Das Mittelalter in der weltanschaulichen Schulung der SS


Seminararbeit, 2014

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichtsbild, NS-Weltanschauung und SS-Schulung
2.1 Verklärung der Geschichte
2.2 Die NS-Ideologie und die SS
2.3 Die weltanschauliche Schulung in der SS

3 Das Mittelalterbild der SS
3.1 Quellenanalyse
3.1.1 Lehrplan
3.1.2 ‚Der Weg zum Reich’
3.2 Untersuchungsergebnis

4. Schluss

Literatur

Quellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Schutzstaffel (SS) entwickelte sich seit ihrer Gründung als Personenschutzeinheit Hitlers zur mächtigsten und einflussreichsten Organisation im Nationalsozialismus. Dabei verstand sich die SS immer auch als eine elitäre und einzigartige Organisation in klarer Abgrenzung zur Schutzabteilung (SA) und anderen Parteigliederungen und ebenfalls in Kontrast zu staatlichen Organisationen wie der Wehrmacht oder der Polizei und dem Behördenapparat. Die SS stand damit unter ständigem Differenzierungs- und Entwicklungsdruck und musste sich, da sie auf keine organisatorische Vergangenheit zurückgreifen konnte, auch ihre eigene Tradition und Legitimation selbst erschaffen.1 Das Geschichtsbild und das eigene Selbstverständnis spielten hierbei – wie allgemein im Nationalsozialismus – eine herausragende Rolle. Es wurde versucht, den Angehörigen der SS durch gezielte Schulung (weltanschauliche Schulung) die nationalsozialistische Ideologie und die sich daraus ergebenden Aufgaben und Wertvorstellungen der SS zu verinnerlichen. Der Versuch historischer Legitimation und der Fortführung germanischer Traditionen und Ideale sind hierbei ebenso zu verorten wie die Übernahme und Instrumentalisierung kultischer Handlungen und der Aufbau einer Quasireligion innerhalb der SS. Die nationalsozialistische Interpretation der deutschen und europäischen Geschichte und deren gezielte Mythisierung werden insbesondere im Bezug zum Mittelalter besonders deutlich.

Diese Arbeit soll der Frage nachgehen, welche Rolle das Mittelalter und damit zusammenhängende Themen innerhalb der weltanschaulichen Schulung der SS spielten. Hierzu werden zunächst die weltanschauliche Schulung und deren Entwicklung in der SS dargestellt und erläutert. Folgend wird untersucht, welches Bild die SS vom Mittelalter hatte und innerhalb der weltanschaulichen Schulung zu vermitteln suchte und welches Gewicht das Mittelalter im nationalsozialistischen Geschichtsbild und im Geschichtsbild der SS hatte. Hierzu sollen exemplarisch der ‚Lehrplan für die weltanschauliche Schulung der SS’ und das SS-Lehrbuch ‚Der Weg zum Reich. Geschichte in gröbsten Zügen’ im Bezug auf die Fragestellung untersucht und analysiert werden.

Abschließend soll kurz resümiert werden und ein Verweis weitergehende Fragestellungen erfolgen.

2 Geschichtsbild, NS-Weltanschauung und SS-Schulung

2.1 Verklärung der Geschichte

Die Verklärung historischer Ereignisse und Epochen hat eine lange Tradition. Bereits in der Antike dienten Heldenepen als Beispiele und Orientierungsmuster für Zeitgenossen. Egon Friedell schreibt in seiner ‚Kulturgeschichte der Neuzeit’:

„Jedes Zeitalter, ja fast jede Generation hat eben ein anderes Ideal, und mit dem Ideal ändert sich auch der Blick in die einzelnen großen Abschnitte der Vergangenheit. Er wird, je nachdem, zum verklärenden, vergoldenden, hypostasierenden Blick oder zum vergifteten, schwärzenden, obtrektierenden, zum bösen Blick.“ 2

Insbesondere Deutschland erlebte im 19. Jahrhundert im Zuge der Romantik und der zunehmenden Reichsbestrebungen eine Verklärung des Mittelalters und der des ‚Ersten Reiches’ und seiner Akteure, die während des Wilhelminismus ihren Höhepunkt erreichte. Hierdurch sollten Kontinuitätslinien gezogen werden und suggeriert werden, das Deutsche Reich hätte schon immer bestanden – als Germanenreich, Römisches Kaiserreich deutscher Nation und schließlich als neuzeitliches Kaiserreich. Die Nationalsozialisten griffen diesen Ansatz auf und vertieften seine nationalistischen, rasseideologischen Aspekte.3

