Die Bezugsrahmentheorie als theoretische Grundlage der Akzeptanz- und Commitment-Therapie


Studienarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Akzeptanz und Commitment-Therapie
2.1. Wofür steht ACT?
2.2. Das Grundmodell der ACT
2.2.1. Psychische Flexibilität
2.2.2. Akzeptieren
2.2.3. Kognitive Defusion
2.2.4. Achtsamkeit
2.2.5. Selbst-als-Kontext
2.2.6. Werte
2.2.7. Commitment

3. Die Bezugsrahmentheorie
3.1. Stimulus Äquivalenz
3.2. Der Bezugsrahmen
3.3. Bezugsrahmenbildung
3.3.1. Wechselseitige Bezugnahme
3.3.2. Kombinatorische Bezugnahme
3.3.3. Transformation der Stimulusfunktionen
3.3.4. Einfluss des Kontexts
3.4. Therapeutische Relevanz von Bezugsrahmen
3.5. Regeln und Regelfolgen
3.5.1. Ply
3.5.2. Track
3.5.3. Augmental
3.6. Ausweitung verbaler Prozesse

4. Fazit und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

Abstract

Immer mehr Störungsbilder können mit Hilfe der Akzeptanz und Commitment-Therapie (ACT) erfolgreich behandelt werden. Zahlreiche Forschungsgruppen befassen sich mit dieser relativ neuen Therapieform, da ihr Potential unlängst erkannt wurde. Was aber steckt hinter der ACT? Die vorliegende Studienarbeit betrachtet einige essentielle Aspekte welche zur umfangreichen Antwort dieser Frage gehören. Dazu hat sich der Autor mit einer gezielten Literaturrecherche beschäftigt und sich vor allem auf Ergebnisse von Steven C. Hayes, welcher als Begründer der ACT gilt und neben Dermot Barnes-Holmes in den frühen 80er Jahren mit der Entwicklung der Relational Frame Theory (RFT) begann, konzentriert.

Der erste Teil der Arbeit betrachtet das Grundmodell der ACT und verschafft einen Überblick über ihren Aufbau und die Funktionsweise. Im zweiten Teil wird auf die, für die ACT relevanten, Komponenten der RFT eingegangen. Gleichzeitig werden hier immer wieder Bezüge zur Praxis (der ACT) hergestellt um die Zusammenhänge anschaulich zu verdeutlichen. Insgesamt zeigt sich, wie eng die RFT und die ACT miteinander verflochten sind und das es sich bei der RFT um einen fortschreitenden Entwicklungsprozess handelt, der auf etablierten philosophischen Grundlagen basiert.

1. Einleitung

Viele Menschen streben danach, ein glückliches Leben zu führen. Sie möchten rund um die Uhr ein Glücksgefühl empfinden, keine Probleme haben und frei von Schmerz, Leid, Trauer oder Unwohlsein sein. Gegen aversive Gefühle und Gedanken wird angekämpft, da sie stören und nicht mit einem glücklichen Leben in Einklang zu bringen sind. Das Problem dabei ist nur, dass viele Jahre immer wieder gegen dieselben Probleme mit ganzer Kraft angekämpft wird, sich allerdings kaum etwas ändert. Teilweise weiten sich Probleme, dadurch, dass sich immer wieder mit ihnen beschäftigt wird auch auf andere Lebensbereiche und auf die psychische Gesundheit aus.

Hier setzt die Akzeptanz und Commitment-Therapie (ACT) an und eröffnet einen Weg, bei dem man lernt, auch mit negativen Gedanken und Gefühlen, erfüllt zu leben. Die ACT ist aus der Relational Frame Theory (RFT) hervorgegangen. Laut RFT ist es zwar möglich, aufgrund einer Änderung des Kontextes, den Effekt negativer Gedanken und Gefühle zu verringern, allerdings nahezu unmöglich sie zu vermeiden.

Diese Studienarbeit befasst sich mit den Grundlagen, auf welchen die ACT basiert und versucht deutlich zu machen, was sich hinter diesem vielfach bewährten Ansatz „versteckt“. Gleichzeitig werden immer wieder Bezüge zur Praxis hergestellt, um den Nutzen der einzelnen Aspekte der RFT zu verdeutlichen.

