Gesundheits- (Pflege-) ökonomische Potenziale und Innovationen als Entscheidungshilfe im Gesundheitswesen Österreichs


Masterarbeit, 2009
109 Seiten, Note: sehr gut (1,0)

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführungsprozess mit theoretischenGrundlagen
1.1 Problemdarstellung mitEinleitung
1.1.1 Fragestellung
1.1.2 Zielsetzung
1.1.3 Methodenund Limitationen
1.1.3 Inhaltlicher Aufbau
1.2 GesundheitsökonomischeGrundlagenund Begriffe
1.3 Pflege(-ökonomische)GrundlagenundBegriffe
1.3.1 Einleitung zur Definition EBN und Pflege
1.3.2 Besonderheitenzum BegriffPflege
1.3.3 Besonderheitenzum BegriffEBN
1.3.4 Besonderheitenzum Professionalisierungprozess
1.3.5 InhibierendeFaktoren zumProfessionalisierungsprozess
1.3.6 ZusammenfassungzumEinführungsprozess

2. Analyseprozess
2.1. AllgemeineEinführung zum Analyseprozess
2. 2 Aspekte zur demographischen Entwicklung
2.3 Analyse der Finanzierungslage
2.4 Schwächen des österreichischen GW
2.4.1 Finanzierungsdefizite im österreichischen GW
2.4.2 Ineffizienzen in der Pflegeversorgung
2.4.3 Struktur und Prozesse im GW
2.4.4 Praxisbeispiel Wundversorgung
2.4.5 Organisatorische Probleme im Management
2.4.6 Ausgangssituation in derWundversorgung
2.4.7 Ergebnisse der Bewertung
2.4.8 Schwachstellen im WM
2.4.9 GÖP und Innovation©
2.4.10 ResümeezumPraxisbeispiel©

3. Identifizierungsprozess und Generierungsprozess©

KURZFASSUNG

Die MasterThesis analysiert im Querschnitt das österreichische Gesundheitswesen hinsichtlich Probleme und zukünftiger Herausforderungen. Dabei wurden besonders der Finanzierungsbereich, und strukturelle Defizite im Gesundheitssystem aus der gesundheits (­pflege-) ökonomischen Perspektive betrachtet. Es stand folgende Fragestellung im Vordergrund: Welche gesundheits (-pflege-) ökonomischen Potenziale und Innovationen sind notwendig, um die aktuellen Probleme und zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen nachhaltig im Sinne von Effizienzoptimierung sowie Kostenstabilisierung zu verändern. Als Ergebnis konnte die Master Thesis folgende zentralen Potenziale und Innovationen generieren: Die verfassungsmäßige Verankerung der Pflege, Erweiterung der Profession Pflege hinsichtlich Autonomie, Kompetenzen und erweiterter Pflegepraxis, Neustrukturierung des Gesundheitssystem auf allen Entscheidungsebenen, Reform des Sozialversicherungswesen. Die Ergebnisse liefern somit ein wertvolles Potenzial um die anstehenden Probleme und zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu lösen.

Stichworte: Gesundheitsökonomie, Pflegeökonomie, Potenziale, Innovationen, Gesundheitswesen, Entscheidungshilfe

ABSTRACT

Einleitung: Die Master Thesis nähert sich der Thematik „gegenwärtige Probleme und zukünftige Herausforderungen im österreichischen Gesundheitswesen. Dabei wurden explizit die Finanzierungslage, Strukturdefizite und weitere Ineffizienzen und Ineffektivitäten aus gesundheits (-pflege-) ökonomischer Perspektive analysiert. In diesem Kontext gewinnt der Bereich „Pflege“ eine zentrale Bedeutung, weil Pflege an sich, als größter Hauptakteur im Gesundheitswesen, nicht an den jeweiligen Problemlösungs- und expliziten Innovationsprozessen beteiligt ist. Die Profession Pflege wird kaum wahrgenommen. Als weitere mögliche Ursache für Ineffektivitäten und Ineffizienzen muss das Fehlen jeglicher Autonomie, Handlungs- und Entscheidungskompetenz auf Seiten der Pflege in Betracht gezogen werden. Die Dimension Pflege ist nicht im Gesundheitswesen integriert, sondern im Sozialbereich.

