Zusammenschlüsse und Übernahmen der acht großen Stromkonzerne im Zuge der Liberalisierung des europäischen Strommarktes reduzierten die Anzahl der Konzerne auf etwa die Hälfte. Dies führte zu einer Vergrößerung der Macht und Marktstellung der übrig gebliebenen Konzerne, und sorgte damit auch für einen immensen Anstieg des Strompreises für die Stromkonsumenten in der Industrie. Dieser wurde außerdem sowohl durch höhere Primärenergiekosten (Öl, Gas, Kohle) und durch eine Verknappung des Angebots (Kraftwerkskapazitäten wurden abgebaut) als auch durch die Umlegung der CO2 – Zertifikatspreise auf die Strompreise begünstigt. Darüber hinaus wurde die Entwicklung des Strompreises von einer hohen Volatilität innerhalb der jeweiligen Jahre begleitet. Diese zog zusätzliche Unsicherheit für die beschaffenden Industrieunternehmen bei der Wahl des optimalen Beschaffungszeitpunktes nach sich.
Die folgende Arbeit zeigt die Grundlagen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Stromhandels in Deutschland auf. Insbesondere wird dabei auf die Besonderheiten der Handelsware Strom, den Transport von Elektrizität und die wichtigsten energierechtlichen Rahmenbedingungen eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Besonderheiten der Handelsware Strom
2. Das deutsche Übertragungsnetz für Elektrizität
2.1 Struktur des deutschen Stromnetzes
2.2 Netzzugang
2.3 Netznutzungsentgelte
3. Aktuelle energierechtliche Rahmenbedingungen
3.1 Neufassung des Energiewirtschaftsgesetzes 2005 (EnWG)
3.2 Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)
3.3 Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG)
3.4 Konzessionsabgabeverordnung (KAV)
3.5 Stromsteuergesetz (StromStG)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die grundlegenden Mechanismen und rechtlichen Rahmenbedingungen des deutschen Strommarktes nach dessen Liberalisierung. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich die spezifischen physikalischen Eigenschaften von Strom auf den Handel auswirken und welche regulatorischen Vorgaben den Netzbetrieb sowie die Preisbildung beeinflussen.
- Besonderheiten von Strom als Handelsware (Nichtspeicherbarkeit, Leitungsgebundenheit)
- Struktur und Funktionsweise des deutschen Übertragungsnetzes
- Regulierung des Netzzugangs und der Netznutzungsentgelte
- Analyse zentraler energierechtlicher Gesetze (EnWG, EEG, KWKG)
- Bedeutung von Konzessionsabgaben und der Stromsteuer für den Energiemarkt
Auszug aus dem Buch
1. Besonderheiten der Handelsware Strom
Elektrizität ist mit anderen Handelsgütern nicht zu vergleichen, da sie sich durch bestimmte Eigenschaften auszeichnet, die den Handel auf dem Strommarkt maßgeblich beeinflussen. Daher ist eine genaue Betrachtung der Merkmale von Strom zu Beginn dieser Arbeit für den weiteren Verlauf notwendig.
Nichtspeicherbarkeit: Elektrizität lässt sich praktisch bis zum heutigen Tage nicht unmittelbar in großen Mengen speichern. Daher ist eine Lagerhaltung, wie in anderen Branchen üblich, nicht möglich. So müssen sich das Angebot der Stromerzeuger und deren Erzeugungskapazitäten an der Nachfrage der Konsumenten orientieren, um z.B. keine Stromausfälle zu generieren. Demzufolge wird der Vorsorgungssicherheit im Vergleich zu anderen Branchen ein besonderer Stellenwert eingeräumt.
Leitungsgebundenheit: Strom benötigt auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher ein eigenes Transportsystem. Dieses besteht zu 30 Prozent aus Freileitungen (s. Deckblatt) und zu 70 Prozent aus Kabeln, dessen Kapazitäten sowohl für die absolute Spitzenlast als auch für eine Reserve ausgelegt sein müssen. Beim Transport von Strom entsteht Wärme, wodurch Stromverluste hervorgerufen werden. In diesem Zusammenhang hat sich gezeigt, dass bei einer höheren Spannung geringere Verluste zu erwarten sind. Hieraus ergeben sich die unterschiedlichen Netzebenen mit Höchst-, Hoch-, Mittel- und Niederspannung. Folglich wird Elektrizität je nach Transportlänge auf verschiedenen Spannungsebenen befördert. Grundsätzlich wird jedoch bei Strom von einer „lokal-gebundenen“ Energie gesprochen, da der Transport von Strom über größere Entfernungen technische und wirtschaftliche Grenzen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Besonderheiten der Handelsware Strom: Dieses Kapitel erläutert die ökonomisch relevanten physikalischen Eigenschaften von Elektrizität, wie die fehlende Speicherbarkeit und die Leitungsgebundenheit, die den Strommarkt von anderen Gütermärkten differenzieren.
2. Das deutsche Übertragungsnetz für Elektrizität: Hier wird der historische Wandel vom Monopol zum liberalisierten Netzzugang beschrieben und die technische Struktur der verschiedenen Spannungsebenen detailliert dargestellt.
3. Aktuelle energierechtliche Rahmenbedingungen: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über die relevanten Gesetze, die den deutschen Strommarkt regeln, darunter das EnWG, das EEG, das KWKG sowie steuerliche Aspekte der Energieversorgung.
Schlüsselwörter
Stromhandel, Energiewirtschaft, Netzzugang, Übertragungsnetz, Liberalisierung, EnWG, EEG, KWKG, Stromsteuer, Versorgungssicherheit, Strommarkt, Leitungsgebundenheit, Nichtspeicherbarkeit, Netznutzungsentgelte, Konzessionsabgabe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit den ökonomischen Grundlagen und den energierechtlichen Rahmenbedingungen, die den Strommarkt in Deutschland nach der Liberalisierung prägen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Schwerpunkten zählen die physischen Besonderheiten von Strom, die Struktur des deutschen Stromnetzes sowie die gesetzlichen Regelungen für den Wettbewerb und die Preisbildung.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die komplexen regulatorischen und technischen Anforderungen zu schaffen, die den Handel mit Strom in Deutschland steuern.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine deskriptive Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und die aktuelle Rechtslage sowie wirtschaftliche Marktgegebenheiten zusammenfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der physikalischen Merkmale des Stroms, die Beschreibung des Übertragungsnetzes und die Erläuterung der wichtigsten Energiegesetze wie EnWG, EEG und KWKG.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Zentrale Begriffe sind Liberalisierung, Energiewirtschaft, Stromnetze, gesetzliche Rahmenbedingungen und Marktmechanismen.
Warum ist die Nichtspeicherbarkeit von Strom so bedeutsam für den Markt?
Da Strom nicht in großen Mengen gespeichert werden kann, müssen Erzeugung und Verbrauch jederzeit exakt ausgeglichen werden, was eine hohe Bedeutung für die Versorgungssicherheit hat.
Welche Rolle spielt die Spannungsebene für den Stromtransport?
Die Spannungsebene beeinflusst die Effizienz des Transports; höhere Spannungen werden für weite Entfernungen genutzt, um Leitungsverluste zu minimieren.
Was ist der Zweck des Neufassung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) von 2005?
Das EnWG von 2005 dient der Umsetzung europäischer Richtlinien, um einen diskriminierungsfreien Netzzugang zu gewährleisten und den Wettbewerb durch die Entflechtung von Netzbetrieb und Vertrieb zu stärken.
- Arbeit zitieren
- Markus Wittwer (Autor:in), 2008, Grundlagen und energierechtliche Rahmenbedingungen des Stromhandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284954