Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der figürlichen Malerei von der Renaissance bis heute, dargestellt an verschiedenen Beispielen und der eigenen künstlerischen Arbeit.
Sie stellt eine schriftliche Begleitung zu meinen praktisch-künstlerischen Arbeiten dar, die ich im Rahmen des Wahlpflichtmoduls: 5a, Künstlerischer Schwerpunkt, im Fach Kunst angefertigt habe. Dabei handelt es sich um figürliche Malerei. Abbildungen der Arbeiten sind u.a. im Anhang beigefügt.
Diese Arbeit soll durch die Darstellung meiner praktisch-künstlerischen Tätigkeit während des Studiums in der Hauptklasse Grafik und darüber hinaus ergänzt werden. Daher werden Künstler aus verschiedenen Epochen von der Renaissance bis heute dargestellt, die mich bei meiner eigenen künstlerischen Arbeit beeinflusst haben.
Zu Beginn beschreibe ich, wie sich die Malereigattungen seit der Renaissance herausgebildet haben, woran sich eine nähere Eingrenzung über das „Abbild des Menschen“, also der figürlichen Malerei und deren historische Entwicklung, anschließt. Darauf folgt ein „kurzer Abriss der historischen Entwicklung bis zur Renaissance“, die den Ausgangspunkt der Arbeit bildet. Jede Epoche soll hierbei zuerst kurz umrissen werden. Des Weiteren finde ich es überaus wichtig, den jeweiligen Künstler zunächst in seiner Zeit bzw. Stilepoche einzuordnen und dessen Biographie zu skizzieren, um zu erkennen, wodurch seine künstlerische Arbeit beeinflusst wurde und worin er sich vielleicht von seinen Zeitgenossen unterscheidet oder auch seine Entwicklung nachzuvollziehen zu können.
Zum Schluss werde ich darauf eingehen, wie ich selbst zur Ölmalerei gelangt bin und stelle dann eine Auswahl meiner eigenen Gemälde vor. An dieser Stelle beschreibe ich, inwiefern mich die vorgestellten Künstler während meiner eigenen künstlerischen Tätigkeit und in Auseinandersetzung mit dieser Arbeit begleitet und beeinflusst haben, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede ich erkenne und wovon ich mich abgrenze. Hierbei werde ich zuerst meinen Zugang zur Ölmalerei beschreiben, danach den Malprozess veranschaulichen und abschließend auf die Motive und die Thematik eingehen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Herausbildung der Malereigattungen
3. Das Abbild des Menschen
4. Kurzer Abriss der historischen Entwicklung bis zur Renaissance
4.1 Die Renaissance
4.1.1 Leonardo da Vinci
4.1.1.1 Kurze Biographie und Einordnung in seine Zeit
4.1.1.2 Leonardos Figuren
4.1.1.3 Leonardos Malstil
4.2 Barock
4.2.1 Michelangelo Merisi (genannt Caravaggio)
4.2.1.1 Kurze Biographie und Einordnung in seine Zeit
4.2.1.2 Caravaggios Figuren
4.2.1.3 Die Licht und Schattenwirkung bei Caravaggio
4.2.2 Diego Rodrigo de Silva y Velázquez
4.2.2.1 Kurze Biographie und Einordnung in seine Zeit
4.2.2.2 Velázquez' Figuren
4.2.2.3 Velázquez' Malstil
4.3 Die Kunst der Niederlande im 17. Jahrhundert
4.3.1 Rembrandt Harmensz van Rijn
4.3.1.1 Kurze Biographie und Einordnung in seine Zeit
4.3.1.2 Rembrandts Figuren
4.3.1.3 Rembrandts Malstil
4.3.1.4 Rembrandt und Caravaggio – Ein Vergleich
4.3.2 Jan Vermeer van Delft
4.3.2.1 Kurze Biographie und Einordnung in seine Zeit
4.3.2.2 Vermeers Figuren
4.3.2.2.1 Frauen als Tugendbeispiele
4.3.2.2.2 Vermeer und Velázquez – Ein Vergleich
4.3.2.3 Vermeers Malstil
4.4 Die Malerei der Romantik als Reaktion auf die Folgen der Französischen Revolution
4.4.1 Francisco José de Goya y Lucientes
4.4.1.1 Kurze Biographie und Einordnung in seine Zeit
4.4.1.2 Goyas Figuren
4.4.1.3 Goyas Malstil
4.4.2 Théodore Géricault
4.4.2.1 Kurze Biographie und Einordnung in seine Zeit
4.4.2.2 Géricaults Figuren
4.4.2.3 Die Psychiatrie im Zeitalter der Romantik
4.4.2.4 Géricaults Malstil
4.5 Die Darstellung des Körpers in der Kunst seit dem 19. Jahrhundert
4.5.1 Lucian Freud
4.5.1.1 Kurze Biographie
4.5.1.2 Freuds Figuren
4.5.1.3 Freuds Malstil
4.5.2 Jenny Saville
4.5.2.1 Kurze Biographie
4.5.2.2 Jenny Savilles Figuren
4.5.2.3 Jenny Savilles Malstil
5. Darstellung der eigenen künstlerischen Arbeit
5.1 Mein Zugang zur Ölmalerei
5.2 Der Malprozess
5.3 Motive und Thematik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der figürlichen Malerei von der Renaissance bis in die Gegenwart und setzt diese in Bezug zur eigenen künstlerischen Praxis der Verfasserin. Ziel ist es, anhand ausgewählter Künstler die historische Entwicklung der Malereigattungen und des Menschenbildes nachzuvollziehen und den Einfluss dieser Epochen und Techniken auf die zeitgenössische Ölmalerei zu analysieren.
