.2.3 Literaturdidaktische Phasierung der Unterrichtsstunde
2.3 Verlaufsplan der Unterrichtsstunde

3. Literaturverzeichnis

4. Anhang

1. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge

1.1 Tabellarische Übersicht über die Unterrichtsreihe

1.2 Begründungszusammenhänge der längerfristigen Unterrichtsreihe

1.2.1 Curriculare Legitimation

Die Unterrichtsreihe „Die Buddenbrooks – Verfall und Untergang im Umbruchsroman des 20. Jahrhunderts“ knüpft sowohl an die Richtlinien und Lehrpläne der Sek. II als auch an das interne Schulcurriculum an. Bezogen auf den Lehrplan kann die Reihe vor allem dem Bereich „Umgang mit Texten und Medien“1 mit dem Schwerpunkt „Literarische Texte“ zugeordnet werden. Thomas Manns Buddenbrooks (1901), als konkreter Unterrichtsgegenstand, entspricht dabei der im Lehrplan vorgeschlagenen Behandlung eines Romans des Epochenumbruchs vom 19. zum 20. Jahrhundert.2 Außerdem ist der Roman in den „Vorgaben zu den unterrichtlichen Voraussetzungen für die schriftlichen Prüfungen im Abitur in der gymnasialen Oberstufe im Jahr 2014“3 als verbindliche Lektüre aufgeführt.

Aufgrund der Komplexität des Romans hinsichtlich seiner Länge und vielfältigen Thematik ist eine Schwerpunktsetzung innerhalb des Unterrichtsvorhabens notwendig. Angelehnt an das schulinterne Curriculum für das 2. Halbjahr der Jahrgangsstufe 11 (Q1) liegt dieser Schwerpunkt auf der Metaphorik bzw. Symbolik im Roman, in diesem Fall auf der Symbolik des „Verfalls“. So werden die typischen Untersuchungsgegenstände eines epischen Textes, wie z.B. Handlung, Figuren und Erzähltechnik, stets unter dem Aspekt des „Verfalls“ betrachtet, was den SuS auch als Orientierungshilfe dienen soll. Des Weiteren ist im internen Curriculum die Filmanalyse als durchzuführende Methode erwähnt, daher bildet die Analyse der zwei Verfilmungen der Buddenbrooks (1959, 2008) den Schwerpunkt der letzten Unterrichtssequenz im Rahmen der Reihe.

In Bezug auf die Aufgabenschwerpunkte innerhalb der Reihe ist darauf geachtet worden, dass alle drei Ebenen der Arbeitsweisen, die im Lehrplan unter dem Punkt „Umgang mit Texten und Medien“ aufgelistet sind, in regelmäßigen Abständen angewendet werden: Die Ebene des „Wiedergebens, Beschreibens und Deutens“4 findet sich vor allem zu Beginn einer neuen Sequenzbildung innerhalb der Reihe wieder, in der die SuS aufgefordert sind, einen neuen Sachverhalt zu erkennen und zu beschreiben. Die Ebene des „Erörterns und Beurteilens“5 steht dann im Mittelpunkt, wenn es um eigene Leseeindrücke und -erfahrungen geht, wie z.B. bei der Beurteilung der Figur Tonys durch die SuS. Das „Anwenden“6, und somit die dritte Ebene, schließt sich meistens an Unterrichtsphasen oder -stunden an, die der Erarbeitung von Merkmalen, etwa der unterschiedlichen Epochen, gewidmet sind. Durch diese Vielfalt an Arbeitsweisen sollen die SuS lernen, „ihr eigenes Textverstehen als Ergebnis eines konstruktiven Prozesses zu sehen, der Plausibilität beansprucht.“7 Außerdem sollen die SuS durch die Bearbeitung der verschiedenen Aufgabenschwerpunkte feststellen, dass das Textverstehen immer auch eine subjektive Leistung ist und es mehrere Verstehensentwürfe bei der Analyse und Interpretation eines literarischen Textes gibt.8