2. Die Akzeptanz und Commitment-Therapie

2.1. Wofür steht ACT?

Die ACT gehört zu den neuartigen Interventionsansätzen, die sich aus der „dritten Welle der Verhaltenstherapie“ entwickelt haben. Das Ziel der Therapie ist es „Patientinnen und Patienten darin zu unterstützen, sich in ihrem Leben für das zu engagieren und einzusetzen, was ihnen am Herzen liegt, anstatt gegen eigene unerwünschte Erlebnisse […] anzukämpfen.“ (Sonntag, 2006, S. 302). Die Patienten sollen dazu in die Lage versetzt werden, ein wertvolles und sinnerfülltes Leben zu führen. Um das zu erreichen, wird mit Hilfe der ACT Vermeidungsverhalten bezüglich aversiver Ereignisse abgebaut und gleichzeitig durch ein Handeln ersetzt, welches durch Werteorientierung und Engagement gekennzeichnet ist. Spricht man die Buchstaben „ACT“ als Wort aus, so erkennt man, „wofür ACT letztendlich steht: bewusste ACTion – entschlossenes, engagiertes und von Lebenszielen geleitetes Handeln.“ (Timko, Harres & Eifert, 2013, S. 47).

2.2. Das Grundmodell der ACT

2.2.1. Psychische Flexibilität

Das übergeordnete Behandlungsziel ist eine Verbesserung der psychischen Flexibilität, welche dazu beitragen soll, festgelegte persönliche Werte im Leben verwirklichen zu können. Psychische Flexibilität wird von Hayes, Strohsahl & Bunting (2004, S. 5) als die Fähigkeit verstanden, die es bewussten menschlichen Wesen ermöglicht, im augenblicklichen Moment vollständigen Kontakt ohne Abwehr und Vermeidung zu realisieren. Dadurch werden die Patienten dazu in die Lage versetzt, so zu handeln, wie es für die flexible Umsetzung ihrer eigenen Werte erforderlich ist. Automatismen oder Handlungen, ausgelöst durch ungewollte Reaktionen auf innere und äußere Umstände, werden, durch das bewusste verarbeiten des Momentes, minimiert.

Um die psychische Flexibilität zu verbessern dienen sechs zentrale Prozesse. Bei diesen handelt sich nicht nur um Komponenten, welche auf die Vermeidung psychischer Störungen abzielen, sondern um hilfreiche psychische Fertigkeiten.

2.2.2. Akzeptieren

Akzeptieren bedeutet, dass man für Gefühle und Gedanken offen ist, sie zulässt und annimmt ohne einen Änderungsversuch zu unternehmen, selbst wenn dies zu persönlichen Nachteilen oder Kosten führen würde. Hayes, Luoma & Walser verstehen darunter, das „aktive und wachsame Annehmen privater Ereignisse, […] ohne dass unnötige Versuche unternommen werden, die Häufigkeit ihres Auftretens oder ihre Form zu verändern, insbesondere wenn dies psychischen Schaden verursachen würde.“ (2009, S. 463).

2.2.3. Kognitive Defusion

Die kognitive Defusion soll der Tendenz von Menschen entgegenwirken, sich „im Inhalt ihrer Gedanken zu verstricken bzw. sich damit zu identifizieren, so dass andere nützliche Faktoren, die das Verhalten beeinflussen unwirksam werden.“ (Hayes, Luoma & Walser, 2009, S. 465). Gedanken werden als Realität erlebt und haben dadurch großen Einfluss auf unser Verhalten. Durch die kognitive Defusion sollen Menschen lernen sich von Gedanken zu distanzieren und sie nicht so wörtlich zu nehmen; dadurch wird ihr Einfluss auf unser Verhalten reduziert.

2.2.4. Achtsamkeit

„Im Zustand der Achtsamkeit tritt man willig und direkt zum gegenwärtigen Augenblick in Kontakt, ohne sich in den gedanklichen Inhalten zu verstricken.“ (Hayes, Luoma & Walser, 2009, S. 463). Dabei wird das aktuelle Geschehen bewusst beobachtet, ohne Bewertungen jeglicher Art vorzunehmen. Durch Achtsamkeit soll vor allem der Tatsache entgegen gewirkt werden, dass viele Menschen zu oft über Vergangenes und Zukünftiges nachdenken. Die Gegenwärtigkeit wird infolge dessen zu wenig erlebt, was problematisch ist, da reale Handlungen, die unserem Wertesystem entsprechen, nur hier möglich sind.

