[…], daß die Maßnahmen, die Brüning vorbereitet,
Schritte zur Aufrichtung der faschistischen Diktatur sind.
(Wilhelm Koenen, Zit. nach Winkler: Weimar, S. 381.)
Die folgende Hausarbeit soll ergründen, was Wilhelm Koenen in oben angeführtem Zitat nur anreißt. Die größte Zäsur in der jüngeren deutschen Geschichte beginnt mit dem 30. Januar 1933, dem Tag, an dem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Dieses Datum gilt gleichzeitig auch als Ende der ersten deutschen Demokratie, die ab dann in die nationalsozialistische Diktatur und schließlich in den Zweiten Weltkrieg mündet. Die Frage, welche die Geschichtsforschung seit 1945 wohl am Meisten beschäftigt, ist die nach den Ursachen für solch eine Entwicklung. Im Fokus dieser Arbeit steht hierbei die Notverordnungspolitik Heinrich Brünings, die, so meine These, entscheidend zur Aushöhlung des parlamentarischen Systems beigetragen und somit den Weg in die faschistische Diktatur geebnet hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 These und Fragestellung
1.2 Historische Einordnung
1.3 Forschungsstand und Quellenlage
2. Chronik des Kabinetts Brüning
2.1 Bruch mit der Großen Koalition
2.2 Anfänge der Regierung Brüning
2.3 Der Weg ins Präsidialsystem
2.4 Bruch mit Hindenburg und der Sturz Brünings
3. Wege zur Diktatur
3.1 Weimarer Reichsverfassung
3.2 Der personale Faktor
3.2.1 Die Rolle der SPD
3.2.2 Die Rolle Hindenburgs
3.2.3 Die Rolle Brünings
3.3 Kurzer Ausblick
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Notverordnungspolitik unter Reichskanzler Heinrich Brüning das parlamentarische System der Weimarer Republik aushöhlte und somit den Übergang zur nationalsozialistischen Diktatur begünstigte.
- Die Rolle der Notverordnungen gemäß Artikel 48 der Weimarer Reichsverfassung.
- Der Prozess der Entparlamentarisierung und der Weg in das Präsidialsystem.
- Das politische Handeln und der Einfluss von Heinrich Brüning und Paul von Hindenburg.
- Die Tolerierungspolitik der SPD als Reaktion auf die erstarkenden radikalen Kräfte.
- Die multikausalen Gründe für das Scheitern der ersten deutschen Demokratie.
Auszug aus dem Buch
2.1 Bruch mit der Großen Koalition
Am 27. März 1930 gab die letzte parlamentarische Regierung der Weimarer Republik ihre Demission bekannt. Die Große Koalition unter Reichskanzler Hermann Müller (SPD) hatte von dort an ihre Chance auf Mitwirkung in der ersten deutschen Demokratie verspielt. Gemeint ist damit eine beginnende Verschiebung der Machtbalance innerhalb des politischen Systems der Weimarer Demokratie zu Ungunsten des Parlaments und zugunsten von autoritären Kräften. Rudolf Hilferding kommentierte die politische Lage dieser Tage in einem Artikel der Frankfurter Zeitung wie folgt:
Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn das Parlament sich seiner grundlegendsten und wichtigsten Funktion versagt, nämlich eine Regierung zu bilden, die Macht des Reichspräsidenten sich auf Kosten und durch Schuld des Parlaments erweitert und der Reichspräsident Funktionen ausüben muss, die zu erfüllen sich der Reichstag versagt.
Hilferding, der von 1928 bis 1929 Reichsfinanzminister war, bringt hier zwei wesentliche Punkte zur Sprache. Zum einen verweist er auf die Unfähigkeit des Parlaments eine Regierung zu bilden, was darauf zurückzuführen ist, dass die Große Koalition an einer aus heutiger Sicht unverhältnismäßigen Kompromissunfähigkeit gescheitert ist. SPD und DVP konnten sich im Zuge der Diskussion um die Deckungsvorlage bei der Beitragserhöhung der Arbeitslosenversicherung nicht auf einen halben Prozentpunkt einigen. Natürlich greifen immer mehrere Faktoren ineinander, doch letztendlich wird in der Forschung das Scheitern dieser Regierung an eben jenem Ereignis festgemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt die Forschungsfrage nach den Ursachen für den Zusammenbruch der Weimarer Republik dar und fokussiert dabei die Rolle von Brünings Notverordnungspolitik.
2. Chronik des Kabinetts Brüning: Dieses Kapitel zeichnet den Weg vom Ende der parlamentarischen Koalitionsregierung hin zum autoritären Präsidialsystem unter Brüning und Hindenburg nach.
3. Wege zur Diktatur: Hier werden die strukturellen Schwächen der Verfassung sowie die handelnden Personen (Brüning, Hindenburg, SPD) analysiert, die den Übergang zur Diktatur maßgeblich beeinflussten.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Brünings Politik einen entscheidenden, wenn auch nicht alleinigen Beitrag zur Aushöhlung der Demokratie leistete und eine neue Verfassungswirklichkeit schuf.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Heinrich Brüning, Notverordnung, Artikel 48, Präsidialsystem, Reichstag, Nationalsozialismus, Hindenburg, SPD, Parlamentarismus, Verfassungswandel, Diktatur, Regierungssturz, Wirtschaftskrise, Reparationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Entwicklung in der Endphase der Weimarer Republik, insbesondere das Regieren durch Notverordnungen unter Heinrich Brüning.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Aushöhlung des Parlamentarismus, die Rolle des Reichspräsidenten Hindenburg und die Verschiebung hin zu autoritären Machtstrukturen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob und inwiefern Brünings Notverordnungspolitik den Weg zur nationalsozialistischen Diktatur geebnet hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen, Memoiren und moderner geschichtswissenschaftlicher Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Darstellung der Regierung Brüning sowie eine thematische Analyse der verfassungsrechtlichen und personalen Faktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Notverordnungspolitik, Präsidialsystem, Artikel 48 der WRV und der Auflösungsprozess der Weimarer Demokratie.
Warum wird der "Bruch mit der Großen Koalition" als so bedeutend angesehen?
Dieser Bruch markierte das Ende der letzten parlamentarisch legitimierten Regierung und leitete die Machtverschiebung zugunsten des Reichspräsidenten ein.
Welche Rolle spielte die SPD bei der Tolerierung Brünings?
Die SPD tolerierte Brüning als "kleineres Übel", um eine Regierungsbeteiligung der NSDAP zu verhindern und den Fortbestand der Verfassung zu sichern.
Warum konnte Hindenburg Brüning so leicht entlassen?
Brüning war bei seiner Regierungsführung fast vollständig vom Vertrauen des Reichspräsidenten abhängig, was ihn zu einer schwachen Figur machte, sobald Hindenburg den Kurs ändern wollte.
- Citation du texte
- Jennifer Novak (Auteur), 2009, Hat Heinrich Brüning der nationalsozialistischen Diktatur den Weg geebnet? Die Bedeutung der Notverordnungen in der Ära Brüning, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286963