Fragestellung: Welche gesundheits (-pflege-) ökonomischen Potenziale und Innovationen sind notwendig, um die aktuellen Probleme und zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen nachhaltig im Sinne von Effizienzoptimierung sowie Kostenstabilisierung zu verändern?

Methode: Die Master Thesis ist vorwiegend deskriptiver Art. Die Hauptmethode der nicht kontrollierten Eigen und Fremdbeobachtung ist die explorative Analyse unter Zuhilfenahme von Primär- und Sekundärliteratur.

Zielsetzung: Inhalt der vorliegenden Master-Thesis ist die Analyse des Beitrages der Gesundheits (-pflege-) ökonomie als Entscheidungshilfe im Allgemeinen und an ausgewählten (o.a.g.) Problembereichen.

Ergebnisse: Als Ergebnis konnte die Master Thesis folgende zentralen Potenziale und Innovationen generieren: Die verfassungsmäßige

Verankerung der Pflege, Erweiterung der Profession Pflege hinsichtlich Autonomie, Kompetenzen und erweiterter Pflegepraxis, Neustrukturierung des Gesundheitssystem auf allen Entscheidungsebenen, Reform des Sozialversicherungswesen. Die Ergebnisse liefern somit ein wertvolles Potenzial um die anstehenden Probleme und zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu lösen.

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Dimensionen der Gesundheitsökonomie (Eigene Darstellung, 2009)

Abbildung 2: Gesundheitsausgaben in Prozent des BIP, (OECD Health Data, Oktober 2006, Statistik Austria, IHS Health Econ Berechnung 2007, Eigene Darstellung 2009)

Abbildung 3: Personalstand nichtärztlicher Gesundheitsberufe, (Österreichischer Pflegebericht, 2006 S 24 - 28, Eigene Darstellung, 2009)

Abbildung 4: Schritte des Pflegeprozesses, (Eigene Darstellung, 2009)

Abbildung 5: Merkmale zu sinnvollen Pflegebeziehung, (Eigene Darstellung, 2009)

Abbildung 6: Zu- und Abnahme der Altersgruppen nach Regionen, http://members.vol.at/jweiss/aktuelles/demografie.pdf

Abbildung 7: Ausgaben für Langzeitpflege in Europa (Gesundheitsausgaben in Österreich, 2007, S4)

Abbildung 8: Pflegefinanzierungsmodelle (Jacobs, 2008, S 5)

Abbildung 9: Ist - Zustand Wundversorgung Teil 1-3 (Eigene Darstellung 2008)

Abbildung 10: Modernes Wundmanagement Soll - Zustand (Eigene Darstellung 2008)

Abbildung 11: Konservative Wundbehandlung (Eigene Darstellung)

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Ziele der Medizin und Ökonomie (Brunner, 2006, S 13)

Tabelle2: : Kostenbegrenzende Interventionen (Eigene Darstellung, 2009)

Tabelle 3: Ökonomische Evaluationsverfahren (Brunner, 2006, S 277)

Tabelle 4: Fragestellung hinsichtlich ökonomischer Evaluationsverfahren (Eigene Darstellung, 2009)

Tabelle 5: Kostenarten (Brunner, 2006, S 285)

Tabelle 6: Ökonomische Besonderheiten (Lüngen, 2006, S 42 - 50,Eigene Darstellung 2009)

Tabelle 7: Begriffsdefinitionen (Eigene Darstellung in Anlehnung an verschiedene Quellen, 2009), ,

Tabelle 8: Euro Health Consumer Index 2007, (© Health Consumer Powerhouse AB, 2007)

Tabelle 9: Diabetes Consumer Index 2008, (© Health Consumer Powerhouse AB, 2007)

Tabelle 10: Typen von Gesundheitssystemen (SCHRÖCK, T 2006, S 6 - 8, Eigene Darstellung)

Tabelle 11: Indikatoren zum Gesundheitssystemvergleich, (Gerber, 2006, S 200)

Tabelle 12: Indikatoren zur Pflege und Medizin, (Eigene Darstellung, 2009)

Tabelle 13: Stärken-Schwächenanalyse des österreichischen GS zu den EU-15 Schnitten

Tabelle 14: Bevölkerungsentwicklung in der EU und Österreich, (Sozialsysteme bis 2050, 2003, S 3-5)