2.2 Die NS-Ideologie und die SS

Die Weltanschauung des Nationalsozialismus ist nichts anderes politische Ideologie. Diese als Weltanschauung zu bezeichnen verleiht ihr ein universales Antlitz und differenzier sie von anderen politischen Ideologien.4 Die wesentlichen Elemente der nationalsozialistischen Weltanschauung bzw. der nationalsozialistischen Ideologie sind zunächst unklar, die NSDAP war eine von vielen völkischen, rassistischen und nationalen Gruppierungen. Das 25-Punkte-Programm von 1920 und das 1924 veröffentlichte Mein Kampf bildeten schließlich neben den inhärenten Maximen wie dem Führerprinzip und dem absoluten Gehorsam den Kern der NS-Weltanschauung. Hitler selbst bezeichnet den Nationalsozialismus als „die Aufstellung einer neuen Weltanschauung“.5 Die Ideologie der SS unterschied sich nicht wesentlich von der allgemeinen NS-Ideologie, die SS legte diese allerdings strikter aus und leitete aus der NS-Ideologie Ordensregeln6 für die Mitglieder der SS ab.

2.3 Die weltanschauliche Schulung in der SS

Adolf Hitler schreibt in ‚Mein Kampf’, dass es notwendig sei, jungen Menschen Selbstvertrauen und ein Gefühl der eigenen Überlegenheit einzupflanzen. Neben dieser Textstelle vermerkte Heinrich Himmler: „Erziehung von SS und SA“.7 Das Ziel der weltanschaulichen Erziehung in der SS war es, „aus einer sozial heterogenen Masse ein in jeder Hinsicht homogenes Führerkorps ‚zusammenzuschweißen’“8. Bereits vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und dem damit verbundenen starken Aufwachsen der SS gab es die weltanschauliche Schulung in der SS. In deren Zentrum stand zu Beginn die Erläuterung der rassepolitischen Aufgaben der SS mit den sich hieraus ergebenden Themen Bevölkerungspolitik, Erbgesundheitsfragen, Rassenkunde und Gattenwahl im Vordergrund.9 Laut Äußerungen des Chefs des SS-Schulungsamts Caesar10, wurden die Schulungsinhalte später sowohl auf die „Grundlagen des nationalsozialistischen Weltanschauungsbildes“11 als auch „geschichtliche Themen“12 ausgedehnt worden. Den geschichtlichen Themen kam hierbei die Rolle zu, „aus ihnen die Einstellung des Nationalsozialismus zu allen Dingen des politischen Lebens zu entnehmen.“13 Hier zeigt sich die Bedeutung des Geschichtsbildes und seiner Vermittlung als Instrument zur politischen und ideologischen Beeinflussung im Nationalsozialismus und speziell innerhalb der weltanschaulichen Schulung der SS.

Die weltanschauliche Schulung wurde insbesondere als regelmäßiger und verpflichtender ‚weltanschaulicher Unterricht’ in den einzelnen SS-Gliederungen durchgeführt. Das Rasse- und Siedlungshauptamt wies 1936 an, dass der Unterricht in jedem SS-Sturm zweimal wöchentlich zu je 40 Minuten stattzufinden habe.14 Als Schulungsmaterial standen Lichtbildvorträge und Filme, SS-Leithefte und SS-Handblätter zur Verfügung. Später wurde der Unterricht durch im Rahmen der Truppenbetreuung durchgeführte gesellige Veranstaltungen wie Kameradschafts- und Sippenabend sowie Theater- und Kinobesuche ergänzt. Hier wurden die teilnehmenden SS-Angehörigen und deren Familienmitglieder indirekt durch die Schulungsleiter beeinflusst.15

Trotz der Widrigkeiten des Kriegsverlaufes und der sich daraus ergebenden Priorität der militärischen (und nicht weltanschaulich-ideologischen) Schulung und Ausbildung der SS-Angehörigen hielt die weltanschauliche Schulung in der SS bis 1945 an. Die Bemühungen der SS-Führung, die Schulungen fortwährend zu standardisieren und zu optimieren, werden unter anderem durch den umfangreichen Lehrplan belegt, der erst im Jahr 1944 erarbeitet worden sein dürfte und der nicht nur die Gliederung des zu vermittelnden Ausbildungsinhaltes vornimmt sondern auch sehr genau diesen Inhalt vorgibt und beschreibt – insofern handelt es sich auch um ein Lehrbuch, nicht nur einen Lehrplan.16

3 Das Mittelalterbild der SS

3.1 Quellenanalyse

Im nachfolgenden Abschnitt sollen exemplarisch zwei Quellen zur Fragestellung der Bedeutung des Mittelalters in der weltanschaulichen Schulung der SS untersucht werden.

