Als einer der wichtigsten Vertreter des Strukturalismus hat Roman Jakobson einen großen Einfluss auf die Literaturwissenschaft. Er ist im Bereich der Semiotik und Linguistik tätig, beschäftigt sich mit Aphasien und dem Auftreten von linguistischen Konzepten in der Poesie.
In seinem Text „Zwei Seiten der Sprache und zwei Typen aphatischer Störungen“ befasst sich Jakobson zusätzlich zur Beschreibung der beiden Aphasietypen Similaritäts- und Kontiguitätsstörung mit dem Thema des Zusammenhangs von Sprachstörungen und Tropen.
Inwiefern findet die Metonymie ihren Platz im Realismus und wodurch entsteht ihr enger Zusammenhang?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Verbindung von Aphasie und Tropen
3. Realismus und die Rolle des Details
4. Die Bedeutung der Metonymie im Realismus
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Verknüpfung von sprachlichen Tropen, insbesondere der Metonymie, mit der literarischen Epoche des Realismus. Ausgehend von Roman Jakobsons linguistischen Theorien zu Aphasien und sprachlichen Störungen wird analysiert, wie das metonymische Prinzip die spezifische Detailverliebtheit und Wirklichkeitsdarstellung des Realismus strukturiert und legitimiert.
- Analyse von Roman Jakobsons Theorie der Kontiguitätsstörung und Metonymie.
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen sprachlicher Struktur und literarischer Realitätsdarstellung.
- Betrachtung der Bedeutung von Details und der "neuen Erzählweise" im 19. Jahrhundert.
- Erweiterung der Fragestellung auf die ästhetische Wirkung in Kunst und Fotografie.
Auszug aus dem Buch
Die Metonymie im Realismus
Am Ende seines Textes spricht Jakobson von einem „engen Bande zwischen Realismus und Metonymie“. Wodurch aber entsteht diese Verbindung?
Im Realismus will man Sachverhalte so darstellen, wie sie in der Wirklichkeit sind, unbeschönigt also. Laut Otto Ludwig, der den Begriff des poetischen Realismus prägte, „beziehe sich [der Realismus] auf die Welt, aber gebe sie nicht unmittelbar wieder, er ordne sie mittels der schöpferischen Phantasie: „er schafft die Welt noch einmal“.“.
Jedoch werden nicht einfach Tatsachen beschrieben, sondern Details übertrieben und künstlerisch zur Geltung gebracht. Bei Tolstojs Anna Karenina wird beispielsweise in der Selbstmordszene „die Aufmerksamkeit auf die Handtasche der Heldin“ gerichtet. Kleinste Merkmale werden genau beschrieben, ob sie nun zum Fortschreiten der Handlung beitragen, oder nicht. Oftmals sollen sie jedoch die Funktion besitzen, „ein Indiz für einen Charakter oder eine Stimmung [zu] bilden“. Auch Roland Barthes betont, dass es nicht „auf die Funktionslosigkeit eines Details [an]kommt […], Hauptsache, es denotiert, »was stattgefunden hat«“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftliche Relevanz von Roman Jakobsons linguistischen Studien für die Literaturwissenschaft ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Zusammenhang von Metonymie und Realismus.
2. Die Verbindung von Aphasie und Tropen: Hier wird Jakobsons These erläutert, nach der die Metonymie als sprachliche Figur eng mit dem Prinzip der Kontiguität verknüpft ist und eine spezifische Form der kontextuellen Sprachstörung darstellt.
3. Realismus und die Rolle des Details: Dieses Kapitel beleuchtet, wie der Realismus durch die detaillierte, fast übersteigerte Beschreibung von Gegenständen eine neue ästhetische Wirklichkeitserfahrung schafft.
4. Die Bedeutung der Metonymie im Realismus: Im abschließenden Hauptteil wird argumentiert, dass die Metonymie das ideale stilistische Werkzeug für die realistische Prosa darstellt und sich zudem in anderen künstlerischen Medien wie dem Kubismus oder der Fotografie widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Metonymie, Roman Jakobson, Realismus, Strukturalismus, Linguistik, Kontiguität, Aphasie, Poetik, Literaturtheorie, Detail, Roland Barthes, Sprache, Erzählweise, Tropen, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische Beziehung zwischen der linguistischen Figur der Metonymie und der literarischen Strömung des Realismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Sprachwissenschaft nach Roman Jakobson, der literarischen Ästhetik des Realismus sowie der Bedeutung des Details in der Erzählkunst.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, inwiefern die Metonymie als stilistisches Mittel im Realismus verankert ist und durch welche Umstände dieser enge Zusammenhang entsteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturtheoretische Analyse, die linguistische Theorien auf literarische Texte und ästhetische Konzepte anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Verbindung von Jakobsons Aphasie-Modellen mit der realistischen Prosa sowie die Rolle des Details als "Indiz" für Charakter und Stimmung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Metonymie, Realismus, Kontiguität, Roman Jakobson, Strukturalismus und die Rolle des Details in der Literatur.
Inwiefern spielt der Kubismus eine Rolle für die Argumentation?
Der Kubismus dient als Beispiel für die medienübergreifende Verbreitung der metonymischen Orientierung, bei der Objekte aus verschiedenen Perspektiven verzerrt und neu zusammengesetzt werden.
Warum wird Roland Barthes in die Untersuchung einbezogen?
Barthes wird zitiert, um die Bedeutung des Details im Realismus zu untermauern, insbesondere im Hinblick auf die Funktion des "Denotierens" von Wirklichkeit in der Literatur.
- Quote paper
- Ramona Dietrich (Author), 2014, Die Metonymie im Realismus. Roman Jakobsons "Zwei Seiten der Sprache und zwei Typen aphatischer Störungen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286121