Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den studentischen Korporationen im Baltikum gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Besonders die Frage nach ihrem Anteil zum „nationalen Erwachen“ in dieser Region wird dabei im Vordergrund stehen.
Um die Entwicklung der baltischen Gebiete und die Rolle der Verbindungen daran verständlich darzulegen, wird der zweite Teil der Arbeit einen Abriss über die Entstehung von Korporationen an sich und Informationen über ihren generellen Aufbau liefern. Der dritte Teil wird sich dann direkt auf die lokalen baltischen Korporationen und ihr Wirken konzentrieren. Der vierte Teil wird ein Fazit der Ereignisse ziehen, die Fragestellung wieder aufgreifen und beantworten.
Die Quellenlage und Literatur zum allgemeinen Thema Korporationen ist sehr vielseitig, interdisziplinär und kontrovers. Die Texte zum Zusammenspiel des nationalen Erwachens im Baltikum und den studentischen Vereinigungen, sind dagegen eher überschaubar, vertreten aber nahezu alle eine klare Richtung die im dritten Teil deutlich werden wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Aufbau der Korporationen
2.1. Nationes und Bursen
2.2. Landsmannschaften, Orden und Corps
2.3. Die Urburschenschaft
2.4. Aufspaltung der Verbindungen
3. Korporationen im Baltikum und ihre Bedeutung für das nationale Erwachen
3.1. Die Korporationen der Deutschbalten
3.2. Die ersten baltischen Korporationen und das nationale Erwachen
4. Fazit
5. Quellen und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle studentischer Korporationen im Baltikum gegen Ende des 19. Jahrhunderts und analysiert deren maßgeblichen Einfluss auf das regionale „nationale Erwachen“ sowie die Entwicklung einer eigenen Identität estnischer und lettischer Bevölkerungsgruppen.
- Historische Entwicklung studentischer Korporationen und deren Struktur.
- Die Vormachtstellung der deutschbaltischen Verbindungen an baltischen Universitäten.
- Einfluss der Philosophie der Aufklärung auf nationale Bestrebungen im Baltikum.
- Gründung estnischer und lettischer Studentenvereinigungen als Zentren des Nationalbewusstseins.
- Zusammenhang zwischen studentischer Intellektualität und nationalen Symbolen wie Flaggen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Korporationen der Deutschbalten
Die Oberschicht des Baltikums, also der Adel, Großgrundbesitzer und Intellektuelle, bestand seit der Auflösung des Deutschordenstaates aus den so genannten Deutschbalten. Ihnen waren von den Zaren weitreichende Rechte und Privilegien gewährt worden. Dadurch dass die Deutschbalten den Großteil der Bildungsbürger darstellten, entstammte auch der Großteil der Studierenden an den baltischen Universitäten, zuerst Dorpat und ab 1862 das Polytechnikum Riga, der deutschbaltischen Oberschicht. Diese Studenten strebten eine eigene Organisation in eigenen Studentenvereinigungen an. Initiiert und geprägt wurden die darauf folgen Gründungen von Studentenverbindungen vermutlich von Deutschbalten, die bereits im deutschen Kerngebiet Mitglied einer dortigen Landsmannschaft oder eines Corps waren.
Im deutschen Sprachgebiet waren die Landsmannschaft der Kurländer in Göttingen, um 1700, oder die ab 1800 entstandenen Corps Curonia (Kurland) in Jena sowie in Göttingen als deutschbaltische Gründungen bekannt.
Aus diesem Grund gab es später wohl viele Ähnlichkeiten im Comment der neu gegründeten Verbindungen mit jenen aus Göttingen und Jena.
1808 wurde die Curonia als erster landsmannschaftlicher Zusammenschluss im Baltikum gegründet.
Ihr folgten 1821, nach fehl geschlagenen vorherigen Versuchen, die Estonia, 1822 die Livonia und 1823 die Fraternitas Rigensis.
Man muss an dieser Stelle noch einmal ganz deutlich betonen, dass diese Korporationen nahezu ausschließlich aus Deutschbalten bestanden und nur zu geringen Teilen aus den ansässigen Esten oder Letten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Rolle der baltischen Korporationen zu beleuchten und den Aufbau der Untersuchung von der allgemeinen Geschichte bis hin zur spezifisch baltischen Situation darzustellen.
2. Entstehung und Aufbau der Korporationen: In diesem Kapitel wird die historische Entwicklung von den ersten Universitätsgründungen über Nationes und Bursen bis hin zu Landsmannschaften und den spezifischen deutschen Korporationsformen wie Burschenschaften nachgezeichnet.
3. Korporationen im Baltikum und ihre Bedeutung für das nationale Erwachen: Hier wird der Fokus auf die deutschbaltische Vormachtstellung an Universitäten wie Dorpat gelegt und aufgezeigt, wie diese durch die Entstehung nationaler Korporationen durch estnische und lettische Studenten herausgefordert wurde.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Konzentration von Intellektuellen in den studentischen Verbindungen einen entscheidenden Anteil am Erfolg des nationalen Erwachens und der Identitätsbildung in den baltischen Staaten hatte.
5. Quellen und Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit herangezogene wissenschaftliche Literatur, Sammelbände und Internetquellen auf.
Schlüsselwörter
Studentische Korporationen, Baltikum, nationales Erwachen, Deutschbalten, Burschen, Nationes, Universitätsgeschichte, Dorpat, Identitätsbildung, Korporationswesen, Studentenverbindungen, nationale Bestrebungen, 19. Jahrhundert, Bildungsbürgertum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung und den Einfluss studentischer Korporationen im Baltikum am Ende des 19. Jahrhunderts auf die nationalen Unabhängigkeitsbewegungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Geschichte des Korporationswesens, die deutschbaltische Vorherrschaft an den Universitäten und der Aufstieg eines estnischen und lettischen Nationalbewusstseins.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, welchen Anteil die studentischen Vereinigungen als Kristallisationspunkte intellektueller Elite am nationalen Erwachen im Baltikum hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich historischer Entwicklungen in den deutschen Kerngebieten mit der Situation im Baltikum.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird erst die allgemeine Entstehung studentischer Verbindungen erläutert, gefolgt von der spezifischen Analyse der baltischen Situation und der Gründung nationaler estnischer und lettischer Verbindungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind studentische Korporationen, Baltikum, nationales Erwachen, deutschbaltische Oberschicht und studentische Identität.
Welche Rolle spielte der "Chargiertenkonvent" für die Universität?
Der Chargiertenkonvent fungierte als Organ der Rechtsprechung und der Vertretung der Studenten, wodurch die deutschbaltischen Verbindungen ihren Einfluss auf das gesamte studentische Leben sicherten.
Warum wird im Buch besonders die "Curonia" erwähnt?
Die Curonia wird als der erste landsmannschaftliche Zusammenschluss im Baltikum (1808) hervorgehoben, der als Vorbild für weitere Verbindungen diente.
- Citar trabajo
- Niels Rauter (Autor), 2014, Allgemeine Entstehung von Studentenverbindungen und die Studentenverbindungen im Baltikum des 19. Jahrhunderts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285094