- Entwicklung figürlicher Malerei von der Renaissance bis heute
- Wandel des Menschenbildes und der Porträtkunst
- Einfluss von Licht- und Schattenwirkung (Chiaroscuro) auf die psychologische Bildwirkung
- Künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen und dem Wahnsinn
- Dokumentation des eigenen Malprozesses und der Themensetzung
Auszug aus dem Buch
4.1.1.2 Leonardos Figuren
Unter seinen frühen Werken finden sich mehrere Marien-Darstellungen, wie etwa die „Verkündigung“, welches er 1471 beginnt. In diesem hervorragenden Tafelbild zeigt sich bereits ein besonderes malerisches Ausdrucksmittel. Die „Verkündigung“ ist Leonardos erstes Gemälde im Großformat und macht noch einige Fehler. Beispielsweise steht das Lesepult zu nah am vorderen Bildrand und damit eigentlich zu weit von Maria entfernt, als dass sie die linke Buchseite mit der rechten Hand erreicht, der gerade ein Angel prophezeien könnte. Doch die exakte Wiedergabe der Natur zeigen bereits den zukünftigen Meister.
Leonardo ist der Erste, der die „Luftperspektive“, bei der weiter entfernte Objekte in einer blasseren, bläulichen Farbtönung wahrgenommen werden und sich die Konturen auflösen und verschwimmen, überzeugend anwendet. Durch sorgfältige Farbabstufungen wird ein Raumeindruck geschaffen.
Nie zuvor wurde eine Verkündigung so gesehen. Der landschaftliche Hintergrund stellt ein spätes goldenes Abendlicht dar, das sich schwer über die Szene gebreitet hat und die aufragenden Bäume im Hintergrund zu schattenhaften Silhouetten verwandelt. Der Engel, der sich lautlos, im Blumenbeet in höflicher Distanz vor Maria niedergelassen hat, wirft ebenfalls einen Schatten. Die offenen Flügel bilden einen Gleichklang mit seinem erhobenen Arm und der leicht angewinkelten Hand.
Das Neue liegt aber im landschaftlichen Hintergrund, im Licht, in der Haltung der Figuren und im Ausdruck der Gesichter. Der Engel hat sein Haupt gesenkt und schaut Maria eindringlich und wissend von unten emporblickend an. Sein Mund ist leicht geöffnet und kündet die „Frohe Botschaft“ an.
Die junge Maria scheint erstaunt, aber empfängt den Engel aufmerksam. Ihr Blick, mit den leicht schräg gestellten, schmalen Augen, verrät eine gewisse Skepsis und zugleich eine empfindsame Nachdenklichkeit. Bereits in diesem frühen Gemälde beweist Leonardo sein Gespür dafür, Psyche und Thema in einem Einklang zu bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit verknüpft eine kunsthistorische Untersuchung der figürlichen Malerei seit der Renaissance mit einer Dokumentation der eigenen künstlerischen Entwicklung der Verfasserin im Bereich der Ölmalerei.
2. Die Herausbildung der Malereigattungen: Dieses Kapitel erläutert, wie sich durch zunehmende Spezialisierung seit dem 15. Jahrhundert verschiedene Fachrichtungen der Malerei entwickelten und welche soziale Bedeutung die Historienmalerei im Vergleich zu anderen Gattungen einnahm.