1.2.2 Fachdidaktische Konzepte

Im Hinblick auf fachdidaktische Konzepte und Prinzipien ist die Reihe zu Thomas Manns Buddenbrooks so angelegt, dass sie den grundsätzlichen Zielen des Literaturunterrichts in der Sekundarstufe II, so wie sie Wilhelm Matthiessen9 definiert, entspricht. Aus der Vielzahl an Zielen sind vor allem folgende Ziele für die Planung bzw. Durchführung der Unterrichtsreihe ausgewählt worden:

- das Entwickeln von Leseinteresse (angeregt durch lektürebegleitende Aufgaben)
- das Aneignen von Wissen (insbesondere über literaturgeschichtlichen Epochen und Analysekriterien epischer Texte)
- das kulturgeschichtliche Lernen (hinsichtlich der Lebensweisen des Bürgertums Anfang des 20. Jahrhunderts in Lübeck)
- das Entwickeln von Empathie (durch Charakterisierungen der Hauptfiguren)
- die Ausbildung von Werthaltungen (durch persönliche Stellungnahmen zu den Haltungen der Figuren)
- das Entwickeln medialer Kompetenz (anhand der Literaturverfilmungen)

Um die oben genannten Ziele zu erreichen, orientiert sich die vorliegende Reihe hinsichtlich der Unterrichtskonzepte sowohl an dem analytischen, problemorientierten Unterricht als auch an dem handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht. Die Entscheidung zur Mischung beider Konzepte ist bewusst getroffen worden, da so garantiert ist, dass die kognitiven Fähigkeiten der SuS genauso gefördert werden wie die emotiven und kreativen Kompetenzen. Das bedeutet, es werden sowohl der Verstand und die Urteilskraft der SuS angesprochen, als auch die Einbildungskraft und die Gefühle.

Unter dem handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht ist im Allgemeinen ein offener, schülerorientierter und ganzheitlicher Unterricht zu verstehen, der die SuS zur selbstständigen Mitarbeit auffordert.10 Anknüpfend an den traditionellen, analysierend-interpretierenden Ansatz findet hier eine „Verlagerung vom Sprechen über hin zum Handeln mit dem Unterrichtsgegenstand mit dem Ziel der Produktion von etwas Neuem und gegebenenfalls Eigenem“11 statt. So werden die SuS im Laufe der Reihe beispielsweise aufgefordert, Steckbriefe zu einzelnen Charakteren zu verfassen, graphisch-bildliche Darstellungen von Handlungsabläufen und Bedeutungszusammenhängen zu erstellen oder Standbilder zur Verdeutlichung von unterschiedlichen Positionen zu bauen.

Begründet wird das Konzept des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts vor allem auf einer pädagogisch-psychologischen Ebene.12 Neben dem begrifflich-abstrahierenden Denken, das vor allem beim analytischen, problemorientierten Unterricht gefördert wird, tritt das analoge, d.h. ikonisch-abbildhafte Denken. Damit wird man vor allem auch den SuS gerecht, deren Stärken eher im gestalthaften Erfassen liegen. Außerdem verspricht der handlungs- und produktionsorientierte Unterricht einen hohen Grad an Individualisierung, da die SuS die Möglichkeit bekommen, sich individuell mit dem Text auseinanderzusetzen und nicht auf ein einheitliches Ergebnis hinarbeiten zu müssen. Letzteres wird in der vorliegenden Reihe z.B. durch das individuelle Anordnen der Figur Tonys auf einer Sympathieskala mit anschließender begründeter Stellungnahme erreicht.

Trotz der erwähnten Vorteile handlungs- und produktionsorientierter Verfahren, müssen, besonders unter Berücksichtigung des Zentralabiturs und der Differenzierung des Kurses als Leistungskurs, textanalytische Verfahren ebenfalls in die Reihenplanung integriert werden. Der literarische Text darf als Untersuchungsgegenstand nicht aus den Augen verloren werden und die SuS müssen ihr Wissen über textanalytische Vorgehensweisen (z.B. in Bezug auf Figurencharakterisierung, Handlungsanalyse oder Analyse der Erzähltechnik) vertiefen.