Tabelle 15: Anteil älterer Menschen im Jahr 2050, (Sozialsysteme bis 2050, 2003, S3 - 5)

Tabelle 16: Entwicklung der demographischen Belastungsquoten,(Sozialsysteme bis 2050, 2003, S3- 5)

Tabelle 17: Gliederung der österreichischen Sozialversicherung (Kandlhofer, SV2007)

Tabelle 18: Krankenanstaltenstrukturen in Österreichs (BMGFJ, 2005, S 55, Eigene Darstellung 2009)

Tabelle 19: Gesundheitsausgaben in Österreich (http://www.statistik.at/web_de/statistiken/gesundheit/gesundheitsau sgaben/019701.html (Zugriff: 31.05.2009)

Tabelle 20: Finanzierungsströme im österreichischen GW, (Probst, 2006, S 12)

Tabelle 21: Organisationsstruktur im GW (Hofmarcher, 2006 S 34)

Tabelle 22: Organisation und Finanzierung - International (Hofmarcher, 2004, S 8)

Tabelle 23: Pflegegeldbezieher in Österreich (Mühlberger, 2008, S6)

Tabelle 24: Finanzströme im österreichischen Gesundheitswesen, (Czypionka, 2008, S16)

Tabelle 25: Struktur auf der Makroebene GW

Tabelle 26: Struktur aufder Mesoebene GW

Tabelle 27: Struktur aufder Mikroebene GW

Tabelle 28: Aufgaben der Gesundheitsplattformen

Tabelle 29: Gesetzlicher Rahmen GW

Tabelle 30: Interdisziplinäre Zielsetzung alle HK im GW

Tabelle 31: Auszug, Gesundheitsreform 2005

Tabelle 33: Europarameter - Medizinische Fehler

Tabelle 34: Struktur - und Prozessdefizite (Eigene Darstellung 2008)

Tabelle 35: Potenziale und Innovationen, Gesundheitsversorgung Neu, (Eigene Darstellung 2009)

Tabelle 36: Potenziale und Innovationen, Sozialversicherung Neu, (Eigene Darstellung 2009)

Tabelle 37: Potenziale und Innovationen, Finanzierung Neu KA - Bereich, (Eigene Darstellung 2009)

Tabelle 38: Potenziale und Innovationen, Finanzierung Neu - Extramural, (Eigene Darstellung 2009)

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführungsprozess mit theoretischen Grundlagen

Um gesundheits (-pflege-) ökonomische Potenziale und Innovationen identifizieren zu können, ist es notwendig, das derzeitige System des Gesundheitswesens mit seinen bestehenden Strukturen und Prozessen darzustellen. Österreich zählt zu den reichsten Ländern der Welt. Das Gesundheitswesen rangiert im OECD-Vergleich auf den vordersten Rängen hinsichtlich Zugang, Zufriedenheit sowie Wartezeiten und zählt zu einem der größten Wachstumsfaktoren Österreichs. Darüber hinaus ist das österreichische Gesundheitswesen Teil des europäischen und globalen Integrationsgeschehens, das wiederum eine Reihe von förderlichen wie auch inhibierenden Einflussfaktoren in sich trägt.

1.1 Problemdarstellung mit Einleitung

Die verschiedenen Allokations- und Distributionsprobleme in

Gesundheitssystemen sind nicht nur im österreichischen Gesundheitswesen, sondern in ganz Europa und vielen anderen Staaten der Welt anzutreffen. Im Zentrum der Analyse stehen aber die aktuellen Probleme und zukünftigen Herausforderungen insbesondere im Hinblick auf die demographische Entwicklung. Dazu gehört:

- die ungelöste Finanzierungslage mit ständig steigendem Kostendruck für alle Hauptakteure[1] auf der Einnahmen- wie auch auf der Ausgabenseite. Ökonomisch von Bedeutung sind auch die vielen intransparenten Finanzierungsströme mit der sektoralen Aufgliederung in einen intra- und extramuralen Bereich. Weitere Problemaufrisse zur Finanzierungslage, die immer wieder im medialen - öffentlichen, wissenschaftlichen und politischen Interesse sind, sind die hohen überproportionalen Gesundheitsausgaben gegenüber dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Defizite der Krankenkassen und die immer höher werdenden Abgänge auf Ebene der Krankenanstalten. Weitere Problembereiche, die in diesem Zusammenhang als Schwachpunkte genannt werden, sind Defizite in der Leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF), die Pflegefinanzierung im Gesamten, das Fehlen von Nachhaltigkeit und das ineffiziente Verhalten der Hauptakteure im Hinblick auf die gesamtwirtschaftliche Situation im Gesundheitswesen.

