Seit der durch das Platzen der amerikanischen Immobilienmarktblase 2007 und der daraus resultierenden Finanzmarktkriese ist nicht nur das Vertrauen der breiten Masse in Banken und den Finanzmarktsektor an sich erheblich beschädigt worden, auch hat eine Sensibilisierung und ein gesteigertes Interesse der Öffentlichkeit für die Geschäfte der Banken eingesetzt. Insbesondere das sog. Investmentbanking wird als wesentlicher Mitverursacher der globalen Finanzmarktkrise der letzten Jahre kritisiert, da als systemrelevant geltende Banken staatlich gerettet werden mussten, obwohl nur Teile ihrer Geschäfte für die Realwirtschaft wichtig waren. Ein Hauptansatzpunkt um das somit entstehende Risiko zu bekämpfen ist die Neustrukturierung des Bankensystems. Was unter dieser Forderung zu verstehen ist und wie sich die aktuellen Vorschläge und Entwicklungen, die in diese Richtung gehen, darstellen, soll in dieser Arbeit erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Das reine Trennbankensystem
I. Grundlegendes
1. Definitorisches
a) Trennbankensystem
b) Universalbankensystem
2. Historisches
a) Entwicklung des Trennbankensystems in den USA
aa) Historischer Verlauf
bb) Gründe für die Aushöhlung von „Glass-Steagall“
b) Entwicklung des Universalbankensystems in Deutschland
II. Universalbankensystem versus Trennbankensystem
1. Interessenskonflikt
2. Risikotrennung
3. Fazit
C. Aktuelle Vorschläge und Entwicklungen
I. OECD/Steinbrück
1. Der Vorschlag
2. Bewertung
II. „Ring-Fencing“(Vickers-Kommission)
1. Der Vorschlag
2. Meinungsstand und Bewertung
III. Volcker-Rule
1. Der Vorschlag
2. Meinungsstand und Bewertung
IV. Liikanen-Report
1. Der Vorschlag
a) Avenue 1/ Avenue 2
b) Gemeinsamkeiten der Alternativen
2. Meinungsstand und Bewertung
V. Gesetzesentwurf der Bundesregierung
1. Inhalt
2. Meinungsstand und Bewertung
D. Zusammenfassende Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung verschiedener Regulierungsansätze im Finanzsektor, um Einlagen von Sparern vor den Risiken spekulativer Bankgeschäfte zu schützen. Die Arbeit analysiert dabei, ob ein klassisches Trennbankensystem (TBS) gegenüber dem in Deutschland vorherrschenden Universalbankensystem (UBS) vorzuziehen ist oder ob alternative Strukturen eine stabilere Lösung bieten.
- Vergleich zwischen Universalbanken- und Trennbankensystem
- Analyse der historischen Entwicklung von Glass-Steagall
- Bewertung internationaler Regulierungsansätze (OECD/Steinbrück, Ring-Fencing, Volcker-Rule)
- Untersuchung des Liikanen-Reports und des deutschen Gesetzesentwurfs
- Bewertung der Stabilitätseffekte bei Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking
Auszug aus dem Buch
1. Interessenskonflikt
Wie schon bei den Gründen für die Aushöhlung des Glass-Steagall Acts erwähnt, war und ist ein wesentliches Argument für die Forderung eines TBS der angebliche Interessenskonflikt zwischen den Interessen und Verpflichtungen der Banken als Kreditgeber, als Anteilseigner sowie als Anlageberater und Depotverwalter. Abgesehen davon, dass, wie schon gezeigt, die empirische Evidenz ein solches Argument nicht unterstützt, sondern sogar eher widerlegt, spricht darüber hinaus ein weiteres Argument gegen diese These.
Aufgrund eines erheblichen Wettbewerbs im Bankensektor ist die geschäftspolitische Konsequenz für eine Universalbank hieraus eher eine primäre Orientierung am Nutzen des Kunden, die Vermeidung von für den Kunden unvorteilhaften Geschäftsabschlüssen sowie die Bereitschaft zur Inkaufnahme auch weniger vorteilhafter Geschäftsabschlüsse, was vor dem Hintergrund einer langfristig rentabel verlaufenden Geschäftsbeziehung rational erscheint. Die Bank möchte den Kunden an sich binden, was ihr nur durch für den Kunden rentable Geschäfte gelingt. Der Wettbewerb reguliert das Verhalten von Banken im Verhältnis mit ihren Kunden daher selbst.