1.2.3 Umgang mit Leistungsbewertung

Eine schriftliche Leistungsüberprüfung in Form einer Klausur ist für die Unterrichtssequenz zu den Buddenbrooks nicht vorgesehen. Die SuS des Deutsch-Leistungskurses haben ihre erste Klausur des zweiten Halbjahrs bereits über Joseph Roths Hiob geschrieben, die zweite Klausur wird sich auf das noch zu behandelnde Thema „Sprachkritik, Sprachskepsis, Sprachnot“13 beziehen. Die einzige schriftliche Leistungsüberprüfung innerhalb der vorliegenden Reihe findet in Form eines Lektürekenntnistests statt, in dem es hauptsächlich um das Abrufen und Überprüfen von Faktenwissen geht.

Dennoch werden die Leistungen, die die SuS im Laufe der Unterrichtsreihe zu Thomas Manns Buddenbrooks erbringen, selbstverständlich durch andere Aufgaben festgestellt und beurteilt. Im Bereich des Schriftlichen werden die SuS immer wieder dazu aufgefordert, Schreibaufgaben in Form eines Fließtextes zu erledigen. Das Produkt können die SuS anschließend mündlich dem gesamten Kurs präsentieren, welcher in diesem Fall stets dazu angeregt wird, mit einem konstruktiven Feedback zu antworten. Alternativ haben die SuS jederzeit die Möglichkeit, das eigene Schreibprodukt der Lehrperson einzureichen, um auch von dieser Seite eine individuelle Rückmeldung zu bekommen.

Zu den mündlichen Leistungen zählt vor allem die Beteiligung an Unterrichtsgesprächen, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Letzteres ist in dem zu zeigenden Kurs von besonderer Bedeutung, da es sich um einen sehr aktiven Leistungskurs handelt, deren Mitglieder eine quantitativ hohe Beteiligung aufweisen. Daher ist es wichtig, in diesem Kurs verstärkt auf die Qualität der Unterrichtsbeiträge zu achten, d.h. auf die Komplexität des Beitrags, die Plausibilität der angebotenen Lösung, die Kreativität oder auf den Bezug zur Aufgabenstellung.14 Als zusätzliche Form der mündlichen Leistungserbringung können die SuS an der einen oder anderen Stelle der Reihe Referate übernehmen, wie z.B. bei der Erarbeitung der Epochenmerkmale des Realismus‘ oder Impressionismus‘.

2. Planung der Unterrichtsstunde

2.1 Angestrebte Lernziele/ Kompetenzbeiträge

Stundenlernziel:

- Die SuS sollen erkennen, welche Entwicklungstendenzen den Verfallsprozess der Buddenbrook-Generationen bestimmen und kontinuierlich verstärken.

Teilziele:

- Die SuS reaktivieren ihre Textkenntnisse und antizipieren die Problemfrage der Stunde, indem sie ein Filmstandbild in Kombination mit Hannos Aussage „Ich glaubte… ich glaubte… es käme nichts mehr…“ (S. 524) erläutern.
- Die SuS werten ihre zu Hause angefertigten Ergebnisse bzgl. der Steckbriefe der männlichen Hauptfiguren aus, indem sie zusammen mit ihrem jeweiligen Partner die Stellung der ihnen zugewiesenen Figur im Verfallsprozess der Buddenbrook-Generationen herausarbeiten.
- Die SuS präsentieren ihre Ergebnisse, indem sie vortragen, welche Aspekte den Verfallsprozess ihrer zugeteilten Figur bestimmen.
- Die SuS stellen fest, dass sich der Verfallsprozess von Generation zu Generation steigert, indem sie die Entwicklung der einzelnen Aspekte von der ersten bis zur vierten Generation beschreiben.
- Die SuS erkennen parallel zum Verfallsprozess eine Aufstiegstendenz im Laufe der Generationen, indem sie eine zunehmende Sensibilisierung bzw. Verfeinerung bei den Figuren im künstlerischen Bereich feststellen. (Hausaufgabe)