- Strukturdefizite und Prozessmängel im Bereich der Gesundheitssteuerung und der Gesundheitsversorgung. Hierzu werden vor allem die organisatorischen Defizite (hohe Spitalslastigkeit, fragmentierter Aufbau des Gesundheitswesens in einen intra- und extramuralen Sektor, überproportionaler hoher Managementbereich gegenüber den nichtärztlichen Gesundheitsberufen mit nicht zeitgemäßen Führungsstrukturen, das Fehlen von Handlungs- und Entscheidungsautonomie auf Seiten der Pflege) im Hinblick auf eine Über- , Unter- und Fehlversorgung analysiert.

- Ineffizienten und Ineffektivitäten hinsichtlich gegensätzlicher Interessen, unaufgelöster Zielkonflikte, mangelnde Kooperation innerhalb der Hauptakteure, Politik, Ökonomie und Öffentlichkeit, tragen dazu bei, dass viele Dimensionen (Leistungs- und Qualitätsplanung, Prävention und Gesundheitsförderung, die Integration der Patientinnen im gesamten Gesundheitsprozess) nur langsam und zögernd im Gesundheitswesen umgesetzt werden.

In diesem Kontext gewinnt der Bereich „Pflege“ eine zentrale Bedeutung, weil Pflege an sich, als größter Hauptakteur im Gesundheitswesen, nicht an den jeweiligen Problemlösungs- und expliziten Innovationsprozessen beteiligt ist. Die Profession Pflege wird kaum wahrgenommen. Als weitere mögliche Ursache für Ineffektivitäten und Ineffizienzen muss das Fehlen jeglicher Autonomie, Handlungs- und Entscheidungskompetenz auf Seiten der Pflege in Betracht gezogen werden. Die Dimension Pflege ist nicht im Gesundheitswesen integriert, sondern im Sozialbereich. Sämtliche gesundheitsökonomischen Debatten in Bezug auf o.a.g. Problembereiche, Ineffizienzen und Defizite werden von Politikern, Ärzten, Ökonomen usw. geführt. Pflege ist nach wie vor unsichtbar, aber selbstverständlich.

Angesichts der komplexen Entwicklungen im Gesundheitswesen kann es sich die Pflege mittel- wie langfristig nicht länger leisten, die ökonomischen Aspekte ihrer Kerntätigkeit von anderen Berufsgruppen allein beurteilen und verwalten zu lassen.

1.1.1 Fragestellung

Welche gesundheits (-pflege-) ökonomischen Potenziale und Innovationen sind notwendig, um die aktuellen Probleme und zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen nachhaltig im Sinne von Effizienzoptimierung sowie Kostenstabilisierung zu verändern?

1.1.2 Zielsetzung

Inhalt der vorliegenden Master-Thesis ist die Analyse des Beitrages der Gesundheits (-pflege-) ökonomie als Entscheidungshilfe im Allgemeinen und an ausgewählten (o.a.g.) Problembereichen und gliedert sich in folgende Subziele:

- Analyse der aktuellen Probleme und zukünftiger Herausforderung im Gesundheitswesen
- Identifizierung und Generierung möglicher Potenziale und Innovationen als Beitrag zur nachhaltigen Sicherung und Verbesserung der Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Gesundheitsversorgung Europas
- Ausgangsbasis sowie Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten und Innovationsprozesse
- Beitrag zu berufspolitischen und gesundheitspolitischen Debatten

1.1.3 Methodenund Limitationen

Die Master-Thesis ist vorwiegend deskriptiver Art. Die Hauptmethode der nicht kontrollierten Eigen- und Fremdbeobachtung ist die explorative Analyse der organisationsbezogenen Strukturen und Prozesse im Gesundheitswesen hinsichtlich aktueller Probleme und zukünftiger Herausforderungen, unter Zuhilfenahme von Primär- und Sekundärliteratur. Die in der Master-Thesis dargestellten gesundheits (-pflege-) ökonomischen Potenziale und Innovationen konzentrieren sich auf Grund der Komplexität der Thematik an sich ausschließlich auf Teilbereiche des Gesundheitswesens. Als weitere Limitation ist anzumerken, dass keine ausdifferenzierten Modelle und Szenarien sowie Grundlagen vorgestellt werden.

