In der frühen Entwicklung der gotischen Kathedrale in den Gebieten der Île-de-France und Picardie nimmt die Kathedrale Notre-Dame de Laon eine sehr fortschrittliche und zukunftsweisende Position ein. Die dreischiffige Emporenbasilika mit Doppelturmfassade im Westen und einem flachen Chorabschluss im Osten wurde von 1155/60 bis 1220 erbaut. Charakteristisch ist für sie der starke Kontrast zwischen dem kraftvollen, wehrhaften Außenbau und dem hellen, sehr homogen wirkenden Innenraum.
Die Westfassade der Kathedrale von Laon gilt als eine der bekanntesten Kompositionen der mittelalterlichen Architektur. Im historischen Kontext der Entwicklungen der frühen Gotik in Nordfrankreich stellte sie mit ihrem Typus eine Neuerung vor, der stark auf spätere Kathedralen wie Reims, Amiens oder Bourges einwirkte. Doch nicht nur hinsichtlich ihrer Komposition, sondern auch hinsichtlich des Skulpturenprogramms und des Skulpturenstils ist die Laoner Westfassade fortschrittlich. Um diese Neuerungen herauszustellen werden die hauptsächlichen frühgotischen Entwicklungen anhand der Bauten von St.-Denis, Chartres/West, Sens und Senlis aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Entwicklung von St.-Denis bis Laon
1. Komposition
1.1. St.-Denis (1137 – 1140)
1.2. Chartres, Senlis, Sens
1.2.1. Chartres (nach 1134 – vor 1158)
1.2.2. Senlis (1153 – 1191)
1.2.3. Sens (1185 – 1205)
2. Skulpturenprogramme
2.1. St.-Denis
2.2. Chartres/West
2.3. Senlis
3. Skulpturenstil
3.1. St.-Denis
3.2. Chartres/West
3.3. Senlis
III. Die Westfassade der Kathedrale von Laon
1. Komposition
2. Skulpturenprogramm
2.1. Mittelportal
2.2. Linkes Seitenportal
2.3. Rechtes Seitenportal
2.4. Seitenfenster im Rosengeschoss
2.5. Türme
3. Skulpturenstil
3.1. Exkurs: Der "Stil 1200"
3.2. Skulpturenstil
IV. Zusammenfassung – Fazit – Aussicht
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die architektonische und skulpturale Entwicklung der Westfassade der Kathedrale Notre-Dame de Laon im Kontext der frühgotischen Kathedralbaukunst in Nordfrankreich, unter besonderer Berücksichtigung ihrer stilistischen und kompositionellen Neuerungen im Vergleich zu den Bauten von St.-Denis, Chartres, Senlis und Sens.
- Kompositionelle Analyse der Westfassade von Laon
- Untersuchung des Skulpturenprogramms und der ikonographischen Bedeutung
- Charakterisierung des Skulpturenstils ("Stil 1200")
- Vergleich der Laoner Architektur mit frühgotischen Vorbildern
Auszug aus dem Buch
1.1. St.-Denis (1137 – 1140)
Bereits 1125 stellte Abt Suger das Geld für die Westfassade zur Verfügung, mit deren Bau 1137 begonnen wurde. Die Westfassade ist einer Vorhalle von zwei Jochen Tiefe und drei Jochen Breite vorgelagert. Nach drei Jahren wurden die Arbeiten am Westbau gestoppt, Suger ließ stattdessen den Chor beginnen. Somit war die Westfassade von St.-Denis bei der Weihung 1140 nicht vollendet.
Oft wird die Fassade mit denen der Kirchen St. Trinité und St.Étienne in Caen, die Suger sicher gekannt hatte, verglichen.