2.2.5. Selbst-als-Kontext

Beim Selbst- als-Kontext geht es im Gegensatz zum Festhalten an einem konzeptualisierten Selbst um die Erkenntnis, dass wir nicht unsere Erfahrung sind, sondern lediglich den Kontext für unsere Erfahrungen zur Verfügung stellen (vgl. Timko, Harres & Eifert, 2013, S. 57-58).

Wenn Menschen über ihr „Selbst“ sprechen, verstehen sie darunter i.d.R. ein Konzept, welches beispielsweise Aussagen über ihre Persönlichkeit oder individuelle Vorlieben bzw. Aversionen enthält. Diese Aussagen wirken sich laut Sonntag (2005, S. 175) auf Gedanken, Gefühle und letztendlich Handlungen aus. Leider ist dieses Selbst sehr starr und einschränkend; zudem kann es verzerrt sein.

Im Sinne der ACT hingegen, sollen wir unser Selbst als einen Raum auffassen, in dem wir uns entfalten können und in dem vieles möglich ist. In diesem Falle wäre das Selbst kein Objekt der Reflektion, sondern vielmehr eine Perspektive, aus der kontinuierlich Beobachtungen gemacht werden (vgl. Hayes, Luoma & Walser, 2009, S. 467). „Wenn das gelingt, hat der Patient zwar immer noch seine Selbstbildannahmen, er befolgt sie jedoch nicht mehr und kann sich mit ihnen frei bewegen.“ (Sonntag, 2005, S. 175).

2.2.6. Werte

Bei Werten handelt es sich um Richtungsziele, die im Gegensatz zu Ergebniszielen nicht auf ein gewünschtes Endergebnis abzielen, sondern fortlaufend verwirklicht werden. Es handelt sich um Qualitäten von Handlungen die individuell gewählt werden, weil sie für wichtig angesehen werden. Sie können niemals erreicht werden, sondern manifestieren sich in jedem Augenblick (vgl. Hayes, Luoma & Walser, 2009, S. 467). Durch die ACT wird eine Fokussierung des Patienten auf seine Werte, statt auf die Beseitigung und Kontrolle von seelischem Leid angestrebt. Zudem sollen die Werte den Patienten als Orientierungshilfe in ihrem Leben dienen, so dass sie im Bezug auf die an sie gestellten Anforderungen entsprechende Entscheidungen treffen und danach handeln können.

2.2.7. Commitment

Unter Commitment versteht man in der ACT „eine Folge von Handlungen, die auf die Umsetzung gewählter Werte zielt, und zwar unabhängig von empfundenen Barrieren (z.B. in Form bestimmter Gedanken)“ (Hayes, Luoma & Walser, 2009, S. 464). In diesem Sinne wird selbstverpflichtend und entschlossen gehandelt auch wenn das bedeutet, unangenehme Gefühle und Gedanken auf sich zu nehmen, um so leben zu können, wie man es will. Demzufolge muss Vermeidungsverhalten reduziert bzw. abgestellt werden.

3. Die Bezugsrahmentheorie

Bei der Bezugsrahmentheorie (Relational-Frame-Theory (RFT)), handelt es sich um eine funktional-kontextuelle Theorie der menschlichen Sprache und Kognition, welche gut auf praktische Fragen angewendet werden kann. Sie versucht dabei die Erfolgsgeschichte der menschlichen Evolution nachzuvollziehen und die kognitiven Wurzeln von Erfolg und Leid zu verstehen (vgl. Hayes, Strohsahl & Wilson, 2014, S. 61).

Die RFT bietet einen einheitlichen Rahmen für eine Vielzahl therapeutischer Techniken. Auch die Akzeptanz- und Commitment-Therapie, welche großes Gewicht auf die menschliche Sprache und Kognition legt, basiert auf ihr. Das Verhalten von Menschen, die unter psychischen Störungen leiden, zeichnet sich durch erhöhte Inflexibilität aus. Diese Inflexibilität wird von der RFT mit weit verbreiteten Kontextvariablen wie kognitiver Fusion, Bewertung, Erlebnisvermeidung und Begründung erklärt (vgl. Sonntag, 2005, S. 157).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Bezugsrahmentheorie als theoretische Grundlage der Akzeptanz- und Commitment-Therapie
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
1.0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V285115
ISBN (eBook)
9783656933199
ISBN (Buch)
9783656933205
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ACT, Achtsamkeit, RFT, Relational Frame Theorie, Bezugsrahmentheorie
Arbeit zitieren
Jens Krüger (Autor), 2014, Die Bezugsrahmentheorie als theoretische Grundlage der Akzeptanz- und Commitment-Therapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285115

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