1.1.3 Inhaltlicher Aufbau

Die Master-Thesis gliedert sich in vier Hauptkapitel: 1. Kapitel mit Einführungsprozess, das 2. Kapitel mit Analyseprozess, das 3. Kapitel mit Identifizierungs- und Generierungsprozess und das 4. Kapitel mit Evaluierungsprozess.

Das erste Kapitel widmet sich der allgemeinen Einführung hinsichtlich Problemstellung. Gleichzeitig werden hier theoretische Grundlagen und Begriffe abgeklärt.

Nach der allgemeinen Einführung erfolgt im zweiten Kapitel die Analyse bestehender Strukturen und Prozesse im Gesundheitswesen, vertiefend auf die ausgewählten aktuellen Probleme und zukünftigen Herausforderungen. Hierbei wird versucht den aktuellen Stand der Literatur zu berücksichtigen. Das dritte Kapitel widmet sich wiederum der Identifizierung und Generierung von möglichen gesundheits (-pflege-) ökonomischen Potenzialen und Innovationen. Im abschließenden Evaluierungsprozess werden die Ergebnisse hinsichtlich pflegeökonomischer Entscheidungshilfe beurteilt und zusammengefasst.

1.2 Gesundheitsökonomische Grundlagen und Begriffe

Betrachtet man die eingangs erwähnten Probleme und Defizite implizit auf die Fragestellung, so ist es wichtig, sich auch mit den dazugehörigen Grundlagen und Begriffen auseinanderzusetzen, insbesondere auch im Hinblick auf die uneinheitliche gesundheitsökonomische Terminologie.[2] In Anlehnung Troschke[3] kann man Gesundheitsökonomie wie folgt definieren: „Unter Gesundheitsökonomie versteht man die Übertragung wirtschaftlicher Probleme und Fragestellungen und die Anwendung ökonomischer Methoden und Theorien auf die Gesundheitswissenschaften.“ Eine ähnliche Definition gibt Brunner in seiner Einführung zur Gesundheitsökonomie wieder[4]: „Die Gesundheitsökonomie verbindet Medizin und

Wirtschaftwissenschaften. Ihre Methoden sind quantitative, vergleichende Studien zu Nutzen und Kosten medizinischer Maßnahmen mit dem Ziel, ökonomisch günstigere, qualitativ gleichwertige oder bessere Versorgungsalternativen aufzuzeigen“.

In Anlehnung an Zdrowomyslaw[5] wiederum könnte man Gesundheitsökonomie wie folgt beschreiben: Gesundheitsökonomie ist eine sehr junge Disziplin und beschäftigt sich mit dem verantwortlichen und gerechten Einsatz ökonomischer Ressourcen und beinhaltet auch volks-, finanz- und betriebswirtschaftliche Bereiche.

Gesundheitsökonomie ist somit eine sehr wichtige Disziplin und unter Hinzuziehung von bedeutsamen ökonomischen und medizinischen Zielen (siehe Tab.1) lassen sich viele relevante Problem- bzw. Fragestellungen zur Gesundheitsökonomie ableiten[6]:

- Distributionsproblem: Verteilung der Gesundheitsleistungen nach welchen Kriterien bzw. wie sollen Ressourcen innerhalb des Gesundheitswesens verteilt werden?
- Effizienzproblem: Hier kommen vor allem das Minimalprinzip und das Maximalprinzip zur Geltung, Wie hoch sind die Ressourcen für gewisse Therapien maximal anzusetzen?
- Allokationsproblem: Verteilung knapper Ressourcen, welcher
Mitteleinsatz ist mindestens notwendig, um einen gewissen Gesundheitszustand zu erreichen?
- Wertschöpfungsproblem: Welche ökonomischen Konsequenzen haben medizinische Entscheidungen und welchen Beitrag leistet das Gesundheitswesen zum Wachstum der Volkswirtschaft?