Horizontal und vertikal ist die Fassade in drei Abschnitte gegliedert, wobei die Mitte immer betont ist. Im untersten Geschoss dominiert das Mittelportal beide Seitenportale in Höhe und Breite. Das zweite Geschoss, in dem Kapellen eingerichtet sind, beginnt dementsprechend in der Mitte auf einer höheren Ebene als in den Seiten. Es kennzeichnet sich in allen Abschnitten durch drei Fenster, von denen das mittlere jeweils verglast ist, flankiert von je einem steinernen. Das Geschoss ist im nördlichen und südlichen Teil der Fassade äußerst klein, in der Mitte dominant hoch und breit. Im obersten, dritten Geschoss holen die beiden Seiten die Höhe durch lange hohe Fenster wieder auf, wobei nun, das zweite Geschoss kontrastierend, das mittlere Fenster steinern ist und die beiden äußeren verglast. Über den drei Fenstern finden sich an beiden Seiten je vier Blendarkaden, von denen jede ein Figurenrelief enthält. Es sind Apostel dargestellt, doch stammt dieser Zusatz aus der Zeit der Restaurierung unter Debret im 19. Jahrhundert. In der Mitte ist im obersten Geschoss die Fensterrose angebracht. Ihr Maßwerk wurde im 13. Jahrhundert erneuert, ihre ursprüngliche Innengliederung ist unbekannt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel verortet die Kathedrale von Laon innerhalb der frühgotischen Architektur und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die genutzte Literatur.
II. Die Entwicklung von St.-Denis bis Laon: Hier werden die kompositionellen, skulpturalen und stilistischen Grundlagen der frühgotischen Kathedralen anhand von St.-Denis, Chartres, Senlis und Sens analysiert.
III. Die Westfassade der Kathedrale von Laon: Das Hauptkapitel untersucht detailliert die spezifische Komposition, das ikonographische Skulpturenprogramm sowie den Stil der Laoner Westfront.
IV. Zusammenfassung – Fazit – Aussicht: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, der historische Einfluss von Laon gewürdigt und offene Forschungsfragen skizziert.
Schlüsselwörter
Laon, Kathedrale, Frühgotik, Westfassade, Skulptur, Komposition, St.-Denis, Chartres, Senlis, Marienkrönung, Stil 1200, Skulpturenprogramm, Architektur, Ikonographie, Kathedralbau
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Westfassade der Kathedrale Notre-Dame de Laon und ihre Rolle als zukunftsweisendes Modell innerhalb der frühgotischen Architektur Nordfrankreichs.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Fassadenkomposition, das ikonographische Skulpturenprogramm sowie die stilistische Entwicklung, insbesondere der Übergang zum sogenannten "Stil 1200".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Neuerungen der Laoner Fassade herauszuarbeiten und durch einen chronologischen Vergleich mit den Bauten von St.-Denis, Chartres, Senlis und Sens einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine chronologische Analyse der Architektur- und Skulpturentwicklung unter Einbeziehung kunsthistorischer Grundlagenliteratur und restaurierungskritischer Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine vergleichende Untersuchung früherer Kathedralbauten und eine detaillierte Analyse der Laoner Westfassade inklusive ihrer Portale, Fensterrosen und skulpturalen Details.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Frühgotik", "Doppelturmfassade", "Stil 1200", "Marienkrönung" und "ikonographisches Programm" charakterisiert.
Welche Bedeutung haben die Ochsenstatuen auf den Türmen von Laon?
Die sechzehn Ochsenstatuen sind eine Besonderheit von Laon, deren exakte ikonographische Bedeutung bis heute nicht abschließend geklärt ist, wobei legendarische Deutungen in der Forschung diskutiert werden.
Was unterscheidet den "Stil 1200" von antikem Einfluss?
Obwohl der Stil oft "antikisierend" genannt wird, fand keine direkte Übernahme antiker Merkmale statt; es handelt sich vielmehr um ein neues Interesse an Körperlichkeit und Bewegung, das sich aus verschiedenen künstlerischen Strömungen speist.
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- Sebastian Halle (Autor), 2012, Die Westfassade der Kathedrale Notre-Dame de Laon, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286560