3.1.1 Lehrplan

Der bei einer Untersuchung der Universität Tübingen durch Gerd Simon analysierte und editierte (die Seitenangaben dieser Arbeit beziehen sich auf die Edition der Universität Tübingen), durch das SS-Hauptamt erarbeitete und herausgegebene ‚Lehrplan für die weltanschauliche Erziehung in der SS und Polizei’ trägt keinen Verfasser und keine Jahresangabe. Er gliedert sich in die vier Hauptabschnitte (mit Angabe des festgesetzten Stundenumfanges): 17

I .Die SS, Geschichte und Aufgabe (4 Stunden)
II. Europa und das Reich (12 Stunden)
III. Der Führer, sein Leben und seine Bedeutung für Europa (10 Stunden)
IV. Die lebensgesetzlichen Grundlagen unserer Weltanschauung (8 Stunden)

Der Hauptabschnitt II. Europa und das Reich ist für die Fragestellung relevant, da er sich mit der Epoche des Mittelalters befasst. Der Abschnitt bezeichnet Europa als Festung, die „in unseren Tagen (von) europafremden Mächten aus Ost und West“18 bedroht sei und beschreibt die „Notwendigkeit des Zusammenschlusses“19. Aufgabe des Abschnittes sei es, „an Hand der geschichtlichen Entwicklung die Grundlagen des europäischen Kontinentalbewusstseins aufzuzeigen, von welchem die kommende Neuordnung ihren Ausgang nehmen soll“20. Hier wird deutlich, dass nach Sicht der Nationalsozialisten der von Deutschland entfachte Zweite Weltkrieg nichts anderes gewesen sein sollte, als ein europäischer Einigungskrieg unter der Führung des Deutschen Reiches;

„Europa als Ganzes steht und fällt mit dem Vorhandensein einer ordnenden und führenden Macht, die im Innern seine zahlreichen Spannungen ausgleicht und seine so verwundbaren Grenzen nach außen abschirmt“ 21

[...]


1 Vgl. Thamer 1994, S. 365

2 Friedell 2012, o.S.

3 Vgl. Kammeier 1940, o.S.

4 Vgl. Stein 2004, S. 19.

5 Vgl. ebd.

6 Ordensregeln bezeichnen die Ziele, Verhaltensanweisungen und Regeln innerhalb religiöser Ordensgemeinschaften. Die SS sah sich in Abgrenzung zu gewöhnlichen staatlichen und politischen Gliederungen als Orden. Vgl. hierzu SS-Oberabschnitt West 1938

7 Vgl. Matthäus 2003, S. 21 und Stein 2004, S. 24.

8 Wegner 1982, S. 185.

9 Vgl. ebenda, S. 186.

10 Joachim Heinrich Ferdinand Caesar (1901-1974), SS-Oberführer, Inspekteur für die weltanschauliche Schulung, war seit April 1937 als Leiter des Schulungsamtes im Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA) verantwortlich für die SS-Leithefte und den Unterricht in der SS; vgl. Klee 2007

11 Vgl. Wegner 1982, S. 186

12 Ebd.

13 Ebd.

14 Vgl. Matthäus 2003, S. 149 f.

15 Vgl. Stein 2004, S. 41.

16 Vgl. Simon 1999-2007, S. 1., sowie diese Arbeit, Abschnitt 3.1.1.

17 Vgl. ebenda.

18 Vgl. Simon 1999-2007, S. 16.

19 Ebenda.

20 Ebenda.

21 Ebenda.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Mittelalter in der weltanschaulichen Schulung der SS
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Neuere Neueste Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V286282
ISBN (eBook)
9783656865223
ISBN (Buch)
9783656865230
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mittelalter, schulung
Arbeit zitieren
Alexander Würth (Autor), 2014, Das Mittelalter in der weltanschaulichen Schulung der SS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286282

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