Unter dem Aspekt der Problem- und Fragestellungen sowie dem Vorhandensein von gesundheitsökonomischen Zielen,[7] können weitere wissenschaftliche Evaluationen und Analysen durchgeführt werden. Dabei fallen die Begriffe Effizienz, Effektivität, Verteilung und Qualität besonders ins Gewicht (siehe Abb.1).

Dimensionen der Gesundheitsökonomie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dimensionen der Gesundheitsökonomie (Eigene Darstellung, 2009)

Effizienz als Maß der Wirtschaftlichkeit (wie teuer?) ist dann gegeben, wenn die Kosten-Nutzen-Relation optimal zusammenpasst[8]. Effizienz ist eine Intervention, wenn sie das größtmögliche Ergebnis mit dem kleinstmöglichen Einsatz an Ressourcen erreicht. Effektivität ist ein Maß für die Zielerreichung und Wirksamkeit.[9]

Effektiv (wie wirksam?) ist also eine Intervention, wenn sie einen pathologischen Zustand erfolgreich verändert. Zusätzlich muss auch die Dimension Qualität (wie gut sind die Interventionen?) und Verteilung (wie sind die Interventionen verfügbar?) berücksichtigt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Ziele der Medizin und Ökonomie (Brunner, 2006, S13)

Die wissenschaftlichen Untersuchungen dürfen dabei nicht monopolistisch, d. h. auf eine Wissenschaft bezogen sein, sondern sind unter dem Aspekt der Interdisziplinarität zu verstehen (Patientinnen, Gesellschaft, Pflege Soziologie usw.).

Unter dem Aspekt von Effektivität und Effizienz sowie knappen Ressourcen haben kostenbegrenzende Interventionen (siehe Tab. 2) einen hohen Stellenwert. Deshalb dürfen die Begriffe Rationalisierung, Rationierung und Kostenverlagerung[10] nicht unerwähnt bleiben.

- Rationalisierung: bedeutet Effizienzsteigerung durch die Optimierung von Intervention bzw. Prozessen, hingegen bedeutet
- Rationierung: dass Interventionen bzw. Leistungen trotz erwiesenem Nutzen nicht erbracht werden und
- Kostenverlagerung bedeutet, dass Kosten verschoben bzw. dass man von Interventionen ausgeschlossen wird (Selbstbeteiligung).

Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, dass auch im österreichischen Gesundheitswesen,[11] offene bzw. verstecke Rationierungen stattfinden, insbesondere auch in den nicht ärztlichen Gesundheitsberufen. In einem gut funktionierenden Gesundheitswesen muss schon im Vorfeld alles unternommen werden (siehe Tab. 2), dass es zu keinen Rationierungen kommt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: : Kostenbegrenzende Interventionen (Eigene Darstellung, 2009)

Um ökonomische Entscheidungen treffen zu können, braucht es valide Evaluationsverfahren (siehe Tab. 3), deren Zweck es ist, aus einer Menge vergleichbarer Potenziale die effizientere auszuwählen und unter Einbeziehung ethischer und moralischer Werte dann als Entscheidungshilfe heranzuziehen. Dadurch sind Konflikte zwischen einer rein ökonomischen und einer ethischen Betrachtungsweise vorgegeben.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Ökonomische Evaluationsverfahren (Brunner, 2006, S 277)

Zusammenfassend für die ökonomischen Evaluationsverfahren lässt sich dadurch eine Vielzahl an möglichen Fragestellungen ableiten, zusätzlich werden auch die Kostenarten angeführt werden (siehe Tab.4 und 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Fragestellung hinsichtlich ökonomischer Evaluationsverfahren (Eigene Darstellung, 2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Kostenarten (Brunner, 2006, S 285)

Die Hauptperspektive der Gesundheitsökonomie legt daher nahe, Entscheidungshilfen für die Mittelverteilung (Allokation der knappen Güter) zu liefern, als sich ausschließlich mit den Ausgabengrößen zu beschäftigen.[13]

Dabei darf nicht vergessen werden, dass die für die Gesamtsteuerung tätigen Hauptakteure (Pflege, Medizin, Sozialversicherung) im Gesundheitswesen auch über entsprechende Autonomien verfügen und vor allem eine interdisziplinäre Perspektive sicherstellen.