3. Das Abbild des Menschen: Hier wird die Entstehung der Porträtmalerei vor dem Hintergrund des Wandels vom theozentrischen zum anthropozentrischen Weltbild und der wachsenden Bedeutung des Individuums analysiert.
4. Kurzer Abriss der historischen Entwicklung bis zur Renaissance: Dieser Abschnitt skizziert die gesellschaftlichen und kirchlichen Umbrüche, die den Boden für das neue Selbstverständnis der Künstler und die kulturellen Entwicklungen der Renaissance bereiteten.
4.1 Die Renaissance: Es wird die Bedeutung des Begriffs Renaissance als Wiedergeburt der antiken Kunst erläutert und wie Künstler wie Leonardo da Vinci durch Disegno und neue Techniken die realistische Darstellung perfektionierten.
4.2 Barock: Dieses Kapitel thematisiert die barocke Kunst als Repräsentationskunst der Gegenreformation und des Absolutismus, geprägt von dramatischen Licht-Schatten-Inszenierungen.
4.3 Die Kunst der Niederlande im 17. Jahrhundert: Hier wird der florierende Kunstmarkt in den Niederlanden untersucht, auf dem Künstler wie Rembrandt und Vermeer durch ihren individuellen Umgang mit Licht und psychologischer Tiefe neue Maßstäbe setzten.
4.4 Die Malerei der Romantik als Reaktion auf die Folgen der Französischen Revolution: Die Romantik wird als eine Bewegung begriffen, die auf politische und soziale Krisen mit der Betonung subjektiven Erlebens und der Darstellung irrationaler menschlicher Seiten reagierte.
4.5 Die Darstellung des Körpers in der Kunst seit dem 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel beleuchtet den Tabubruch in der Darstellung des Aktes und die Rückkehr zur figürlichen Kunst bei zeitgenössischen Künstlern wie Lucian Freud und Jenny Saville.
5. Darstellung der eigenen künstlerischen Arbeit: Die Verfasserin reflektiert ihren persönlichen Weg zur Ölmalerei, ihren Malprozess und wie sie die erlernten künstlerischen Vorbilder in ihrer eigenen Themensetzung und Bildsprache verarbeitet.
Schlüsselwörter
Figürliche Malerei, Renaissance, Barock, Romantik, Porträtmalerei, Licht und Schatten, Chiaroscuro, Sfumato, Disegno, Historienmalerei, Ölmalerei, Kunstgeschichte, Menschliches Abbild, Psychologie in der Kunst, Zeitgenössische Kunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Geschichte der figürlichen Malerei von der Renaissance bis zur Gegenwart und verbindet diese theoretische Analyse mit der persönlichen künstlerischen Entwicklung der Verfasserin.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Entstehung und Entwicklung von Malereigattungen, der Wandel des Menschenbildes, die Rolle der Malerei als gesellschaftlicher Akteur und der Einfluss spezifischer Malstile auf die Darstellung menschlicher Psyche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, historische und zeitgenössische künstlerische Ansätze zu analysieren, um ein tieferes Verständnis für die figürliche Malerei zu entwickeln und dieses Wissen für die eigene künstlerische Praxis fruchtbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische Methode, die auf Literaturanalyse, der Epochen-Einordnung der Künstler und einer vergleichenden Werkanalyse basiert, ergänzt durch einen reflexiven, praxisbezogenen Teil.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Kunstepochen (Renaissance, Barock, niederländische Malerei, Romantik, Moderne) und analysiert dort jeweils signifikante Künstler hinsichtlich ihrer Biographie, ihrer Figurenzeichnung und ihres spezifischen Malstils.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Figürliche Malerei, Porträtmalerei, Licht und Schatten, Kunstgeschichte, Ölmalerei und psychologische Bildwirkung.
Wie beeinflussen historische Künstler die Arbeit der Verfasserin?
Die Verfasserin greift Aspekte wie Rembrandts psychologische Tiefe, Caravaggios dramatische Licht-Schatten-Kontraste und die direkte, ungeschönte Darstellung des Körpers bei Lucian Freud auf, um ihre eigenen, oft gesellschaftskritischen Themen auszudrücken.
Welche Rolle spielt die Thematik des Wahnsinns in der Arbeit?
Der Wahnsinn wird als ein zentrales Motiv der Romantik bei Goya und Géricault behandelt, wobei die Verfasserin untersucht, wie diese Künstler versuchten, das nicht-rationale, menschliche Leiden künstlerisch fassbar zu machen.
- Citation du texte
- Claudia Kaak (Auteur), 2014, Die figürliche Malerei von der Renaissance bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285312