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Die materiellen Formen des Sozialen: Das Fußballstadion

Title: Die materiellen Formen des Sozialen: Das Fußballstadion

Term Paper , 2009 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Diplom Soziologe Sebastian Werfel (Author)

Sociology - Miscellaneous
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Der Begriff Gesellschaft ist an sich eine fiktive Vorstellung der Individuen und somit nicht allgemein definierbar und auch nicht sichtbar. Er kann lediglich durch die detaillierte Beobachtung der einzelnen Mitglieder in der Gesellschaft und ihren Tätigkeiten im Raum erkannt und nachvollzogen werden.

Dieser Aspekt ist ein sehr wichtiger Grund für das Verständnis einer sozialen Morphologie, denn nur durch die Wechselwirkung von Sozialem und Materiellen wird eine Gesellschaftsstruktur sichtbar gemacht, wie ich in dieser Hausarbeit nicht nur an Marcel Mauss Beispiel über die Eskimogesellschaften, sondern auch am Beispiel der Fußballstadions als Teil einer sportlichen Morphologie von Markus Schroer nachweisen werde.

Die Architektur ist mehr als je zuvor ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Sie hilft uns Grenzen zu überschreiten in Form von Brücken, weite Wege effektiv und schnell zurückzulegen über Straßen und Eisenbahnschienen. Sie gibt uns einen Raum zum Leben und schafft durch übermittelte Vorstellungen Plätze, welche für jeden Menschen als eine Art Pilgerstätte und als heilig empfunden werden können. Auf der Suche nach einer Verwirklichung des eigenen Lebens könnte man sich durchaus an architektonischen Gegebenheiten orientieren, denn der Mensch kann nur gleichzeitig erfolgreich sein und einen positiven Lebenswillen besitzen, wenn ihm der umgebende Raum harmonisch gesonnen ist und die damit verbundenen Erinnerungen im Gedächtnis als positive Erkenntnisse abgespeichert werden.

Die Stadtplanung schafft oft eine Untergliederung des Raumes in diverse Bezirke und unterschiedlich stark ausgebaute Strukturen. Die Verfügung über einen Internetanschluss, die Höhe der Stromkosten und die Reinheit des Wassers sind nur einige von vielen internen Untergliederungen und Differenzierungen der Stadt. Die Planung der Stadt muss deshalb eine Verdrängung bestimmter nicht erwünschter sozialer Schichten vorbeugen. Denn die Architektur kann durch räumliche Konstruktionen Grenzen definieren und diversen Bevölkerungsgruppen den Zugang zu bestimmten Orten erschweren oder verweigern.

Besonders deutlich wird dies im Abschnitt 4.2, wo ich anhand des Wandels des Fußballpublikums die aktuelle uns stets begleitende soziale Ungleichheit nachweisen möchte. Die Architektur wird als moderne Form der Soziologie uns neue Erkenntnisse über unsere eigene Gesellschaft offenbaren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was versteht man unter sozialer Morphologie

2.1 Begriffserklärung

2.2 Das Programm der sozialen Morphologie nach Halbwachs

2.3 Marcel Mauss: Der Begriff der sozialen Morphologie anhand der Eskimogesellschaften

3 Über die Soziologie der Architektur

3.1 Grundlegende Zusammenhänge

3.2 Kommunikationsmedium der Gesellschaft

3.3 Spiegel der Gesellschaft

3.4 Beitrag von Maurice Halbwachs

4 Das Fußballstadion als Teil einer Morphologie des Sports

4.1 Der Wandel der Stadionarchitektur

4.2 Der Wandel des Publikums

4.3 Das Beispiel Signal-Iduna-Park

5 Kritische Würdigung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der sozialen Morphologie und überträgt diese Erkenntnisse auf das Beispiel des modernen Fußballstadions. Dabei wird analysiert, wie architektonische Strukturen als materielle Formen des Sozialen fungieren und gesellschaftliche Prozesse, Machtverhältnisse sowie soziale Ungleichheiten im städtischen Raum sichtbar machen.