In Anlehnung an Biesecker/Kersting 2003 und Thiele 2004, müssen daher die gegenwärtigen theoretischen Grundlagen (rein neoklassische Theorien) sowie die übergroße Dominanz der Medizin verlassen werden, um Platz für neue wissenschaftliche Theorien und Evaluationsmethoden zu schaffen, die die natürliche soziale Umwelt der Menschen, die Lebenswelt, die Politik sowie neue Steuerungs- und Versorgungsmodelle berücksichtigen. Nur wenn das gelingt, kann die Gesundheitsökonomie sich der negativen Perspektive entziehen, die ihr häufig gerne unterstellt wird.

Betrachtet man die o.a.g. Analyse im Gesamtkontext des

Gesundheitswesens, so kann festgehalten werden, dass die

Gesundheitsökonomie eine eigenständige wissenschaftliche Teildisziplin zusammen mit den Wirtschafts-, Politik-, Sozial- und Medizinwissenschaften usw. darstellt, die hinsichtlich ihrer Dienstleistungen und Gesundheitsgüter weitere ökonomische Besonderheiten (Probleme) zu berücksichtigen hat (siehe Tab. 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Ökonomische Besonderheiten (Lüngen, 2006,

S42- 50,Eigene Darstellung 2009)

Das Gesundheitswesen stellt weiters einen wichtigen Wirtschaftsfaktor, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) dar, nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa und weiten Teilen der Welt (siehe Abb. 2).

Gesundheitsausgaben in Prozent des BIP, letztverfügbar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gesundheitsausgaben in Prozent des BIP, (OECD Health Data, Oktober 2006, Statistik Austria, IHS Health Econ Berechnung 2007, Eigene Darstellung 2009)

Zusätzlich von Bedeutung ist, dass im Gesundheitswesen die größte Berufsgruppe aus den nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen stammt (siehe Abb. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Personalstand nichtärztlicher Gesundheitsberufe,

(Österreichischer Pflegebericht, 2006 S24 - 28, Eigene Darstellung, 2009)

1.3 Pflege (-ökonomische) Grundlagen und Begriffe

Ausgehend von diesen zwei Aspekten (siehe Abb.2 und Abb.3), findet nun die Darstellung pflegerelevanter Begriffe (Evidence-based Nurse, Profession - Professionalisierung, Pflege usw. statt, die für die Entwicklung gesundheitsökonomischer Evaluationsmethoden implizit der gesamten GÖ wesentlich sein könnten.

1.3.1 Einleitung zur Definition EBN und Pflege

Evidence - based Nursing[14], als wissenschaftlicher Problemlösungsprozess als solcher zwar aus der Literatur bekannt ist im österreichischen Gesundheitswesen noch wenig umgesetzt. Dennoch lassen sich viele Parallelen in der Arbeitsweise der Pflegenden erkennen.

Sie ist geprägt von einfachen und variablen Konzepten, Methoden und bestimmten Arbeitsschritten wie:

- vermehrt wissenschaftliches Arbeiten, im Sinne von „state of the art,,, Expertisen heranziehen, Fallbeschreibungen durchführen - und anhand dessen eine Auswahl bzw. Entscheidung treffen.
- Die Anwendung einfacher und flexibler
Prozessmanagementmethoden (Wo stehen wir?, Wo wollen wir hin?, Was ist zu tun?, Wie gehen wir vor?, Wie setzen wir es um?, Wie messen wir den Erfolg?, Wie geht es weiter?), in der direkten Pflege wie im Managementprozess.
- Nach ethischen und moralischen Grundannahmen (bzw. -sätzen) die Pflege gestalten wie z.B.: jeden Tag das Beste für die mir anvertrauten Patienten zu geben und alles zu hinterfragen nach dem Zitat von Kurt Tucholsky „Laß Dir von keinem Fachmann imponieren, der Dir erzählt: .Lieber Freund, das mache ich schon seit 20 Jahren so!’ man kann eine Sache auch 20 Jahre lang falsch machen“. Um diese Schritte und Methoden sowie Grundannahmen zu realisieren, muss man bereit sein, viel zu investieren. Und das Investment dazu ist ganz einfach: „Lebenslanges -begleitendes Lernen“.