Kompetenzen:

Lernbereich „Umgang mit Texten und Medien“

- Die SuS können innerhalb einer Gruppe unterschiedliche Formen der Wahrnehmung und des Verstehens von Texten reflektieren und umsetzen.15
- Die SuS können Texten, auf der Ebene des Beschreibens und Deutens, gezielt Informationen entnehmen und diese isolieren. Sie können die Informationen außerdem neu anordnen und modifizieren.16
- Die SuS können Arbeitsergebnisse und -produkte mit Hilfe von Notizen mündlich präsentieren, d.h. sach- und adressatengerecht vortragen.17

[...]


1 Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Sekundarstufe II. Gymnasium/Gesamtschule. Deutsch. Richtlinien und Lehrpläne. Frechen: Ritterbachverlag 1999. S. 16ff.

2 Vgl. Richtlinien und Lehrpläne. S. 62f.

3 Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): „Vorgaben zu den unterrichtlichen Voraussetzungen für die schriftlichen Prüfungen im Abitur in der gymnasialen Oberstufe im Jahr 2014“. In ders.: Abitur Gymnasiale Oberstufe. Deutsch. http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/abitur-gost/fach.php?fach=1 (zuletzt abgerufen am 03.04.13).

4 Richtlinien und Lehrpläne. S. 17.

5 Ebd.

6 Ebd.

7 Ebd.

8 Ebd.

9 Vgl. Matthiessen, Wilhelm: „Umgang mit Texten in der Sekundarstufe II.“ In: Kämper-van den Boogaart, Michael (Hrsg.): Deutsch Didaktik. Leitfaden für die Sekundarstufe I und II. 2. korr. u. erw. Aufl. Berlin: Cornelsen Scriptor 2003. S. 117-141. S. 121.

10 Vgl. Spinner, Kaspar H: „Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren im Literaturunterricht.“ In: Kämper-van den Boogart, Michael (Hrsg.): Deutsch Didaktik. Leitfaden für die Sekundarstufe I und II. 2. korr. u. erw. Aufl. Berlin: Cornelsen Scriptor 2003. S. 175-190. S. 178.

11 Von Brand, Tilman: Deutsch unterrichten. Einführung in die Planung, Durchführung und Auswertung in den Sekundarstufen. 2. Aufl. Seelze: Kallmeyer/ Klett 2012. S. 125.

12 Vgl. Spinner: „Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren.“ S. 177f.

13 Vgl. Schulinternes Curriculum und Richtlinien und Lehrpläne S. 62.

14 Zu den Kriterien zur Beurteilung von Unterrichtsbeiträgen vgl. von Brand: Deutsch unterrichten. S. 235.

15 Vgl. Richtlinien und Lehrpläne. S. 17.

16 Vgl. Richtlinien und Lehrpläne. S. 20.

17 Vgl. Richtlinien und Lehrpläne. S. 29.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Stundenentwurf: Die Buddenbrooks. Verfall und Untergang im Umbruchsroman des 20. Jahrhunderts
Untertitel
Vergleich der männlichen Hauptfiguren zur Bestimmung der Verfallsprozesse innerhalb der vier Buddenbrook-Generationen
Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Detmold
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V284866
ISBN (eBook)
9783656847717
ISBN (Buch)
9783656847724
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stundenentwurf, buddenbrooks, verfall, untergang, umbruchsroman, jahrhunderts, vergleich, hauptfiguren, bestimmung, verfallsprozesse, buddenbrook-generationen
Arbeit zitieren
I. Meyer (Autor), 2013, Stundenentwurf: Die Buddenbrooks. Verfall und Untergang im Umbruchsroman des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284866

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