  • Grundlagen der sozialen Morphologie nach Durkheim, Halbwachs und Mauss
  • Die Architektur als Kommunikationsmedium und Spiegel der Gesellschaft
  • Soziologische Analyse der Stadionarchitektur und ihres funktionalen Wandels
  • Transformation des Fußballpublikums und die räumliche Segmentierung sozialer Milieus
  • Fallstudie zum Signal-Iduna-Park als Beispiel für das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne

Auszug aus dem Buch

4.2 Der Wandel des Publikums

In modernen Fußballstadien werden keine Sitzplätze mehr geplant, das Verhältnis zwischen den Steh- und den Sitzplätzen hat sich also im Vergleich mit früheren Stadien genau vertauscht. Der Sinn hinter dieser großen Anzahl an Sitzplätzen ist sehr fraglich, einerseits sollen die Stadien durch diese Veränderung komfortabler und zugleich sicherer werden, andererseits wird ein immer exklusiverer Ort geschafften, welcher für den normalen Fußballfan immer schwerer zu erreichen ist. Es wird versucht die zahlungskräftige Bevölkerungsschicht in das Stadion zu locken, die bisher nicht zum klassischen Fußballpublikum zählte. Der neu entstandene Logen und VIP-Loungen-Bereich ist ebenso für einkommensstarke Menschen gedacht, die hinter verglasten Bereichen ihre Geschäfte abwickeln und gegebenenfalls ein Büffet genießen können. Das dadurch erwirtschaftete Geld wird allerdings auch dringend für die teuren Spieler und die Intakthaltung des modernen Stadions benötigt. Der Knackpunkt des neuen Publikums wird sehr gut an der Architektur sichtbar. Das Stadion wird in seinen Gängen und Winkeln so konstruiert, sodass der Unternehmer nicht in Kontakt mit den gemeinen Fan kommen kann und somit von vornherein einer möglichen Kommunikation aus dem Weg gegangen wird. Im Fußballstadion werden in diesem Zusammenhang Klassenunterschiede und voneinander distanzierte soziale Milieus sichtbar. Das Publikum unterscheidet sich zwischen einem passiven und einem aktiven Teil. Der passive Teil trägt nach Schroer nicht zur Atmosphäre bei, sondern berauscht sich an der Stimmung der gemeinen Fans. Der aktive Part unterstützt das eigentliche sportliche Ereignis im Stadioninnenraum durch Sprechchöre, Anfeuerungsrufe und Verfolgung der sportlichen Geschehnisse über die monströsen Screens. In den neueren Stadien erfolgt eine stärkere Segmentierung des Publikums durch unterschiedliche Tribünenabschnitte, wodurch neue soziale Unterschiede sichtbar gemacht werden. Denn gerade im modernen Fußballstadion kommt es anhand der dargestellten Kenntnisse von Markus Schroer zu einem stärkeren Aufeinandertreffen zwischen sozial sich stark voneinander unterscheidenden Gruppen. Genau dies ist der Grund dafür, dass man durch räumliche Differenzierungen versucht einem sozialen Crash zuvorzukommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der sozialen Morphologie ein und begründet die Relevanz der Architektur als Mittel zur Sichtbarmachung von Gesellschaftsstrukturen am Beispiel des Fußballstadions.

2 Was versteht man unter sozialer Morphologie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Ansätze von Durkheim, Halbwachs und Mauss, um das Verständnis für das materielle Substrat der Gesellschaft zu schärfen.

3 Über die Soziologie der Architektur: Hier werden die Zusammenhänge zwischen gebauter Umwelt und sozialem Handeln beleuchtet, wobei Architektur als Kommunikationsmedium und Spiegel gesellschaftlicher Werte definiert wird.