Somit ist das Hauptinstrument, in der direkten Pflege, der Pflegeprozess (siehe Abb. 4) als Problem-, Entscheidungs-, Beziehungs- und Interventionsprozess, wobei anzumerken ist, dass einfache Schritte des prozesshaften Arbeitens in der Pflege schon vor der eigentlichen Einführung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes[15] umgesetzt waren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Schritte des Pflegeprozesses, (Eigene Darstellung, 2009)

1.3.2 Besonderheiten zum Begriff Pflege

So wie auf der medizinischen Ebene gibt es auch in der Pflege viele Definitionen, Modelle und Theorien, wie Pflege definiert bzw. durchgeführt werden soll. Aus wissenschaftlicher Sicht wäre es nicht wünschenswert (und auch kaum möglich), eine endgültig umfassende Definition der Pflege anzubieten, die die Komplexität Mensch (Dimensionen: Mensch - Sein in seiner Ganzheit, Interaktion, Verantwortung, Kommunikation, Entwicklungsfähigkeit und Autonomie der Pflegeempfänger) explizit Pflege widerspiegelt. Arets hat in seiner Definition die oben beschriebenen Dimensionen am besten abbilden können, die im Bezug auf pflegeökonomische Fragestellungen, weitgehend auch in unserer Pflegepraxis zur Anwendung kommen.

Pflege[16] ist das konstruktive Beginnen, Fortsetzen und Beenden einer sinnvollen Pflegebeziehung, in der eine Diagnose gestellt wird und auf systematische und zielgerichtete Weise, Unterstützung oder aber ergänzende Pflege gegeben und koordiniert wird.

Sie geht aus von den Reaktionen einer Person auf Gesundheits- und Krankheitsprobleme und berücksichtigt insbesondere:

- wer ist die Person?
- was will die Person?
- wofür entscheidet sich die Person?
- die Fähigkeiten und Fertigkeiten, über die die Person verfügt o die Verfügbarkeit und Qualität sozialer Ressourcen der Person o und die Art und Weise, mit welchem Resultat die Person die Selbstpflege evaluiert.

Um dieses Pflegeverständnis im pflegerischen sowie führungs- und lernspezifischen Alltag umzusetzen, Bedarf es einer Reihe von Schlüsselqualifikationen und Instrumente, die die Pflegekräfte mitbringen und erlernen müssen.

[...]


[1] eigene Bezeichnung: Zu den Hauptakteuren im Gesundheitswesen gehören: Pflege, Medizin und Sozialversicherung.

[2] vgl, Drummond, 1997, S 143

[3] vgl, Troschke/Mühlbacher, 2005, S 111

[4] vgl, Brunner, 2006, S 20

[5] vgl, Zdrowomysiaw/Dürig, 1997, S 7 - 9

[6] vgl, Brunner, 2006, S 21 -22

[7] vgl, Adam/Henke, 1998, S 779 - 798

[8] vgl, Troschke/Mühlbacher, 2005, S 138

[9] vgl, Schneider, 1994, S 144 -153

[10] vgl, Brunner, 2006, S 18 -19

[11] vgl, Beske, 1997, S 2400 - 2402

[12] vgl, Schröck, 2007, S 16

[13] vgl, Schröck, 2007, S 17

[14] In weiterer Folge EBN

[15] In weiterer Folge GuKG

[16] vgl. Arets, 1997, S 24

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten

Details

Titel
Gesundheits- (Pflege-) ökonomische Potenziale und Innovationen als Entscheidungshilfe im Gesundheitswesen Österreichs
Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung  (Department für Gesundheitswissenschaften und Biomedizin)
Note
sehr gut (1,0)
Autor
Jahr
2009
Seiten
109
Katalognummer
V286118
ISBN (eBook)
9783656862543
Dateigröße
7786 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bewertung: Die Arbeit ist nachvollziehbar, das Ziel der Arbeit wurde erreicht; der Autor deckt die relevante Literatur ab; Seine Überlegungen sind nachvollziehbar und aus gesundheitsökonomischer Sicht völlig zu unterstützen. Die Arbeit wird mit sehr gut (1) beurteilt.
Schlagworte
gesundheits-, pflege-, potenziale, innovationen, entscheidungshilfe, gesundheitswesen, österreichs
Arbeit zitieren
Josef Offenegger (Autor), 2009, Gesundheits- (Pflege-) ökonomische Potenziale und Innovationen als Entscheidungshilfe im Gesundheitswesen Österreichs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286118

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