Vom Umgang der Polizei mit Trauer und Tod und die Arbeit von Polizeiseelsorgern

"...in meinen Armen sterben?"


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Was ist die Polizeiseelsorge?
2.1. Die Geschichte der Polizeiseelsorge
2.2. Aufgaben und Tätigkeitsfelder

3. Brauchen Polizisten Beistand?

4. Selbstberichte von Polizisten

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

Anhang

„ Viele Tote - und allen ist gemein: Sie hinterlassen eine Lücke, eine Leere, die nicht füllbar ist, es ist etwas Endgültiges, Unwiderrufliches. Das verunsichert mich bis heute, deprimiert mich und l ä sst mich den Tod hassen. 1

- Horst Peter Jung, Polizeikommissar -

1. Einführung

„Kein Einsatz ist wie der andere“, „Die Vielfältigkeit des Berufes interessiert mich“ - diese und andere Sätze hört man immer wieder, wenn man Kommissaranwärter über deren Beweggründe fragt, sich bei der Polizei zu bewerben.

Doch genau da stellt sich die Frage, ob es wirklich von Vorteil ist, nie genau zu wissen, was die Beamten am Einsatzort erwartet. Ein gutes Beispiel ist hier der von der Leitstelle erteilte Auftrag „Hilo“ bzw. „HiloP“. Beides bedeutet „hilflose Person“, also in den meisten Fällen jemand, der stark alkoholisiert und daher nicht mehr Herr seiner Sinne ist.

Was aber, wenn die Beamten sich irren und an einen Routineeinsatz denken, bei dem keine Eile geboten ist, aber gerade diese von der Einsatzleitstelle als einfache „Hilo“ bezeichnete Person nun Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist? Oder wenn es sich um eine ältere Dame handelt, die einen Schwächeanfall erlitten hat, der sich als Herzinfarkt herausstellt und sie eventuell sogar schon verstorben ist?

Oder wenn ein einfacher Verkehrsunfall sich plötzlich als „VUP“, Verkehrsunfall mit Personenschaden, herausstellt, bei welchem auch Kinder beteiligt sind oder sogar getötet wurden?

Dann ist die Routine ganz schnell vergessen und man muss individuell entscheiden, wie man sich zu verhalten hat.

Auf solche Situationen ist man nicht vorbereitet, darauf kann man sich auch nicht wirklich vorbereiten, aber sie sind in diesem Beruf allgegenwärtig.

Wie gehen die Beamten mit Situationen um, die einen an die persönliche Grenze bringen? Gibt es Unterstützung, wenn ein Polizist oder eine Polizistin merkt, dass ein Einsatz so belastend war, dass er oder sie seinen bzw. ihren Job nicht mehr weiter machen kann?

Oder heißt es einfach: „Mensch, du bist Polizist, stell dich nicht so an! Du hast dir den Job doch ausgesucht.“ ?

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit einigen der gestellten Fragen, wie Polizisten mit belastenden Ereignissen umgehen und stellt die Polizeiseelsorge vor, eine wertvolle Hilfe bei der Bewältigung von belastenden oder sogar traumatischen Erlebnissen, die jedem Polizisten im Laufe seiner Dienstzeit begegnen können.

2. Was ist die Polizeiseelsorge?

In den letzten Jahren hört man immer wieder bei schlimmen Ereignissen, wie beispielsweise School-Shootings, dass die Schüler, Lehrkräfte sowie die Einsatzkräfte psychologisch betreut werden.

Doch was genau bedeutet das?

2.1. Die Geschichte der Polizeiseelsorge

Mittlerweile gibt es die Polizeiseelsorge, wie sie heutzutage bekannt ist, seit über 100 Jahren.

Die „Spuren einer christlichen Reflexion bzw. Begleitung dezidiert polizeilicher Arbeit finden sich erst, als militärische und polizeiliche Aufgaben deutlich voneinander abgegrenzt wurden.2

Diese im 20. Jahrhundert einsetzenden politischen Veränderungen haben großen Anteil an der Entwicklung der Polizeiseelsorge und haben diese stark beeinflusst.3

Zu diesen Entwicklungen kam es, als Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg von den alliierten Siegermächten übernommen und verwaltet wurde.

So fragte beispielsweise das britische Militär bei Kirchen nach, ob sich diese an der seelsorgerischen Unterstützung und dem damit verbundenen Neuaufbau der Polizei beteiligen wollen.

Dies konnte jedoch nicht wahrgenommen werden, da die Kirchen sich selber neu organisieren mussten und durch die allgemein herrschende Not der Nachkriegsjahre ihre Kräfte anderweitig benötigten. So kam es, dass erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland sowie der Unterteilung in Bundesländer die Polizeiseelsorge wieder aktiv wurde. Zwar entwickelte sich die Arbeit im Westen Deutschlands sehr schnell und konfessions-unabhängig, aber nur wenige hauptamtliche Mitarbeiter waren daran beteiligt.