4 Das Fußballstadion als Teil einer Morphologie des Sports: Dieser Abschnitt analysiert den funktionalen Wandel von Stadien und untersucht, wie Architektur zur sozialen Segmentierung des Publikums beiträgt.

5 Kritische Würdigung: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Thesen zusammen und betont die Notwendigkeit, den urbanen Raum inklusiv zu gestalten, um die Freiheit und soziale Gerechtigkeit zu wahren.

Schlüsselwörter

Soziale Morphologie, Architektursoziologie, Fußballstadion, Maurice Halbwachs, Marcel Mauss, Markus Schroer, Signal-Iduna-Park, Stadtplanung, soziale Ungleichheit, Kommunikationsmedium, Stadionarchitektur, soziale Milieus, materielle Formen des Sozialen, Identität, Raumsoziologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Disziplin der sozialen Morphologie und untersucht, wie materielle Artefakte – insbesondere Architektur – gesellschaftliche Strukturen repräsentieren und prägen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit verbindet theoretische Grundlagen der Soziologie (Durkheim, Mauss, Halbwachs) mit einer angewandten Analyse der Sportstättenarchitektur und deren Auswirkung auf soziale Interaktionsmuster.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Ziel ist es nachzuweisen, dass Architektur nicht nur ein funktionaler Bau ist, sondern als "soziales Substrat" fungiert, das Machtverhältnisse und soziale Differenzierungen innerhalb einer Gesellschaft widerspiegelt und zementiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Analyse, die soziologische Klassiker heranzieht und diese durch eine qualitative Untersuchung architektonischer Beispiele (speziell Fußballstadien) validiert.

Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte der sozialen Morphologie und überträgt diese auf die Entwicklung der Stadionarchitektur, wobei der Wandel des Publikums und die räumliche Trennung verschiedener sozialer Schichten im Vordergrund stehen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind soziale Morphologie, Architektursoziologie, Fußballstadion, gesellschaftliche Repräsentation und soziale Ungleichheit.

Welche Rolle spielt die Eskimogesellschaft in der Argumentation?

Sie dient als klassisches Beispiel von Marcel Mauss, um den direkten Zusammenhang zwischen den materiellen Lebensbedingungen, den jahreszeitlichen Rhythmen und der kollektiven sozialen Organisation einer Gruppe zu verdeutlichen.

Warum wird gerade der Signal-Iduna-Park als Beispiel gewählt?

Das Stadion in Dortmund dient als Fallstudie, da es den bewussten Erhalt von Tradition (Rote Erde) mit einer modernen, ökonomisch ausgerichteten Stadionarchitektur verknüpft und so die Ambivalenz des modernen Fußballs verdeutlicht.

Inwiefern beeinflusst die Architektur das Verhalten der Zuschauer?

Durch spezifische bauliche Gliederungen, wie die Trennung von VIP-Bereichen und Stehplatzrängen, wird physischer Kontakt vermieden und eine soziale Segmentierung erzwungen, die das Stadion zu einem Ort der Klassendifferenzierung macht.

Was schlussfolgert die Autorin über die "Stadtluft"?

Die Autorin warnt davor, dass durch eine zunehmende Kommerzialisierung und exklusive architektonische Gestaltung der Zentren die historische Freiheit der Stadt verloren gehen könnte, wenn diese nicht für alle Bürger zugänglich bleiben.

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Details

Title
Die materiellen Formen des Sozialen: Das Fußballstadion
College
Technical University of Darmstadt
Course
Einführung in die Architektursoziologie
Grade
1,7
Author
Diplom Soziologe Sebastian Werfel (Author)
Publication Year
2009
Pages
18
Catalog Number
V286206
ISBN (eBook)
9783656863847
ISBN (Book)
9783656863854
Language
German
Tags
Morphologie Soziologie Architektur Fußball Sozial Schroer Mauss
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom Soziologe Sebastian Werfel (Author), 2009, Die materiellen Formen des Sozialen: Das Fußballstadion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286206
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