Auch resultiert aus der Tatsache, dass Universalbanken eine hohe Produktdiversität haben, ein Kostenvorteil für den Kunden, da er eine Vielzahl an Produkten und Dienstleistungen aus einer Hand beziehen kann. Dies stellt nicht nur in organisatorischer Hinsicht einen Kostenvorteil dar, denn eine Trennung von einlagenfinanzierten Banken und reinen Kapitalmarktbanken würde auch dazu führen, dass Letztere ihre Produkte teurerer anbieten müssten. Eine Investmentbank hätte es allein schwerer, sich Geld zu beschaffen und müsste, um sich refinanzieren zu können, dies auf die Kosten niederschlagen. Durch die Preisausgleichsmöglichkeit der Universalbanken hingegen, die zur Stabilität der Institute beiträgt, wird auch die Stabilität des Banksystems an sich erhöht.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Erschütterung des Vertrauens in den Finanzsektor durch die Krise 2007 und führt in die Fragestellung ein, wie eine Neustrukturierung des Bankensystems das Risiko für die Realwirtschaft senken kann.
B. Das reine Trennbankensystem: Dieses Kapitel definiert das Trennbankensystem, beleuchtet seine historische Entwicklung, insbesondere durch den Glass-Steagall Act in den USA, und setzt es in den Kontrast zum Universalbankensystem.
C. Aktuelle Vorschläge und Entwicklungen: Hier werden zentrale Reformkonzepte wie der OECD-Vorschlag, das Ring-Fencing der Vickers-Kommission, die Volcker-Rule sowie der Liikanen-Report und der deutsche Gesetzesentwurf detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer Tauglichkeit für den Einlagenschutz bewertet.
D. Zusammenfassende Schlussbetrachtung: Das Fazit stellt fest, dass ein reines Trennbankensystem nicht zielführend ist und empfiehlt stattdessen einen Mittelweg, der die Vorteile des Universalbankensystems bewahrt, aber durch gezielte Separierung riskanter Bereiche absichert.
Schlüsselwörter
Trennbankensystem, Universalbankensystem, Investmentbanking, Commercial Banking, Glass-Steagall Act, Ring-Fencing, Volcker-Rule, Liikanen-Report, Finanzmarktstabilität, Einlagenschutz, Systemrelevanz, Bankenregulierung, Risikomanagement, Too-Big-To-Fail, Eigenhandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den rechtlichen und ökonomischen Auswirkungen einer potenziellen Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking zum Schutz von Einlagen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Analyse von Bankensystemen, der Vergleich von Universal- und Trennbankensystemen sowie die Bewertung aktueller internationaler Reformkonzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie Einlagen vor riskanten Bankgeschäften geschützt werden können und ob eine strukturelle Trennung dafür ein geeignetes Instrument darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Analyse bestehender Konzepte und internationaler Reformvorschläge sowie deren Bewertung anhand der Systemstabilität.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise von Trennbankensystemen, die Interessenkonflikte in Banken und evaluiert kritisch Vorschläge wie das Ring-Fencing und die Volcker-Rule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Trennbankensystem, Universalbankensystem, Finanzmarktstabilität, Einlagenschutz und systemrelevante Institute charakterisiert.
Warum wird das reine Trennbankensystem als eher negativ bewertet?
Der Autor argumentiert, dass dem Trennbankensystem die Wettbewerbsvorteile des Universalbankensystems fehlen, wie etwa der Preisausgleich und die Diversifikation, die zur Stabilität beitragen.
Wie bewertet der Autor den aktuellen deutschen Gesetzesentwurf?
Der Entwurf wird kritisch als eher "schlechte Umsetzung" gesehen, da er kaum weitere Regulierungen vorsieht, außer die verpflichtende Ausgliederung in Finanzhandelsinstitute.
- Citation du texte
- Armin Grimm (Auteur), 2013, Trennbankensystem, Ring-Fencing, Volcker-Rule oder Zerschlagung von Großbanken. Wie soll man Einlagen vor riskanten Bankgeschäften schützen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285055