Im Laufe der Jahre kam es zu immer stärkeren Veränderungen und Einflüssen, die zu einem deutlichen Ausbau der Polizeiseelsorge führten. Unter anderem gehörten die Zunahme an Demonstrationen, der Terrorismus der 1970er Jahre, die Asylpolitik der 1990er Jahre sowie die zunehmend verschiedenen ethnischen Herkünfte der in Deutschland lebenden Bevölkerung dazu. Dies bewog die Kirchen dazu, die eingesetzten Kräfte in der Polizeiseelsorge zu verstärken und die Seelsorger besser auszubilden, damit sie professioneller mit den neuen Gegebenheiten umgehen können.4

2.2. Aufgaben und Tätigkeitsfelder

Die Polizeiseelsorge umfasst viele Tätigkeitsfelder. Diese lassen sich in sechs Themen unterteilen:

1. Beratung und Hilfe
2. Beistand
3. Begleitung
4. Ausbildung
5. Weiterbildung und
6. Gestaltung

Unter den ersten Punkt, die Beratung und Hilfe, fallen private Notlagen oder Schwierigkeiten und berufliche Probleme, zu denen sich die Betroffenen beraten lassen können oder Hilfe bekommen. Beistand bietet die Polizeiseelsorge unter anderem bei der Trauerarbeit oder bei schweren Krankheiten, bei Ehe- oder Partnerschaftskrisen oder nach traumatischen Erlebnissen, wie zum Beispiel dem Schusswaffengebrauch oder der Gewalt gegen Polizisten.

Desweiteren begleitet die Kirche die Polizei auch bei Beförderungen oder Dienstjubiläen, der Einweihung neuer Dienststellen und auch bei dienstlichen und familiären Feiern.

Zusätzlich hat die Polizeiseelsorge auch pädagogische Aufgaben. Sie bildet Polizisten unter anderem durch berufsethische Lehr- veranstaltungen aus oder vermittelt an den jeweiligen Hochschulen im Fachbereich Polizei ethische Anschauungen. Desweiteren organisiert sie im Bereich der Weiterbildung Fach- und Besinnungstage sowie Polizeiseminare.

Das letzte große Tätigkeitsfeld der Polizeiseelsorge nennt sich „Gestaltung“. Darunter fallen Gottesdienste, Gebetstage, Wallfahrten, Studienreisen, Meditationstage, Taufen, Trauungen oder aber auch Beerdigungen, die von den Kirchenvertretern organisiert bzw. abgehalten werden.5

[...]


1 vgl. Jung, Horst-Peter: In 15 Jahren Schutzpolizeidienst…, in: Schäfer, Dierk/ Knubben, Werner (Hg.): „… in meinen Armen sterben?“, Hilden, 1996, Seite 25

2 vgl. Hinz, Wolfgang: Geschichtliche Entwicklung der Polizeiseelsorge, in: Grützner, Kurt/ Gröger, Wolfgang/ Kiehn, Claudia/ Schiewek, Werner (Hg.): Handbuch Polizeiseelsorge, Göttingen, 2006, Seite 50

3 vgl. Hinz, Wolfgang: Geschichtliche Entwicklung der Polizeiseelsorge, in: Grützner, Kurt/ Gröger, Wolfgang/ Kiehn, Claudia/ Schiewek, Werner (Hg.): Handbuch Polizeiseelsorge, Göttingen, 2006, Seite 50

4 vgl. Hinz, Wolfgang: Geschichtliche Entwicklung der Polizeiseelsorge, in: Grützner, Kurt/ Gröger, Wolfgang/ Kiehn, Claudia/ Schiewek, Werner (Hg.): Handbuch Polizeiseelsorge, Göttingen, 2006, Seiten 54-59

5 vgl. http://www.bistummainz.de/bistum/bistum/ordinariat/dezernate/dezernate_5/dez5a2/ a2b2r2_polizeiseelsorge/aufgaben.html, am 22. März 2014 um 14.00 Uhr

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Vom Umgang der Polizei mit Trauer und Tod und die Arbeit von Polizeiseelsorgern
Untertitel
"...in meinen Armen sterben?"
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Duisburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V286170
ISBN (eBook)
9783656862789
ISBN (Buch)
9783656862796
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umgang, polizei, trauer, arbeit, polizeiseelsorgern, armen, Topic_Polizei
Arbeit zitieren
Jenny Schöler (Autor), 2014, Vom Umgang der Polizei mit Trauer und Tod und die Arbeit von Polizeiseelsorgern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286170

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